18.11.2016

Ausbildungspflicht bis 18: Ja, aber!

Seit 1. August 2016 gilt in Österreich die Ausbildungspflicht bis 18. Ziel ist, die Zahl der frühen Schulabgänger/-innen zu verringern und dadurch (Jugend)Arbeitslosigkeit zu vermeiden.
Die AK Oberösterreich begrüßt das neue Gesetz, da die Politiker/-innen damit ein zentrale gesellschaftliches Problem reagiert.

Es braucht aber aber noch Verbesserungen:

  • Reformen im Bildungssystem 
  • mehr Geld für aktive Arbeitsmarktpolitik 
  • die Ausbildungspflicht sollte für alle Jugendliche in Österreich gelten. 

Weniger Abbrecher/-innen, weniger Arbeitslose

Mit der Ausbildungspflicht wird die sinnvolle Strategie verfolgt, Jugendarbeitslosigkeit zu bekämpfen, indem präventiv gegen frühen Schul- oder Ausbildungsabbruch vorgegangen wird.

Der Arbeitsmarkt wird entlastet, weil sich nun möglichst alle Jugendlichen im Bildungs- oder Ausbildungssystem befinden. Zudem soll die Beschäftigung junger Menschen in Hilfsarbeit eingeschränkt werden, weil sie durch diese unqualifizierten Tätigkeiten an einer Ausbildung gehindert werden. 

Wir brauchen Ausbildungsplätzen

Die Ausbildungspflicht betrifft alle Jugendlichen bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres, die die Schulpflicht erfüllt haben. Berechnungen des Instituts für höhere Studien (IHS) haben ergeben, dass es einen Bedarf von etwa 16.000 Ausbildungsplätzen in Österreich und etwas mehr als 2.000 in Oberösterreich gibt.

Ein Schritt in die richtige Richtung

Die Ausbildungspflicht als Eingriff in den Arbeitsmarkt ist jedenfalls ein Schritt in die richtige Richtung.Es muss aber weitere Schritte geben.

Zu kritisieren ist, dass es flankierend keine vorbeugenden Maßnahmen im Bildungssystem gibt. Dabei wären kindgerechte Förderung vor Schuleintritt und eine gemeinsame qualitätsvolle Schule für alle ein wesentlicher Beitrag, um frühem Schulabgang vorzubeugen.

Minderjährige Asylwerber/-innen sind derzeit von der Ausbildungspflicht ausgeschlossen, was integrations- und bildungspolitisch kontraproduktiv ist.  

Unternehmen sind verantwortlich:

  • Um tatsächlich durch die Ausbildungspflicht Hilfsarbeit einzuschränken, ist es notwendig, auch die Unternehmen in die Pflicht zu nehmen.

  • Bei Verletzung der Ausbildungspflicht durch Hilfsarbeit sollte das Dienstverhältnis unwirksam werden.

  • Darüber hinaus braucht es für Familien mit geringen Einkommen eine Ausbildungsbeihilfe, ähnlich der Studienbeihilfe, damit sich alle Jugendlichen eine Ausbildung leisten können und nicht auf Hilfsjobs angewiesen sind, die ihnen langfristig kaum Perspektiven bieten.

Zu wenig Geld

Nicht zuletzt wird der Erfolg der Ausbildungspflicht von den finanziellen Ressourcen abhängen. Im ersten Jahr sind im Budget des Arbeitsmarkts-Service (AMS) dafür 6,8 Millionen Euro veranschlagt, bis zur Endausbauphase im Jahr 2020 maximal 57 Millionen Euro.

Dieses Budget erscheint angesichts des hohen Bedarfs an zusätzlichen Ausbildungsplätzen sehr gering bemessen. Darum muss es spürbar aufgestockt und auch von den Ministerien für Wirtschaft, Familien sowie für Bildung gespeist werden. Aufgrund der Bedeutung des Themas ist es unverständlich, dass die Kosten allein vom Sozialministerium getragen werden.

Sozialpartner einbinden

Darüber hinaus ist entscheidend, dass die Koordinationsstellen entsprechend den jeweiligen Problemen der Bundesländer ausgestattet sowie regional koordiniert werden. Ziel der Koordination muss es sein, dass es flächendeckend auf die Zilegruppen passende und vor allem ausreichend niederschwellige Angebote gibt.  
 

Information

Ähnlich wie beim Jugendcoaching des Sozialministeriumservices, das bereits bisher Jugendliche nach der Schulpflicht dabei unterstützt hat, sollten aus Sicht der Arbeiterkammer die Sozialpartner in den Landeskoordinierungsstellen eingebunden sein und ihre Expertise zum Thema Ausbildungspflicht einbringen.

 

IHS-Studie

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