Ein Schul­abbruch hat Folgen: 4 von 10 Jugendlichen finden keinen Job

Jahr für Jahr verlassen allein in Oberösterreich rund 3.000 Jugendliche im Alter zwischen 15 und 20 Jahren die Schule ohne einen Abschluss oder brechen ihre Ausbildung ersatzlos ab. Das bedeutet: Diese jungen Menschen wechseln zum Beispiel auch nicht von einer BHS in die Lehre, sondern fallen komplett aus dem (Aus-)Bildungssystem. 

Wer sind diese 3.000 Jugendlichen?

Die Zahl setzt sich aus 3 Hauptgruppen zusammen - jeweils mit unterschiedlichen Biografien: 

  • Frühe Schulabgänger/-innen
    (Jugendliche, welche die Schule nach 9 Jahren beenden)  
  • Jugendliche, die eine weiterführende Schule frühzeitig abbrechen
    (zum Beispiel HAK, HTL, HAS, HBLA, ...)
  • Lehrlinge, die ohne Lehrabschluss bleiben 

Was bedeutet Bildungsabbruch?

Die öffentlichen Zahlen über Bildungsabbrüche beziehungsweise -ausstiege beziehen sich in der Regel auf „formale Ausbildungen". Damit sind Schule und Lehrlingsausbildung gemeint. Kurse oder sogenannte „Auffangmaßnahmen" (zum Beispiel Produktionsschulen oder Sozialprojekte) zählen nicht dazu.

Hilfsjob oder AMS: Ein Bildungsabbruch hat Folgen

Der verfrühte Bildungsabbruch stellt junge Menschen vor große Probleme: Ohne abgeschlossene Ausbildung ist es oft schwierig, einen sicheren und fair bezahlten Arbeitsplatz zu finden. Das Risiko gesellschaftlicher Ausgrenzung steigt. Nur wenige schaffen es, den versäumten Abschluss nachzuholen. Eine von der AK Wien mitbeauftragte Studie unterstreicht: Von 100 Jugendlichen landen nur 4 wieder auf der Schulbank oder starten erneut eine Lehre. Gut die Hälfte arbeitet in schlecht bezahlten Hilfsberufen. Der Rest ist arbeitslos oder hat die Jobsuche aufgegeben. Besonders betroffen sind vor allem junge Mütter, Lehrlinge und zugewanderte Quereinsteiger/-innen.

Warum die Schule oder Lehre abgebrochen wird

Es sind nicht immer nur schlechte Lernerfahrungen für einen frühen Schul- beziehungsweise Lehrausstieg verantwortlich. Dieser kann daher nicht nur auf Lern- oder Leistungsdefizite reduziert werden: Es können genau so gut zum Beispiel familiäre oder schicksalhafte Umstände, eine schlechte Beziehungskultur in der Schule oder einfach vorübergehende „Störungen“ (zum Beispiel pubertäts- oder freundeskreisbedingt) die eigentlichen Gründe sein. Ebenso können beim Abbruch einer Lehre die Arbeits- und Ausbildungsbedingungen im Betrieb eine Rolle spielen oder man hat sich den Lehrberuf einfach ganz anders vorgestellt.

Was Bildungsabbrechern hilft

Neben arbeitsmarktpolitischen Integrationsmaßnahmen (Ausbau des Jugendauffangnetzes) müssen bildungspolitische Vorkehrungen getroffen werden: Dazu gehört eine maßgeschneiderte schulische Individualförderung und eine sozial gerechte Mittelzuweisung für Schulstandorte mit besonderen Herausforderungen („Chancen-Index“). Ideal wäre ein attraktives Ganztagsangebot mit hohen Qualitätskriterien sowie die Einführung einer gemeinsamen Schule für alle 6- bis 15-Jährigen. Die Jugendlichen sollen nicht vermessen, sondern in all ihren unterschiedlichen Begabungen gefördert werden. Auch die weiterführenden Schulen sollten verstärkt Verantwortung für Drop-Out-Vermeidung setzen. Ebenso sollte es verbesserte Um- und Wiedereinstiegsmöglichkeiten für frühzeitige Ausgestiegene geben. Im Rahmen der Lehrausbildung müssen individuelle Förder- und Begleitmaßnahmen im Sinne einer Qualitätssicherung der berufspraktischen Ausbildung forciert werden. Es braucht auch hier Wege und Chancen, einen qualifizierten Berufsabschluss nachholen zu können. Eine Möglichkeit wäre – bei entsprechender Berufserfahrung – der Ausbau von Anerkennungsverfahren für informell erworbene Kompetenzen, wie zum Beispiel die Maßnahme „Du kannst was!“. Bei deren Entwicklung hat die AK Oberösterreich eine Vorreiterrolle gespielt.

Literatur- und Download-Tipps

  • Wer sind die jungen Leute, die vorzeitig aus der Schule beziehungsweise Lehre aussteigen?
  • Was genau hat zu diesem Schritt geführt?

Wer sich für die unterschiedlichen Umstände, Motive und vor allem für persönliche Profile, für die Gesichter und Geschichten interessiert, findet hier Literatur-Tipps zum Thema:

  • Nairz-Wirth, Erna et  al. (2015)
    Quo Vadis Bildung? Eine qualitative Längsschnittstudie zum Habitus von Early School Leavers Studie im Auftrag von AK Wien & Stadt Wien. Wien

  • Lindinger, Korinna; Hackl, Marion; Moser, Winfried (2015)
    Zurück in die Zukunft. Die Durchlässigkeit des Österreichischen Bildungssystems als Erklärungsfaktor für erfolgreiche Nachbildungswege von frühen SchulabgängerInnen. Endbericht Institut für Kinderrechte und Elternbildung.

  • Arbeiterkammer Wien (2018)
    Bildung braucht Orientierung - Welche Wege werden nach frühem Ausbildungsabbruch beschritten?

Was kann getan werden, um frühen Bildungsabbruch zu verhindern?

Wer sich für Fakten, Daten und Hintergründe interessiert:

  • Arbeiterkammer Oberösterreich (2018)
    AK-Bildungsmonitor 2018:
    Mengengerüste zum frühen Ausbildungsabbruch in Oberösterreich   

  • Steiner, Mario; Pessl, Gabriele; Brunefort, Michael (2015)
    Früher Bildungsabbruch - Neue Erkenntnisse zu Ausmaß und Ursachen. In: Nationaler Bildungsbericht Österreich 2015, Band 1 (Hg. Herzog-Punzenberger, Barbara). Graz: Leykam 

  • Gerhartz-Reiter, Sabine (2017) 
    Erklärungsmuster für Bildungsaufstieg und Bildungsausstieg. Wie Bildungskarrieren gelingen.
    Wiesbaden: Springer VS


Wer keinen Schul- oder Lehr­abschluss hat, landet entweder in Hilfsjobs oder beim AMS.

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