Oberösterreichs Eltern zahlen im Jahr 13 Millionen Euro für Nachhilfe – zu wenig Förderung in den Schulen 

3 von 4 Elternteilen in Oberösterreich sind regelmäßig als „Hilfslehrkräfte“ im Einsatz und lernen zuhause mit ihren Kindern. Mit höherer Schulstufe steigt die Notwendigkeit teurer Nachhilfestunden. Die Förderung von Schülern/-innen ist zentrale Aufgabe der Schulpolitik – Wissenserwerb darf nicht vom Einkommen abhängig sein!

Laut der Ifes-Nachhilfestudie 2018 empfinden 7 von 10 Eltern die Unterstützung ihrer Kinder bei den Schulaufgaben als zeitliche Herausforderung: Nach einem langen Arbeitstag steht ohft noch die Lösung einer kniffligen Mathe-Aufgabe oder Deutsch-Hausübung auf dem Programm. 

Die Ergebnisse der Befragung

Hinweis

  • Eltern in Oberösterreich geben 13 Millionen Euro jährlich für private Nachhilfe aus (94 Millionen Euro bundesweit)

  • Die Nachhilfe-Kosten in Oberösterreich belaufen sich im Schnitt auf 650 Euro pro Jahr und pro Kind, das Nachhilfe erhält.

  • 20 Prozent der schulpflichtigen Kinder in Oberösterreich bekommen Nachhilfe.

  • 5 Prozent der Befragten haben Bedarf, können sich private Nachhilfe aber nicht leisten.

  • 11 Prozent der Volksschulkinder erhalten Nachhilfe.

Viele brauchen Nachhilfe

Jedes zweite Volksschulkind lernt täglich mit den Eltern. Zudem erhalten laut Ifes bereits 11 Prozent der Volksschulkinder Nachhilfe. Das liegt nicht zuletzt an der Trennung in AHS-Unterstufe und Neuer Mittelschule. In der AHS hat bereits jedes dritte Kind Nachhilfeunterricht. Auch in der Neuen Mittelschule liegt die Nachhilfequote bei über einem Viertel. Insgesamt bekommt jedes fünfte Kind in Oberösterreich zusätzliche Unterstützung, fast die Hälfte davon regelmäßig. Mathematik ist mit 64 Prozent Spitzenreiter bei den Nachhilfefächern.

Nachhilfe oft nicht leistbar

Bei der Nachhilfe wird nachgeholt, was die Schule nicht schafft - und wird so zur Einkommensfrage. Wiederholen, üben und festigen des Stoffes sind eigentlich die Grundpfeiler des Lernens. Für viele Familien bedeutet das auch eine enorme finanzielle Belastung: In Oberösterreich gaben Eltern im vergangenen Schuljahr fast 13 Millionen Euro für Nachhilfe-Unterricht aus. Pro Kind macht das durchschnittlich 630 Euro aus. Das ist für viele Familien schlichtweg nicht leistbar - vor allem für bildungsferne und einkommensschwächere.

Schulische Förderung verbessern

Fakt ist:

Eltern wünschen sich eine bessere schulische Förderung für ihre Kinder, damit private Nachhilfe überflüssig wird. Also kein Durchpeitschen des Lernstoffs, sondern ein verständliches Vermitteln, sowie mehr Wiederholen und Üben in der Schule. Vor allem für Volksschulkinder fordert die Arbeiterkammer mehr echte Ganztagsschulen mit verschränkter Abfolge von Unterricht, Freizeit und Lernen sowie generell den Ausbau des kostenlosen Förderunterrichts.

Zur Studie:

Ifes hat im Auftrag der Arbeiterkammer eine repräsentative Studie durchgeführt. Befragt wurden österreichweit 3.300 Haushalte mit rund 5.000 Schülern/-innen.

Forderungen der AK

  • Einrichtung eines zweckgebundenen Fördertopfes für schulischen Förderunterricht und Lernen in Kleingruppen.

  • Mehr Geld für Schulen mit vielen Kindern aus sozial benachteiligten Haushalten, die nicht von den Eltern beim Lernen unterstützt werden können. Es braucht dazu dringend den sogenannten Chancen-Index, damit alle Kinder die gleichen Chancen bekommen.

  • Ausbau der echten Ganztagsschulen unter strenger Qualitätskontrolle. Lernen, Üben und Fördern müssen kostenlos in der Schule stattfinden und brauchen Zeit!

  • Ausbau kostengünstiger Angebote an institutioneller Kinderbetreuung in den Ferien mit Lernhilfe und individueller Förderung.

  • Ausbau des Unterstützungspersonals - unter anderem Sozialarbeit oder Schulpsychologie - entlastet Lehrkräfte, die sich wieder auf ihre Kernaufgabe (das Lernen mit den Kindern) konzentrieren können.

 

"Die Bildungs­politik ist hier in der Verantwortung, gemeinsam mit den Schulen dafür zu sorgen, dass alle Kinder – unabhängig von der Geldbörse ihrer Eltern – die bestmögliche Ausbildung und Förderung bekommen."

Dr. Johann Kalliauer

AK Präsident

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