21.07.2021

Veranstaltung ab­gesagt! Gut­schein statt Geld retour

Mit einem Gesetz regelt die Bundes­regierung die Erstattungs­pflicht nach der Absage von Kultur- und Sport­veranstal­tungen aufgrund der Covid-19-Pandemie. Betroffen sind alle aufgrund der Covid-19-Pandemie in den Jahren 2020 und 2021 abgesagten Veranstaltungen.

Wann darf ein Gutschein aus­gegeben werden?

Es gilt eine gestaffelte Regelung:

TicketpreisRückerstattung
bis   70,00 EuroGutschein in voller Höhe.
bis 250,00 EuroGutschein über 70,00 Euro.
Der Restbetrag (maximal 180,00 Euro) wird ausbezahlt.
über 250,00 Euro180,00 Euro werden ausbezahlt.
Über den Restbetrag wird ein Gutschein ausgestellt.

Die Preise verstehen sich pro Ticket und nicht pro Einkauf.

Sonderfall mehrtägige Veranstaltungen - Nova Rock und Frequency

Die Veranstalter von Nova Rock und Frequency berechnen die Auszahlungen (Gutschein oder Geldbetrag) laut vorliegenden Unterlagen betroffener Konsumenten/-innen so, dass sie den Ticketpreis durch die Anzahl der Festivaltage teilen. Der fiktive Preis pro Festivaltag ist die Grundlage für den Gutscheinwert und den Auszahlungsbetrag.

Beispiel:
Bei einem 4-tägigen Festival und einem Ticketpreis von 190,00 Euro werden 4 Gutscheine im Wert von je 47,50 Euro (190 : 4 = 47,50) ausgestellt. Konsumentinnen und Konsumenten würden kein Geld, sondern lediglich Gutscheine erhalten. Die ohnehin schon schlechte Position der Verbraucher/-innen auf Grund der Gesetzesänderung, würde noch weiter verschärft werden.

Die Experten/-innen der AK Oberösterreich sind der Ansicht, dass der Veranstalter in einem solchen Fall zum Beispiel einen Gutschein über maximal 70 Euro ausstellen kann und den Restbetrag von 120 Euro an die Konsumentinnen und Konsumenten auszuzahlen hat. 

Diese strittige Frage soll durch eine Musterklage vor Gericht entschieden werden. Ticketinhaber/-innen, die einen Teil des Ticketpreises ausbezahlt haben wollen, können daher abwarten. In unserem Newsletter werden wir über die Entscheidung der Gerichte informieren.


ACHTUNG

Der Veranstalter könnte zunächst einen Gutschein über den gesamten Ticketpreis anbieten. Erst wenn Konsumenten/-innen dies ablehnen, muss der Veranstalter den Gutschein laut der obigen Regelung ausstellen und den Restbetrag erstatten.

EIN BEISPIEL

Ihr Ticket hat 100,00 Euro gekostet. Sie erhalten vom Veranstalter einen Gutschein über 100,00 Euro. Sie müssen diesen Gutschein ablehnen, um 30,00 Euro erstattet und einen Gutschein über 70,00 Euro zu bekommen. Dafür stellen wir einen Musterbrief zur Verfügung. 

Wann muss der Gutschein­wert aus­gezahlt werden?

Wird der Gutschein bis zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht eingelöst, können Inhaber/-innen vom Veranstalter die sofortige Auszahlung des Gutscheinwerts verlangen. Hier gibt es je nach ursprünglichem Veranstaltungstermin unterschiedliche Regelungen:

Zeitraum des ab­gesagten Veranstaltungs­terminsAus­zahlung des Gut­scheines kann ver­langt werden, wenn Gut­schein nicht ein­gelöst wurde bis...
im Jahr 2020 bis 30.06.2021
 31.12.2022
01.07.2021 bis 31.12.2021
(von im Jahr 2020 bis 30.06.2021
verschobenen Veranstaltungen)
31.12.2022
01.07.2021 bis 31.12.202131.12.2023

Was passiert, wenn der Ver­anstalter insolvent wird?

Eine Insolvenzabsicherung gibt es nicht. Konsumentinnen und Konsumenten haben nur die Möglichkeit, die Forderung aus dem Gutschein im Insolvenzverfahren anzumelden. Für die Forderungsanmeldung wird eine Gebühr von 25 Euro fällig.

Welche Veranstalter dürfen Gut­scheine aus­stellen?

Die Regelung gilt nur für private Veranstalter, die nicht im Eigentum oder unter mehrheitlicher Beteiligung von Bund, Ländern oder Gemeinden stehen beziehungsweise für die Bund, Länder oder Gemeinden nicht haften oder den Abgang tragen.

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