Regierung spart beim AMS-Budget und kürzt die Lehrlingsbeihilfe

Im Jahresdurchschnitt 2018 waren in Oberösterreich 9.140 Jugendliche zwischen 15 und 24 Jahre entweder arbeitslos gemeldet (4.484), in Schulung (4.122) oder auf der Suche nach einer Lehrstelle (534). Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet das: Die Anzahl der arbeitssuchenden Jugendlichen ist um 9,2 Prozent gesunken, das sind 922 Personen weniger. Auch wenn diese Entspannung am Arbeitsmarkt erfreulich ist: Aktuell sind immer noch 1.200 Jugendliche mehr ohne Beschäftigung als vor Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise im Jahr 2008.


Jugend-Arbeitslosigkeit: Zwei Drittel sind zwischen 20 und 24

In Oberösterreich betrug die Arbeitslosenquote im Jahr 2018 von Jugendlichen bis 19 Jahre 2,8 Prozent, bei jungen Erwachsenen zwischen 20 und 24 Jahren 5,6 Prozent. Damit haben junge Erwachsene im Alter zwischen 20 und 24 Jahren eine der höchsten Arbeitslosigkeitsrisiken unter allen Altersgruppen. Lediglich Menschen, die älter als 55 Jahre sind, haben ein noch höheres Arbeitslosigkeitsrisiko. Generell zeigt sich bei der Jugendarbeitslosigkeit eine Verschiebung des Problemausmaßes von den 15- bis 19-Jährigen zu den 20-bis 24-Jährigen, da rund zwei Drittel aller arbeitslosen Jugendlichen in dieser Altersgruppe sind. Dies verweist zum einen auf die demografische Entwicklung und zum anderen auf die positive Wirkung der Vielzahl an arbeitsmarktpolitischen Angeboten, die im Rahmen der Ausbildungsgarantie  für Jugendliche unter 19 Jahren etabliert wurden: zum Beispiel die überbetriebliche Lehrausbildung (ÜBA) oder das Jugend-Coaching.

Fast ein Fünftel hat keine weiterführende Ausbildung

Im strategischen arbeitsmarktpolitischen Rahmenprogramm „Arbeitsplatz OÖ 2020“ hat sich Oberösterreich das Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2020 den Anteil der Jugendlichen im Alter zwischen 20 und 24 Jahren ohne Ausbildung unter 12 Prozent zu senken. Seit dem Basis-Jahr 2009 gab es jedoch kaum eine Annäherung an dieses Ziel. Laut Review-Bericht des Landes Oberösterreich verfügen rund 17 Prozent der Jugendlichen über keine weiterführende Ausbildung. Die Erreichung dieses Zieles wäre nicht nur wichtig, um das Arbeitslosigkeitsrisiko der Betroffenen zu senken und die negativen Folgen des digitalen Strukturwandels abzufedern: Eine weiterführende Bildung trägt wesentlich zu einem selbstbestimmten Leben bei.

40 Prozent weniger AMS-Budget für junge Menschen

Das von der Regierung gekürzte AMS-Budget für das Jahr 2019 bedeutet vor allem Einschnitte bei den Angeboten für junge Menschen. Das Budget für die Ausbildungsgarantie bis 25 wird gekürzt, auch stehen weniger Mittel für das Erfolgsmodell „Überbetriebliche Lehre" zur Verfügung. In Oberösterreich werden 10 Millionen Euro gestrichen, damit sinkt das Budget von 25 auf 15 Millionen Euro. Das hat fatale Folgen: Viele Jugendliche werden trotz Ausbildungspflicht und der damit verbundenen drohenden Strafen kein ausreichendes Ausbildungsangebot mehr finden. Sie rutschen damit entweder in die Arbeitslosigkeit, müssen Hilfsjobs annehmen oder müssen Lehrausbildungen machen, die nicht ihren Fähigkeiten entsprechen oder unfaire Arbeitsbedingungen mit sich bringen. Alternativen haben sie keine. Zudem werden die Trägereinrichtungen der bisherigen Ausbildungsangebote um die Existenz kämpfen und ihre Mitarbeiter/innen entlassen.

Regierung kürzt Lehrlingen die Beihilfe

Besonders problematisch ist die gekürzte Lehrlingsbeihilfe für junge Erwachsene in der überbetrieblichen Lehrausbildung. Hier schießt sich die Regierung ein Eigentor. Das Zusammenstreichen der Beihilfe bringt keine nennenswerten Einsparungen, die Betroffenen aber kommen in eine prekäre Lage. Seit 1. September 2018 erhalten junge Erwachsene über 18 Jahre während einer überbetrieblichen Lehrausbildung statt 753 Euro nur mehr 326 Euro monatliche Ausbildungsbeihilfe. Für die einzelnen Betroffenen bedeutet das: die Ausbildung ist nicht mehr leistbar, ihre Arbeitsmarktlage durch die fehlende Ausbildung verschlechtert sich dadurch langfristig und auch die Anzahl potenzieller Fachkräfte wird dadurch sinken.

Forderungen der AK

Die Regierung muss der Ausbildung von Jugendlichen endlich höchste Priorität einräumen, mehr Ressourcen in der Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik für benachteiligte Jugendliche zur Verfügung stellen und die Konsequenzen des digitalen Strukturwandels abfedern:

Strategien gegen frühen Schulabgang

  • Ausbau von qualitätsvollen Ganztagesschulen, vor allem in verschränkter Form.
  • Einführung einer Gesamtschule für die 6- bis 15-Jährigen.
  • Schulen mit mehr sozial benachteiligten Kindern sollen mehr Ressourcen erhalten (Indexbasierte Mittelverteilung).

Aktive Arbeitsmarktpolitik maßgeschneidert weiterentwickeln:

  • Ausbau und nachhaltige Sicherung niederschwelliger Ausbildungs- und Beschäftigungsformen. Das Erfolgsmodell der überbetrieblichen Lehrausbildung ausreichend finanzieren.
  • Aufstockung des AMS-Budgets, um eine qualitative Betreuung und Beratung von speziellen Zielgruppen zu gewährleisten.
  • Die Kürzung der Ausbildungsbeihilfe wieder zurücknehmen.

Betriebe sind in die Verantwortung zu nehmen:

  • Sie müssen Jugendliche mit Unterstützungsbedarf fördern. Um in der betrieblichen Lehrstellenförderung dafür Anreize zu schaffen, sollen die Förderungen nicht pauschal, sondern nach qualitäts- beziehungsweise problembezogenen Kriterien (etwa Unterstützung für lernschwächere und benachteiligte Jugendliche) vergeben werden.
  • Qualitätssicherung in der Lehrausbildung, damit weniger Jugendliche bei der Abschlussprüfung durchfallen.

AK-Lese-Tipp

Mehr zum Thema Jugendarbeitslosigkeit finden Sie hier.

„Trotz Erfolg: Allein Oberösterreich verliert 40 Prozent des AMS-Budgets für Jugendliche.“ 

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