Privat­versicherungen zu unsicher

Die meisten bisherigen Versuche, Pensionssysteme auf "private Beine" zu stellen, sind bislang zum Nachteil der Versicherten gescheitert.

  • Nur ein Teil der Versicherten hat überhaupt Zugang zu einer Betriebspension beziehungsweise kann sich zusätzliche Prämienzahlungen für eine private Pensionsversicherung leisten. 

  • Die Verwaltungskosten bei den privaten Versicherungen sind mit einem Anteil von bis zu einem Drittel ein Vielfaches höher als bei der gesetzlichen Pensionsversicherung  mit 2 Prozent.

  • Zu Beginn der Laufzeit werden nur 7 von 10 Euro tatsächlich veranlagt.

  • Beiträge für private Pensionen nach dem Kapitaldeckungsverfahren werden auf den Finanzmärkten veranlagt und sind daher in einem hohen Ausmaß Spekulationsrisiken und Krisen ausgesetzt. 

Beispiel Österreich: Versicherte zahlen drauf

Was bei einer private Versicherung alles schief gehen kann, zeigt in Österreich etwa das Schicksal der sogenannten "Grasser-Pension". Die Versicherten tragen das volle Veranlagungsrisiko, da die Mindestertragsgarantie für Pensionen 2005 abgeschafft wurde. Und durch Beschluss der jetzigen Bundesregierung gibt es seit Jahresanfang 2019 auch kein Limit mehr für riskante Veranlagungen in Aktien oder Fremdwährung! 

  • Wenn die Performance schlecht ist, kommt es automatisch zu Pensionskürzungen. Sämtliche private und betriebliche Pensionspolizzen sind aktuell im Minus.

  • 2019 drohen den Beziehern/-innen von Betriebspensionen deshalb zum wiederholten Mal saftige Bezugskürzungen, und zwar um bis zu 16 Prozent.

  • Trotz dieser Nachteile schießt der Staat bei den Privatpensionen einen erheblichen Betrag an Steuergeldern zu. Laut einer WIFO- Studie im Auftrag des Sozialministeriums vom September 2017 zwischen 1,3 und 2 Milliarden Euro. Geld, die im Sinne einer gerechteren Umverteilung besser in das gesetzliche Pensionssystem investiert wären. 
Privatpensionen bieten keineswegs eine verlässliche, existenzsichernde Altersvorsorge. Sie sind daher nur für Besserverdienende geeignet, deren Existenz nicht vom Risiko einer ungewissen Rentenzahlung und eines realen Wertverlustes abhängt.

Vertrauen stärken statt Spekulation fördern

Umso wichtiger ist es, das Vertrauen – vor allem der jungen Generation – in die „erste Säule“, in das gesetzliche Pensionssystem, sprich in das Umlageverfahren und den Generationenvertrag zu stärken. Genau das soll mit der Bürgerinitiative bewirkt werden.

Deutschland als schlechtes Beispiel

Unser Nachbarland mit seinem mittlerweile ausgebauten „3-SäulenModell“ zeigt, wie hoch das Risiko von Pensionskürzungen aufgrund Turbulenzen auf den Finanzmärkten ist.  

Deutschland droht in den kommenden Jahrzehnten ein massives Ansteigen der Altersarmut. Selbst bei lückenlosem Versicherungsverlauf beträgt die Nettopension in Deutschland im Schnitt nur rund 50 Prozent des durchschnittlichen Nettoeinkommens, bezogen auf das ganze Erwerbsleben. Hierzulande beträgt sie de facto rund 80 Prozent des letzten Netto-Lohns.

Rund 20 der 30 Länder, die ihre Rentensysteme weitgehend oder vollständig privatisiert haben, kehren mittlerweile wieder in ein staatlich gesichertes System der Altersvorsorge zurück.

In einer Studie der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) aus dem Jahr 2018 wurden Fallstudien von 15 Ländern analysiert: mit einer vernichtenden Bilanz. In allen Ländern kam es zu deutlichen Marktkonzentrationen mit einer Dominanz großer ausländischer Finanzinstitute.

Die sehr hohen Kosten der gewinnorientierten Pensionsfonds und Versicherungen hatten niedrige Rentenhöhen zur Folge und damit einen deutlichen Anstieg der Altersarmut. Anlage- und Inflationsrisiko schlugen voll auf die Rentenhöhen durch.

Die Pensionssicherungsplattform will verhindern, dass in Österreich das Pensionssystem in ähnlicher Weise an die Wand gefahren wird.

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