18.05.2020

Veranstaltung abgesagt! Gutschein statt Geld retour

Mit einem neuen Gesetz regelt die Bundes­regierung die Erstattungs­pflicht nach der Absage von Kultur- und Sport­veranstal­tungen aufgrund der Covid-19-Pandemie. Bisher mussten die Veranstalter den Preis in voller Höhe erstatten, jetzt haben sie die Möglichkeit, in einem bestimmten Ausmaß, Gutscheine auszugeben.

Wann darf ein Gutschein ausgegeben werden?

Bei der Absage von Veranstaltungen aufgrund der Covid-19-Pandemie zwischen dem 13.03. und dem 31.12.2020 gibt es eine gestaffelte Regelung:

TicketpreisRückerstattung
bis   70,00 EuroGutschein in voller Höhe.
bis 250,00 EuroGutschein über 70,00 Euro.
Der Restbetrag (maximal 180,00 Euro) wird ausbezahlt.
über 250,00 Euro180,00 Euro werden ausbezahlt.
Über den Restbetrag wird ein Gutschein ausgestellt.

Die Preise verstehen sich pro Ticket und nicht pro Einkauf.

Sonderfall mehrtägige Veranstaltungen - Nova Rock und Frequency

Die Veranstalter der Musikfestivals Nova Rock und Frequency berechnen den Gutscheinwert und den Auszahlungsbetrag laut vorliegenden Unterlagen betroffener Konsumenten/-innen so, dass sie den Ticketpreis durch die Anzahl der Festivaltage teilen. Der fiktive Preis pro Festivaltag soll nach Meinung der Veranstalter die Grundlage für den Gutscheinwert und den Auszahlungsbetrag sein.

Beispiel:
So könnten bei einem viertägigen Festival und einem Ticketpreis von 190,00 Euro vier Gutscheine im Wert von je 47,50 Euro (190 : 4 = 47,50) ausgestellt werden. Konsumentinnen und Konsumenten würden kein Geld, sondern lediglich Gutscheine erhalten. Die ohnehin schon schlechte Position der Verbraucher/-innen auf Grund der Gesetzesänderung, würde noch weiter verschärft werden.

Die Experten/-innen der AK Oberösterreich sind der Ansicht, dass der Veranstalter in einem solchen Fall zum Beispiel einen Gutschein über maximal 70 Euro ausstellen kann und den Restbetrag von 120 Euro an die Konsumentinnen und Konsumenten auszuzahlen hat. 

Diese strittige Frage soll durch eine Musterklage vor Gericht entschieden werden. Ticketinhaber/-innen, die einen Teil des Ticketpreises ausbezahlt haben wollen, können daher abwarten. In unserem Newsletter werden wir über die Entscheidung der Gerichte informieren.


ACHTUNG

Der Veranstalter könnte zunächst einen Gutschein über den gesamten Ticketpreis anbieten. Erst wenn Konsumentinnen und Konsumenten dies ablehnen, muss der Veranstalter den Gutschein laut der obigen Regelung ausstellen und den Restbetrag erstatten.

EIN BEISPIEL

Ihr Ticket hat 100,00 Euro gekostet. Sie erhalten vom Veranstalter einen Gutschein über 100,00 Euro. Sie müssen diesen Gutschein ablehnen, um 30,00 Euro erstattet und einen Gutschein über 70,00 Euro zu bekommen. Dafür stellen wir einen Musterbrief zur Verfügung. 

Wann muss der Gutschein­wert aus­gezahlt werden?

Wird der Gutschein bis zum 31. Dezember 2022 nicht eingelöst, kann der Inhaber/die Inhaberin die unverzügliche Auszahlung des Gutscheinwertes vom Veranstalter verlangen.

Was passiert, wenn der Veranstalter insolvent wird?

Eine Insolvenzabsicherung gibt es nicht. Konsumentinnen und Konsumenten haben nur die Möglichkeit, die Forderung aus dem Gutschein im Insolvenzverfahren anzumelden. Für die Forderungsanmeldung wird eine Gebühr von 23 Euro fällig.

Welche Veranstalter dürfen Gutscheine aus­stellen?

Die Regelung gilt nur für private Veranstalter, die nicht im Eigentum oder unter mehrheitlicher Beteiligung von Bund, Ländern oder Gemeinden stehen beziehungsweise für die Bund, Länder oder Gemeinden nicht haften oder den Abgang tragen.

Downloads

Kontakt

Kontakt

Konsumentenschutz
TEL: +43 50 6906 2
E-MAIL: konsumentenschutz@akooe.at
  • © 2020 AK Oberösterreich | Volksgartenstrasse 40 4020 Linz, +43 50 6906 0

  • Datenschutz
  • Impressum