02.04.2021

Jugendarbeitslosigkeit in der Corona-Krise 2020

Junge Menschen, die neu in den Arbeits­markt eintreten, sind eher in ungeschützten Branchen mit hohem Arbeits­losigkeits­risiken tätig. Im Vergleich zu anderen Alters­gruppen haben junge Menschen in Österreich häufiger geringfügige und/oder befristete Beschäf­tigungs­verhältnisse, arbeiten öfter in Branchen mit kurzen Kündigungs­fristen und sind häufiger bei Arbeits­kräfte­überlassungs­firmen angestellt. Da die Corona-Krise nicht alle Branchen gleich trifft, sind junge Menschen zusätzlich betroffen, weil sie beispielsweise häufiger im Tourismus beschäftigt sind.

Höhe Jugendarbeitslosigkeit

Der erste Lockdown im März führte zu einem deutlichen Anstieg der Zahl der Betroffenen. Im April 2020 waren 61.216 Jugend­liche und junge Erwachsene als arbeitslos registriert, hinzukamen 22.568 Personen in Schulungen und 8.311 Lehrstellen­suchende. Die Gesamtzahl der Betroffenen stieg somit im April 2020 auf über 92.000 an. Nach einer Erholung im Sommer stiegen die Zahlen seit Oktober wieder. Während des ersten Lockdowns gingen die Schulungen deutlich zurück.

Erst ab September hat sich die Zahl der Schulungs­teil­nehmer/-innen wieder erholt, was aber ausschließlich auf Wien zurückzuführen war. Die Anzahl an Lehrstell­suchenden stieg von März bis Mai abrupt auf fast 8800 Jugendliche an. Mit dem Ende des Schuljahres kletterte die Anzahl der Lehrstellen­suchenden auf über 11.500 Jugendliche. Ab September 2020 kam es zu einer Entspannung am Lehrstellen­markt, aber im Dezember stieg die Anzahl bereits wieder.

Im Jahres­durchschnitt 2020 ergibt sich folgendes Bild:

  • 43.453 Jugendliche und junge Erwachsene sind beim AMS als arbeitslos erfasst (+43,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr)
  • 24.332 befinden sich in Schulungen (-7,7 Prozent)
  • 8.159 sind Lehrstellensuchend (+19,5 Prozent)

Das ergibt in der Summe rund 76.000 Jugendliche und junge Erwachsene ohne Beschäftigung. Zu beachten ist, dass in dieser Zahl einige Gruppen nicht erfasst sind, wie zum Beispiel Schüler/-innen und Studierende, die eigentlich gerne arbeiten würden, aber wegen fehlender Jobs im Bildungs­system bleiben.

Entwicklung der Jugendarbeitslosigkeit 15 bis 24 Jahre in Österreich 

Quelle: Datenbank BALI

Auch Anstieg in Oberösterreich

Aufgrund der Wirtschaftsstruktur ist Oberösterreich nicht so stark betroffen wie die Tourismusregionen Vorarlberg, Tirol und Salzburg. Dennoch ist Jugendarbeitslosigkeit hier ein Problem.

Im Jahresdurchschnitt 2020 ergibt sich folgendes Bild:

  • 6.013 Jugendliche und junge Erwachsene sind beim AMS als arbeitslos erfasst (+37,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr)
  • 3.323 befinden sich in Schulungen (-9,2 Prozent)
  • 784 sind Lehrstellensuchend (+29,6 Prozent)

Das ergibt in der Summe rund 10.100 Jugendliche und junge Erwachsene ohne Beschäftigung in Oberösterreich. 

Entwicklung der Jugendarbeitslosigkeit 15 bis 24 Jahre in Oberösterreich

Höchstes Risiko im Tourismus und in den sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen

Im Jahresdurchschnitt 2020 zeichnet sich eine dramatische Situation in der Branche Beherbergung und Gastronomie sowie in der Branche Erbringung von sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen, wo vor allem die Leiharbeit eine Rolle spielt. In der Branche Erbringung von sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen (inklusive Arbeitskräfteüberlassung) betrug die Arbeitslosenquote von Jugendlichen 21,7 Prozent (in Oberösterreich 18,5 Prozent). In der Gastronomie betrug der Arbeitslosenquote 19,1 Prozent (in Oberösterreich 16,7 Prozent). 

Arbeitslosenquoten von Jugendlichen im Alter von 15 bis 24 Jahre nach ausgewählten Branchen

Angebote für junge Erwachsene

Auch wenn die Taskforce Jugend­beschäf­tigung eine Reihe von Maßnahmen auflistet, scheint ein wirkungsorientiertes Gesamt­konzept und eine Arbeitsmarkt­offensive zu fehlen. Während die Ausbildungs­pflicht bis 18 offensichtlich senkend auf die Jugend­arbeitslosigkeit wirkt, scheinen die Maßnahmen bei jungen Erwachsenen entweder nicht ausreichend oder nicht passend zu sein. Denn junge Menschen im Alter zwischen 20 bis 24 Jahren haben mit 11,2 Prozent (in Oberösterreich 8,1 Prozent) eines der höchsten Arbeits­losigkeits­risiken unter allen Alters­gruppen.

Forderungen der AK

Frühen Schulabgang vermeiden

  • Ausbau von qualitätsvollen Ganztagsschulen, vor allem in verschränkter Form.
  • Einführung einer Gesamtschule für die 6- bis 15-Jährigen.
  • Mehr Ressourcen für Schulen mit sozial benachteiligten Kindern (Indexbasierte Mittelverteilung)

Jugendauffangnetz jetzt ausrollen

  • Mehr kostenlose Psychotherapie für junge Menschen
  • Ausbau sozialraumorientierter Jugendarbeit
  • Die Ausbildung bis 18 ausweiten auf die Zielgruppe der 20 bis 24-Jährigen und entsprechend zu budgetieren.
  • Niederschwelligen Ausbildungs- und Beschäftigungsformen wie Produktionsschulen sind deutlich auszuweiten. Ebenfalls muss das Erfolgsmodell der überbetrieblichen Lehrausbildung so aufgestockt werden, dass es im Herbst keine Knappheit an Ausbildungsplätzen gibt.
  • Aufstockung des AMS-Budgets um eine qualitative Betreuung/Beratung von speziellen Zielgruppen zu gewährleisten.
  • die Kürzungen der Ausbildungsbeihilfe in der überbetrieblichen Lehrausbildung und in ausbildungsvorbereitenden Maßnahmen sind wieder zurückzunehmen.

Downloads

Links

Kontakt

Kontakt

Wirtschafts-, Sozial- und Gesellschaftspolitik
TEL: +43 50 6906 2413
E-MAIL: wsg@akooe.at

Das könnte Sie auch interessieren

Mann mit Schutzmaske räumt seinen Arbeitsplatz © ty, stock.adobe.com

Rekord-Arbeits­losig­keit durch COVID-19

Die Arbeits­losen­quote ist noch immer weit höher als im Vor­jahr. Personen die ihren Job verloren haben, brauchen dringend mehr Geld!

  • © 2021 AK Oberösterreich | Volksgartenstrasse 40 4020 Linz, +43 50 6906 0

  • Datenschutz
  • Impressum