Staatlich geförderte Zukunftsvorsorge - das können Konsumenten machen

Die staatlich geförderte Zukunftsvorsorge wurde 2003 erstmals angeboten. Nun ist für die ersten Verträge die Mindestbindefrist abgelaufen. Die prognostizierten Wertsteigerungen sind bei weitem nicht eingetreten. Viele betroffene Konsumentinnen und Konsumenten sind enttäuscht. Was können Sie mit Ihren Verträgen machen?  Was können Sie tun, wenn die Vertragslaufzeit noch gar nicht vorbei ist?

Versicherte können entscheiden

Frühestens mit dem Ende der Mindestbindefrist ist eine Verrentung oder ein Kapitalzugriff möglich. Sie als Versicherungsnehmer können entscheiden, wie Sie Ihr Kapital konsumieren möchten. Allerdings aber immer nur vor Vertragsablauf.

  • Leider haben die meisten der Veranlagungen weniger Ertrag erbracht als zu Vertragsbeginn prognostiziert wurde. Manche bewegen sich sogar in der Verlustzone.

  • Damit wird bei Inanspruchnahme einer lebenslangen Rente aus diesen Verträgen die Kapitalgarantie schlagend. 

  • Eine Rente kann aber erst mit dem tatsächlichen Vertragsende und frühestens mit Vollendung des 40. Lebensjahres in Anspruch genommen werden.

Ob auch bei Auszahlung des Kapitals eine Kapitalgarantie besteht, ist gesetzlich nicht zwingend vorgesehen und nur dann der Fall, wenn dies in Ihrem Vertrag auch so vereinbart wurde.

Achtung

Auf jeden Fall treten die steuerlichen Nachteile, wie Rückzahlung der Hälfte der staatlichen Förderung und die Nachversteuerung der Kapitalerträge, ein. 

Vertragslaufzeit ist länger als die Mindestbindefrist? Was kann ich tun?

Sie können den Vertrag fortführen oder vorzeitig kündigen. Ob eine Fortführung des Vertrages wirtschaftlich sinnvoll ist, wird man erst am Ende der Laufzeit sehen.

Falls Ihnen das zu unsicher ist und Sie entscheiden sich für die vorzeitige Vertragsauflösung, sollten Sie sich vorher über den Wert der Veranlagung informieren. Dieser kann aufgrund von Kursschwankungen wesentlich unter Ihren Einzahlungen liegen. Außerdem ist zu bedenken, dass die Hälfte der staatlichen Prämien zurückzuzahlen ist.

Wenn Sie keine weiteren Einzahlungen leisten möchten, Ihnen der Verlust bei einem Rückkauf aber zu hoch erscheint oder Sie optimistisch sind und noch auf einen Kursanstieg hoffen, so können Sie auch eine Prämienfreistellung mit der Versicherung vereinbaren.

Zu jung, um eine Rente zu beziehen? Sie möchten die Zukunftsvorsorge aber später als Zusatzpension nützen? Was kann ich tun, damit ich die staatliche Prämie nicht verliere?

Das vorhandene Kapital (mindestens das garantierte Kapital) kann in einen neuen Zukunftsvorsorgevertrag überführt werden oder in eine Pensionszusatzversicherung, aber auch in einen bereits vorhandenen Pensionskassenvertrag. Es darf auf jeden Fall der Kapitalzugriff nicht mehr möglich und eine lebenslange gleichbleibende Rentenzahlung vorgesehen sein.

Bridgingrente für ältere Arbeitnehmer

Mit Ende des 50. Lebensjahres kann die Zukunftsvorsorge als Überbrückungsrente innerhalb von (mindestens) 3 Jahren in Anspruch genommen werden. Damit können Einkommenseinbußen etwa aufgrund von Arbeitszeitverkürzung ausgeglichen werden.

Wenn Sie also einige Zeit vor der gesetzlichen Pension Ihre Arbeitszeit reduzieren, können Sie den Einkommensverlust damit auffüllen. Sie können das Pensionskapital zu Gänze aufbrauchen oder nur zum Teil und sich den Rest als eine lebenslange Rente auszahlen lassen.

In meinem Vertrag wurde eine Bonusrente vereinbart. Die monatliche Rente ist nun aber viel geringer.

Die Vereinbarung von Bonusrenten war von Anfang an nicht zulässig. Aber auch die Renten auf Basis des Garantiekapitals waren in den meisten Fällen nicht verbindlich vereinbart.

Das heißt, dass bei Rentenantritt auf Basis der dann gültigen Rechnungsgrundlagen die lebenslange Rente berechnet wird.

Achten Sie darauf, dass in diesem Angebot diese garantierte Rente ausdrücklich als solche ausgewiesen ist. Nur wenige Anbieter haben bereits mit dem Ansparvertrag eine Mindestrente garantiert.

Konsumenten sind verwirrt

Für Sie als Versicherungsnehmer sind die mehrfachen gesetzlichen Änderungen der Veranlagungsbestimmungen und die wechselnden Empfehlungen der Anbieter oft nicht nachvollziehbar - zumal jene Prognosen, die Sie bei Vertragsabschluss erhalten haben, bei weitem nicht erreicht wurden.

Wem sollte mit den Förderungen und Steuervorteilen eigentlich gedient sein?

Ziel war, Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern zu helfen, die mit ihrem Einkommen vorsorgen und damit einer drohenden Bedürftigkeit im Alter vorbeugen wollten. Das wollte man mit einheitlichen Förderungen für Vorsorgeprodukte, die einen soliden Vermögensaufbau zum Ziel haben, ohne Spekulation und mit einheitlichen Vertragsbedingungen erreichen.

Tipps

  • Überstürzen Sie nichts - lassen Sie sich für jede geplante Vertragsänderung oder eine vorgesehene Auszahlung zuerst ein schriftliches Angebot geben.

  • Es muss nicht immer ein Versicherungsprodukt sein - Alles Sparen ist Vorsorge und Sie können vorhandenes Kapital durch monatliche Entnahmen als Rente konsumieren.

  • Sie können angesparte Beträge auch erst bei Pensionsantritt in eine Rentenversicherung mit sofort beginnender Rentenzahlung einzahlen und damit eine lebenslange oder zeitlich begrenzte Rente beziehen.


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