Teure Nachhilfe im Sommer

Eine aktuelle Umfrage im Auftrag der Arbeiterkammer zeigt: Allein im Sommer geben betroffene Eltern für private Nachhilfe rund 450 Euro pro Kind aus. Für viele Familien bedeutet Sommer also nicht nur Ferienspaß und Urlaub, sondern auch Lernstress. Die Kinder müssen einen Teil ihrer Ferien fürs Lernen opfern, für die Eltern kostet die Nachhilfe viel Zeit und Geld. 

An der IFES-Befragung im Auftrag der AK zum Thema Nachhilfe haben zwischen März und April 2017 österreichweit mehr als 3.400 Haushalte mit insgesamt 5.683 Schulkindern teilgenommen. Die Belastung durch Nachhilfe und Lernen mit den Kindern drückt aufs Familienbudget und führt oft auch zu häuslichen Konflikten – besonders in den Sommerferien wenn die Nachprüfungen im Herbst näher rücken, aber genauso auch während des laufenden Schuljahrs! 

Die Ergebnisse der Befragung

Nachhilfe belastet das Familienbudget

  • Alleine im vergangenen Schuljahr (inklusive Sommerferien) gaben oberösterreichische Eltern fast 14 Millionen Euro für private Nachhilfe aus.

  • Rund 20 Prozent der befragten Eltern gaben an, dass ihre Kinder im laufenden Schuljahr oder in den Sommerferien 2016 eine externe Nachhilfe bekommen haben. Zumeist (14 Prozent) handelt es sich um bezahlte Nachhilfe. 

  • Im Durchschnitt gaben oberösterreichische Eltern für Nachhilfe während dem Schuljahr pro Kind 590 Euro aus.

  • Alleine für die Nachhilfe im letzten Sommer 2016 fielen für betroffene Familien rund 400 Euro pro Kind an.

 

Schlechtere Chancen für Kinder von Wenigverdiener/-innen:

Besonders ungerecht ist, dass sich viele Familien bezahlte professionelle Nachhilfe nicht leisten können. 

  • Auf Haushalte mit einem monatlichen Nettoeinkommen bis 1.600 Euro entfallen bundesweit nur 6 Prozent der bezahlten Nachhilfe. 32 Prozent der bezahlten Nachhilfen werden von Eltern konsumiert, die über ein Haushalts-Nettoeinkommen von mehr als 3.000 Euro kommen.

  • Nachhilfekosten sind damit – sofern überhaupt leistbar – insbesondere für finanziell schwächer gestellte Haushalte eine große Belastung, vor allem für AlleinerzieherInnen und Eltern mit nicht-deutscher Erstsprache. 

  • Nicht alle Kinder, die Nachhilfe brauchen, bekommen sie: laut Studie bekommen rund 40.000 Kinder in Österreich trotz Bedarf keine Nachhilfe. 

Fakten rund um die Nachhilfe

Nachhilfefach Nummer 1 ist seit vielen Jahren Mathematik – 2/3 aller Schüler/-innen, die Nachhilfe bekommen, brauchen in diesem Fach Unterstützung, gefolgt von Fremdsprachen und Deutsch.

Hauptgrund für die Nachhilfe ist die Verbesserung einer Note (50 Prozent) oder eine Nachprüfung, die verhindert werden soll.  

Vielen Eltern fällt es schwer, selbst mit den Kindern zu lernen. Am Engagement der Eltern scheitert es nicht, helfen doch mehr als 40 Prozent der befragten Eltern ihren Kindern täglich oder mehrmals die Woche in schulischen Belangen. 

Forderungen der AK

Damit mehr Schüler/-innen das Schuljahr positiv abschließen können:

  • Einrichtung eines zweckgebundenen Fördertopfes für schulischen Förderunterricht und Lernen in Kleingruppen.

  • Mehr Geld für Schulen mit vielen Kindern aus sozial benachteiligten Haushalten, die nicht von den Eltern beim Lernen unterstützt werden können. Es braucht dazu dringend den sogenannten Chancen-Index, damit alle Kinder die gleichen Chancen bekommen. 

  • Ausbau der echten Ganztagsschulen unter strenger Qualitätskontrolle. Lernen, Üben und Fördern müssen kostenlos in der Schule stattfinden und brauchen Zeit!

  • Ausbau kostengünstiger Angebote an institutioneller Kinderbetreuung in den Ferien mit Lernhilfe und individueller Förderung.

  • Ausbau des Unterstützungspersonals - unter anderem Sozialarbeit oder Schulpsychologie - entlastet Lehrkräfte, die sich wieder auf ihre Kernaufgabe (das Lernen mit den Kindern) konzentrieren können.

 

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