Lebensmittel­kennzeichnungs­modelle – hilfreich oder verwirrend?

Joghurtbecher mit knalligen Farben, lustigen Figuren sowie Vitamin- und Mineralstoffanreicherungen suggerieren, dass diese Produkte den speziellen Bedürfnissen von Kindern angepasst sind. Für Eltern ist es meist schwierig deren ernährungsphysiologischen Wert abzuschätzen. Transparente und auf den ersten Blick verständliche Kennzeichnungen könnten dabei helfen. Eine Erhebung der Arbeiterkammer Oberösterreich bei Kindermilchprodukten zeigt: Lebensmittelkennzeichnungssysteme können als grobe Orientierungshilfe dienen, jedoch sollte man die Labels nicht überbewerten!  

Vergleich Nährwertkennzeichnungsmodelle (0,3 MB)

Bessere Kenn­zeichnung in Österreich 

Während Österreich, im Gegensatz zu anderen Ländern, bislang noch keinerlei Bemühungen gezeigt hat eine vereinfachte Nährwertkennzeichnung auf Lebensmitteln einzuführen, haben andere europäische Länder bereits eigene Kennzeichnungsmodelle eingeführt. Erstmals befindet sich mit den Fruchtzwergen von Danone eines dieser Modelle auch in österreichischen Regalen.  

Nutri-Score Label im Test 

Um zu testen wie hilfreich das neue Nutri-Score Label (das französische System besteht aus einer 5 farbigen Ampel) im Vergleich zu bereits länger etablierten Labels wie dem britischen Ampelsystem oder dem skandinavischen Keyholesystem ist, hat der Konsumentenschutz der AK Oberösterreich 9 Frischkäse bzw. Joghurtzubereitungen (6 konventionelle und 3 biologische) anhand der unterschiedlichen Labelkriterien miteinander verglichen. Ausgewählt wurden dabei speziell Produkte im praktischen Multipack, deren Verpackung und Werbung besonders auf die Zielgruppe Kinder ausgerichtet sind. 

Nutri-Score kann als Anhaltspunkt dienen - schützt aber nicht vor Fehlernährung

  • Grundsätzlich ist es begrüßenswert, dass erstmals auch in Österreich ein Label auf der Produktvorderseite den Verbrauchern/-innen Nährwertinformationen verständlicher machen und somit bei der Auswahl gesünderer Produkte helfen soll. 

  • Auf der fünfstufigen Nutri-Score Farbskala von dunkelgrün (A) bis rot (E) erhalten 8 der 9 getesteten Kindermilchprodukte das hellgrüne B und gelten somit für die tägliche Ernährung empfehlenswert. Nur ein Produkt würde mit einem orangen C gekennzeichnet werden.

  • Gerade das „Green labelling“ könnte bei Konsumenten/-innen aber die Hemmschwelle eventuell sogar senken mehr davon zu essen – vor allem bei Multipackungen mit 4-12 kleinen Portionen. Denn eine separate Einschätzung für Fett, Zucker und Salz gibt es hier nicht. 

Andere System im Vergleich 

Vergleicht man die Kindermilchprodukte zusätzlich anhand des britischen Ampelsystems zeigt die Ampel beim Zuckergehalt bei allen und bei einem Produkt zusätzlich noch beim Fettgehalt ein gelbes Signal und deutet somit auf eine mäßige Verzehrempfehlung hin. 

Den Vergabekriterien des skandinavischen Keyholesymbols, welches auf den ersten Blick den Griff zu gesünderen Lebensmitteln erleichtern soll, wird kein Produkt gerecht. 

Was heißt das für Sie?

In einem Becher Joghurt von Danone Disney Kitchen stecken 4 Stück Würfelzucker. Das entspricht bereits knapp der Hälfte, der von der WHO empfohlenen Zuckermenge eines 4- bis 6-jährigen Kindes. Mit einem weiteren Becher wäre somit fast das Tageslimit ausgeschöpft. Die kleineren „fruchtzwergartigen“ Produkte liefern 1,5 bis 2 Stück Würfelzucker pro Portion. Bleibt es pro Tag konsequent bei einem der Becher im Multipack ist durchaus nichts einzuwenden, denn bekanntlich geht es immer nur um die Menge und die Häufigkeit des Verzehrs.

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