10.01.2019

Wegweiser der AK OÖ zur 24 Stunden-Betreuung

Mit steigender Lebenserwartung steigt auch der Bedarf an Pflege und Betreuung. Was aber, wenn die Hilfe von Angehörigen, Mobilen Diensten oder Hauskrankenpflege nicht mehr ausreichen? Die 24-Stunden-Betreuung ist ein mögliches Modell. Wie jedoch die Beratungspraxis der AK-Konsumentenschützer zeigt, ist der Abschluss von Betreuungsverträgen über Vermittlungsagenturen nicht immer unproblematisch.

Die Arbeiterkammer Oberösterreich hat daher einen Wegweiser zusammengestellt, der Betroffenen und Angehörigen hilft, eine gute Vermittlungsagentur auszuwählen. Doch es braucht mehr. „Es muss einheitliche Musterverträge für Vermittlungsagenturen geben.“, fordert Dr. Johann Kalliauer, „Denn diese garantieren den gepflegten Menschen, dem Pflegepersonal und den seriösen Anbietern faire Rahmenbedingungen“.

Unfaire Vertragsbedingungen in Vermittlungsvertrag

Frau S. wandte sich an die Konsumentenschützer der Arbeiterkammer Oberösterreich, weil es Probleme mit der Vermittlungsagentur gab. Sie benötigte für ihre pflegebedürftige Mutter eine 24-Stunden Betreuung. Sie schloss dazu einen Vertrag mit einer privaten Agentur ab, die ihrer Mutter abwechselnd alle 2 Wochen osteuropäische Hilfskräfte schickte. In den ersten Monaten kamen immer unterschiedliche Betreuerinnen. Als Mutter und Tochter eine Betreuerin besonders ans Herz gewachsen war, wollte sie den Vertrag mit der Agentur kündigen und die liebgewordene Betreuerin ausschließlich beschäftigen.

Die Agentur wollte dies nicht zulassen. Sie berief sich auf die Vertragsbedingungen und drohte mit einer hohen Vertragsstrafe bei Weiterbeschäftigung ohne Agentur. Frau S. wollte sich damit nicht abfinden und wandte sich an die AK-Konsumentenschützer. Dank deren Unterstützung konnte Frau S. die Betreuerin letzten Endes weiter beschäftigen und den Vertrag mit der Agentur ohne Strafzahlung beenden.

Wegweiser der AK OÖ für 24-Stunden-Betreuung

Auf Basis der vielen Fragen, die in der Beratung an die AK-Expertinnen herangetragen werden, haben diese einen Leitfaden zur 24-Stunden-Betreuung zusammengestellt. Sie enthält Tipps, worauf Sie bei der Auswahl einer Agentur achten sollten und woran Sie eine gute Agentur erkennen. Ganz wesentlich ist es auch, das Kleingedruckte im Vermittlungsvertrag zu lesen und alle wesentlichen Punkte schriftlich festzuhalten. Abzuklären ist jedenfalls, welche Leistungen von der Agentur und von der Betreuungsperson erbracht werden und wo es noch zusätzliche pflegerische oder ärztliche Hilfe notwendig ist. Da die Kosten für die Betreuung erheblich sind, braucht es jedenfalls eine umfassende und detaillierte Aufstellung dazu.

Risiko guter Pflege darf nicht den Betroffenen überlassen werden

Mit dem Wegweiser der AK OÖ haben pflegebedürfte Menschen und deren Angehörige einen Leitfaden in den Händen um Probleme mit der Vermittlungsagentur zu reduzieren und bestenfalls ganz zu vermeiden.

Für die Arbeiterkammer Oberösterreich braucht es darüber hinaus mehr Rechtssicherheit für alle Betroffenen. „Es kann nicht sein, dass die schwierige Entscheidung, eine seriöse Agentur und gutes Pflegepersonal zu finden, den Betroffenen alleine aufgebürdet wird,“ ärgert sich Dr. Johann Kalliauer. „Es braucht einheitliche und transparente Musterverträge, die diesem Dschungel an Kleingedrucktem ein Ende setzen. Und eine staatliche Kontrolleinrichtung muss für die Einhaltung der gesetzlichen Regelungen sorgen“, fordert der Präsident der Arbeiterkammer Oberösterreich und bietet gleichzeitig an: „Wir sind gerne bereit, mit unserer Expertise an der Entwicklung solcher Musterverträge mitzuarbeiten“.

Wegweiser zum Download

Kontakt

Konsumentenschutz
TEL: +43 50 6906 2
E-MAIL: konsumentenschutz@akooe.at

Es muss einheitliche Musterverträge für Vermittlungsagenturen geben. Denn diese garantieren den gepflegten Menschen, dem Pflegepersonal und den seriösen Anbietern faire Rahmenbedingungen.

Dr. Johann Kalliauer

AK-Präsident

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