Arbeits­losigkeit trotz Konjunktur­­aufschwung über Vor­krisen­niveau

Seit Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise ist die steigende Arbeitslosigkeit in Österreich die zentrale Herausforderung für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Die Jahre 2015/2016 markierten mit jeweils 9,1 Prozent die höchsten Arbeitlosen­quoten seit 1945. Der darauffolgende Konjunktur­aufschwung schlägt sich mittlerweile auch positiv am Arbeitsmarkt nieder: 2018 sank die Arbeitslosen­quote auf 7,7 Prozent, in Summe waren 380.846 Menschen arbeitslos oder in Schulungen. Hinzu kommen 6.205 Lehrstellen­suchende. Diese deutliche Reduktion der Arbeitslosigkeit kann die Auswirkungen der Krise dennoch nicht kompensieren: 2008 lag die Arbeitslosen­quote lediglich bei 5,9 Prozent, die Zahl der arbeitsuchenden Menschen betrug 262.762 sowie 5.695 Lehrstellen­suchende.

Kampf um jede offene Stelle

Vergleicht man die Arbeitslosen­zahlen der vergangenen 20 Jahre lassen sich folgende Trends feststellen: Im Vergleich zu 1998 sind knapp ein Drittel mehr arbeitslose Menschen zu verzeichnen, die Zahl an Schulungs­teilnehmer/-innen hat sich mehr als verdreifacht.

 
Ein Indikator für die weiterhin knappe Anzahl an Arbeitsplätzen ist die sogenannte „Stellen­andrangs­ziffer“ (Arbeitslose pro offener Stelle). 2018 kamen in Österreich im Schnitt auf 1 offene Stelle 4 arbeitslose Menschen.

Arbeitslosigkeit geht in Oberösterreich zurück

Die Entspannung am Arbeitsmarkt spiegelt sich auch in den Arbeitsmarkt­daten aus Oberösterreich wider: 35.157 arbeitslos gemeldete Personen bedeuten einen Rückgang um 11,4 Prozent, die Zahl der Lehrstellen­suchenden sank ebenfalls um 6,2 Prozent und lag im Jahr 2018 durchschnittlich bei 534 Jugendlichen. Gut 9.600 Menschen befanden sich in Schulungs­maßnahmen, was eine gering­fügige Reduktion um 4,8 Prozent bedeutet.

Große Unterschiede zwischen den Bezirken

Vergleicht man die Bezirke, treten große regionale Unterschiede zu Tage: Traditionell weist Rohrbach mit 2,7 Prozent die niedrigste Arbeitslosenquote auf, gefolgt von Eferding mit 3,4 Prozent. In den Städten Linz (6,8 Prozent), Wels (6,9 Prozent) und Steyr (7,2 Prozent) liegen die Arbeitslosen­quoten merklich über dem Landesdurchschnitt (5 Prozent); aber auch der Bezirk Braunau mit 5,4 Prozent und der AMS-Bezirk Traun („Linz-Land“) mit 5,6 Prozent weisen erhöhte Werte auf.

Schwierige Lage in Steyr

Wie angespannt der Arbeitsmarkt in den einzelnen Regionen (Bezirken) ist, lässt sich an Hand der Stellen­andrang­ziffer ablesen: sie beschreibt die Anzahl der Arbeitslosen pro offener Stelle. Die Bezirke Ried, Rohrbach und Kirchdorf sind mit dem niedrigsten Stellen­andrang konfrontiert. Die Bezirk Wels und Traun haben trotz hoher Arbeitslosigkeit eine niedrige Stellen­andrangs­quote, was auf eine hohe Zahl an verfügbaren Arbeitsplätzen hindeutet. Gänzlich anders ist die Situation in Steyr: hier treffen die höchste Arbeitlosigkeit in Ober­österreich mit den wenigsten verfügbaren Arbeitsplätzen zusammen.

Risikogruppe Hilfsarbeiter

Trotz ebenfalls rückläufigen Arbeitslosen­zahlen bleibt die Berufsgruppe der Hilfsarbeiter/-innen anfällig für Arbeitslosigkeit: Rund ein Fünftel aller Arbeitslosen kam aus diesem Beschäftigungs­segment. Besonders deutlich wird dieses Risiko bei der langfristigen Betrachtung. Waren 1990 lediglich 8,7 Prozent in der Berufsgruppe „Hilfsarbeit" arbeitslos, lag der Anteil im Jahr 2002 bereits bei knapp 16 Prozent und erreichte im Jahr 2018 20 Prozent. Im selben Zeitraum ist der Anteil arbeitsloser Metall­arbeiter/-innen von 13,3 Prozent auf 7,8 Prozent gesunken; einen ähnlichen Trend verzeichnen Büroberufe.

Dieser Struktur­wandel am Arbeitsmarkt unterstreicht die Notwendigkeit beruflicher Qualifikation, die sowohl das Bildungssystem als auch die aktive Arbeitsmarkt­politik herausfordern. Besonders für Jugendliche und junge Erwachsene bietet Berufs­ausbildung, sei es in schulischer oder in der dualen Form (Lehrausbildung), ein wirksames Intrument, um Hilfsarbeit und Arbeitslosigkeit zu vermeiden. Es braucht daher dringend eine Intensivierung der aktiven Arbeitsmarkt­politik.

32 Millionen Euro weniger AMS-Budget

Die Bundes­regierung macht aber genau das Gegenteil. Von den 2019 bundesweit zur Verfügung stehenden 1,25 Milliarden Euro erhält Oberösterreich ein Förder­budget in Höhe von 157,6 Millionen Euro. Das sind um rund 32 Millionen Euro weniger als 2018. Die massiven Budget­kürzungen bedeuten vor allem, dass viele Jugendliche trotz Ausbildungs­flicht und der damit verbundenen drohenden Strafen kein ausreichendes Ausbildung­sangebot mehr vorfinden. Die Regierung hat auch sämtliche Mittel für die Integration von Asyl­berechtigten gestrichen. Ohne Sprachkurse und ohne Vermittlung von beruflichen Kenntnissen wird es diesen Arbeitsuchenden kaum gelingen eine Beschäftigung zu finden, was sich zukünftig in höheren gesell­schaftlichen Kosten niederschlagen wird.

32 Millionen weniger AMS-Budget

Aufgrund der Kürzung des AMS-Förderbudgets und der falschen Schwerpunktsetzungen hat die Arbeitnehmerkurie das AMS-Budget 2019 in Oberösterreich abgelehnt.

Zeit für Zukunftsinvestitionen

Die aktuell noch robuste Wirtschafts­lage sollte genutzt werden: Derzeit finden sich bereits Anzeichen, dass sich das Wirtschafts­wachstum verlangsamen wird. Umso wichtiger ist es daher, die Binnen­nachfrage zu stabilisieren. Es sind daher Zukunfts­investitionen in den öffentlichen Verkehr, in die Kinder­betreuung, in den Pflege- und Wohnbausektor notwendig.

Kürzere Vollzeit - Arbeit fair teilen

Eine bessere Verteilung von Arbeit und Arbeitszeit könnte die Arbeitslosigkeit weiter senken. Notwendig ist eine Reduktion der (Voll-)Arbeitszeit ohne Arbeitsverdichtung. Dies hat nicht nur positive Beschäftigungs­effekte, sondern verbessert auch die Lebens­bedingungen der Arbeit­nehmer/-innen, und steigert gleichzeitig die Produktivität.

Ein erster Schritt in diese Richtung wären die korrekte Abgeltung und der Abbau von Über- und Mehrarbeits­stunden durch Einführung einer Abgabe pro geleisteter Über- oder  Mehr­arbeits­stunde in Höhe von 1 Euro für die Betriebe, sowie die 6. Urlaubswoche für alle.

Mehr Kaufkraft durch fairen Mindestlohn

Ein höherer Mindest­lohn ist ein taugliches Mittel zur Bekämpfung der Arbeitslosig­keit und Vermeidung von Armut. Daher sollten die Mindest­löhne und -gehälter flächen­deckend in allen Branchen mittelfristig auf mindestens 1.700 Euro angehoben werden, um die Massen­kaufkraft zu stärken. Davon profitieren auch atypisch Beschäftigte (zum Beispiel teilzeitbeschäftigte Frauen).

Mehr statt weniger Geld für das AMS

  • Das Arbeitsmarkt­service (AMS) muss mit ausreichend finanziellen und personellen Ressourcen in die Lage versetzt werden, individuell abgestimmte Betreuungs­schritte für seine Kunden/-innen zu setzen.

  • Wieder­aufnahme der Aktion 20.000: Seit Oktober 2018 steigt bereits die Anzahl der Arbeits­losen über 55 Jahre wieder, in Oberöster­reich seit Jänner 2019. Hier muss die Regierung endlich Verant­wortung übernehmen und älteren Arbeitslosen Perspektiven eröffnen. 

  • Keine Kürzung der Mittel für überbetriebliche Lehrwerk­stätten: Vor allem sozial benachteiligte Jugendliche profitieren von dieser Maß­nahme und erweitern das Fachkräfte­potenzial.

2019 wird das AMS-Budget in Oberösterreich um 32 Millionen Euro gekürzt.

Lese-Tipp

Dennis Tamesberger im Social-Europe-Blog:

Der Beitrag skizziert die marktradikale Wirtschafts- und Sozial-Agenda der österreichischen Bundesregierung. Von der 60-Stunden-Woche bis hin zur geplanten Abschaffung der Notstandshilfe.

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2019 wird das AMS-Budget in Oberösterreich um 32 Millionen Euro gekürzt.

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