9.5.2016
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Langzeitarbeitslosigkeit: Massiver Anstieg seit 2008

In der öffentlichen Diskussion über die Situation auf dem Arbeitsmarkt taucht eine alarmierende Entwicklung nur am Rande auf - der massive Anstieg der Langzeitarbeitslosigkeit. Wer älter ist, gesundheitliche Einschränkungen aufweist oder über unzureichende Qualifikationen verfügt, läuft häufig Gefahr, langzeitarbeitslos zu werden. 

Im Jahresdurchschnitt 2015 hatten in Österreich 101.764 (Oberösterreich 9.925) arbeitslose Personen eine Vormerkdauer von mehr als 6 Monaten. Davon hatten 34.760 Arbeitslose (Oberösterreich 3.138) sogar eine Vormerkdauer von mehr als 12 Monaten. 

Hinweis

Im Vergleich zum Jahr 2008 – vor dem Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise - bedeutet dies einen massiven Anstieg. Alleine in Oberösterreich stieg die Zahl der Menschen mit einer Arbeitslosigkeitsdauer von mehr als 12 Monaten um 3107 Personen.

Ältere Arbeitnehmer besonders bedroht

Langzeitarbeitslose finden sich in fast allen Altersgruppen. Auffallend ist jedoch, dass das Risiko der Langzeitarbeitslosigkeit mit zunehmendem Alter stark ansteigt. So weist die Gruppe der 45- bis 54-Jährigen mit rund 31 Prozent den höchsten Anteil an den Langzeitarbeitslosen auf. 

Auch das Europäische Beschäftigungsobservatorium zeigt auf, dass mit zunehmendem Alter das Risiko einer Langzeitarbeitslosigkeit steigt. Der EU-Bericht führt dies unter anderem auf eine negative Haltung der Unternehmen gegenüber älteren Arbeitnehmer/-innen zurück. Diese werden bei Einstellungsverfahren benachteiligt.

Bestand an Arbeitslosen nach Alter und Vormerkdauer

(Jahresdurchschnitt 2015)


Dauer der 
Arbeitslosigkeit

    Alter

Oberösterreich


 
Österreich


BestandAnteile
in %
BestandAnteile
in %



Gesamt

Gesamt 41.192 100,0 354.332 100,0 
15-24 6.687 16,2  46.701 13,2 
25-34 10.506 25,5  89.774 25,3 
35-44 8.675 21,1  79.437 22,4 
45-54 9.979 24,2  89.561 25,3 
55 und älter 5.346 13,0  48.859 13,8 



6 Monate
bis 1 Jahr

Gesamt 6.787 100,0 67.004 100,0 
15-24 160 2,4  1.157 1,7 
25-34 1.637 24,1  16.651 24,9 
35-44 1.521 22,4  16.340 24,4 
45-54 2.066 30,4  20.088 30,0 
55 und älter 1.403 20,7  12.770 19,1 



1 Jahr
und länger

Gesamt 3.138 100,0 34.760 100,0 
15-24 26 0,8  248 0,7 
25-34 562 17,9  6.322 18,2 
35-44 689 22,0  7.733 22,2 
45-54 981 31,3  11.063 31,8 
55 und älter 879 28,0  9.393 27,0 


Quelle: AMS; AK-Berechnungen

Schulungen reduziert, Langzeitarbeitslosigkeit steigt 

Der Anstieg der Langzeitarbeitslosigkeit hängt mit dem Rückgang von Schulungen zusammen - eine paradoxe Situation. Gerade bei hoher Arbeitslosigkeit sollte die aktive Arbeitsmarktpolitik intensiviert werden, um Zeiten der Arbeitslosigkeit sinnvoll zu nutzen.

In Oberösterreich ist der Anteil der Schulungsteilnehmer/-innen an allen Arbeitssuchenden seit 2010 rückläufig. Besonders stark ist er seit dem Jahr 2013 gesunken: von 24,7 Prozent auf 18,3 Prozent im Jahr 2015. In diesem Zeitraum hat Oberösterreich gleichzeitig auch einen dramatischen Anstieg des Anteils der Langzeitarbeitslosen verzeichnet. 

Langzeitbeschäftigungslosigkeit ist dramatisch

Ein noch umfassenderes Bild zeigt sich bei der Betrachtung des AMS-Indikators Langzeitbeschäftigungslosigkeit.

Dieser Indikator ist so definiert, dass alle Zeiträume mit dem Status „arbeitslos“, „lehrstellensuchend“, „in Schulung“, „Bezieher/-innen eines Fachkräftestipendiums“, „Abklärung der Arbeitsfähigkeit/Gesundheitsstraße“ oder „Schulung, Reha mit Umschulungsgeld“ zu einem Geschäftsfall zusammengehängt werden, wenn keine Unterbrechung von mehr als 62 Tagen vorliegt.

In Summe waren im Jahr 2015 in Österreich 147.601 Personen über ein Jahr beschäftigungslos. Im Vergleich zum Vorkrisenniveau aus dem Jahr 2008 ist das ein Anstieg um 93.184. 


Die Bundesländer waren jedoch unterschiedlich stark betroffen. Prozentuell verzeichneten Tirol (plus 357,6 Prozent), Kärnten (plus 301,1 Prozent) und Oberösterreich (plus 292,3 Prozent) die stärksten Anstiege.

Das fordert die AK
  • Mittelfristig ist für einen Abbau der Sockelarbeitslosigkeit ein stärkeres Beschäftigungswachstum erforderlich. Dazu braucht es konjunkturbelebende Maßnahmen durch öffentliche Investitionen (zum Beispiel durch Ausbau der Pflege-, Kinderbetreuungs- und Bildungsinfrastruktur).

  • Verbesserung der finanziellen Absicherung bei Arbeitslosigkeit: Die Nettoersatzrate muss in Richtung 75 Prozent angehoben und die Bezugsdauer verlängert werden. Die Anrechnung des Partnereinkommens bei der Notstandshilfe ist zu streichen.

  • Mehr personelle und finanzielle Ressourcen für das Arbeitsmarktservice (AMS) zur Verbesserung der Beratungs- und Vermittlungsdienstleistungen.

  • Ausbau der aktiven Arbeitsmarktpolitik in Form von bedarfsgerechten und nachhaltigen Unterstützungsangeboten insbesondere bei längerer Arbeitslosigkeit, zum Beispiel der Ausbau des „2. Arbeitsmarktes“ (etwa Sozialökonomische Betriebe, Gemeinnützige Beschäftigungsprojekte).

  • Zur Verringerung der Altersarbeitslosigkeit ist ein wirksames Bonus-Malus-System entscheidend. Das im Oktober 2015 beschlossene Bonus-Malus-System ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. Aber die Strafen bei Nichteinhaltung oder die Prämien bei Erfüllung der Quoten sind viel zu gering, um einen Lenkungseffekt zu erzielen, und sollten spürbar angehoben werden.

Arbeitslosigkeit ist viel zu hoch

Mehr als 424.000 Personen sind im Jahr 2016 ohne Arbeitsplatz oder in Schulungen gewesen. So viele wie noch nie seit 1945.

Arbeitsmarkt-Politik

Arbeiterkammer und Katholische Kirche fordern Kurswechsel, Vollbeschäftigung muss das Ziel politischen Handelns werden.

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