Kinderbetreuung: Angebote sind starr und zu wenig

Die Kinderbetreuung in Oberösterreich ist eine Herausforderung für berufstätige Eltern. Vor allem bei der Betreuung der Unter-Dreijährigen, bei der Ganztagesbetreuung von Schulkindern oder bei den Betreuungseinrichtungen mit Öffnungszeiten von mindestens 9 Stunden hat das Bundesland Aufholbedarf. 12-Stunden-Arbeitstage und 60-Stunden-Wochen verschärfen das Problem der Vereinbarkeit von Beruf und Familie immer weiter: Betreuungseinrichtungen, die mindestens 12 Stunden geöffnet haben, gibt es kaum. Das untermauern auch Studien der Arbeiterkammer Oberösterreich.

6 von 10 Einrichtungen schließen vor 16 Uhr

Nur gut ein Viertel der Betreuungseinrichtungen in Oberösterreich haben derzeit mehr als 9 Stunden täglich geöffnet. Hier ist Oberösterreich Schlusslicht - mit deutlichem Abstand: österreichweit sind es zumindest 58 Prozent. Mehr als die Hälfte der Betreuungseinrichtungen haben sogar weniger als 8 Stunden geöffnet, bundesweit sind es nur 30 Prozent. Weniger als 6 Stunden am Tag haben in Oberösterreich 16 Prozent aller Einrichtungen geöffnet, bundesweit sind es 7 Prozent. Besonders ärgerlich: 60 Prozent der Kinderbetreuungseinrichtungen in Oberösterreich schließen vor 16 Uhr. Nur ganze 7 Einrichtungen halten mindestens 12 Stunden oder mehr offen: das sind magere 0,6 Prozent; der österreichische Durchschnitt beträgt hier immerhin 10 Prozent.

Die Arbeitszeiten werden länger und unberechenbarer. 

12-Stunden-Tage und 60-Stunden-Wochen verschärfen diesen „Trend" zusätzlich. Trotzdem haben mehr als die Hälfte der Kinderbetreuungseinrichtungen weniger als 8 Stunden täglich geöffnet.

Zu wenig Angebote für Vollzeit-Beschäftigte

Viel zu wenige Angebote für Kinder unter 6 Jahren sind „VIF-konform“ (Vereinbarkeitsindikator für Familie und Beruf), also vollzeittauglich. Für diese Auszeichnung müssen wichtige Standards erfüllt sein:

  • wöchentliche Öffnungszeiten von mindestens 45 Stunden (Montag bis Freitag),
  • tägliche Öffnungszeit von 9,5 Stunden, mindestens 4 Tagen pro Woche,
  • Angebot eines Mittagessens,
  • höchstens 5 Wochen pro Jahr geschlossen.

Bei den Unter-Dreijährigen liegt Oberösterreich im Bundesländer-Vergleich an letzter Stelle, bei den Drei- bis Fünfjährigen nur an 7. Stelle. Es gibt nur für rund 4 Prozent der Unter-Dreijährigen und für knapp 24 Prozent der Drei-bis Fünfjährigen einen Betreuungsplatz, der den VIF-Kriterien entspricht und beiden Elternteilen eine Vollzeitarbeit ermöglicht. Der Bundesschnitt liegt deutlich darüber: bei den Unter-Dreijährigen mit rund 16 Prozent und bei den Drei- bis Fünfjährigen mit 41 Prozent.

Bei den Kindern im Alter zwischen 6 und 14 Jahren haben rund 27 Prozent einen Betreuungsplatz - zum Beispiel im Hort oder in altersgemischten Gruppen.

Längere Ferien und Schließtage sind ein Problem

Ferienzeiten und Schließtage bereiten den oberösterreichischen Familien Kopfzerbrechen - die meisten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben 5 Wochen Urlaub pro Jahr. Während Kinderbetreuungseinrichtungen bundesweit im Schnitt circa 21 Tage pro Jahr schließen, sind es hierzulande rund 28 Tage - also fast eineinhalb Arbeitswochen mehr. Oberösterreichs Horte haben an beinahe 32 Tagen pro Jahr geschlossen, österreichweit sind es nur etwas mehr als 24. Hinzu kommt, dass an schulfreien Tagen an ganztägigen Schulen wenig bis gar keine Betreuung angeboten wird.

Kontakt

AK Bildungsberatung in OÖ
TEL: +43 50 6906 1601
E-MAIL: bildungsinfo@akooe.at
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Die Menschen sollen 12 Stunden am Tag und 60 Stunden in der Woche arbeiten. Wer dann die Kinder betreut, das kümmert die Regierung wenig.

Dr. Johann Kalliauer

AK-Präsident

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