Binäre Optionen sind Glücksspiel - Finger weg!

Niedere Zinsen selbst bei langen Laufzeiten verleiten manche zu unüberlegten Geldtransaktionen. Wie die Anfragen beim Konsumentenschutz der AK Oberösterreich zeigen, sind sich die Interessenten/-innen des hohen Verlustrisikos bei binären Optionen oft nicht bewusst.

Die Aussicht auf schnelle und hohe Gewinne bedeutet aber stets ein hohes Risiko. Das trifft auch auf den Handel mit binären Optionen zu. Es handelt sich nach Meinung der AK-Konsumentenschützer hierbei um keine Geldanlage sondern um eine Spekulation mit dem Risiko eines Totalverlustes.

Binäre Optionen sind Wetten

Binäre Optionen sind Termingeschäfte oder anders gesagt, Spekulationen auf einen steigenden oder fallenden Kurs (Preis) eines Basiswertes. Der Käufer der Option wird als Trader bezeichnet.

Der Trader, der den zu erwartenden Kursverlauf richtig eingeschätzt hat, hat gewonnen. Hat er sich falsch entschieden, hat er in der Regel seinen gesamten Einsatz verloren. Am Ende der Laufzeit (diese kann nur wenige Sekunden dauern) steht das Ergebnis fest. Hört sich wie eine Wette an und ist es auch.

Was ist ein Basiswert?

Basiswerte für binäre Optionen können Währungen, Aktien, Rohstoffe, Edelmetalle oder Indizes sein. Die Kurse oder Preise der Basiswerte werden zum größten Teil durch reelle Marktbewegungen (Angebot und Nachfrage) gebildet.

Wie funktionieren binäre Optionen?

  • Im Gegensatz zu einer herkömmlichen Option hat der Trader keinen Anspruch zum Erwerb des Basiswertes (etwa einer Aktie). Eine Ausnahme bildet die amerikanische Variante, die Asset or Nothing Option. Hier wird der Preis des Basiswertes ausgezahlt oder der Basiswert angeboten. 

  • Je nach Handelsart setzt der Trader auf fallende (Put-Option) oder steigende Kurse (Call-Option) eines Basiswertes oder darauf, dass der Kurs eine bestimmte Bandbreite (Range) nicht verlässt oder einen bestimmten Wert nicht berührt (One-Touch-Option). Wenn die vereinbarten Bedingungen nicht eintreten, hat der Trader seinen Einsatz verloren.  

  • Bei den Put- und Call-Optionen ist nur die Richtung der Kursbewegung maßgeblich. Höhe und und  Kursverlauf während der Laufzeit sind unwesentlich.

  • Bei der One-Touch-Option darf der Basiswert während der Laufzeit der Option einen festge-legten Wert nicht berühren. Bei Vereinbarung einer Bandbreite (Range) muss der Kurs des Basiswertes innerhalb dieser Bandbreite bleiben.

  • Um den Nervenkitzel zu erhöhen werden Turbo-Optionen beziehungsweise 60-Sekunden-Optionen angeboten.

  • Die in Aussicht gestellten Renditen sind im Vergleich zu einer konservativen Veranlagung enorm hoch. Das Risiko ebenso. Innerhalb von wenigen Sekunden kann ein Totalverlust eintreten: alles oder nichts - Cash-or-Nothing-Option! 

ACHTUNG

Auch die Zusatzfunktion mit der ein vorzeitiger Ausstieg ermöglicht werden kann (Early-Closure), kann das Risiko eines Totalverlustes nicht ausschließen.

Wann ist die Option im Geld?

Wenn das gewünschte oder das gewählte Szenario eintritt, der Trader hat zum Beispiel auf den steigenden Kurs des Basiswertes gesetzt und lag richtig, dann ist die Option „im Geld“. Tritt der gesetzte Fall nicht ein, ist die Option „aus dem Geld“ und der gesamte Einsatz ist verloren.

Welche Strategien gibt es ?

Verfolgt man die Volatilitätsstrategie, dann wird gleichzeitig eine Put- und eine Call-Option mit der gleichen Laufzeit abgeschlossen. Mit einer davon wird der Trader richtig liegen, der Einsatz der zweiten ist verloren.

Bei der Trendfolgestrategie geht man davon aus, dass sich eine bestehende Entwicklung fortsetzt.
Im Gegensatz dazu gibt es auch die Kontra-Trend-Strategie.

Will man einen bereits vorhandenen Basiswert absichern, kann das mit der Hedging-Strategie erreicht werden. Der Trader kauft eine Put-Option auf seinen Basiswert. Fällt der Kurs des Basiswertes, gleicht der Gewinn der Option diesen Kursverlust aus.

Je höher die Gewinnaussicht, desto höher das Risiko

Aber nicht nur die Tatsache, dass ein Totalverlust möglich ist, ist relevant. Auch die Wahrscheinlichkeit oder Unwahrscheinlichkeit, dass ein Ereignis eintritt ist wesentlich. 

 Bei den High-Yield-Optionen ist das Risiko extrem hoch. Es können Renditen von mehreren hundert Prozent erzielt werden. Dass die Option auf einen stark schwankenden (volatilen) Basiswert (etwa auch Edelmetalle und Rohstoffe) am Laufzeitende aber tatsächlich im Geld liegt, ist völlig ungewiss bis eher unwahrscheinlich.   

ACHTUNG

High-Yield-Optionen sind daher, wenn überhaupt, nur für extrem risikofreudige Trader geeignet, bei denen der Verlust ihres Einsatzes keine Rolle spielt. Mit einer Geldanlage oder einem Investment hat das nichts mehr zu tun.

Was bekommt der Broker, gibt es auch Absicherung?

Der Broker bekommt einen vereinbarten Anteil vom Handelsvolumen des Traders. Der ver-minderte Anteil steht also für den Trade zur Verfügung. Bietet der Broker eine Absicherung von bis zu 15 Prozent, bekommt der Trader zumindest diesen Anteil vom um die Brokergebühr verminderten Einsatz. Auch die Möglichkeit zur Verlängerung der Laufzeit (Roll-Over) kann das Verlustrisiko mildern oder auch nur hinauszögern.

BEACHTEN SIE UNBEDINGT

  • Lassen Sie sich nicht von hohen Gewinnaussichten über das Risiko des Totalverlustes hinwegtäuschen – je höher die Gewinnaussichten, desto höher das Risiko.

  • Hinterfragen Sie verlockende Bonusprogramme: Ein Broker hat nichts zu verschenken, weshalb der Bonusbetrag x-fach umgesetzt werden muss, bevor dieser „frei“ ist und eine Abhebung des Betrages beantragt werden kann.

  • Bedenken Sie auch das Emittentenrisiko des Brokers.

  • Prüfen Sie genau, ob Sie sich einen etwaigen Verlust auch leisten können.

  • Falls Sie sich für eine Spekulation entscheiden, dann keinesfalls mit Fremdkapital.

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