Jugendarbeitslosigkeit geht zurück

Im Jahresdurchschnitt 2017 waren in Oberösterreich 10.062 Jugendliche zwischen 15 und 24 Jahre entweder arbeitslos (5310) gemeldet, in Schulung (4183) oder auf der Suche nach einer Lehrstelle (569).  Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies, dass sich die Anzahl der Arbeitssuchende um 956 Jugendlichen oder um 5 Prozent zurückgegangen ist. 

Auch wenn die Entspannung am Arbeitsmarkt erfreulich ist, sollte sie nicht darüber hinwegtäuschen, dass aktuell immer noch rund 2000 Jugendliche mehr ohne Beschäftigung sind als vor Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise.

Die Ursachen für den positiven Trend liegen in der demografischen Entwicklung, dem Konjunkturaufschwung als auch dem dicht gespannten arbeitsmarktpolitischen Auffangnetz. Das lässt die Beschäftigung steigen und die Arbeitslosigkeit unter Jugendlichen sinken.

Grafik: Jugendliche ohne Beschäftigung in OÖ (15- bis 24-Jährige) - Jahresdurchschnittswerte © AK Oberösterreich

Junge Erwachsene unter 25 mit hohem Risiko 

In Oberösterreich betrug die Arbeitslosenquote im Jahr 2017 von Jugendlichen bis 19 Jahre 3,3 Prozent. Bei jungen Erwachsenen zwischen 20 und 24 Jahren allerdings 6,6 Prozent.

Damit haben junge Erwachsene im Alter zwischen 20 und 24 Jahren eine der höchsten Arbeitslosigkeitsrisiken unter allen Altersgruppen. Lediglich Menschen, die älter als 55 Jahre sind, haben ein noch höheres Arbeitslosigkeitsrisiko.

Generell zeigt sich bei der Jugendarbeitslosigkeit eine Verschiebung des Problemausmaßes von den 15- bis 19-Jährigen zu den 20-bis 24-Jährigen, da 2 Drittel aller arbeitslosen Jugendlichen in dieser Altersgruppe sind.

Hier hilft die demografische Entwicklung (weniger Jugendliche) und zum anderen, dass die Vielzahl an arbeitsmarktpolitischen Angeboten für Personen unter 19 Jahren wirkt. Darunter fällt etwa die im Rahmen der Ausbildungsgarantie eingeführte überbetriebliche Lehrausbildung (ÜBA) oder das Jugendcoaching. 

Sinnvoll war daher die Ausweitung der Ausbildungsgarantie bis 24 Jahren. In diesem Zusammenhang äußerst problematisch erscheint die von der Regierung beschlossene Kürzung der Ausbildungsbeihilfe für junge Erwachsene über 18 Jahre in einer überbetrieblichen Ausbildung (ÜBA) von 753 Euro auf 325,80 Euro ab 1. September 2018. Dies verkennt die Problemlagen am Jugendarbeitsmarkt vollkommen und nimmt jungen Erwachsenen die Anreize eine Ausbildung im zweiten oder dritten Anlauf zu machen. Es muss auch gesehen werden, dass junge Erwachsene bereits hohe Lebenserhaltungskosten haben z.B. durch eine eigene Wohnung oder Kinder und sich eine Ausbildung mit dieser Kürzung nicht mehr leisten können. Hinzu kommt, dass dass laut des parlamentarischen Budgetdienstes im Jahr 2019 für die Ausbildungsgarantie bis 25 Jahren keine Mittel vorgesehen sind. Wenn dies so realisiert wird, vollzieht die Regierung hier einen schwerwiegenden arbeitsmarktpolitischer Rückschritt in Österreich. 

Das fordert die AK

Der Konjunkturaufschwung wäre ein guter Zeitpunkt, um Ressourcen in der Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik zum einem für benachteiligte Jugendliche zu verwenden und zum anderen eine Bildungsoffensive zu starten, die die Konsequenzen des digitalen Strukturwandels abfedern kann.

Strategien gegen frühen Schulabgang:

  • Ausbau von qualitätsvollen Ganztagesschulen, vor allem in verschränkter Form.
  • Einführung einer Gesamtschule für die 6- bis 15-Jährigen.
  • Schulen mit mehr sozial benachteiligten Kindern sollen mehr Ressourcen erhalten (Indexbasierte Mittelverteilung)

Aktive Arbeitsmarktpolitik zielgruppenspezifisch weiterentwickeln:

  • Ausbau und nachhaltige Sicherung von niederschwelligen Ausbildungs- und Beschäftigungsformen.
  • Aufstockung des AMS-Budgets um eine qualitative Betreuung/Beratung von speziellen Zielgruppen zu gewährleisten.

Betriebe sind in die Verantwortung zu nehmen:

  • Sie müssen Jugendliche mit Unterstützungsbedarf fördern. Um in der betrieblichen Lehrstellenförderung dafür Anreize zu schaffen, sollen die Förderungen nicht pauschal, sondern nach qualitäts- bzw. problembezogenen Kriterien (etwa Unterstützung für lernschwächere und benachteiligte Jugendliche) vergeben werden
  • Qualitätssicherung in der Lehrausbildung, damit weniger Jugendliche bei der Abschlussprüfung durchfallen. 

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