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Fair Jeans Guide

Junger Mann mit Jeans © Viorel Sima, Fotolia.com

Die Jeans ist das meistgetragene Kleidungsstück der Welt. Im Schnitt hat jede/r Österreicher/-in mindestens 5 Jeans im Schrank - das macht mehr als 40 Millionen Jeans alleine in Österreich. Wenigen ist jedoch bewusst, wie katastrophal die Öko- und Sozialbilanz einer konventionellen Jeans ist. 11.000 Liter Wasser benötigen etwa Baumwollanbau und Färbung eines einzigen Paars. Und davon gehen weltweit jährlich 2 Milliarden über die Ladentheken. Nur 1 von 100 Jeans ist umwelt- und sozialverträglich produziert. Welche nachhaltigen Jeansmarken es in Österreich gibt und wie fair und ökologisch diese wirklich sind, hat nun die AK Oberösterreich für Sie getestet.

AK-Testergebnis: Fair Jeans Guide (Übersicht) (3,0MB)

Jeans-Bewertung

Für den "Fair Jeans Guide" der AK Oberösterreich wurden die aktuellen Kollektionen von insgesamt 13 nachhaltigen Jeansmarken untersucht, die im österreichischen Handel erhältlich sind. Auf Basis von 40 Kriterien wurden ökologische und soziale Ansätze der Produktion bewertet. Für einen umfassenden Gesamteindruck wurden bewusst nicht einzelne Jeans, sondern nur die gesamte Jeans-Kollektion 2015/16 einer Marke untersucht. Für die Nachhaltigkeit der Kollektionen vergab die AK Oberösterreich Schulnoten.

Fast alle sehr gut oder gut

Das Ergebnis: 11 der 13 untersuchten Jeans erhielten seitens der AK die Schulnoten „sehr gut“ oder „gut“ für die sozialen und ökologischen Aspekte ihrer Produktion. 

Insgesamt gab es nur zwei "befriedigend“. Diese sind entweder auf eine mäßig gute Ökobilanz der Fasern der Gesamtkollektion, Nachbesserungsbedarf bei der Dokumentation der sozialen Produktionsbedingungen, oder noch ausstehender Zertifizierungen der Kollektion zurückzuführen.

Hinweis

Einzelne Produkte der genannten Marken könnten, z.B. durch einen höheren Anteil an Biofasern, besser abschneiden. Deshalb gilt auch bei Kauf von nachhaltigen Jeans: Auf die Details am Etikett achten!

So wurde bewertet

Im Bereich Ökologie wurden die Ökobilanz der verwendeten Fasern, der ökologische Aspekt der Textilproduktion (Garnherstellung, Weben, Färben) und der eingesetzten Veredelungstechniken, sowie Zertifizierungen bewertet. 

Bei den sozialen Aspekten wurde die Mitgliedschaft in Sozialstandard-Initiative, die Transparenz und Offenlegung des Produktionsprozesses und die Produktionsbedingungen bewertet. Dabei ist u.a. das Risiko der Wahrscheinlichkeit von Arbeitsrechts- und Menschenrechtsverletzungen in den einzelnen Produktionsländern in der Bewertung berücksichtigt worden. 

Sowohl für ökologische Aspekte als auch soziale wurden jeweils maximal 25 Punkte vergeben. Maximal fünf Zusatzpunkte gab es für nachhaltige Services und Eigenschaften der Jeans, wie etwa Recyclingsysteme, Reparaturservices, vegane Patches oder nickelfreie Knöpfe und Reißverschlüsse.

Gütesiegel geben Orientierung

Welche Gütesiegel besonders empfehlenswert sind und beim Kauf einer nachhaltigen Jeans unbedingt beachtet werden sollten, zeigt eine aktuelle Übersicht der AK Oberösterreich.

Gütesiegel im Überblick  (0,3MB)

Der Hinweis „Made in Europe“ ist jedenfalls keine ausreichende Information darüber, ob soziale Mindeststandards bei der Produktion eingehalten wurden. Denn wie die Clean Clothes Kampagne belegt, werden in der Bekleidungsindustrie in Osteuropa und der Türkei die Näher/-innen ebenso wie in Asien oder Lateinamerika mit Löhnen abgefertigt, die unterhalb der Armutsgrenze liegen.

Praktische (Kauf-)Tipps
  • Dunkelblaue, unbehandelte Jeans sind ökologisch nachhaltiger!
  • Achten Sie auf die empfehlenswerten Gütesiegel 'GOTS' und 'FAIRTRADE Certified Cotton' und der Mitgliedschaft des Herstellers bei der Sozialstandard-Initiative 'Fair Wear Foundation'
  • Wirklich nachhaltiger Konsum ist weniger Konsum! Deshalb besser auf Qualität und Langlebigkeit setzen.
  • Do it yourself! Kleidung besser reparieren, statt sie wegzuwerfen. So genannte „Repair-Cafés“ oder auch zahlreiche YouTube-Videos geben wertvolle Tipps dazu, wie man Reißverschlüsse repariert oder Knöpfe wieder annäht

Was Sie über die Jeans-Produktion wissen sollten

Die zahlreichen Produktionsschritte von Jeans sind häufig über die ganze Welt verteilt: Nach der Gewinnung der Baumwoll-Rohfaser und der Entkörnung wird diese zu Garn weiterverarbeitet und gefärbt. Anschließend wird der Denim-Stoff gewoben, zugeschnitten, vernäht, Accessoires wie Label und Reißverschluss angebracht, „ausgerüstet“ – Bleichen, Färben, Effekte anbringen. Erst dann gelangt die Jeans in den Vertrieb.

Nicht einfach, als Konsument/-in den Überblick darüber zu bewahren, was in einer Jeans drin stecken darf, und was nicht. Hier finden Sie deshalb alle wissenswerte Informationen rund um die Jeansproduktion:

Was macht eine Jeans nachhaltig?


Laser statt Chlorbleiche. Umweltfreundliche Verfahren statt giftiger Chemie. Faire Arbeitsbedingungen statt moderner Sklaverei. Und der Verzicht auf die tödliche Sandstrahlentechnik. In der Jeansindustrie entstehen zusehends innovative Alternativen zur konventionellen Produktion. 

 Konventionelle JeansherstellungNachhaltige Jeansproduktion
Rohstoff
Konventionell angebaute BaumwolleZertifizierte Bio-Baumwolle
FärbungGebrauch gefährlicher ChemikalienUmweltschonende und ungefährliche Farben
Veredelungschädliche und tödlich endende Verfahren wie Sandbestrahlung, Bleichen durch Chlor und KaliumpermanganatLasertechnik und Bleichen mit Ozon und Sauerstoff gewährleisten die Sicherheit der Arbeiter/-innen
SchutzmaßnahmenAllgemeine Hygienemängel, schlechte Belüftung mit drastischen gesundheitlichen Auswirkungen für Arbeiter/-innenSchutzmaßnahmen werden durch
Richtlinien verpflichtend, Arbeiter/-innen werden
über Gefahren aufgeklärt
ChemikalienChemikalien und Schwermetalle in der gesamten Produktionskette fördern AllergienVerbot von Giftstoffen in der gesamten Produktionskette
Löhne und 
Arbeitszeit
„Sweatshops“ zahlen minimale Löhne zu unmenschlichen Arbeitszeiten Faire Löhne und Arbeitszeiten tragen zur Senkung der Armut bei
TransportHäufig reist eine Jeans rund 40.000 Kilometer – das ist einmal um die Welt!Regionale Produktion: Herstellung wird auf wenige Länder beschränkt

Quelle: Internationaler Verband der Naturtextilwirtschaft e.V.


NO GOs:
Was in keiner Jeans stecken darf

Konventionelle Baumwolle


11.000 Liter Wasser benötigt durchschnittlich die Produktion einer einzigen Jeans. Weltweit saugt die Baumwollproduktion jedes Jahr rund 50 Milliarden Kubikmeter Wasser auf, und das oft in Regionen mit wenig Niederschlag, wo Wasser ohnehin knapp ist, und die Baumwolle künstlich bewässert werden muss. 85 Prozent der Wassermenge ist für die Herstellung der Baumwolle erforderlich und davon weit mehr als die Hälfte für die Bewässerung der Felder. Die restlichen 15 Prozent sind für alle weiteren Verarbeitungsschritte notwendig.

11 Prozent aller Pestizide und 16 Prozent der Insektizide weltweit werden für den Baumwollanbau verwendet, und das obwohl Baumwolle auf lediglich 2,5 Prozent der weltweiten landwirtschaftlichen Nutzfläche angebaut wird.

100 Millionen Baumwollbauern bauen die Pflanze in 80 Ländern an. Der überwiegende Teil dieser Menschen lebt im „globalen Süden“. Dort ist die Nutzung von Pestiziden besonders gefährlich, da Baumwollbauern oft in extremer Armut leben, über eine schlechte Ausbildung verfügen und daher den Anweisungen auf den Pestizidkanistern nicht folgen können.

346.000 Menschen sterben weltweit jährlich an unbeabsichtigten Pestizid-Vergiftungen, zwei Drittel davon in so genannten Entwicklungsländern, nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO). 

Darüber hinaus trägt die Baumwollproduktion massiv zum Klimawandel bei. In erster Linie schuld daran sind die dafür industriell hergestellten Düngemittel bzw. die exzessive Ausbringung von Stickstoffdünger.

Quellen: Pestizid-Aktions-Netzwerk, Global 2000 



Bleichen mit Natriumhypochlorit und Kaliumpermanganat


Alle Jeans sind in der Ausgangsform dunkelblau (indigoblau). Um sie „gebraucht“ und individueller aussehen zu lassen, müssen sie gebleicht werden. Beim Bleichvorgang werden Stoffe, die in den Fasern enthalten sind und diese verfärben, chemisch zerstört.

In der konventionellen Jeansproduktion werden dabei Natriumhypochlorit und Kaliumpermanganat am häufigsten eingesetzt, was erhebliche ökologische Probleme zur Folge hat.

  • Natriumhypochlorit ist ein wassergefährdender Stoff, der – gelangt er ins Abwasser – zur Bildung von nicht oder schwer abbaubarenAOX-Verbindungen“ (Absorbierbaren organischen Halogenverbindungen; das X steht für die Halogene Fluor, Chlor, Brom und Jod) führt.  Wie giftig Abwässer sind, wird anhand der Konzentration von AOX-Verbindungen gemessen.

  • Kaliumpermanganat ist ebenfalls ein wassergefährdender Stoff, der aus dunkelvioletten, kristallartigen Körnern besteht. Es ist ein starkes Oxidationsmittel, weshalb es - in Wasser gelöst – in konventioneller Produktion sehr häufig zum Bleichen von Jeans verwendet wird. 

    Bei unsachgemäßer Anwendung führt es zu Verätzungen von Augen und Haut sowie zu schweren Lungenschäden. Darüber hinaus ist Kaliumpermanganat krebserregend. Textilarbeiter/-innen in Billiglohnländern werden nicht über Gefahren der Anwendung informiert, weshalb unbedingt nötige Schutzkleidung wie Brille, Handschuhe oder Mundschutz selten angelegt werden, sofern diese überhaupt beziehungsweise in hinreichender Qualität vorhanden sind.

    Kaliumpermanganat ist darüber hinaus sehr giftig für Wasserorganismen und kann langfristig schädliche Wirkungen verursachen.

Quelle: Greenpeace


Sandbestrahlung


Beim Sandstrahlen von Jeans wird Sand unter Hochdruck auf den Stoff geschossen – mit dem Ziel, den Stoff auszubleichen und aufzuweichen. Es handelt sich dabei um ein Verfahren, bei dem Oberflächen aufgeweicht oder verformt werden, indem Sand unter Hochdruck auf das Material gerichtet wird.

Im Vergleich mit anderen Verfahren lässt sich durch das Sandstrahlen ein sehr präzises Muster gestalten, indem zum Beispiel nur einzelne Bereiche bestrahlt werden und andere ausbleiben. Im Gegensatz dazu entsteht durch Stone-Washing ein gleichmäßiger worn-outlook. Da die Risiken für die Gesundheit ignoriert werden, ist das Sandstrahlen nicht teuer.

Natürlicher Sand ist günstig, vor allem wenn auf Sicherheitsausrüstung verzichtet wird. Dennoch verkaufen sich Jeans im worn-out oder vintage look zu deutlich höheren Preisen.

"Killer-Jeans"

Das Einatmen von großen Mengen (Quarz-)Staub führt zu Silikose (allg. Staublunge). In Zusammenhang mit dem Sandstrahlen von Jeans wurde Silikose zum ersten Mal 2005 in der Türkei diagnostiziert. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde Silikose im Zusammenhang mit der Arbeit in Minen, auf Baustellen und bei der Glas- und Keramikverarbeitung festgestellt. 

Silikose ist eine unheilbare Lungenkrankheit. Die Schädigung der Lunge ist irreversibel und selbst wenn kein weiterer Staub mehr eingeatmet wird, schreitet die Krankheit fort. Wenn die Arbeiter/-innen dem Staub stark ausgesetzt sind (hohe Dosen und/oder lange Zeiten), erkranken sie deutlich schneller und schwerer. Im Krankheitsverlauf verschlechtert sich der Zustand bis zur Invalidität und häufig bis zum Tod. Die Arbeiter/-innen sterben, weil sie nicht mehr richtig atmen können. Abgesehen von Lungentransplantationen ist bisher kein Heilmittel gegen Silikose bekannt. 

Sandstrahlung: Situation in der Türkei

Aufgrund öffentlichen Drucks hat das türkische Gesundheitsministerium im März 2009 das Sandstrahlen von Jeans offiziell verboten. Es wird geschätzt, dass zwischen 8.000 und 10.000 Arbeiter/innen in türkischen Betrieben sandgestrahlt haben. Der Großteil von ihnen wurde informell oder illegal beschäftigt, davon viele Migrant/-innen und Kinder. Schätzungsweise 4.000 bis 5.000 von ihnen sind an Silikose erkrankt. Insgesamt konnten 1.200 Betroffene ausfindig gemacht werden, mindestens 46 Todesfälle sind dokumentiert.

Sandstrahlung: Situation weltweit 

Weltweite Aktionen gegen den Einsatz von Sandstrahlen, in deren Folge sich über 40 bedeutende Jeansmarken für ein Verbot aussprachen. Die neuste Recherche der Clean Clothes Kampagne enthüllt, dass zwischen 2009 und 2012 zwar insgesamt weniger sandgestrahlt wurde, die Sandstrahltechnik aber trotz Verboten von Markenfirmen noch immer verbreitet vorkommt. 

Mit dem Sandstrahlverbot in der Türkei im März 2009 verlagerte sich die Produktion weiter nach Nordafrika, aber auch nach Asien und Lateinamerika. Insbesondere in China und Bangladesch boomt die Jeansindustrie und es gibt eine deutliche Häufung von Tuberkulosefällen bei den Textilarbeiter/-innen.

Angesichts der dramatischen Folgen dieser Technik für die Sandstrahler/-innen wird seitens der Clean Clothes Kampagne von Unternehmen, Staaten und Konsumierenden ein konsequentes Vorgehen zum Schutz der Textilarbeiter/-innen gefordert. Unternehmen sowie Konsument/-innen werden zum Verzicht von sandbestrahlten Jeans aufgefordert. Von Nationalstaaten werden – ähnlich wie in der Türkei – nationale Verbote gefordert, sowie ein Importverbot sandbestrahlter Jeans in die EU.

Quelle: Clean Clothes Kampagne 



Unfaire Arbeitsbedingungen


Die Textil- und Bekleidungsbranche zählt zu den arbeitsintensiven Industrien überhaupt. Technologische Entwicklungen werden – anders als in anderen Branchen – daran auch in Zukunft nichts ändern. Weltweit arbeiten circa 60 Millionen Menschen in der Textil- und Bekleidungsbranche, die meisten von ihnen in Entwicklungs- und Schwellenländern. Der Frauenanteil liegt bei etwa 80 bis 90 Prozent.

Bezahlung

Die Löhne, die in der Textilbranche gezahlt werden, reichen häufig nicht aus, um den Arbeiterinnen und Arbeitern ausreichende Mittel für Miete, Essen, den Schulbesuch der Kinder oder eine ärztliche Versorgung zu sichern. Die gesetzlich festgelegten Mindestlöhne (die es fast überall gibt) sind oft zu niedrig, um davon leben zu können. In Bangladesch erhalten ungelernte Näher/-innen zum Beispiel einen Mindestlohn von ungefähr 50 Euro im Monat.

Die Fair Wear Foundation, eine Sozialstandard-Initiative, hat in einer Recherche zu Existenzlöhnen belegt, dass für ein T-Shirt, das im Handel 29 Euro kostet, Kunden nur zwischen 0,27 und 1,57 Euro mehr für menschenwürdige Löhne der Näher/-innen zahlen müssten. 

Arbeitszeiten

Textilfabrikanten/-innen in Asien sind oftmals aggressiven Einkaufspraktiken des Groß- und Einzelhandels ausgesetzt. Wenn sie die geforderten Preise und Liefertermine nicht einhalten können, besteht die Gefahr, dass sie ihre Aufträge an die Konkurrenz verlieren. Dieser Druck wird dann oft an die Beschäftigten weitergegeben: Sie müssen Überstunden leisten.

Viele Näherinnen und Näher arbeiten in solchen Situationen nicht nur 10 bis 12, sondern bis zu 16 Stunden am Tag. Trotz gesetzlicher Regelungen ist es in Spitzenzeiten üblich, dass an allen sieben Wochentagen gearbeitet wird. Krankheits- oder Urlaubsgeld gibt es nicht, Überstunden werden nicht nach Vorschrift bezahlt. Viele Arbeiterinnen und Arbeiter arbeiten im Akkord und werden nach Stückzahl bezahlt. Verstöße gegen national oder international geltende Arbeitsrechtsbestimmungen werden selten verfolgt und bleiben somit oft ohne Konsequenzen.

Mangelnde Sicherheitsstandards

Immer wieder kommt es zu schweren Unfällen, weil Sicherheitsstandards ignoriert werden. 2013 stürzte in Bangladesch in der Nähe von Dhaka das Rana Plaza, ein neunstöckiges Geschäfts- und Fabriksgebäude ein, in dem auch westliche Textilkonzerne produzieren ließen. Mehr als 1.100 Menschen starben, mehr als 2.000 wurden verletzt. Eine Untersuchung ergab, dass mehrere Geschosse des Gebäudes ohne Genehmigung errichtet worden waren. Außerdem waren minderwertige Baumaterialien verwendet worden.

Europa besser als Asien?

Die Clean Clothes Kampagne belegt, dass in der Bekleidungsindustrie in Osteuropa und der Türkei die Näher/-innen ebenso wie in Asien oder Lateinamerika mit Löhnen abgefertigt werden, die unterhalb der Armutsgrenze liegen. Länder, wie Bulgarien, Rumänien oder Kroatien haben eine lange Tradition in der Bekleidungsproduktion und verfügen über hochqualifizierte Arbeitskräfte. Der offizielle Mindestlohn beträgt in Ländern wie Bulgarien, Ukraine oder Mazedonien aber nur etwa 14 Prozent eines existenzsichernden Lohns.

"Made in Europe"

„Made in Europe“ ist keine Garantie für menschenwürdige Arbeitsbedingungen, die Kluft zwischen den ausgezahlten und existenzsichernden Löhnen ist teilweise noch größer als in asiatischen Produktionsländern. Ähnlich wie in Asien, werden auch in Europa und in der Türkei Näher/-innen ausgebeutet. 

Für Konsument/-innen ist der Hinweis „Made in Europe“ keine verlässliche Information, ob soziale Mindeststandards bei der Produktion eingehalten wurden. Ohne entsprechende Gütesiegel und einer Mitgliedschaft in einer unabhängigen Sozialstandard-Initiative, die soziale Mindeststandards garantieren, empfiehlt sich nachzufragen, inwiefern sich Bekleidungsunternehmen zum Beispiel zu einem Existenzlohn bekennen beziehungsweise Näher/-innen einen Lohn erhalten, der ein menschenwürdiges Leben ermöglicht. 

Quellen: Clean Clothes Kampagne, deutsches Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)



Must-haves:
Was bei der Jeansproduktion unbedingt beachtet werden muss

Nachhaltige Fasern

Biobaumwolle

Im Gegensatz zum konventionellen Anbau ist beim Bio-Anbau der Einsatz von Gentechnik und Umweltgiften, wie etwa synthetischen Schädlingsbekämpfungsmitteln und leichtlöslichen Mineraldüngern, verboten. Mechanische Methoden, pflanzliche Jauche und Humus verhelfen den Bauern zu einem gesunden Boden und schädlingsfreien Pflanzen. Wasser wird durch intelligente Bewässerungsmethoden oder durch Anbau in niederschlagsreichen Regionen gespart. Statt den bis zu 30.000 Litern für 1 Kilogramm Baumwolle der konventionellen Produktion, kann der Wasserverbrauch bei Biobaumwolle auf 7.000 Liter für 1 Kilogramm Baumwolle gesenkt werden.

Generell sieht die Ökobilanz von Biobaumwolle deutlich besser aus, wie die gemeinnützige Organisation Textile Exchange belegte: Im Vergleich zu konventionellem Anbau produziert Biobaumwolle 46 Prozent weniger Treibhausgase, verursacht 70 Prozent weniger Bodenversauerung und 26 Prozent weniger Bodenerosion, verbraucht 91 Prozent weniger Bodenflächen und Grundwasser sowie 62 Prozent weniger Energie. Dennoch bleibt das Problem des immensen Wasserverbrauchs und der Konkurrenz des landwirtschaftlich nutzbaren Bodens.

Quellen: Internationaler Verband der Naturtextilwirtschaft, Textile Exchange

Recycelte Baumwolle und Polyester

Ökologisch gesehen ist Recycling von Textilien der konventionellen Herstellung überlegen. Aufbereitete Baumwolle benötigt kein Wasser, keinen Dünger, keine Pestizide und wenig Energie. Beim Polyester-Recycling kommt zwar einiges an Chemie zum Einsatz, und Plastikflaschen werden oft um den halben Erdball verschifft. Die Umweltbilanz ist dennoch meist besser als bei der Gewinnung von Polyester aus Erdöl.

Nicht zuletzt deshalb versuchen einzelne Unternehmen auch recycelte Baumwolle (aber auch andere recycelte Materialien) in ihrer Produktion zu verwenden. Viele dieser Initiativen scheinen sinnvoll. Für Altkleider etablieren immer mehr Modekonzerne Rücknahmesysteme in ihren Läden, um den wertvollen Rohstoff zurück ins System bringen zu können. Allerdings stößt vor allem die Verwendung von Altkleidern als Rohstoff schnell an Grenzen, denn für Qualitäts­kleidung müssen auch Frischfasern beigemischt werden. 

Was passiert mit gesammelter Altkleidung?
Für einen breiten Markt eignen sich Altkleider-Sammlungen derzeit dennoch nicht, da die Aufbereitung nicht einfach ist. Denn für das Recycling werden Altkleider zerrissen, und darunter leiden die Fasern. Die Qualität eines Recyclingprodukts ist bei Kleidung also immer schlechter, als die des Ausgangsprodukts.

Einfacher als Altkleider lassen sich Schnittreste aus der Fertigung recyceln. Die sind sauber und sortenrein erfassbar und man weiß genau, was verarbeitet wurde. Ökonomisch betrachtet ist selbst das aber oft wenig attraktiv. Grund: Konventionelle Baumwolle ist nur wenig teurer als recycelte Baumwolle. Für Bekleidungsunternehmen ist es also wirtschaftlich sehr schwierig eine komplett neue Logistikkette aufzubauen.

Dennoch haben den Schritt einige gewagt. Vorreiter des Recycling-Trends bei Textilien waren vor allem Outdoor-Marken wie Patagonia. Das US-Unternehmen stellt seit 1993 Fleecejacken aus recycelten PET-Flaschen her. Aktuell lässt es nach eigenen Angaben 29 Prozent seiner Modelle mit Anteilen aus Recycling-Polyester fertigen.

Ist Recycling die Lösung?
Die Ökobilanz einer recycelten Faser ist zwar wesentlich besser als die einer herkömmlichen, die Qualität verringert sich aber bei jedem Recyclingprozess („Downcycling“), und es müssen stets auch neue Fasern beigemischt werden. Dies gilt leider auch für das Recycling von Naturfasern. Allerdings gibt es zum heutigen Zeitpunkt noch keine adäquate und vor allem umsetzbare Produktion von Alternativfasern für den Massenmarkt, die die Baumwolle ersetzen könnte.

Quelle: Stiftung Warentest, E + Z Entwicklung und Zusammenarbeit

Hanf

Hanf gehört zu den reißfestesten Naturfasern überhaupt. Er lädt sich nicht elektrostatisch auf, nimmt gut Feuchtigkeit auf und trocknet sehr schnell. Das Tragegefühl von Hanf ist sehr angenehm, auch eher kühlend. Allerdings ist auch Hanf wenig dehnfähig und elastisch. 

Die Hanffaser spielt allerdings auf dem Weltmarkt mit etwas mehr als einem geschätzten Prozent kaum eine Rolle. Der größte Lieferant für Hanf ist China, mehr als die Hälfte des Faserhanfs liefert das asiatische Land, gefolgt von Russland, Kanada und Frankreich. Hanf ist, wie Leinen, eine Bastfaser und wird aus den Stängeln der Hanfpflanze gewonnen.

Aber wie ökologisch ist Hanf eigentlich? Unkrautvernichtungsmittel werden zur Kultivierung - auch im konventionellen Bereich - nicht eingesetzt, da Hanf durch sein schnelles Wachstum nach der Aussaat keine Konkurrenz von anderen Pflanzen zulässt. Der intensive Geruch der Hanfpflanze hält die meisten Schädlinge fern. Wenn auch im konventionellen Hanfanbau kleinere Mengen an Düngemitteln eingesetzt werden, so ist Hanf in Sachen Ökologie dennoch eine unproblematische Faserpflanze. Er glänzt durch einen geringen Wasserverbrauch, der etwa bei nur einem Viertel von Baumwolle liegt, und ist der mit Abstand ertragreichste nachwachsende Rohstoff in der Faser-Welt.

Ein Problem bei der Zertifizierung von Bio-Hanf ist, dass Hanf zu großen Teilen von Kleinbauern angebaut wird. Zum einen übersteigt eine Zertifizierung deren finanzielle Möglichkeiten, zum anderen sind die Bauern, die ohnehin sehr naturnah arbeiten, schwer vom Sinn einer Zertifizierung zu überzeugen. 

Leinen

Leinenfaser ist sehr reißfest, dafür aber extrem unelastisch. Die geringe Elastizität macht Leinen knitteranfällig. Durch die hohe Steifigkeit muss es nicht wie Baumwolle zum Verweben gestärkt werden. Die Flachs- oder Leinenfaser wird aus den Stängeln der Flachspflanze gewonnen und zählt zu den Bastfasern. Bekannt für ihre Genügsamkeit, liebt die Pflanze karge Böden und kommt mit erheblich weniger Dünger und Pestiziden aus, als Baumwolle. Leinen ist also selbst in der konventionellen Textilindustrie eine ökologisch sinnvolle Faser.

Flachs ist eine bei uns heimische Faserpflanze und war ein bedeutendes Wirtschaftsgut in Europa, bevor er durch Baumwolle und Synthetikfasern fast völlig verdrängt wurde. Im Vergleich zu Baumwolle ist Leinen oder Flachs wirtschaftlich relativ unbedeutend. Der Anteil am weltweiten Faserverbrauch liegt bei knapp unter 2%. Angebaut wird die Flachspflanze hauptsächlich in der ehemaligen UdSSR, aber auch in China, Tschechien, Polen, Irland und der Slowakei.

Problematisch ist das schnelle Wachstum des Flachses, denn je langsamer die Pflanze wächst, desto höher ist die Qualität der Faser. Daher kommen im konventionellen Anbau Wachstumshemmer zum Einsatz. Während im Bio-Anbau von Leinen nur die natürliche Tauröste eingesetzt wird, also das Reifen der Fasern auf dem Feld, setzt man konventionell in manchen Gebieten (z.B. in Osteuropa, Belgien, China und Ägypten) eine Warmwasserröste ein. Sie ist weniger zeitintensiv und der Rottungsvorgang ist besser kontrollierbar. Das Stroh wird drei bis vier Tage in Bassins mit 28 bis 40 °C warmem Wasser geröstet. Dieses Verfahren birgt jedoch einen hohen Wasserverbrauch und führt durch die Abwässer zu Umweltbelastungen.

Quellen:  Internationaler Verband der Naturtextilwirtschaft e. V., GetChanged! – The Fair Fashion Network 


Ökologische Finishing-Methoden


Bleichen mit Sauerstoff

Als Alternative zum Chlor oder Kaliumpermanganat, welche sich sehr schlecht abbauen lassen, gibt es das Ozonbleichen. So heißt die umweltverträgliche Variante nach dem GOTS-Standard. Dafür kommen die Jeans in eine Art Waschmaschine mit Sauerstoff. Der wird in Ozon umgewandelt, das wiederum die Jeans ausbleicht. Danach zerfällt das Ozon wieder zu Sauerstoff. Das spart gegenüber einer Chlorbleiche mehr als 80 Prozent Chemikalien und fast 70 Prozent Wasser. Diese alternativen Verfahren sind jedoch laut Deutschem Umweltbundesamt zwei- bis sechsmal so teuer. 

Used-Look durch Laser

Mit einer energie- und ressourcenschonenden Laser-Technologie sowie mit Bleaching mit Sauerstoff werden Muster und Used-Looks kreiert, stets nach den Richtlinien von anspruchsvollen Textilsiegeln wie dem GOTS. Auf Sandstrahlen und Chemikalien wird vollständig verzichtet.


Mitgliedschaft in Sozialstandard-Initiative


Sozialstandard-Initiativen wurden gegründet, um Unternehmen bei der Umsetzung von Sozialstandards in der Lieferkette zu unterstützen und die Umsetzung effektiver und effizienter zu machen. Zum Beispiel:

  • Fair Wear Foundation (FWF)
  • Fair Labor Association (FLA)
  • Ethical Trading Initiative (ETI)
  • Business Social Compliance Initiative (BSCI)
  • Social Accountability International (SAI)

Allerdings definieren die Initiativen die Reichweite von Unternehmensverantwortung verschieden und verwenden für ihre Ziele sehr unterschiedliche Strategien.

Im Gegensatz zu sozialen Produktgütesiegeln (z.B. FAIRTRADE certified Cotton-Siegel) garantieren Sozialstandard-Initiativen nicht bei einzelnen Produkten beziehungsweise Produktlinien die Einhaltung sozialer Standards, sondern streben die Verbesserung beziehungsweise die Umsetzung sozialer Standards entlang der gesamten Lieferkette eines Unternehmens an. Wie weit soziale Standards bei den einzelnen Unternehmen tatsächlich bereits implementiert sind, ist für Konsument/-innen im Detail oft nur schwer nachvollziehbar. Information geben etwa jährliche Berichte der Initiativen über ihre Mitglieder.

Unterschieden wird zwischen Business-Initiativen (z.B. BSCI) und Multi-Stakeholder Initiativen (MSI wie ETI, FLA, FWF, SAI). In Business-Initiativen fällen Unternehmen alleine die Entscheidungen über Standards und Regeln, während in Multi-Stakeholder Initiativen verschiedene gesellschaftliche Anspruchsgruppen (z.B. Regierungs- sowie zivilgesellschaftliche Organisationen, Gewerkschaften, Unternehmen, etc.) die Standards und Regeln gemeinsam definieren. In der Regel wird deshalb Multi-Stakeholder Initiativen eine höhere Glaubwürdigkeit und Legitimität als Business-Initiativen zugesprochen.

Einig sind sich alle Sozialstandard-Initiativen darüber, dass mindestens Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) sowie die relevanten nationalen Gesetze des Produktionslandes eingehalten werden müssen. Doch vor allem bei den Löhnen weichen die Inhalte der Verhaltenskodizes der einzelnen Initiativen stark voneinander ab. Besonders empfehlenswert ist der Ansatz der Fair Wear Foundation, da dieser nicht die höchsten Mindestanforderungen, sondern auch die höchste Transparenz aufweist.

National festgelegte Mindestlöhne decken oftmals die grundlegenden Bedürfnisse der Arbeiter/-innen nicht ab. Deshalb schreiben FWF, ETI und SAI die Zahlung eines „living wages“ (existenzsichernder Lohn)  vor. Die FLA verwendet ein Konzept der „fair wages“, das ebenfalls die Zahlung höherer Löhne anstrebt. Grundsätzliches Problem dabei: Es gibt keine allgemeingültige Definition von „Existenzlöhnen“ und deshalb definiert auch keine Initiative, welche Lohnhöhe genau als hinreichend hoch angesehen wird, damit das Kriterium „Existenzlöhne“ erfüllt ist.

Einhaltung der Standards durch Audits

Um zu kontrollieren, ob Produzenten die verlangten Standards tatsächlich auch umsetzen, werden in der Regel Sozialaudits in den Fabriken durchgeführt. Diese Audits sollen die aktuelle Situation in einer Fabrik festhalten und einen Beweis liefern, wie weit die von den Einkäufern verlangten Standards tatsächlich umgesetzt sind. 

Um die Glaubwürdigkeit von Audits zu verbessern, verfolgen FWF und FLA einen Verifizierungsansatz. Dabei sollte jedes Mitglied die Produzenten selbst kontrollieren, was dann von einem externen Audit-Team der jeweiligen Initiative stichprobenartig kontrolliert wird. Die Teams der FWF und FLA erheben den Anspruch unabhängiger und glaubwürdiger als andere Teams zu sein, unter anderem, weil die Auditoren nicht direkt von der Fabrik bezahlt werden, die sie kontrollieren, wie es bei BSCI-Audits und beim SA 8000 Zertifikat oftmals der Fall ist. Eine Stärke des SA 8000 Zertifikats im Gegensatz zu den anderen Standard-Initiativen ist, dass das SA 8000 transparent macht, welche Fabrik den Ansprüchen genügt.

Soziale Audits können Unternehmen dabei helfen, den Ist-Zustand in der Lieferkette zu erfassen, was vor allem bei komplexen Lieferketten wichtig ist. Bei kleineren Unternehmen, die oftmals mit auch kleineren Produzenten zusammenarbeiten, können Arbeitsstandards aber auch mit anderen Maßnahmen überprüft und umgesetzt werden.

Was machen Sozialstandard-Initiativen genau?

Um den Arbeiter/-innen und anderen Gruppen besser zu ermöglichen, sich über die Verletzung ihrer Rechte zu beschweren, haben vor allem die FWF und die FLA eigene Beschwerdemechanismen eingerichtet. Wichtig ist dabei, dass sie den Arbeiter/-innen einen sicheren Zugang zu einer unabhängigen Stelle vor Ort ermöglichen, die auch ihr Vertrauen genießt. Sowohl die FWF als auch die ETI setzen mit konkreten Maßnahmen, Vorgaben und Trainings an, um die Einkaufsbedingungen so anzupassen, dass diese die Einführung der Sozialstandards nicht verhindern.

Langfristige Handelsbeziehungen

Es ist wichtig, dass Unternehmen ihren Lieferanten als langfristigen Partner betrachten und faire Preise zahlen, was letztendlich die Umsetzung der Arbeitsstandards erst ermöglicht. Eine Sozialstandard-Initiative kann hier den Rahmen schaffen.

Quelle: GetChanged! – The Fair Fashion Network 


Nice to have:
Was fein wäre, wenn es bei der Produktion beachtet wird

FAIRTRADE zertifizierte Baumwolle


Die zentralen  Bestandteile des Gütesiegels „FAIRTRADE Certified Cotton“ sind garantierte (faire) Mindestpreise für Baumwolle, der Aufbau von Bauernkooperativen, die Vorfinanzierung sowie FAIRTRADE-Prämien für die Kooperativen. 

Der Zusatz „Cotton“ zum bekannten Gütesiegel, macht den Fokus klar: Das Fairtrade-Siegel für faire Baumwolle steht für fair angebaute und gehandelte Rohbaumwolle und unterstützt damit vor allem die Baumwollbauern im globalen Süden. Damit ist das Siegel die perfekte Ergänzung zu Sozialstandard-Initiativen, die sich um die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Verarbeitung von Textilien bemühen.

Auf der ganzen Welt sind etwa 100 Millionen Haushalte in 70 Ländern an der Produktion von Baumwolle beteiligt. Baumwolle ist besonders für die Menschen in West- und Zentralafrika, in Indien, Pakistan und Zentralasien eine wichtige Einnahmequelle.

Baumwolle wird zu einem großen Teil im globalen Süden angebaut. Der Baumwollpreis wird allerdings durch Subventionen der nördlichen Produktionsländer künstlich tiefgehalten – zum Nachteil der Produzenten im Süden, die keine Subventionen bekommen.

Der jährliche Verlust durch US-Subventionen allein für die Länder Benin, Burkina Faso, Tschad und Mali beziffern unterschiedliche Studien auf 43 bis 126 Millionen Dollar. In den USA erhalten die Baumwollfarmer zwischen zwei und drei Milliarden US-Dollar pro Jahr an Zuschüssen. So bleiben die Erzeuger aus Industriestaaten wettbewerbsfähig, denn sie können ihre Baumwolle zu niedrigen Preisen verkaufen.

Für die Produzentengruppen im Süden dagegen sinken die Margen, denn die Marktpreise decken die Produktionskosten nicht mehr. Der Faire Handel mit Baumwolle soll helfen, diesen Kreislauf  zu durchbrechen.

Dennoch wird in Österreich derzeit keine (nachhaltige) Jeans-Marke angeboten, die - neben GOTS-Gütesiegel und einer Mitgliedschaft bei einer Sozialstandard-Initiative - auch das Gütesiegel „FAIRTRADE zertifizierte Baumwolle“ trägt.



Vegane Patches


Als „Patch“ wird der Markenaufnäher auf der Rückseite des Hosenbundes bezeichnet, der bei konventionellen Jeans meist aus Leder gefertigt ist. Bis auf wenige Ausnahmen ersetzen nachhaltige Jeansmarken den klassischen Lederpatch durch eine vegane Alternative. Papier, Kork oder Tencel, oder recycelte Synthesefasern kommen dabei als Materialien zum Einsatz. Oder der Patch wird einfach bewusst weggelassen, um ein „tierfreies“ Produkt zu schaffen – oder er wird aufgedruckt.


Zusätzliche Kundenservices (Reparatur, Recycling-Systeme, Leasing)


Das Leasing einer Jeans bietet nur die Marke Mud Jeans an. Für 7,50 Euro/Monat kann man seine Jeans maximal für ein Jahr mieten. Anschließend kann man die Jeans beim Hersteller zurückgeben und bekommt eine neue. Je nach Zustand der zurückgegebenen Jeans vermietet Mud diese entweder weiter, repariert sie oder – wenn gar nichts mehr zu machen ist – schreddert sie. Aus den Recycling-Jeans-Fasern macht das Label neue Strick-Sweaters.

Der ungewöhnliche und innovative Ansatz in Richtung einer geschlossenen Kreislaufwirtschaft bei Jeans ist ein Novum.

Die durchschnittliche Lebenserwartung einer Jeans beträgt dreieinhalb Jahre. Aufgrund der Tatsache, dass Jeans, deren Produktion besonders ressourcenintensiv ist, nach relativ kurzer Zeit wieder geschreddert werden, ist der Ansatz aus ökologischer Perspektive nicht unumstritten. 



Nickelfreie Knöpfe und Reißverschlüsse


Der wiederholte Kontakt mit Nickel führt bei vielen Menschen zu einer Kontaktallergie. Fast jeder Zehnte reagiert auf das Metall allergisch. Damit ist die Nickelallergie die häufigste Kontaktallergie überhaupt, weshalb 8 der insgesamt 13 befragten nachhaltigen Jeanshersteller auf Nickel in Knöpfen, Reißschlüssen und Nieten verzichten.

Die Problematik liegt darin, dass Nickel in fast allen metallischen Gegenständen enthalten ist, sofern es sich nicht um reine Edelmetalle handelt. Das heißt, es wird bei Reißverschlüssen und Jeansknöpfen aber auch bei Modeschmuck, Uhren, Brillengestellen, BH-Trägern, Essbesteck und vielen anderen Artikeln verwendet. Zudem ist Nickel gut wasserlöslich. Dies ist auch der Grund, warum bei einer Nickelallergie allergische Reaktionen auf das Metall im Sommer häufiger zu beobachten sind: Der Körperschweiß kann Nickel aus Schmuck, Uhrenverschlüssen oder Hosenknöpfen herauslösen. Es ist nicht entscheidend, wie viel Nickel in einem Produkt enthalten ist, sondern wie viel Nickelionen freigesetzt beziehungsweise abgegeben werden.

Symptome bei Allergie

Bei einer akuten Nickelallergie kommt es an der Haut um die Kontaktstelle zu Symptomen wie Rötung, Bläschenbildung und Nässen. Juckreiz und Hautschwellung gehören ebenfalls zu den möglichen Symptomen der Nickelallergie.



Anmerkung

Der AK Fair Jeans Guide fokussiert in erster Linie auf Jeans aus Baumwollstoffen und nur zum Teil aus anderen Materialen. Dafür gibt es zwei Gründe: Erstens bildet dies das konkrete Angebot am Markt ab. Und zweitens gibt es für Baumwollstoffe sehr weit entwickelte und glaubwürdige Gütesiegel und Zertifizierungssysteme – selbst auf Produktebene – die für Konsumenten/-innen eine gute Orientierung darstellen. Beim Bewertungssystem des Fair Jeans Guides wurde explizit versucht, eine etwaige Benachteiligung von Nicht-Baumwollstoffen auszuschließen bzw. auszugleichen. Im Sinne einer neutralen und objektiven Bewertung ist dies aufgrund der weniger weit entwickelten Zertifizierungssysteme von Baumwoll-Substituten in einzelnen Bereichen aber nur bedingt möglich. 

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