Krank zur Arbeit gehen – Das Phänomen Präsentismus

Wer in die Arbeit geht, ist nicht zwingend gesund. Krankenstandsdaten gelten allerdings in  Betrieben als zentraler Gesundheitsindikator. Dabei gehen etwa 35 Prozent der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen in Österreich auch dann zur Arbeit, wenn sie krank sind. Ungeachtet, dass  es für ihre Gesundheit zuträglicher gewesen wäre, daheim zu bleiben. So das Ergebnis des Arbeitsgesundheitsmonitors der Arbeiterkammer Oberösterreich für das Jahr 2014.

Präsentismus ist noch kaum erforscht 

Präsentismus – das Phänomen vom Erscheinen am Arbeitsplatz trotz Krankheit – ist hierzulande weit verbreitet, in den Unternehmen und der heimischen Forschung allerdings weitgehend unerforscht. Betrachtet man einzelne Branchen, so zeigt sich, dass Präsentismus besonders häufig im Gesundheitswesen, Verkehr und Transportwesen und im Handel auftritt. Frauen gehen häufiger krank zur Arbeit als Männer.

Grundlegende Diplomarbeit von Elisabeth Gattringer

Die Diplomarbeit "Arbeiten trotz Krankheit – Einflussfaktoren und Folgen des Präsentismus" von Elisabeth Gattringer an der Johannes-Kepler Uni in Linz bringt nun wissenschaftliche Erkenntnisse. Die Diplomandin arbeitete heraus, dass Präsentismus durch mehrere Einflussfaktoren bestimmt wird. So können personenbezogene Faktoren, wie die individuelle Gesundheit oder der soziodemografische Hintergrund, arbeitsbezogene Faktoren, wie die Arbeitsbedingungen oder die Arbeitszufriedenheit und organisationsbezogene Faktoren, wie etwa die Unternehmenskultur dieses Verhalten maßgeblich beeinflussen.

Fragestellungen dieser Arbeit waren unter anderem auch, wie sich krank zur Arbeit gehen auf die Gesundheit der betroffenen Arbeitnehmer/-innen auswirkt, begünstigende Einflussfaktoren für dieses Verhalten und daraus abzuleitende Fragestellungen für das betriebliche Gesundheitsmanagement.

Psychisch Kranke besonders gefährdet

Psychische Krankheiten werden oft nicht als plausibler Grund anerkannt, dem Arbeitsplatz fern zu bleiben. Psychisch krank zur Arbeit gehen und nicht als krank angesehen zu werden, kann zum völligen Zusammenbruch der Betroffenen führen. Prävention muss daher einen verantwortungsvollen Umgang mit psychischen Erkrankungen von Mitarbeiter/-innen im Unternehmen bedeuten.

Pflichtgefühl gegenüber Kollegen ist Hauptgrund

Laut Arbeitsgesundheitsmonitor der AK Oberösterreich  gibt es mehrere Gründe, warum Beschäftigte krank zur Arbeit gehen: 

  • Rund 60 Prozent gehen krank arbeiten, weil sie ihre Kollegen/-innen nicht im Stich lassen wollen. 
  • 40 Prozent geben an, dass sie keine Vertretung haben.
  • 35 Prozent geben an, dass die Arbeit sonst nicht gemacht würde und daher liegen bleibt.
  • Immerhin 15 Prozent erwarten Konsequenzen, wenn sie zuhause bleiben und sich auskurieren.

Wer da ist, muss nicht unbedingt gesund sein

Eine hohe Anwesenheitsquote und geringe Krankenstandsquoten stehen noch lange nicht für einen guten Gesundheitszustand der Mitarbeiter/-innen. Statt nur den Fokus auf die Krankenstandstage zu richten, braucht es nachhaltige Verbesserungen der Arbeitsbedingungen. Krankmachende Faktoren müssen verhindert werden. Daher sind betriebliche Gesundheitsförderung und der Schutz vor Belastungen für die Anwesenden sowie gute Chancen für einen Wiedereinstieg nach langer Krankheit notwendig.

Präsentismus bringt Nachteile

  • Die Qualität der Arbeit sinkt aufgrund verminderter Arbeitsfähigkeit.
  • Fehleranfälligkeit und -häufigkeit nehmen zu.
  • Die Anzahl der Unfälle am Arbeitsplatz steigt.
  • Beschäftige riskieren einen späteren Ausfall, der erheblich länger dauern kann.
  • Gefahr der Verfestigung (Chronifizierung) von Krankheitsbildern und Burnout.
  • Kranke Mitarbeiter/-innen können andere anstecken.

Die AK fordert Maßnahmen gegen Präsentismus

  • Anreizsysteme für Anwesenheit trotz Krankheit verbieten! Gutscheine und Prämien für Mitarbeiter/-innen, die das ganze Jahr nicht in Krankenstand gehen, sowie Fehlzeitenbriefe können die Präsenz im Job trotz Krankheit fördern und gehören daher verboten.

  • Ausreichend Personal! Eine ausreichende Personalbemessung bewirkt, dass krankheitsbedinge Fehlzeiten von Kollegen/-innen nicht zu Lasten der Belegschaften gehen. Der Betriebsrat ist bei der Personalbemessung einzubinden. Überstunden müssen abgebaut werden.


  • Führungskräfte auf Gefahren des Präsentismus aufmerksam machen! Das Phänomen, krank zur Arbeit gehen, und dessen negative Auswirkungen müssen ein breites gesellschaftliches Bewusstsein erfahren. Präsentismus, seine Bedeutung und Wirkung sowie die Frage, wie man dies erkennen kann und seinem Entstehen entgegenwirkt, muss deswegen Gegenstand der Ausbildung von Führungskräften sein.


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