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Niedriglöhne in Österreich: 1.700 Euro Mindestlohn bleiben Ziel

Rund jede/-r zehnte Beschäftigte in Österreich hat 2016 bei ganzjähriger Vollzeit höchstens 1.700 Euro brutto verdient. 2006 war davon noch jede/-r vierte Arbeitnehmer/-in betroffen. Damit hat sich der Anteil der Niedrigentlohnten im letzten Jahrzehnt mehr als halbiert. Der Rückgang der Niedriglöhne ist ein lohnpolitischer Erfolg der Gewerkschaften. Nun geht es darum, dass die kollektivvertraglichen Mindestlöhne rasch und flächendeckend auf 1.700 Euro brutto angehoben werden.

Mindestlohn bringt allen etwas

1.700 Euro brutto 14-mal im Jahr entsprechen etwa 10 Euro in der Stunde. Ein höherer kollektivvertraglicher Vollzeit-Mindestlohn kommt auch jenen Beschäftigten zugute, die einen geringentlohnten Teilzeitjob haben, da ihre Stundenlöhne ansteigen.

Etwas mehr als die Hälfte der Beschäftigten in Österreich hat einen ganzjährigen Vollzeitjob. Hochgerechnet auf alle Beschäftigten, also auf auch die andere Beschäftigtenhälfte, die während des Jahres Berufsunterbrechungen oder einen Teilzeitjob hat, waren 2016 deutlich mehr als 400.000 Beschäftigte niedrigentlohnt.

Niedriglöhne sind Frauensache

Während nur mehr rund 7 Prozent der ganzjährig vollzeitbeschäftigten Männer weniger als 1.700 Euro brutto pro Monat erhalten, sind mit rund 17 Prozent anteilsmäßig doppelt so viele Frauen betroffen. 1.500 Euro trotz ganzjährigem Vollzeitjob ist für 4 Prozent der Männer, aber 9 Prozent der Frauen der Maximallohn.

Ein Blick zurück zeigt, dass sich bei beiden Geschlechtern die Betroffenenanteile halbiert haben: 10 Jahre zuvor verdiente noch mehr als jede 3. vollzeitbeschäftigte Frau (39 Prozent) und 15 Prozent der Männer weniger als 1.700 Euro. Mit maximal 1.500 Euro Monatsbrutto wurden damals noch mehr als ein Viertel der Frauen (28 Prozent) und 8 Prozent der Männer entlohnt.

Bundesländer im Vergleich

Die Anteile der 2016 bei ganzjähriger Vollzeit bis zu 1700 € Brutto-Entlohnten reichen von gesamt 12 Prozent in Wien bis knapp 9 Prozent in Niederösterreich. Dass Frauen häufiger als Männer niedrig entlohnt werden zeigt auch der regionale Blick: Die Personen-Anteile reichen von 19 Prozent in Salzburg bis 14 Prozent in Wien. Die relativ meisten niedrig entlohnen Männer leben in Wien - jeder 10. ist davon betroffen, am wenigsten trifft es die Vorarlberger Männer mit 4 Prozent:

Hotel- und Gastgewerbe trauriger Spitzenreiter

Die Branche mit dem höchsten Anteil an Niedrigentlohnten - gemessen an allen in der Branche ganzjährig Vollzeitbeschäftigten - ist das Hotel- und Gastgewerbe:

  • Österreichweit verdiente 2016 knapp jede/-r zweite Beschäftigte (48 Prozent) in diesem Bereich weniger als 1.700 Euro monatlich für Vollzeitarbeit. Für mehr als ein Viertel (29 Prozent) war 1.500 Euro der Maximallohn.

  • In der sehr heterogenen Branche „sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen“, zu denen die Gebäudereinigung oder die Arbeitskräfteüberlassung gehören, erhalten mehr als ein Fünftel der Vollzeitbeschäftigten weniger als 1.700 Euro.

  • Im Handel sind es rund 15 Prozent. Insgesamt arbeiten in den 3 Branchen mehr als 100.000 Niedrigentlohnte.

Kollektivverträge bringen Wettbewerbsvorteil

Österreichs international anerkannter Vorteil besteht darin, dass fast alle Beschäftigten durch Kollektivverträge geschützt werden. Das nützt Arbeitnehmern/-innen und Unternehmen:

Die gemeinsam von Gewerkschaften und Wirtschaftsverbänden ausverhandelten Mindeststandards beim Lohn, bei der Arbeitszeit und bei anderen Arbeitsbedingungen schützen vor unfairer Billigkonkurrenz. Die sozialpartnerschaftliche Einigung auf 1.500 Euro Mindestlohn in allen Branchen bis spätestens Ende 2019 ist ein Beitrag zur Verhinderung einer volkswirtschaftlich schädlichen Abwärtsspirale.

Die AK fordert einmal mehr von der Wirtschaftskammer sowie den Kammern der freien Berufe und den freiwilligen Berufsverbänden eine rasche Umsetzung dieser Vereinbarung.

Dies ist allerdings nur ein längst überfälliger Zwischenschritt auf dem Weg zum aktuellen gewerkschaftlichen Mindestlohnziel in Höhe von 1.700 Euro brutto monatlich 14-mal im Jahr.

Daher

Das schützt die Menschen vor Armutslöhnen und sorgt bei den Unternehmen für gerechten Wettbewerb.

Lohndumping endlich streng bestrafen

Österreich gehört zu den reichsten Ländern der Welt. Den Wohlstand schaffen die arbeitenden Menschen. Und dabei werden diese immer produktiver. Doch die Früchte der Arbeit sind ungerecht verteilt. Ein großer Teil fließt in Unternehmensgewinne oder als Dividende direkt in die Taschen der Unternehmenseigner/-innen. Zugleich sind Hunderttausende von niedrigen Löhnen betroffen. Und auch „Working poor“, also Arme oder Armutsgefährdete trotz Erwerbstätigkeit, sind in Österreich traurige Realität.

Die Beschäftigten haben sich faire Löhne verdient, die sich an der hohen Produktivität orientieren. Außerdem müssen schwarze Schafe, die systematisch zu wenig zahlen, streng bestraft werden. Das Lohn- und Sozialdumping-Bekämpfungsgesetz muss rigoros angewandt werden und darf keinesfalls - wie von der Regierung geplant - aufgeweicht werden.

Das sind unsere Datenquellen

Aufgrund lohnpolitischer Verhandlungserfolge der Gewerkschaften sind Jahr für Jahr immer weniger von niedriger Entlohnung betroffen. Statistiken dazu sind kaum vorhanden. Daher hat die AK OÖ eine Sonderauswertung der Statistik Austria beauftragt und Daten analysiert, wie viele Personen 2016 (das ist das aktuellste Jahr, für das Statistiken verfügbar sind) weniger als die aktuelle gewerkschaftlichen „Zielmarke“ einer Lohnuntergrenze von 1.700 Euro brutto verdienen.

Die Angaben beziehen sich auf alle lohnsteuerpflichtigen Arbeitnehmer/-innen mit ganzjähriger Vollzeitbeschäftigung ohne Lehrlinge. Datenbasis sind deren adaptierte Jahresbruttobezüge (= Brutto ohne Bezüge gemäß Einkommenssteuergesetz § 67 Abs. 3-8, das sind zum Beispiel Abfertigungen) beziehungsweise das Jahres-Vierzehntel. 

Managergehälter

1,5 Millionen € - so viel verdiente im Schnitt ein Vorstand eines ATX-Unternehmens im Vorjahr. Das entspricht dem 51-fachen Medianeinkommen.

Mehr Löhne und Gehälter für Beschäftigte

Obwohl es mit der Wirtschaft steil bergauf geht, bekommen die Beschäftigten in den letzten 2 Jahren weniger bezahlt.

Verteilungs-Schieflage in OÖ - Studie

Die Ungleichheit der Einkommensverteilung in Oberösterreich nimmt zu. Das belegt eine Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts (WIFO)

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