Eltern geben in Oberösterreich jährlich fast 2.700 Euro für den Schulbesuch ihrer Kinder aus

Schulveranstaltungen sind der Kostentreiber schlechthin: Durchschnittlich etwa 800 Euro müssen Eltern pro Schuljahr dafür aufwenden. Doch damit noch lange nicht genug. Denn obwohl öffentliche Schulen laut Gesetz kein Schulgeld einheben dürfen, fallen in einem Schuljahr Kosten von etwa 2.700 Euro pro Familie an. Das zeigt eine von der Arbeiterkammer Oberösterreich beauftragte Studie des Instituts für Berufs- und Erwachsenenbildungsforschung (IBE). Im Schuljahr 2015/2016 haben in 4 Befragungswellen mehr als  2.000 Eltern den Online-Fragebogen ausgefüllt. Dadurch konnten folgende Kostenfaktoren identifiziert werden:

Die Kostenfaktoren

  • Für die allgemeinen Schulkosten geben Eltern im Jahresschnitt rund 300 Euro aus, am meisten zu Schulbeginn.

  • Größere Anschaffungen schlagen ebenso zu Schulbeginn beziehungsweise am stärksten im ersten Halbjahr zu Buche und machen im Laufe des Schuljahres mehr als 400 Euro pro Familie aus.

  • Private Nachhilfe kostet betroffene Eltern rund 700 Euro pro Jahr. Eine umfassende bundesweite Elternbefragung des IFES vom Juni 2016 kam zu einem ähnlichen Ergebnis. Deutlich wird auch, dass jeweils zu Semesterende die Kosten nochmal steigen.

  • Eine beachtliche finanzielle Belastung sind außerdem die Kosten für die Nachmittagsbetreuung. Eltern, die eine Nachmittagsbetreuung benötigen, müssen durchschnittlich rund 800 Euro im Jahr dafür aufbringen. 
Grafik: Schulkosten Erhebung 2016 © -, AK Oberösterreich
Grafik: Gesamtkosten (aller befragten Eltern) © -, AK Oberösterreich

Hohe Schulkosten verbauen den Zugang zu höherer Bildung

Nicht nur, dass Schulkosten für viele Familien eine gewaltige finanzielle Belastung darstellen. Die Höhe der Schulkosten trägt außerdem zur sozialen Ungleichheit im Bildungszugang und zur Vererbung von Bildung bei: die den Familien aufgebürdeten Kosten beeinflussen die Schul- und Berufswahl. Denn Eltern, deren Kinder eine weiterführende Schule besuchen, müssen noch tiefer in die Tasche greifen als Eltern von Pflichtschülern/-innen. Es ist daher höchste Zeit, die überzogenen Schulkosten einzudämmen.

Grafik: Schulkosten nach Schultyp © -, AK Oberösterreich
Grafik: Schulkosten nach Schultyp © -, AK Oberösterreich


Die zentralen Forderungen der AK Oberösterreich

Da die eingehobenen Kosten nicht dazu geeignet sind, die Ungleichheit im Bildungssystem zu beseitigen, sondern sie ganz im Gegenteil festfahren, schlägt die AK ein Bündel an Maßnahmen vor, um Eltern zu entlasten:

  • Gebührenfreie Ganztagsschule
    In einer flächendeckend gebührenfreien ganztägigen Schule (in verschränkter Form) bleibt mehr Zeit zum Üben und Fördern – teure Privatnachhilfe wird eingedämmt, die Kosten für die Nachmittagsbetreuung fallen weg.

  • Chancenindex
    Mehr Ressourcen für Schulen mit mehr sozial benachteiligten Kindern und schwierigen Rahmenbedingungen können zu einem gerechteren Schulsystem beitragen.

  • Mehr Kostenbewusstsein
    Die Schulen können durch bescheidenere und besser abgestimmte Materialanforderungen Geld sparen helfen. Die zentrale Beschaffung von Schulmaterialien bringt Kostenvorteile. Auch braucht es mehr Transparenz, klare Vorgaben und mehr Mitbestimmung.

  • Günstigere Schulveranstaltungen
    Schulveranstaltungen sind der „Kostentreiber“ schlechthin. Wenn sie einen nachweislichen Nutzen für die Kinder haben (mehr Lernerfolg, interkulturelle Erfahrungen etc.), sollten sie generell kostenlos angeboten werden.

  • Gerechtere Schulbeihilfe
    Die Schulbeihilfe muss sozial gerechter gestaltet werden. Außerdem sollte Schulbeihilfe bereits ab der 9. Schulstufe gewährt werden. Seit 2007 wurde die Schulbeihilfe nicht erhöht. Eine jährliche automatische Anpassung an den Verbraucherpreisindex wäre dringend notwendig.

 

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