Gold-Ansparplan: Riesen Flop für Konsumenten!

Die Anfragen bei der Arbeiterkammer Oberösterreich zu Gold- und Rohstoff-Ansparplänen nehmen merklich zu. Die Konsumentenschützer/-innen haben daher einen aktuell vorliegenden Vertrag genauer unter die Lupe genommen. Das Ergebnis übertraf die schlimmsten Erwartungen: Bei einer Vertragssumme von 38.000 Euro wurden Kosten für Verwaltung, Lagerung und Versicherung von 16.121 Euro errechnet. Das bedeutet, dass von den Ersparnissen weniger als 58 Prozent veranlagt werden! Dazu kommen das Kursrisiko und das Emittentenrisiko. Der Anbieter unterliegt nicht der Finanzmarktaufsicht und es gibt keine unternehmensunabhängige Kontrolle des Rohstofferwerbs und der Verwahrung. Für die Konsumentenschützer/-innen ist dieses Produkt daher nicht Top sondern Flop!

Für Mutter und Tochter war Rücktritt noch möglich

Frau G. aus Leoben suchte für sich und ihre Tochter eine sichere Sparform und erhielt von ihrem Versicherungsberater den Tipp, einen Rohstoff-Ansparplan abzuschließen. Als Einmalzahlung sollten die bisherigen Ersparnisse in Höhe von 2.000 Euro eingebracht und über 30 Jahre eine monatliche Zahlung von 100 Euro geleistet werden. Daraus ergibt sich eine Vertragssumme von 38.000 Euro.

Kaum Absicherung bei Insolvenz

Erst als sich Frau G. beim Konsumentenschutz erkundigte erfuhr sie, dass sie selbst in einer Notsituation nicht oder nur mit hohen Kosten auf ihre Ersparnisse zugreifen kann. Vom Berater wurde sie nicht darauf hingewiesen, dass sie mit diesem Ansparplan in Edelmetalle investiert, welche großen Kursschwankungen unterliegen können. Dass sie außerdem ihre gesamte Einlage verlieren kann, wenn das Unternehmen Insolvenz anmeldet, erfuhr sie auch erst von der AK-Expertin. Und als ihr diese errechnete, dass bei ihrem Vertrag voraussichtlich 16.121 Euro Gebühren in Rechnung gestellt werden, fiel Frau G. aus allen Wolken.

Da sich Frau G. sofort nach Unterzeichnung des Vertrages beim Konsumentenschutz meldete, konnte die 14-tägige Rücktrittsfrist genutzt werden und es entstand kein Schaden.

Enorme Kostenbelastung mit Potential nach oben

Die in den Vertragsbedingungen des vorliegenden Vertrages angeführten Prozentsätze wirken auf den ersten Blick harmlos. Einzig die Strategiegebühr mit 12,75 Prozent der Vertragssumme sticht sofort ins Auge. Die Gebühren für Administration, Verwaltung, Lagerung und Versicherung fallen monatlich an und summieren sich dadurch auf viele tausend Euro. In den errechneten Gesamtkosten von 16.121 Euro sind die Mehrwertsteuer und Auf- und Abschläge auf den Kurs bei Kauf und Verkauf (bei jeder Portfolioumschichtung) noch gar nicht berücksichtigt. Die wertabhängigen Kosten steigen dazu noch, sobald die Kurse steigen.

Zugriff auf Ersparnisse ist begrenzt und kostenintensiv

Laut Vertrag kann die Kundin/der Kunde jederzeit auf einen Teil ihres/seines Rohstoff-Bestandes zugreifen. Der verbleibende Bestand darf dabei den Wert von 2.500 Euro nicht unterschreiten. Das klingt flexibler als es tatsächlich ist: Da zu Vertragsbeginn die gesamte Strategiegebühr von den Einzahlungen abgedeckt werden muss, wäre im Beispiel von Frau G. erst nach 5 Jahren überhaupt eine Entnahme möglich (Kursschwankungen unberücksichtigt).

Die Rohstoffe können laut Vertragsbedingungen auch in physischer Form von der Kundin/vom Kunden abgeholt oder kostenpflichtig zugestellt werden. Durch den Verkauf großer Einheiten und den Ankauf der benötigten kleineren Einheiten entstehen weitere Kosten.

Kurs- und Emittentenrisiko sehr hoch

Die Veranlagung in Edelmetalle ist aufgrund der hohen Kursschwankungen sehr riskant und wird daher grundsätzlich nur als Beimischung (Faustregel maximal 10 Prozent) empfohlen. Wer beispielsweise am 29.09.2011 einen Philharmoniker 1 Unze um 1.260 Euro kaufte, bekam beim Verkauf am 20.03.2018 nur mehr 1.077,60 Euro. Das sind um 15 Prozent weniger.

Bei den vorliegenden Rohstoffplänen kommt dazu ein erhebliches Emittentenrisiko. Von den Einzahlungen werden nach Abzug sämtlicher Kosten Rohstoffe in großen Einheiten für alle Anleger gekauft und verwahrt. Der/Die einzelne Anleger/-in ist Miteigentümer/-in am Rohstoff-Sammelbestand. Es handelt sich dabei nicht um dem/der Anleger/-in zuordenbares Sondervermögen. Im Falle einer Insolvenz des Anbieters bedeutet das für die Anleger/-innen meist den Totalverlust.

TIPP

  • Wenn Sie einen Teil Ihres Vermögens in physischen Edelmetallen veranlagen möchten, können Sie Münzen und Barren bei heimischen Banken und seriösen Händlern (z.B. Ögussa, Münze Österreich, Schoeller Münzhandel) erwerben. Beim Verkauf sind Sie ungebunden und können zum höchsten angebotenen Kurs verkaufen.

  • Verwahren Sie Ihre Edelmetalle und Kaufbelege sicher in einem Bankschließfach oder zu Hause in einem Tresor. Achten Sie dabei auf ausreichenden Versicherungsschutz und darauf, dass Ihr Safe den Bedingungen Ihrer Haushaltsversicherung entspricht.

  • Vergessen Sie nicht, dass es sich beim Kauf von Edelmetallen um eine Rohstoffspekulation handelt und Sie nur durch Kursanstiege Ertrag erwirtschaften; sinkende Kurse bedeuten Verlust. Erst wenn die Spanne zwischen Kauf- und Verkaufskurs abgedeckt ist, kommt Ihr Investment in die Gewinnzone. Die Spanne ist umso höher, je kleiner die Stückelung ist.

 

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