06.04.2021

Arbeitslos wegen Corona: Frauen stark betroffen

Die Arbeitslosigkeit hat zu Beginn 2021 in Österreich aufgrund der Covid-19-Pandemie einen historischen Rekordwert erreicht: Über eine halbe Million Menschen waren Anfang des Jahres arbeitslos. Dieser Rekordwert ist Resultat der tiefen Wirtschaftskrise im Jahr 2020, die besonders Frauen betrifft. Während sie es waren, die uns in systemrelevanten Berufen zu einem überwiegenden Teil durch die Krise brachten, waren es auch sie, die zu einem außerordentlich hohen Ausmaß in die Arbeitslosigkeit schlitterten. Geschuldet ist das insbesondere der großen Frauenpräsenz in Dienstleistungsbetrieben, die große Teile des Jahres 2020 geschlossen waren.

Auch wenn das Arbeitslosigkeitsrisiko im Jahr 2020 bei Männern (10,1Prozent, +2,5 Prozent) leicht höher war als bei Frauen (9,7 Prozent, +2,6 Prozent), zeigen sich höhere Arbeitslosigkeitsanstiege bei Frauen. Im Jahresverlauf 2020 ist zu beobachten, dass absolut die Arbeitslosigkeit seit November bei Frauen stärker zunimmt als bei Männern. Relativ stieg die Frauenarbeitslosigkeit zum Teil im ersten Lockdown und nach der Erholung im Sommer ab Oktober wieder deutlich stärker als bei Männern.

Insgesamt ist in Österreich im Jahresdurchschnitt 2020 die Arbeitslosigkeit bei den Frauen um 50.981 beziehungsweise 37,9 Prozent gestiegen und bei den Männern um 57.331 beziehungsweise 34,4 Prozent angewachsen, verglichen mit 2019. 



Dabei werden folgende Unterschiede ersichtlich:

  • Bei den unter 25-Jährigen beträgt der Arbeitslosigkeitsanstieg insgesamt 43,6 Prozent. Dabei sind junge Frauen im Schnitt mit einem Zuwachs von 46,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr besonders vulnerabel. Bei den Männern in dieser Altersgruppe ist die Arbeitslosigkeit um 41,4 Prozent angestiegen.
  • In der Altersgruppe 25 bis 50 Jahre sind Frauen mit einem Zuwachs von 39,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresschnitt stärker betroffen als Männer (38,2 Prozent).

  • Auch bei den über 50-Jährigen sind relativ gesehen ebenso mehr Frauen (31,8 Prozent) vom Anstieg der Arbeitslosigkeit betroffen als Männer (26,4 Prozent).

  • Es sind insgesamt mehr Ausländer/-innen vom Arbeitslosigkeitsanstieg betroffen als Inländer/-innen: Bei den Ausländer/-innen sind verhältnismäßig mehr Frauen (47,1 Prozent) arbeitslos geworden als Männer (45,1 Prozent). Bei den Inländer/-innen sind zudem mehr Frauen (33,5 Prozent) vom Arbeitslosigkeitsanstieg betroffen als Männer (29,3 Prozent).

Der Blick auf unterschiedliche Branchen zeigt ebenfalls die besondere Vulnerabilität der Frauen in der Krise. 


  • Die höchsten Arbeitslosigkeitsanstiege gab es in der Gastronomie. Hier stieg die Arbeitslosigkeit bei Frauen um 16.182 beziehungsweise um 77,7 Prozent und bei Männern um 13.333 beziehungsweise um 85 Prozent.

  • Bei der Herstellung von Waren stehen durchschnittlich einem Plus von 34,8 Prozent (+2.821) bei den Frauen dem Zuwachs an Männern mit im Schnitt 31,1 Prozent (+4.898) gegenüber.
  • Im Handel sind es 33,5 Prozent (+8.147) bei den Frauen und 31,7 Prozent (+6.059) bei den Männern, die der Jahresschnitt 2020 gegenüber dem Vorjahr an Arbeitslosen anwuchs.

  • Im Bereich der sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen verzeichnen Frauen einen Zuwachs an Arbeitslosen von 6.657 beziehungsweise von 30,7 Prozent im Vorjahresvergleich, Männer relativ  weniger mit 28,7 Prozent (+9.734).

  • Im Bereich Gesundheits- und Sozialwesen wuchs die Arbeitslosigkeit der Frauen um durchschnittlich 19,3 Prozent doppelt so viel an wie bei den Männern mit 9,7 Prozent.

  • In der Kunst und Unterhaltungsbranche sind beide Geschlechter stark betroffen, wenngleich Frauen (42,4 Prozent) relativ gesehen mehr als Männer (41,8 Prozent).

  • Zudem sind Frauen, die sonstige Dienstleistungen erbringen, mit einem durchschnittlichen Zuwachs von 54,8 Prozent an Arbeitslosen gegenüber dem Vorjahr stärker betroffen als Männer (48,8 Prozent). Auch absolut ist der Anstieg wesentlich höher, indem mehr als doppelt soviel Frauen (+ 2.579) als Männer (+1.102) an Arbeitslosen von dieser Branche hinzukamen. 

Anstieg bei Langzeitarbeitslosigkeit: Frauen sind hier besonders betroffen


Seit Beginn der Corona-Krise steigt die Langzeitarbeitslosigkeit Monat für Monat an. Die Politik ist seit einem Jahr säumig effektive Gegenmaßnahmen zu implementieren. 

Besonders dramatisch zeichnet sich der Anstieg der Langzeitarbeitslosigkeit bei Frauen ab, die österreichweit ein Plus von 47 Prozent zu verzeichnen haben und somit stärker von Langzeitarbeitslosigkeit tangiert sind als Männer, die bundesweit ein Plus von 42,3 Prozent an Langzeitarbeitslosen verzeichnen. Absolut war der Zuwachs an langzeitarbeitslosen Frauen im Februar 2021 (+19.785) etwas weniger stark als bei Männern (+23.407).

Blickt man auf Oberösterreich ergibt sich hinsichtlich Langzeitarbeitslosigkeit ein noch besorgniserregenderes Bild: Bei den Frauen nahm die Langzeitarbeitslosigkeit um 61,4 Prozent zu und bei den Männern sind es um 57,9 Prozent mehr, bei denen sich die Arbeitslosigkeit verhärtet. In absoluten Zahlen ist jedoch der Zuwachs unter männlichen Langzeitarbeitslosen im Februar 2021 in Oberösterreich (+2.254) etwas stärker als bei Frauen (+2.698).

Teilzeitarbeit, Benachteiligungen bei der Entlohnung und Tätigkeiten im Niedriglohnbereich haben für Frauen zur Folge, im Falle von Arbeitslosigkeit schlechter abgesichert zu sein. Daher ist Arbeitslosigkeit bei Frauen öfters mit existentiellen Problemen verbunden.

Arbeitslose Frauen: Diese Maßnahmen würden helfen

  • Arbeitslosengeld erhöhen
    Da Frauen im Durchschnitt ein geringeres Einkommen haben, wirkt sich das geringe Arbeitslosengeld für sie besonders negativ aus. In Österreich beträgt das Arbeitslosengeld 55 Prozent des vorigen Nettoeinkommens (ohne Ergänzungsbetrag und Familienzuschlag) und liegt somit im internationalen Vergleich unter dem OECD-Durchschnitt (63 Prozent). Eine Erhöhung des Arbeitslosengeldes auf etwa 75 Prozent und eine Verlängerung der Bezugsdauer würde nicht nur eine höhere finanzielle Sicherheit für die Betroffenen bieten, sondern dem Staat würden somit auch höhere Rückflüsse (SV-Beiträge, Steuern durch mehr Konsum) zustehen. 

  • Flächendeckender Ausbau von Kinderbetreuungsplätzen
    Noch immer sind Frauen in Österreich hauptverantwortlich für (Kinder-)betreuungspflichten und fast die Hälfte der unselbstständig beschäftigten Frauen arbeitet in Teilzeitdienstverhältnissen. Arbeitslosigkeit ist somit für die Betroffenen meist mit einem enormen Einkommensverlust verbunden. Dabei sind Alleinerziehende besonders betroffen. Ein flächendeckender Ausbau von ganztags- Kinderbetreuungseinrichtungen ist notwendig, um die Vereinbarkeit zwischen Beruf und Betreuungspflichten zu gewährleisten und darüber hinaus kann so auch die Lohn- und Gehaltsschere zwischen Frauen und Männern minimiert werden.

  • Gendergerechte Mittelverwendung von öffentlichen Geldern
    Es ist neben der wirtschaftlichen Stabilisierung und angemessenen Unterstützung von Frauen und Männern notwendig, eine geschlechtsspezifische Betrachtung miteinzubeziehen. Laut einer OECD-Studie vom April 2020 würden Regierungen von Gender Budgeting profitieren, also von einer Budgetpolitik, die auf die Bedürfnisse aller Bevölkerungsgruppen gezielt eingeht und somit zu mehr Verteilungsgerechtigkeit führt.
  • Jobgarantie zur Bekämpfung von Langzeitarbeitslosigkeit
    Eine Jobgarantie, die älteren Langzeitarbeitslosen (+45) eine Arbeit im öffentlichen oder gemeinnützigen Sektor anbietet, ermöglicht ihnen eine sinnstiftende Erwerbstätigkeit, mit der sie sich Qualifikationen aneignen und Gesundheit, Würde sowie gesellschaftliches Ansehen erhalten können.  

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