07.05.2020

Corona-Virus: FAQ zum Thema Ver­sicherungen

Die Versicherungsexperten/-innen der Arbeiterkammer Oberösterreich haben die häufigsten Fragen und die wichtigsten Tipps zum Thema Versicherungen und Covid-19 zusammengefasst.

Versicherungs­prämien nicht mehr leist­bar

Wenn Sie die Versicherungsprämie nicht mehr zahlen können, sollten Sie handeln. Obwohl es kein Recht auf Raten- beziehungsweise Prämienstundungen gibt, so ist doch zu hoffen, dass die Versicherungen, zu praktikablen Lösungen bereit sind.

Zeigen Sie Zahlungswillen!

Fällige Zahlungen nicht zu begleichen, führt zu zusätzlichen Kosten. Daher empfehlen wir Ihnen, sich aktiv und unverzüglich mit Ihrer Versicherung in Verbindung zu setzen. 

Wie kann ich meinen Vertragspartner derzeit erreichen?

Nachdem viele Mitarbeiter/-innen im Home-Office arbeiten, ist die schriftliche Erreichbarkeit nicht gesichert, bei telefonischer Kontaktaufnahme können Sie getroffene Vereinbarungen später nicht beweisen. 

E-Mail mit Lesebestätigung

Am besten Sie wenden sich per E-Mail an die Versicherung. Sie finden die Kontaktdaten auf deren Homepage. Führen Sie Ihren Namen und Ihre Vertragsdaten an und schildern Sie Ihre aktuelle Situation beziehungsweise den Grund für Ihren finanziellen Engpass. Wenn Sie keine Antwort erhalten, fragen Sie erneut nach und speichern Sie die E-Mails ab. Durch die Lesebestätigung werden Sie über die Kenntnisnahme des Vertragspartners informiert.

Be­lastung durch Ver­sicherungs­prämien senken?

Umstieg von jährlicher auf unterjährige Prämienzahlung

Wenn Sie eine jährliche Prämienzahlung vereinbart haben und diese aktuell nicht leisten können, vereinbaren Sie kürzere Zahlungsintervalle. So müssen Sie  den Vertrag nicht auflösen. 

ACHTUNG

Je nach Zahlweise (monatlich, vierteljährlich oder halbjährlich) können zusätzliche Kosten anfallen (Zuschläge für unterjährige Zahlweise). Dies gilt auch für die motorbezogene Versicherungssteuer in der Kfz-Haftpflichtversicherung.

Vorsicht bei der Stundung von Versicherungsprämien

Wenn auch eine monatliche Zahlung der Prämie vorübergehend nicht möglich ist, können Sie die Versicherung um eine Stundung/Aussetzung der Prämienzahlung ersuchen.

ACHTUNG

Verlangen Sie eine Bestätigung, dass auch für den Zeitraum der Stundung/Aussetzung der Prämie der Versicherungsschutz aufrecht bleibt. 

Beschränken auf wichtigen Versicherungsschutz

Versicherungen können Ihnen in existenzbedrohenden finanziellen Situationen helfen (zum Beispiel nach Verkehrsunfall, Wohnungsbrand oder Sturmschaden am Haus, etc.).

TIPP

Überprüfen Sie Ihre Versicherungsverträge, denn es muss nicht jedes erdenkliche, geringfügige Risiko durch eine Versicherung abgesichert werden (Elektrogeräteversicherungen, Tiefkühlgutversicherung).

Selbstbehalt vereinbaren

Selbstbehalte können die Versicherungsprämie herabsetzen. Im Schadensfall wird der Selbstbehalt von der Versicherungsleistung abgezogen. So können in der Haushalts- und Eigenheimversicherung die Prämien bei einem Selbstbehalt von 100 bis 200 Euro um 10 bis 20 Prozent gesenkt werden.

Vorteil: Eine Beschränkung des Versicherungsschutzes über den Selbstbehalt hinaus findet hier nicht statt.

Prämienreduktion nur eingeschränkt sinnvoll

Mit der Änderung des Versicherungsvertrages, wie einer Prämienreduktion, ist meist auch eine Reduktion der Deckung und der versicherten Risiken verbunden. Es kann daher passieren, dass ein bislang versicherter Schaden aufgrund der Prämienreduktion nicht mehr gedeckt ist.

ACHTUNG

Geht die inhaltliche Änderung des Vertrages so weit, dass von einem Neuvertrag auszugehen ist, so beginnt eine neue Laufzeit und längerfristige Verträge sind dann erst nach 3 Jahren (bei Lebensversicherungen nach einem Jahr) wieder kündbar. Bei manchen Versicherungen wie der privaten Krankenversicherung ist ein Weg zurück in den alten Tarif nicht immer möglich - so beispielsweise im Falle einer zwischenzeitlich eingetretenen Erkrankung.

TIPP

Wenn möglich, sollten Sie mit der Versicherung schriftlich vereinbaren, dass nach der Krise ein Wechsel in den „alten“ Tarif möglich ist.

Versicherungsschutz bei Arbeitslosigkeit

Es gibt Versicherungsprodukte, die im Falle der Arbeitslosigkeit für einen gewissen Zeitraum die Prämienzahlungen oder im Fall einer Kreditversicherung die Kreditraten übernehmen. Überprüfen Sie Ihre Versicherungsbedingungen dahingehend und melden Sie Ihre Arbeitslosigkeit umgehend dem Versicherungsunternehmen!

Kann ich mit meinen Lebens­versicherungs­prämien aus­setzen?

Sie können entweder mit der Versicherungsgesellschaft eine Prämienfreistellung oder eine Prämienpause, wenn diese Möglichkeit laut Ihrem Versicherungsvertrag besteht, vereinbaren oder den Vertrag vorzeitig kündigen. Auch eine Änderung der Zahlungsweise von zum Beispiel jährlich auf kürzere Zahlungsintervalle kann vereinbart werden.

TIPP

Lassen Sie sich jeweils vorab ein Angebot übermitteln, bevor Sie sich entscheiden.


Wird eine Prämienfreistellung vereinbart, so sind bis zum Laufzeitende, keine weiteren Prämien zu leisten. Die Versicherungssumme wird entsprechend der bisherigen Einzahlungen reduziert. Am Ende der Vertragslaufzeit wird bei klassischen und fondsorientierten Lebensversicherungen die reduzierte Versicherungssumme plus den zugewiesenen Gewinnanteilen, bei fondsgebundenen Lebensversicherungen der Fondswert ausbezahlt. 

Eine Prämienpause bedeutet, dass die Prämienzahlung „gestundet“ und nach der vereinbarten Zeit durch vorübergehend höhere Prämien ausgeglichen werden. Die Versicherungsleistung ändert sich dadurch nicht. Diese Möglichkeit bietet nicht jede Versicherung an.

Worauf soll ich bei der Kündigung meiner Lebens­versicherung achten?

Wenn Sie sich infolge eines dringenden Bargeldbedarfs für einen Rückkauf (vorzeitige Auflösung Ihres Versicherungsvertrages) entscheiden, sollten Sie auch in diesem Fall zuerst ein Angebot von Ihrer Versicherung anfordern.

ACHTUNG

Sie erhalten bei einem Rückkauf nicht Ihre tatsächlich geleisteten Prämien zurück, sondern nur den Rückkaufswert beziehungsweise bei fondgebundenen Lebensversicherungen nur den Wert der Deckungsrückstellung. Weitere Abzüge (Rückkaufsabschlag) dürfen nur vorgenommen werden, wenn diese ausdrücklich und transparent in den Versicherungsbedingungen angeführt sind.

Kann ich KFZ-Versicherungs­prämie sparen indem ich mein Fah­rzeug abmelde?

Wenn Sie planen, Ihr Fahrzeug in den nächsten Monaten nicht zu verwenden, können Sie das Kennzeichen bei Ihrer Zulassungsstelle hinterlegen. Während der Hinterlegung ist das Fahrzeug von der Kraftfahrzeugsteuer beziehungsweise der motorbezogenen Versicherungssteuer befreit.

ACHTUNG

Das Kennzeichen muss dazu für mindestens 45 Tage hinterlegt werden.

TIPP

Ab wann bei der Hinterlegung keine Versicherungsprämie zu zahlen ist, erfahren Sie bei Ihrer Versicherung - die Fristen sind hier unterschiedlich.

Zahlt meine Reise­versicherung bei Schadens­fällen wegen Covid 19?

Üblicherweise sehen Reiseversicherungen hier keinen Versicherungsschutz vor. Das muss aber nicht bei jeder Versicherung so sein. Es empfiehlt sich daher generell bei Versicherungen in einem Schadensfall im konkreten Versicherungsvertrag nachzusehen (Antrag, Polizze und Versicherungsbedingungen).

Womit kann ich mich an meine Rechts­schutz­versicherung wenden?

Laut den branchenüblichen Versicherungsbedingungen besteht kein Versicherungsschutz für die Wahrnehmung rechtlicher Interessen in ursächlichem Zusammenhang mit hoheitsrechtlichen Anordnungen, die aufgrund einer Ausnahmesituation an eine Personenmehrheit gerichtet sind.

Dabei handelt es sich um einen Risikoausschluss, der nach ständiger Rechtsprechung restriktiv auszulegen ist. Wie Versicherungsbedingungen zu verstehen sind, orientiert sich am Maßstab eines durchschnittlich verständigen Versicherungsnehmers. Unklarheiten gehen zu Lasten der Versicherung.

Nach Ansicht der Arbeiterkammer fällt eine Klage gegen einen Reiseveranstalter oder ein Luftfahrtunternehmen auf Rückzahlung des Reisepreises nicht unter diesen Ausschluss. In diesem Fall hat sich nämlich der Risikoausschluss nicht verwirklicht, da Reisebeschränkungen oder Reisewarnungen, die Anlass für eine Stornierung waren, nur eine indirekte Auswirkung der Covid-19 Maßnahmen waren. Ein ursächlicher Zusammenhang mit einer hoheitsrechtlichen Anordnung liegt nicht vor.

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