21.07.2020

Frauen­pensionen: AK fordert Fairness und Sich­erheit im Alter

Von den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise sind Frauen ganz besonders stark betroffen. Durch Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit verringert sich ihr Einkommen enorm. Das wird dramatische Aus­wirkungen auf die Höhe ihrer Alterspension haben. Aber nicht nur die Corona-Pandemie bringt vielen Frauen langfristig böse finanzielle Überraschungen: Viel Teil­zeitarbeit und der lebenslange Durchrechnungszeitraum sind entscheidend für die Höhe der Frauenpensionen. Sie vermindern diese stark.

Corona-Krise trifft Frauen besonders hart

Der größte Anstieg der Arbeitslosigkeit seit 70 Jahren trifft besonders Frauen. Die Zahl der arbeitslosen Frauen stieg in Oberösterreich im Juni im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 56 Prozent. Zusätzlich mussten zigtausende Frauen in den letzten Monaten Kurz­arbeit in Kauf nehmen. Viele haben Angst, ob die Rückkehr zu gewohnten Arbeitszeiten oder eine Aufstockung der Arbeitsstunden möglich wird.

Frauen arbeiten länger, als sie müssten

In den letzten Jahren stieg das Pensionsantrittsalter bei Frauen ohnehin stetig an. So arbeiteten unselbständig erwerbstätige Frauen im Jahr 2018 bereits um ein halbes Jahr länger als gesetzlich vorgesehen. Sie gingen durchschnittlich mit 60,5 Jahren in Pension. Diese Entwicklung zeigt folgende Grafik:


Durchschnittliches Pensions­antrittsalter österreichischer Arbeitnehmerinnen

Noch können Frauen in Österreich mit 60 Jahren in Pension gehen – 5 Jahre früher als Männer. Ab 2024 wird das Frauenpensionsalter in Halbjahresschritten auf 65 Jahre angehoben. Frauen, die ab 2. März 1968 geboren sind, erreichen erst mit 65 Jahren ihr Regelpensionsalter. Und dass obwohl Frauen noch immer strukturell diskriminiert werden.

Frauen verdienen weniger als Männer

Frauen verdienen deutlich weniger als Männer. Besonders groß ist der Unterschied in Ober­österreich – er beträgt mehr als ein Drittel (36,6 Prozent). Nur in Vorarlberg ist der Abstand größer. Das Brutto-Medianeinkommen der Arbeiterinnen und weiblichen Angestellten betrug 2018 1.784 Euro, bei den Männern 2.782 Euro. Das sind rund 1.000 Euro mehr pro Monat!

„Dazu­verdienen“ ist meist zu wenig

Der oberösterreichische Arbeitsmarkt teilt sich in einen produzierenden Sektor – mehrheitlich Männer – und in einen Dienstleistungssektor – mehrheitlich Frauen (2019: 82 Prozent). Während man in der Pro­duktion viel verdient, werden Dienstleistungen (Gesundheits- und Sozialberufe, Handel, Gastronomie und Tourismus, Kosmetik, …) schlecht bezahlt. Das Erwerbseinkommen von Frauen ist oft zu wenig, um die Lebens­erhaltungskosten zu bestreiten. Es wird immer wieder auch nur als „Dazuverdienen“ zum Familieneinkommen betrachtet. Nach wie vor verrichten Frauen zusätzlich den größten Teil der unbezahlten Versorgungsarbeit (Kinderbetreuung, Hausarbeit oder Pflege von Angehörigen).

Die Teilzeitarbeit ist für viele Frauen fast Normalität. In Oberösterreich hatten 2017 nur mehr 48,7 Prozent der Frauen einen Vollzeit-Arbeits­platz. Mehr als die Hälfte der Frauen arbeitet also mittlerweile in Teilzeit.

Auch hier liegt Oberösterreich im Bundesländervergleich im hinteren Drittel, wie auch die folgende Grafik zeigt:


Teilzeit und Berufs­unterbrechungen (Kindererziehung und/oder Pflege und Betreuung von Angehörigen) führen zu Versicherungslücken und drücken die Pensionshöhe. Zusätzliche Verschlechterungen hat die Pensionssicherungsreform von 2003 für die Frauen gebracht. Denn die „Lebensdurchrechnung“ schmälert die ohnehin schon geringen Frauenpensionen.

2019 betrug die durchschnittliche Pensionshöhe aller Direkt­pensionen (ohne Hinterbliebenenpensionen) der unselbständig beschäftigten Frauen in Oberösterreich rund 1.085 Euro und lag damit um ganze 46 Prozent (900 (!) Euro) unter jenen der Männer (1.981 Euro). Auf das Jahr gerechnet macht das einen Unterschied von rund 12.500 Euro aus!

Teilzeit, Einkommen und „Lebensdurchrechnung“ – ein Beispiel

Wie sich das alles auf Frauen­pensionen auswirkt, zeigt folgendes Beispiel in 2 Varianten recht deutlich:

Die am 30. Jänner 1980 geborene Doris M. beginnt mit 16 Jahren eine Lehre. Mit 28 Jahren bekommt sie ihr erstes Kind, mit 36 Jahren das zweite. Nach der Geburt des zweiten Kindes werden ihr 4 Jahre Kindererziehungszeiten angerechnet – weil sie bereits nach 2 Jahren wiedereinsteigt – parallel zu den Kindererziehungszeiten Versicherungs­zeiten aus der 20 stündigen Teilzeitarbeit dazu. Nach diesen 2 Jahren arbeitet Doris M. noch 5 weitere Jahre mit 20 Wochenstunden in Teilzeit weiter und erhöht dann für 6 Jahre ihre Arbeitszeit auf ein Ausmaß von 30 Wochenstunden. Danach arbeitet sie bis zu ihrer Pension Vollzeit. Sie erhält einen Vollzeit-Lohn in Höhe von 2.821 Euro. (Die Berechnung des Vollzeitlohnes bezieht sich auf das derzeitige Median-Vollzeit-Einkommen, das im Jahr 2020 laut Statistik Austria 2.821 Euro ausmacht.)

Die Konto-Erstgutschrift, die Doris M. von der Pensionsversicherungsanstalt zugestellt wurde, macht 6.500 Euro aus. Eine Konto-Erstgutschrift haben all jene (nach 1955 geborenen) Personen bekommen, die vor dem Jahr 2005 Versicherungszeiten erworben haben.

Doris M. wird mit 65 Jahren das Regelpensionsalter erreicht haben. Der Stichtag für ihre Alterspension ist der 1. Februar 2045. Sie wird eine Pension von 2.107 Euro brutto pro Monat bekommen.

Angenommen, Doris M. wäre nach der Geburt ihres zweiten Kindes erst nach 4 Jahren wieder­eingestiegen und hätte bis zur Pension mit 20 Wochen­stunden Teilzeit gearbeitet, dann könnte sie mit einer Pension in der Höhe von nur 1.470 Euro rechnen.

Fazit dieser beiden Rechenbeispiele: Teilzeit verkürzt den Pensionsanspruch. 


Pensionssplitting: die Lösung oder negative Folgen?

Für die ersten 7 Jahre des Kindes besteht die Möglichkeit Pensions­kontogutschriften von bis zu 50 Prozent vom erwerbstätigen Elternteil zu bekommen. Pensionssplitting stellen manche Politiker/-innen gerne als „die“ Lösung für besseren Frauenpensionen dar. Es verstärkt die rollenspezifische Aufteilung von unbezahlter Arbeit und verleitet dazu, dass Frauen erst später und mit weniger Stunden wieder einsteigen – mit allen finanziellen Nachteilen. Die ökonomische Abhängigkeit vom erwerbs­tätigen Partner wird eher gefördert.

Für die meisten Familien bringt das Pensionssplitting wenig und sorgt nur für eine Umverteilung innerhalb der Familie. Wenn der Mann ein sehr hohes Einkommen erzielt, können steuerliche Vorteile gemacht werden. Weiters besteht die Gefahr, dass die übertragene Teil­gutschrift durch geringeres Einkommen reduziert wird oder im Falle von Arbeitslosigkeit oder Krankengeldbezug überhaupt wegfällt.

Im aktuellen Regierungsprogramm ist ein automatisches Pensionssplitting vorgesehen. Bedenklich dabei ist aus Sicht der AK, dass es eine einmalige, zeitlich befristete Ausstiegsmöglichkeit geben soll. Das hält die Partnerin/den Partner weiter in der Abhängigkeit des anderen. Geplant ist auch, dass das derzeitige Modell des freiwilligen Pensionssplittings neben dem automatischen weiter bestehen bleibt.

Ausgleichs­zulage: 7 von 10 Beziehenden sind Frauen

Viele Frauen ab 18 Jahre sind von Armut bedroht. Insgesamt waren im Vorjahr rund 513.000 Frauen in Österreich trotz sozialer Unterstützung armutsgefährdet, bei den Männern waren es rund 417.000. Besonders über 65-Jährige traf dieses Los: Rund 146.000 Frauen (17 Prozent) waren betroffen – drei Mal mehr als Männer (rund 46.000).

Ende 2019 haben 23.775 Pensionisten/-innen (von insgesamt 296.149) in Oberösterreich eine Ausgleichszulage bezogen – 70 (!) Prozent davon waren Frauen. Eine Ausgleichszulage können jene Pensionisten/-innen beanspruchen, deren Pensionshöhe unter einem bestimmten Wert bleibt. Dieser wird jährlich angepasst und beträgt heuer für Allein­stehende 966,65 Euro. Der Familienrichtsatz wurde auf 1.524,99 angehoben. Zudem gibt es seit 1. Jänner 2020 einen Bonus für Langzeitversicherte. Zur Vermeidung von Altersarmut wäre aber eine höhere Ausgleichszulagenrichtsätze, unabhängig von Versicherungszeiten, wirkungsvoller. 

AK-Forderungen

Anerkennung, Sicherheit und Gleichheit sind wichtige Ziele eines solidarischen Sozialstaates und damit auch des Pensionssystems. Arbeitnehmer/-innen in der Pension dürfen nicht von Altersarmut betroffen sein! Um weibliche Altersarmut zu vermeiden, müssen geschlechts­spezifische Benachteiligungen in der Arbeits­welt beseitigt werden. Es sind daher folgende Maßnahmen umzusetzen: 

  • Flächendeckende Anhebung der Mindesteinkommen
  • Gleiches Einkommen für gleiche Arbeit
  • Angleichen der Arbeitszeiten in Richtung kürzere Vollzeit für alle
  • Faire Gestaltung der Arbeitsbedingungen in Pflege- und Betreuungsberufen
  • Ausbau der Kinderbetreuung mit angemessenen Öffnungszeiten in allen Regionen
  • Anhebung der Kindererziehungs- und Pflegekarenzzeiten für die Teilpflichtversicherung am Pensionskonto auf die Höhe des durchschnittlichen Erwerbseinkommens (2018: 2.480 Euro)
  • Verzicht auf die schlechtesten Versicherungsjahre für die Pensionsberechnung oder Heranziehen die besten 15 Jahre für den Durchrechnungszeitraum
  • Der Einzelrichtsatz für die Ausgleichszulage in der Pension (2020: 966,65 Euro netto pro Monat, 14 Mal) muss über den Wert der Armutsgefährdungsschwelle (2018: 1.079) angehoben werden.

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