08.05.2020

Pfand­leihe - Eine sehr teure Lösung für kurzfristigen Geld­bedarf!

Viele Menschen kämpfen derzeit mit großen Ein­kommens­verlusten und erkun­digen sich beim Konsumenten­schutz der Arbeiter­kammer Ober­öster­reich über die Möglich­keiten etwas zu verpfänden. Da das Dorotheum und die eBörse auch Online-Ver­pfändungen anbieten, haben die Finanz­experten/-innen die Kondi­tionen genauer unter die Lupe genommen und sie raten: Wenn es gar nicht anders geht und Sie ein Lieblings­stück verpfänden müssen, stellen Sie sich auf hohe Kosten ein. Erkundigen Sie sich jedenfalls vorab bei Ihrer Bank nach einem günstigeren Kredit. Und keinesfalls sollten Sie fragwürdigen Online-Krediten auf den Leim gehen!

Gebührenübersicht Pfandhäuser versus Überziehungsrahmen (0,2 MB)

Kontaktaufnahme mit dem Pfandhaus

Dies geschieht entweder per Email-Anfrage (Dorotheum) oder per Online-Formular auf der Homepage des Pfandhauses (eBörse). Zeigt das Pfandhaus nach Begutachtung des übermittelten Fotos Interesse, kann das Pfand per Post gesendet werden.

Achtung

Obwohl zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht sicher ist, ob der Vertrag überhaupt und in welcher Höhe zustande kommt, tragen Sie bereits die Kosten für die Versendung des Wertgegenstandes inklusiver Paketversicherung. 

Unver­bindliches Angebot und Pfand­schein

Das Pfandhaus erstellt nach Erhalt des Pfandes ein unver­bindliches Angebot. Wenn Sie damit einverstanden sind, wird ein Pfandschein ausgestellt und der Darlehens­betrag an Sie überwiesen. Eine genaue Zeitspanne von der Zusendung des Pfand­gegen­standes bis zur möglichen Auszahlung des Darlehens­betrags ist auf der Homepage nicht festgelegt.

Laufzeiten von 1 bis 5 Monate

Die Laufzeit für die Verpfändung von Schmuck beträgt beim Dorotheum 3 Monate mit der Verlängerungsoption um 2 weitere Monate (inklusive vierwöchiger gesetzlicher Nachfrist). Im Vergleich dazu setzt die eBörse eine Laufzeit von einem Monat an. Bei jeder Pfandverlängerung kommt es zu einer neuerlichen Gebührenbelastung.  

Jahreszinssätze von 30 bis 48 Prozent

Wir haben für ein Berechnungs­beispiel eine Uhr mit 500 Euro Belehnungs­wert und eine Entlehnungsdauer von 3 Monaten gewählt: 

  • Neben dem versicherten Versand des Pfands (in unserem Beispiel circa 10 Euro) fallen am Ende der Laufzeit Spesen für die Ausstellung aller Pfand­scheine, Zinsen und Manipulations­gebühren an. Diese sind bei Auslösung des Pfands zu begleichen.

  • Die Zinsen und Mani­pulations­gebühren werden jeweils in Halb­monats­zinssätzen angegeben und bewegen sich zwischen 1,25 und 2 Prozent. In Summe ergäbe sich daraus beim Dorotheum eine jährliche Belastung von 30 Prozent und bei der eBörse von 48 Prozent. 

  • In unserem Beispiel verrechnet das Dorotheum insgesamt einen Betrag von 41,80 Euro, die eBörse gar 90,00 Euro (jeweils ohne Berück­sichtigung der Postgebühr).

  • Der tatsächlich zur Verfügung stehende Betrag bei Verpfändung beträgt beim Dorotheum somit 448,20 Euro, bei der eBörse 400,00 Euro (unter Berücksichtigung aller mit der Verpfändung anfallenden Belastungen).

Sogar die teuerste Kontoüberziehung ist um 77 Euro billiger

Kann eine Konto­überziehung innerhalb des Konto­rahmens genützt werden, so wird ein Jahres­zinssatz zwischen 6,5 Prozent und 13,25 Prozent verrechnet, außerhalb des Rahmens bis zu 18,15 Prozent. In unserem Beispiel mit 500 Euro kostet die Überziehung für 3 Monate zwischen 8,13 und 16,56 Euro, außerhalb des Kontorahmens bis zu 22,69 Euro. Darüber hinaus fallen hier keine Post­gebühren an (ungewiss der Zusage der Verpfändung).

Tipps

  • Klären Sie anfallende Gebühren immer vorab und halten Sie alles Wesentliche schriftlich fest!

  • Schließen Sie keine telefonischen Pfand­geschäfte ab, denn ohne schriftliche Vertrags­vereinbarungen besteht ein Beweis­problem, vor allem in Bezug auf die anfallenden Kosten!

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