Gesund bleiben bis zur Pension im sozialen Dienstleistungsbereich

Das Personal ist die wichtigste Ressource eines jeden Unternehmens. Dabei wird das Potenzial der älteren Arbeitnehmer/-innen vielfach unterschätzt.

Arbeit zu haben, ist eine wesentliche Existenzgrundlage für die Menschen. Erwerbstätigkeit setzt aber Arbeitsfähigkeit voraus. Für die Erhaltung der Arbeitsfähigkeit sind die Arbeitsbedingungen ebenso entscheidend wie die Ressourcen der einzelnen Person selbst.

In der diesjährigen Tagung wurde anhand von konkreten Beispielen gezeigt, welche Gestaltungsmöglichkeiten genutzt werden sollen. Der Begriff „Generationenmanagement“ wurde beleuchtet und gezeigt, welche Handlungsansätze daraus abgeleitet werden können:
Was heißt älter werden in der Arbeitswelt?  Wo liegen die Herausforderungen und Chancen? Welche Vorurteile gegenüber Älteren gibt es? Ist ein gesellschaftlicher Wertewandel in Bezug auf das Alter notwendig?

Krankenstände und Arbeitszufriedenheit im Gesundheits- und Sozialbereich

  • Die Anzahl der beim Arbeitsmarktservice (AMS) vorgemerkten arbeitslosen Personen im Gesundheits- und Sozialbereich steigt. Davon sind in erster Linie ältere Beschäftigte betroffen.

  • Im Gesundheits- und Sozialwesen Beschäftigte weisen mit 13,8 Tagen im Jahr mehr Krankenstandstage als die in den übrigen Branchen Beschäftigten auf. 

  • Die Branche ist nicht nur durch vergleichsweise hohe Krankenstandstage gekennzeichnet, ein weitere Problem ist der Präsentismus. Präsentismus bedeutet, dass ein Großteil der Beschäftigten im Gesundheitsbereich krank zur Arbeit geht. Im Vergleich zu anderen Berufsgruppen geben Pflegekräfte deutlich öfter an, dies aus Rücksicht gegenüber ihren Kollegen/-innen zu tun und dass zu wenig Personal vorhanden ist, um Ausfälle abzufangen.

  • Nur 34 Prozent aller Beschäftigten in den Pflegeberufen glauben daran, ihren Beruf bis 60 beziehungsweise 65 Jahre noch ausüben zu können. In den Gesundheitsberufen sind es 62 Prozent  die daran glauben bis 60/65 arbeiten zu können. Eine beängstigende Perspektive für Beschäftigte, die ihre Arbeit mit Engagement und Einsatz erledigen.

Generationenmanagement ist eine Antwort

Gesundheits- und Sozialorganisationen sind mit wachsendem Kosten- und Wettbewerbsdruck konfrontiert. Ihre Wettbewerbsfähigkeit in Zukunft wird auch davon abhängen, wie es diesen Organisationen gelingt, ihr Personal aller Generationen gesund und produktiv im Arbeitsprozess zu halten. 

Man wird nicht auf einzelne Generationen verzichten können und wollen. Schließlich lernen und profitieren die einzelnen Generationen voneinander. Gerade in generationsübergreifenden Teams können die jeweiligen Stärken genutzt werden.

Um nun erfolgreich den Generationendialog zu bahnen, brauchen Organisationen eine Kultur der gegenseitigen Achtsamkeit und Wertschätzung, sowie Führungskräfte die über generationsspezifisches Wissen verfügen.

Gelingt dies, so kann die Vielfalt zum großen Vorteil für Unternehmen wie Mitarbeiter/-innen und Klienten/-innen und Patienten/-innen werden und schwierige Arbeitsbedingungen besser bewältigbar machen.

Arbeitsunterbrechungen belasten Beschäftigte

In Berufen des Gesundheits- und Sozialbereichs sind Arbeitsunterbrechungen normal . Treten diese allerdings zu häufig auf, lösen sie Stress aus. Geistige Anstrengung, Zeitdruck, Frustration, emotionale und kognitive Irritation sind die Folgen, das erhöht das Risiko von Fehlern und letztendlich das Risiko langfristig krank zu werden.

Für „Junge“ und „Alte“ sind Arbeitsunterbrechungen gleich belastend – nur der Umgang damit verändert sich. Arbeitsunterbrechungen können durch eine optimale Gestaltung von Aufgaben-, Arbeitsbedingungen und –organisation, durch Maßnahmen zur individuellen Gesundheitsförderungen und durch gesundheitsbewusste „Führungs- und Unternehmenskultur“ reduziert werden. Man kann auch lernen, damit besser umzugehen.

Von der Evaluierung psychischer Belastung zur zielgruppenspezifischen Maßnahme

Die Evaluierung psychischer Belastungen ist derzeit zwar in aller Munde, wird von vielen allerdings nur als zusätzlicher bürokratischer Aufwand wahrgenommen. Der hohe Nutzen der Evaluierung für die Organisations- und Personalentwicklung wird zudem unterschätzt.

Aus den Ergebnissen lassen sich wirksame Maßnahmen für gute Arbeitsbedingungen ableiten. Die Evaluierung der Arbeitsbedingungen ist eine zwingende gesetzliche Vorgabe, die als wichtiger Hebel für alternsgerechtes Arbeiten genutzt werden kann.

Das fordert die AK

  • Arbeit darf nicht krank machen. Hohes Engagement der Beschäftigten nicht zur Aufweichung von Schutzbestimmungen missbrauchen.

  • Die im Gesetz festgelegte Evaluierung psychischer und physischer Belastungen muss durchgeführt und die Ergebnisse müssen veröffentlicht werden. Betriebe müssen die sich daraus ergebenden Maßnahmen umsetzen. Wer das nicht tut, wird bestraft.

  • Der gesellschaftliche Wert von Pflegearbeit muss endlich anerkannt und besser bezahlt werden.

  • Einführung von Mindestpflegeschlüsseln, die reale Arbeitsbedarfe abbilden. Dabei sind unter anderem das Alter der Belegschaft, örtliche Besonderheiten und besondere Pflege- und Dokumentationsbedarfe zu berücksichtigen.
     
  • Eine nachhaltige Finanzierung der Spitäler und der Pflege als öffentliche Aufgabe muss sichergestellt werden.

  • Einführung eines Bonus-Malus-Systems um die Beschäftigungsquote älterer Mitarbeiter/-innen zu erhöhen.

  • Erfahrung und Urteilsfähigkeit der Älteren nutzen und honorieren.

  • Tätigkeiten, Arbeitsplätze und Arbeitszeit an die Möglichkeiten der Älteren anpassen

  • Keine Altersgrenzen für interne Karriere und Weiterbildung.

  • Führungskräfte sollen den Erfahrungsaustausch zwischen Jung und Alt aktiv fördern. 

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