05.05.2020

Corona-Kurzarbeit – Eine Win-Win-Situation für alle Be­teiligten

Kurzarbeit (vorübergehende Arbeitszeitverkürzung) hilft Betrieben bei der Krisen-Bewältigung und schützt Beschäftigte vor Arbeitslosigkeit. Der Corona-Wirtschaftseinbruch betrifft fast alle Unternehmen. Dass so viele Unternehmen gleichzeitig mit Umsatzrückgängen zu kämpfen haben, ist einmalig. Kurz­arbeit ist jetzt die beste Lösung.

Die Maßnahmen der Bundesregierung, um das Corona-Virus einzudämmen, kamen besonders schnell und umfassend. Hinzu kommt, dass die Maßnahmen weltweit vollzogen werden. Nach der Pandemie werden die Beschränkungen wieder aufgehoben, Betriebe können wieder produzieren und der Handel die Geschäfte öffnen. Dann benötigen die Unternehmen wieder Personal und Fachkräfte - am besten die schon Eingearbeiteten. Wir kämpfen nicht mit einer jahrelangen Rezession, die zu einer langen Unterauslastung der Betriebe führt. Es geht darum, einen mehrmonatigen Zeitraum zu überbrücken und dann wieder zum „Normalbetrieb“ zurückzukehren. 

Win-Win-Situation für alle

Angesichts der Umstände wurden die Kurzarbeit für COVID-19 angepasst. Kurzarbeit ist für alle die beste Lösung. Besonderes Augenmerk wurde von den Sozialpartnern auf die Einkommensabsicherung gelegt. Beschäftigte haben Gewissheit, dass sie 80-90 Prozent (gestaffelt nach Einkommenshöhen) ihres Nettoeinkommens bekommen. Für Unternehmen war es wichtig, dass sie bei Ausfallstunden flexibel reagieren können (eine wochenlange Reduktion der Arbeitszeit auf Null ist möglich) und nur die Personalkosten für geleistetete Arbeitsstunden zahlen müssen. Die Betriebe werden (teilweise rückwirkend mit 1. März) von Personalkosten entlastet. Unternehmen können Kurzarbeit sofort beenden, wenn wieder Aufträge eingehen. Sie brauchen weder Zeit noch Geld für die Suche nach neuem Personal aufwenden.

Beschäftigungs­verhältnisse bleiben auf­recht

Für Beschäftigte ist es ein Vorteil, dass das Beschäftigungsverhältnis aufrecht bleibt. Zudem haben sie für die Dauer der Kurzarbeit ein garantiertes Mindesteinkommen. Es ist um 10-20 Prozent niedriger als das Nettoeinkommen, aber höher als bei Arbeitslosigkeit. Außerdem sind Kurzarbeitszeiten in der Sozialversicherung mit den Zeiten der „Normalbeschäftigung“ gleichgestellt. Das heißt, dass für die Pensionsversicherung die Beiträge auf dem bisherigen Niveau entrichtet werden (und nicht auf dem niedrigeren Niveau). Und auch im Fall späterer Arbeitslosigkeit schmälert die Kurzarbeit nicht die Bemessung des Arbeitslosengeldes (das ist insbesondere für Arbeitnehmer/-innen bedeutsam, die instabile Beschäftigungsverläufe aufweisen).

Weniger öffent­liche Kosten als bei Arbeits­losigkeit

Auch für den Staat überwiegen die Vorteile. Die Kurzarbeitsbeihilfe an die Betriebe wird zwar mehrere Milliarden kosten, die Kosten der Arbeitslosigkeit wären aber höher. Denn nach der Corona-Krise würde es länger dauern, die Arbeitslosen wieder in ein Beschäftigungsverhältnis zu bringen. Besonders bei benachteiligten Gruppen wäre die Gefahr langzeitarbeitslos zu werden sehr groß. Die Rechnung für die öffentliche Hand fällt noch günstiger aus, wenn man die Rückflüsse (SV-Beiträge, Steuern & Abgaben) mitberücksichtigt, die bei der Kurzarbeit deutlich höher sind als im Fall der Arbeitslosigkeit.

Konsum bleibt auf­recht

Unternehmen und Beschäftigten, die nicht direkt von der Krise betroffen sind, profitieren von der stabilisierenden Wirkung der Kurzarbeit. Denn über die Verflechtungen im Wirtschaftskreislauf, wirken sich Einkommenskürzungen bei Arbeitslosen über geringere Konsumausgaben schnell auch auf andere Branchen aus. Aufgrund dieser gesamtwirtschaftlichen positiven Effekte ist es gerechtfertigt, dass sich alle an den Kosten für Kurzarbeit beteiligen.

Zahlt sich Kurz­arbeit aus?

Zur Veranschaulichung der finanziellen Vorteile ein Rechenbeispiel:

Ein Beschäftigter im Metallgewerbe verdient bei einer 38,5 Stunden-Woche brutto 2.651 Euro. Würde er gekündigt, erhält er ein Arbeitslosengeld von 1.200 Euro (im Mai bekommt er den Tagsatz von 40 Euro 31 mal). Im Vergleich dazu erhält er bei Kurzarbeit - auch bei 10 Prozent Arbeitszeit - 1.555 Euro (um gut ein Viertel mehr als bei Arbeitslosigkeit). 
Der Arbeitgeber bekommt den Großteil der Arbeitskosten vom AMS erstattet – er muss lediglich 348 Euro pro Monat zahlen (aufgrund unterschiedlicher Ausfallstunden ungleich auf die 3 Monate verteilt). Im Vergleich zu einer Kündigung erspart sich der Chef mit Kurzarbeit beinahe 2.700 Euro.

Hohe Inanspruchnahme

Auch wenn der Arbeitslosigkeitsanstieg in den Monaten März und April 2020 dramatisch war, so haben doch viele Unternehmen den Appell der Sozialpartner und der Regierung aufgegriffen und das COVID-19-Kurzarbeitsmodell in Anspruch genommen. Bis Ende April haben mehr als 100.000 Unternehmen Kurzarbeitsanträge eingebracht (knapp 90 Prozent davon mit einer maximalen Beihilfensumme von 8,8 Milliarden Euro sind bereits genehmigt). Etwas mehr als ein Drittel aller unselbständig Beschäftigten ist von diesen Kurzarbeitsanträgen erfasst. 

Zum Vergleich: Am Höhepunkt der Finanz- und Wirtschaftskrise 2009 waren es 37.300 Arbeitnehmer/-innen in Kurzarbeit beziehungsweise 1,2 Prozent der Beschäftigten. 

Österreich inter­national vorbild­haft

Bei der Bewältigung der Finanz- und Wirtschaftskrise von 2008 waren Länder wie Österreich und Deutschland mit Kurzarbeit deutlich erfolgreicher als andere Staaten. Zahlreiche andere Staaten haben Kurzarbeitsmodelle eingeführt. Die Grundidee war zwar überall gleich, aber die Ausgestaltung recht unterschiedlich. Mit dem COVID-19-Kurzarbeitsmodell hat Österreich wieder Vorbildcharakter. Zum einen ist die Nettoersatzrate von 80-90 Prozent in Österreich höher als in etlichen anderen Ländern. Attraktiver ist auch die Kostenentlastung der Unternehmer. Eine Herausforderung ist nun die Abarbeitung von (in Österreich von zigtausenden) Kurzarbeitsanträgen. Österreichs Vorteil: das AMS - eine leistungsfähige Institution, die mit Kurzarbeit vertraut ist. Und zum anderen gewährleistet die Zusammenarbeit der Sozialpartner eine schnelle Abwicklung. Auch das ist ein Pluspunkt, um den uns andere Länder beneiden.

Forderungen:

  • Für Geringfügig Beschäftigte gibt es derzeit keine finanzielle Unterstützung im Fall von Arbeitslosigkeit oder reduzierter Arbeitszeit, weder Kurzarbeit noch Arbeitslosengeld greift hier in den meisten Fällen. Rund 348.000 Menschen waren vor der Krise geringfügig beschäftigt. Auch für diese Zielgruppe braucht es jetzt eine finanzielle Ersatzleistung
  • Mehr AMS-Personal ist jetzt mehr denn je dringend notwendig. Das AMS und alle seine Mitarbeiter/-innen sind mehr als systemrelevant. Neue AMS-Mitarbeiter/-innen werden nicht gleich entlasten, aber mittelfristig wird die Aufstockung notwendig sein, um die Arbeitslosen gut zu betreuen. Kurzfristig wird es aber auch mehr AMS-Personal brauchen, um die Abrechnung die KUA-Fälle zu gewährleisten. Dies funktioniert vermutlich auch mit geringen Einschulungszeiten

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