09.07.2020

Arbeitslos wegen Corona: Frauen stark betroffen

Die Arbeitslosigkeit hat in Österreich seit dem Auftreten der Covid-19-Pandemie einen historischen Rekordwert erreicht: fast eine halbe Million Menschen waren im Juni 2020 arbeitslos. Zwar geht die Arbeitslosigkeit seit der schrittweisen Öffnung der Wirtschaft wieder zurück, doch die Lage bleibt dennoch ernst. 

Vor allem Frauen stehen vor großen Herausforderungen, da besonders Dienstleistungsbetriebe von hoher Arbeitslosigkeit betroffen sind. Hinzu kommt, dass Frauen oft in Teilzeit arbeiten und Arbeitslosigkeit somit einen existenziellen Einkommensverlust darstellt.



Insgesamt ist in Österreich im Vergleich zum Juni des Vorjahres die Arbeitslosigkeit bei Frauen um 57,4 Prozent angestiegen (in absoluten Zahlen: 71.884) und bei den Männern um 56,2 Prozent (in absoluten Zahlen: 78.362).  In Oberösterreich beträgt der Arbeitslosigkeitsanstieg insgesamt 59,9 Prozent, bei Frauen 56,4 und bei den Männern 63,2 Prozent.

Dabei werden folgende Unterschiede ersichtlich:

  • Bei den unter 25-Jährigen ist der Arbeitslosigkeitsanstieg insgesamt besonders hoch mit 81 Prozent.  Der Frauenanteil beträgt 79,1 und Männeranteil 81,6 Prozent.

  • In der Altersgruppe 25 bis 50 Jahre sind mehr Männer betroffen (63 Prozent) als Frauen (60 Prozent) 

  • Bei den über 50-Jährigen sind wiederum mehr Frauen (45,6 Prozent) vom Anstieg der Arbeitslosigkeit betroffen als Männer (39,3 Prozent)

  • Es sind insgesamt mehr Ausländer/-innen vom Arbeitslosigkeitsanstieg betroffen als Inländer/-innen: Bei den Ausländer/-innen sind mehr Männer (76,2 Prozent) arbeitslos geworden als Frauen (72 Prozent) Bei den Inländer/-innen sind wiederum mehr Frauen (50,6 Prozent) vom Arbeitslosigkeitsanstieg betroffen als Männer (47,2 Prozent)


Aufgrund der von der Regierung vorgegebenen Sicherheitsmaßnahmen während der Covid-19-Pandemie mussten bis Anfang Mai 2020 Beherbergungs- und Gastronomiestätten schließen, was zur Folge hatte, dass viel Personal abgebaut wurde. Zwar haben viele Stätten wieder geöffnet, doch der Arbeitslosigkeitsanstieg ist in dieser Branche noch immer sehr hoch mit +128  Prozent oder 21.775 Frauen und +135 Prozent oder 17.371 Männern. 

Quantitativ bedeutend ist ebenfalls der Handel, wo die Arbeitslosigkeit bei Frauen um 11.582 (+49,1  Prozent) und bei Männern um 8.580 (+49 Prozent) anstieg. 

Die Situation in der Kunst-, Unterhaltungs- und Erholungsbranche ist relativ stark angestiegen: hier sind auch deutlich mehr Frauen (+76,9 Prozent) vom Arbeitslosigkeitsanstieg betroffen als Männer (+71,1 Prozent). 

Auch in der Land- und Forstwirtschaft ist ein starker Anstieg zu beobachten: Der Arbeitslosigkeitsanstieg beträgt hier bei Frauen +83,9 Prozent und bei Männern +64,2 Prozent. Absolut ist der Arbeitslosigkeitsanstieg in der Landwirtschaft allerdings gering. 

Arbeitslose Frauen: Diese Maßnahmen würden helfen

  • Arbeitslosengeld erhöhen
    Da Frauen im Durchschnitt ein geringeres Einkommen haben, wirkt sich das geringe Arbeitslosengeld für sie besonders negativ aus. In Österreich beträgt das Arbeitslosengeld 55  Prozent des vorigen Nettoeinkommens (ohne Ergänzungsbetrag und Familienzuschlag) und liegt somit im internationalen Vergleich unter dem OECD-Durchschnitt (63  Prozent). Eine Erhöhung des Arbeitslosengeldes auf etwa 75 Prozent und eine Verlängerung der Bezugsdauer würde nicht nur eine höhere finanzielle Sicherheit für die Betroffenen bieten, sondern dem Staat würden somit auch höhere Rückflüsse (SV-Beiträge, Steuern durch mehr Konsum) zustehen. 

  • Flächendeckender Ausbau von Kinderbetreuungsplätzen
    Noch immer sind Frauen in Österreich hauptverantwortlich für (Kinder-)betreuungspflichten und fast die Hälfte der unselbstständig Beschäftigten Frauen arbeitet in Teilzeitdienstverhältnissen. Arbeitslosigkeit ist somit für die Betroffenen meist mit einem enormen Einkommensverlust verbunden. Dabei sind Alleinerziehende besonders betroffen. Ein flächendeckender Ausbau von ganztags- Kinderbetreuungseinrichtungen ist notwendig, um die Vereinbarkeit zwischen Beruf und Betreuungspflichten zu gewährleisten und darüber hinaus kann so auch die Lohn- und Gehaltsschere zwischen Frauen und Männern minimiert werden.

  • Gendergerechte Mittelverwendung von öffentlichen Geldern
    Es ist neben der wirtschaftlichen Stabilisierung und angemessenen Unterstützung von Frauen und Männern notwendig, eine geschlechtsspezifische Betrachtung miteinzubeziehen. Laut einer OECD-Studie vom April 2020 würden Regierungen von Gender Budgeting profitieren, also von einer Budgetpolitik, die auf die Bedürfnisse aller Bevölkerungsgruppen gezielt eingeht und somit zu mehr Verteilungsgerechtigkeit führt.

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