Schule im Corona-Modus: AK-Be­fragung offen­bart großen Förder- und Aufhol­­bedarf bei Schul­­kindern

AK Oberösterreich und OÖ. Krone haben die Eltern von Schulkindern gefragt, wie es ihnen nach einem Jahr Schule im Corona-Modus geht. Rund 800 oberösterreichische Familien haben sich an der Befragung beteiligt. Fazit: Ein Großteil der Schülerinnen und Schüler und deren Eltern sind am Limit.

Eltern werden alleine gelassen!

„Man fühlt sich in dieser Corona-Krise ganz oft alleine gelassen“, sagt ein Vater. Eine Mutter wähnt sich und ihre Familie „am Ende der Kräfte“. Home-Schooling, Schichtbetrieb, Kinderbetreuung, Familie, Haushalt, Beruf. Viele sind im Home-Office, in Kurzarbeit oder gar arbeitslos. All das - und vor allem in Kombination - bringt berufstätige Eltern an die Grenzen der psychischen und physischen Belastbarkeit. 

Das zeigt die kürzlich durchgeführte Befragung von AK und OÖ. Krone. Mehr als einem Viertel der Befragten geht es insgesamt (eher oder gar) nicht gut. Kinderbetreuung, familiäres Zusammenleben, Gesundheit und die Wohnsituation werden mehrheitlich schlechter bewertet als vor einem Jahr. Aber nicht nur Schule und Arbeit drücken aufs Gemüt: Sechs von zehn Befragten beklagen, dass es ihnen auch bei der Freizeitgestaltung (eher oder gar nicht) gut gehe. 


Eltern fürchten, dass ihre Kinder zu wenig lernen

78 Prozent der Befragten machen sich Sorgen, dass ihre Kinder in der Schule zu wenig lernen. 6 von 10 befragten Eltern befürchten, dass die Kinder schlechtere Noten erhalten als vor der Pandemie. Und 8 von 10 Eltern beobachten deutlich weniger Lernfreude bei ihren Sprösslingen. Diese Sorgen sind bei Familien mit geringerem Haushaltseinkommen und bei Eltern mit niedrigeren Bildungsabschlüssen größer. Insgesamt machen sich 90 Prozent der Eltern Sorgen, dass ihre Kinder Freundschaften und soziale Beziehungen nicht pflegen können und dass ihnen diese fehlen.

Die Vereinbarkeit von Beruf und Kinderbetreuung wird von 70 Prozent der Befragten als sehr schwierig wahrgenommen. 4 von 10 Eltern von Kindern, die eine Mittelschule oder AHS-Unterstufe besuchen, klagen aufgrund des Schichtbetriebs samt Distance Learning über eine schlechte bzw. sehr schlechte Betreuungssituation. Ein Drittel der Befragten gibt an, dass ihnen der Arbeitgeber in Sachen Kinderbetreuung nicht oder gar nicht entgegenkommt.

Hohe psychische Belastungen bei Kindern

55 Prozent der Eltern machen sich Sorgen um die Gesundheit ihrer Kinder - deutlich mehr als noch im Herbst. Drei Viertel der Eltern orten zunehmende psychische Belastungen der Kinder: Sie sind nach einem Jahr Pandemie einsamer, gereizter, ängstlicher und antriebsloser geworden. Je älter die Kinder, umso größer die psychischen Belastungen. Dass hier dringend Handlungsbedarf besteht, unterstreichen auch die Eltern: 9 von 10 wünschen sich psychologische Unterstützung im Schulsystem. Eine befragte Mutter beschreibt ihre Situation so: „Ich sehe, dass meine Kinder beide psychisch sehr belastet sind. Einerseits die ständige Ungewissheit und die Zukunftssorgen und andererseits die nahezu völlige soziale Isolation. Hier sollte als erstes angesetzt werden.“

Für AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer ist aufgrund der Umfrage-Ergebnisse klar, dass die Politik dringend gefordert ist, den Familien rasch unter die Arme zu greifen. 

Die Arbeiterkammer fordert, dass ...

  • kostenlose Angebote zur schulischen Förderung bereitgestellt werden, damit kein Kind zurückgelassen wird.

  • die psychosozialen Betreuungsangebote in Schulen aufgestockt werden, damit alle Kinder, die diese brauchen, sie auch in Anspruch nehmen können.

  • es auch in der Schule Zeit zur Aufarbeitung der Erfahrungen in der Pandemie gibt.

  • die Hygiene- und Sicherheitsstandards sowohl für die Kinder als auch die Lehrkräfte angepasst und verbessert werden. Schulen müssen ein sicherer Lern- und Arbeitsort sein.

  • Schulen mit besonderen Herausforderungen zusätzliche finanzielle Mittel erhalten. Die AK hat dafür den Chancen-Index erarbeitet.

  • bereits jetzt für den Sommer geplant wird: Es müssen ausreichend kostenlose und attraktive Lern- und Betreuungsangebote für Kinder und Jugendliche sichergestellt werden. 


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