02.08.2017
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Höchste Arbeitslosigkeit seit 70 Jahren. AK fordert Maßnahmen!

In den 8 Jahren seit Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise ist Arbeitslosigkeit die zentrale Herausforderung der Gesellschaft. Österreich erreichte mit 9,1 Prozent im Jahr 2015 erstmals die höchste Arbeitslosenquote in der 2. Republik. Im Jahr 2016 verharrt Österreich auf diesem historischen Höchstand.

In Summe waren 424.520 Menschen entweder arbeitslos oder in Schulung. Hinzu kommen noch 6369 Lehrstellensuchende. Im Vergleich zum Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise im Jahr 2008 stieg die Anzahl an Menschen ohne Beschäftigung (Arbeitslose und Schulungsteilnehmer/-innen) um 162.435 Menschen beziehungsweise um 61 Prozent. 

Oberösterreich von Arbeitslosigkeit besonders betroffen

Ähnlich ist die Entwicklung in Oberösterreich. Im Jahr 2016 betrug hier die Anzahl an Menschen ohne Beschäftigung (Arbeitslose, Schulungsteilnehmer/-innen und Lehrstellensuchende) 52.037. Seit dem Jahr 2008 bedeutet dies einen Anstieg um 21.724 Personen oder um rund 72 Prozent. 

Info

Relativ betrachtet lag in Oberösterreich somit der Anstieg der Arbeitslosigkeit in diesem Zeitraum über dem Österreich-Durchschnitt von 60,5 Prozent.

Entwicklung der Anzahl an Arbeitsuchenden in Oberösterreich 

Viele Arbeitslose bei Hilfskräften

Bei einer längerfristigen Betrachtung der Arbeitslosigkeit nach Berufsgruppen zeigt sich ein eindeutiger Trend. Der Anteil der Arbeitslosen, die der Berufsgruppe Hilfsarbeit zuzuordnen sind, ist deutlich gestiegen. So war der Anteil im Jahr 1990 noch bei 8,7 Prozent und liegt jetzt bei 20,4 Prozent. Im selben Zeitraum ist der Anteil der Arbeitslosen der Metallarbeiter/-innen von 13,3 Prozent auf 8,9 Prozent gesunken. Ähnlich war die Entwicklung bei Büroberufen. 

Dieser Strukturwandel verweist auf die gestiegenen Qualifikationsherausfoerdungen, die das Bildungssystem und die aktive Arbeitsmarktpolitik bewältigen müssen.

Entwicklung des Anteils der Arbeitslosen nach Berufsobergruppen in Oberösterreich, in Prozent

Langzeitarbeitslosigkeit immer mehr ein Problem  

Der gegenwärtige Anstieg der Arbeitslosigkeit resultiert weniger daraus, dass die Anzahl der Personen, die arbeitslos werden, steigt sondern, dass die Zahl der Personen, die arbeitslos sind und bleiben, wächst.

So stieg im Jahr 2016 erneut die durchschnittliche Verweildauer in Arbeitslosigkeit und beträgt in Österreich mittlerweile 126 Tage. In Oberösterreich ist sie um 8,2 Prozent auf 111 Tage angestiegen. Betrachtet man die Anzahl an Langzeitbeschäftigungslosen (Arbeitslose, Lehrstellensuchende, Schulungsteilnehmer/-innen mit mit einer Vormerkdauer über 365 Tage) zeigt sich das zunehmende Problem. Im Jahr 2016 waren in Österreich 162.058 Menschen langzeitbeschäftigungslos. Im Vergleich zum Vorjahr ist dies ein Anstieg um 14.457 Langzeitbeschäftigungslose (+9,8 Prozent). Alleine in Oberösterreich waren 17.078 Menschen von Langzeitbeschäftigungslosigkeit betroffen (+1.518 Personen oder +9,8 Prozent).

Die Folgen von langanhaltender Arbeitslosigkeit sind bereits weitreichend erforscht und umfassen unter anderem negative Konsequenzen für die Gesundheit, ein erhöhtes Armutsrisiko, Dequalifizierung bis hinzu sozialer Isolation und politischer Inaktivität.

Rohrbach noch am besten

Im Bezirksvergleich zeigen sich große regionale Unterschiede. Die Bezirke mit geringsten Arbeitslosenquote waren im Jahr 2016Rohrbach (3,4 Prozent), Eferding (3,7 Prozent) und Freistadt (4,4 Prozent). Das Arbeitslosigkeitsrisiko ist in den Ballungszentren Linz, Wels, Steyr deutlich erhöht und liegt über 8 Prozent. Eine überdurchschnittliche Arbeitslosenquote haben weiters die Bezirke Linz-Land und Braunau.

Um einen Eindruck davon zu bekommen, wie angespannt der Arbeitsmarkt in einem Bezirk ist, empfiehlt sich zusätzlich ein Blick auf die Stellenandrangziffer (Arbeitslose je offener Stelle). Hier verändert sich das Ranking.

So weisen die Bezirke Ried, Braunau und Vöcklabruch den niedrigsten Stellenandrang auf. Auffallend ist hierbei, dass Braunau trotz hoher Arbeitslosenquote, eine niedrigen Stellenandrang hat, was auf eine hohere Anzahl an verfügbaren Arbeitsplätzen hinweise. Ähnlich verbessert sich auch das Ranking von Linz und Wels aufgrund des Arbeitsangebots vor Ort. Anders ist die Situation in Steyr, wo im Bezirksvergleich sowohl die Arbeitslosenquote als auch der Stellenandrang am höchsten ist.

Rekordarbeitslosigkeit: das fordert die AK

Konjunkturbelebung

Um Arbeitsplätze zu schaffen und damit die Zahl der Arbeitslosen zu senken, muss die Wirtschaft angekurbelt werden. Konkret geht es um höhere öffentliche Investitionen in den Bereichen sozialer Wohnbau, öffentlicher Verkehr, soziale Dienstleistungen (Bildung, Pflege und Sozialarbeit), Breitband- und Energienetze und und den ökologischen Umbau der Wirtschaft.
In allen Bereichen ist der Bedarf aufgrund der lange anhaltenden Zurückhaltung bei Investitionen und der demografischen Entwicklung hoch.
Die angekündige "Beschäftigungsaktion 20.000" der Bundesregierung, die Arbeitsplätze für langzeitarbeitslose Menschen in Gemeinden oder gemeinnützigen Trägervereinen/Unternehmen schaffen will, ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

Arbeit fair teilen - kürzere Vollzeit

Eine bessere Verteilung von Arbeit und Arbeitszeit könnte die Arbeitslosigkeit beträchtlich senken. Notwendig ist eine Reduktion der (Voll-)Arbeitszeit ohne Arbeitsverdichtung. Dies hat nicht nur positive Beschäftigungseffekte, sondern verbessert auch die Lebensbedingungen der Arbeitnehmer/-innen, und steigert gleichzeitig die Produktivität.
Ein erster Schritt in diese Richtung wären die korrekte Abgeltung und der Abbau von Über- und Mehrarbeitsstunden durch Einführung einer Abgabe pro geleisteter Über- oder  Mehrarbeitsstunde in Höhe von 1 Euro für die Betriebe, sowie die 6 Urlaubswoche für alle.

Kaufkraft durch Lohn- und Steuerpolitik stärken

Ein höherer Mindestlohn ist ein taugliches Mittel zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Daher sollten die Mindestlöhne und -gehälter flächendeckend in allen Branchen mittelfristig auf mindestens 1700 Euro angehoben werden, um die Massenkaufkraft zu stärken. 

Arbeitsmarkt: Mehr Geld für AMS

  • Das Arbeitsmarktservice (AMS) muss endlich mit ausreichend finanziellen und personellen Ressourcen in die Lage versetzt werden, individuell abgestimmte Betreuungsschritte für seine Kunden/-innen zu setzen. 
  • Erhöhung des aktiven AMS-Budgets: Eine generelle Bindung der Mittel für aktive Arbeitsmarktpolitik an die Zahl der Arbeitsuchenden, damit bei hoher Arbeitslosigkeit ausreichende Mittel für Weiterbildungen verfügbar sind. 
  • Niederschwellige Beschäftigungsmöglichkeiten auf dem 2. Arbeitsmarkt ausbauen. 

Zahlen & Fakten

Hinterrundinformationen rund ums Thema "Arbeit und Alter".

Weniger arbeitslose Jugendliche

Die Situation für Jugendliche am Arbeitsmarkt hat sich verbessert, die Arbeitslosigkeit der Unter-20-Jähren ist zurückgegangen.

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