Ober­österreichs Eltern zahlen im Jahr 14,5 Millionen Euro für Nach­hilfe – zu wenig Förderung an den Schulen 

3 von 4 Elternteilen in Oberösterreich sind regelmäßig als „Hilfslehrkräfte“ im Einsatz und lernen zuhause mit ihren Kindern. Mit höherer Schulstufe steigt die Notwendigkeit teurer Nachhilfestunden. Die Förderung von Schülern/-innen ist zentrale Aufgabe der Schulpolitik – Wissenserwerb darf nicht vom Einkommen abhängig sein!


Laut der Ifes-Nachhilfestudie 2019 empfinden 7 von 10 Eltern die Unterstützung ihrer Kinder bei den Schulaufgaben als zeitliche Herausforderung: Nach einem langen Arbeitstag steht oft noch die Lösung einer kniffligen Mathe-Aufgabe oder Deutsch-Hausübung auf dem Programm.

Private Nach­hilfe ist teuer und unsozial

In Oberösterreich geben Eltern jährlich rund 14,5 Millionen Euro für private Nachhilfe aus – pro Kind rund 630 Euro. Knapp die Hälfte der Eltern, deren Kinder bezahlte Nachhilfe in Anspruch nehmen, gibt in der Umfrage an, dadurch sehr oder spürbar belastet zu sein. Bei Familien mit einem Haushaltseinkommen von maximal 2.000 Euro sind es sogar 67 Prozent. Von den Alleinerziehern/-innen mit einem Nachhilfekind tun sich rund zwei Drittel mit der Finanzierung der Nachhilfe schwer. Bildung darf nicht vom Einkommen der Eltern abhängig sein, private Nachhilfe ist eine unsoziale Belastung, die abgeschafft werden muss.

Die Ergebnisse der Befragung im Detail 

  • Die jährlichen Nachhilfekosten in Oberösterreich sind von 13 Millionen Euro 2019 auf 14,5 Millionen Euro angestiegen.

  • Bundesweit geben Eltern 101 Millionen Euro pro Jahr für private Nachhilfe aus.

  • Knapp die Hälfte der befragten Eltern gibt an, dadurch sehr oder spürbar belastet zu sein.

  • Bei Familien mit einem Haushaltseinkommen von maximal 2.000 Euro sind es sogar 67 Prozent.

  • Mit einem Großteil der Kinder (73 Prozent) müssen die befragten Eltern nach der Schule lernen und üben. 

Eltern unter großem Druck

Das österreichische Schulsystem setzt offenbar voraus, dass Eltern als „Hilfslehrer/-innen“ arbeiten. Wenn Eltern mit dem Großteil ihrer Kinder nach der Schule lernen und üben müssen, ist das für viele nicht nur eine zeitliche Belastung, sondern führt auch zu innerfamiliärem Ärger und Stress. Rund 40 Prozent der Eltern fühlen sich in zumindest einem Fach mit dem Stoff überfordert. Hier werden Aufgaben der Schule stillschweigend an die Eltern ausgelagert. Lernen und Üben muss aber in der Schule stattfinden.

Schulische Förderung ver­bessern

Fakt ist: Eltern wünschen sich eine bessere schulische Förderung für ihre Kinder, damit private Nachhilfe überflüssig wird. Also kein Durchpeitschen des Lernstoffs, sondern ein verständliches Vermitteln, sowie mehr Wiederholen und Üben in der Schule. Vor allem für Volksschulkinder fordert die Arbeiterkammer mehr echte Ganztagsschulen mit verschränkter Abfolge von Unterricht, Freizeit und Lernen sowie generell den Ausbau des kostenlosen Förderunterrichts.

Forderungen der AK

  • Mehr Geld für Schulen, die größere Herausforderungen bewältigen müssen. Die Arbeiterkammer hat einen Vorschlag entwickelt, wie zusätzliche Mittel gerecht verteilt werden können: Den Chancen-Index.

  • Ausbau der echten Ganztagsschulen unter strenger Qualitätskontrolle. Lernen, Üben und Fördern müssen kostenlos in der Schule stattfinden und brauchen Zeit!

  • Ausbau kostengünstiger Angebote an institutioneller Kinderbetreuung in den Ferien mit Lernhilfe und individueller Förderung.

  • Ausbau des Unterstützungspersonals - unter anderem Sozialarbeit oder Schulpsychologie - entlastet Lehrkräfte, die sich wieder auf ihre Kernaufgabe (das Lernen mit den Kindern) konzentrieren können.

Informationen zur Studie

Ifes hat im Auftrag der Arbeiterkammer eine repräsentative Studie durchgeführt. Befragt wurden österreichweit 3.064 Haushalte mit 4.651 Schülern/-innen.

"Die Bildungs­politik ist hier in der Verantwortung, gemeinsam mit den Schulen dafür zu sorgen, dass alle Kinder – unabhängig von der Geldbörse ihrer Eltern – die bestmögliche Ausbildung und Förderung bekommen."

Dr. Johann Kalliauer

AK Präsident

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