Arbeitszeit: Österreicher sind flexibel

Arbeitszeit ist hierzulande in den vergangenen Jahren unter dem Schlagwort der „Flexibilisierung“ zum Gegenstand politischer Debatten geworden. Eine Arbeitszeitstudie des Wirtschaftsforschungsinstituts (WIFO) widerlegt die Propaganda von angeblich zu starren Arbeitszeit-Regelungen: Bereits jede/r Zweite in Österreich arbeitet abweichend von „typischen“ Arbeitszeiten, nämlich im Schichtbetrieb, am Abend, in der Nacht oder am Wochenende. 

12-Stunden pro Tag und 60 Stunden normal?

Und obwohl das österreichische Arbeitszeitrecht bereits 12-Stundentage mit 60-Stunden-Wochen ermöglicht, fordern Wirtschaftskammer, Industriellenvereinigung und manche Parteien weitere Arbeitszeit-Ausweitungen inklusive Ausdehnung des sogenannten Durchrechnungszeitraums.

Mitbestimmung von Betriebsrat und Gewerkschaft sowie Überstundenzuschläge wären dann wohl passé.

Flexibel auf Kosten von Frauen und Älteren

Werden 12-Stunden-Arbeitstage ohne speziellen Bedarf und ohne Betriebsvereinbarung auf alle ausgeweitet, belastet und benachteiligt dies insbesondere Ältere und Frauen am Arbeitsmarkt noch mehr. Nur mehr ständig Verfügbare und die Fittesten können da noch mithalten.
Werden 12-Stunden-Arbeitstage und 60-Stunden-Wochen zum Normalzustand, wird die Gesundheit und nicht zuletzt auch Arbeitsfähigkeit der Menschen gefährdet. 

Hinweis

Im internationalen Vergleich haben die meisten Länder eine deutlich kürzere maximal zulässige Wochen-Arbeitszeit als Österreich (siehe Tabelle "Höchst-Arbeitszeiten in Europa").

Arbeitszeitgesetz 2008 brachte Flexibilität

  • 12 Stunden Arbeit pro Tag und 60 Stunden in der Woche - bei Beibehaltung von Überstundenzuschlägen – in 24 Wochen eines Jahres (statt davor 12) sind möglich.
  • Die Anhebung der Normalarbeitszeit von 8 auf 10 Stunden (= Wegfall von Überstundenzuschlägen) wurde erleichtert.
  • Eingeführt wurde aber auch eine Zuschlagspflicht für Mehrarbeit bei Teilzeitkräften, womit die Flexibilität der Teilzeitbeschäftigten endlich entsprechend honoriert und die weitere Aufsplitterung von Vollzeit- in Teilzeitarbeitsplätze unattraktiver wurde.

Arbeitszeit-Recht schützt und ist flexibel

Gesetz, Kollektivverträge und Betriebsvereinbarungen ermöglichen Flexibilität und schützen die Arbeitenden vor der Willkür des Chefs - das muss auch in Zukunft so sein! Lebensbedürfnisse und Lebensinteressen fallen nicht erst im Urlaub oder in der Pension an, sondern in jeder Arbeitswoche, an jedem Arbeitstag. Gewerkschaften und Betriebsräte unterstützen daher eine Flexibilisierung der Arbeitszeit, sofern sie an die Bedürfnisse der Beschäftigten anknüpft und eine menschengerechte Gestaltung des Arbeitsprozesses fördert.

Freizeit-Option sehr beliebt

Bei der Gestaltung „flexibler“ Modelle müssen Lohnausgleiche sowie längere und kalkulierbare Freizeitblöcke bei möglichst hoher Zeitsouveränität für die Beschäftigten im Vordergrund stehen. Eine rahmenrechtliche Verbesserung, die von den Beschäftigten sehr geschätzt wird, ist die von den Gewerkschaften in manchen Branchen ausverhandelte sogenannte "Freizeitoption", bei der die kollektivvertragliche Lohnsteigerung statt in Geld auch in Form von Freizeit genommen werden kann.

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