Stipendium für Selbsterhalter/-innen

Das Selbsterhalter/-innen-Stipendium ist eine Form der staatlichen Studienbeihilfe für Studierende, die bereits mindestens 4 Jahre berufstätig waren.

Mit September 2017 wurde das Stipendium um 18 Prozent erhöht. Zusätzlich erhalten jetzt Studierende über 24 Jahre einen monatlichen Zuschlag von 20 Euro, Über-27-Jährige von 40 Euro.

Wer ist Selbsterhalter/-in?

Selbsterhalter/-innen sind Studierende, die sich vor der ersten Zuerkennung einer Studienbeihilfe mindestens 4 Jahre lang durch Einkünfte in Höhe von jährlich mindestens 8.580 Euro (Jahresbruttoeinkommen abzüglich Sozialversicherungsbeitrag, Sonderausgaben und Werbungskosten) selbst erhalten haben.

Zeiten von Präsenz-, Zivil- und Ausbildungsdienst sowie Freiwilligendienst gemäß Freiwilligengesetz gelten jedenfalls als Zeiten des Selbsterhalts. Lehrzeiten nur dann, wenn mit der Lehrlingsentschädigung das geforderte Mindestjahreseinkommen erzielt wurde. Als eigene Einkünfte gelten unter anderem auch Arbeitslosen- und Kinderbetreuungsgeld.
In (Rumpf)Jahren, in denen die Berufstätigkeit begonnen beziehungsweise beendet wurde, erfolgt eine aliquote Berechnung des Selbsterhalts.
Das Einkommen der Eltern spielt bei Selbsterhalter/-innen keine Rolle.

TIPP

Lassen Sie vor Studienantritt Zeiten des Selbsterhalts durch die Stipendienstelle prüfen! Eine Auflistung bisheriger Versicherungszeiten kann bei der Gebietskrankenkasse angefordert werden.

Voraussetzungen

Anspruch auf Selbsterhalter/-innen-Stipendium kann geltend gemacht werden, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt sind:

  • Ordentliche Studierende an einer österreichischen Universität, Hochschule, Fachhochschule, akkreditierten Privatuniversität, Akademie oder Personen mit Bescheid über die Zulassung zur Studienberechtigungsprüfung oder zur FH-Studienbefähigung.
  • Österreichische Staatsbürgerschaft oder Gleichgestellung im Sinne des Studienförderungsgesetzes.
  • Noch kein abgeschlossenes Studium an einer der oben genannten Einrichtungen.
  • Studienbeginn vor Überschreitung der gesetzlich vorgeschriebenen Altersgrenze.
  • Günstiger Studienerfolg im Sinne des Studienförderungsgesetzes.
  • Maximal 2-maliger Studienwechsel.

Altersgrenzen, günstiger Studienerfolg, Studienwechsel

Das Studium, für das Studienbeihilfe beantragt wird, muss in der Regel vor Vollendung des 30. Lebensjahres begonnen werden. Für Selbsterhalter/-innen gibt es allerdings eine Ausnahme: Für jedes Jahr, das sie sich länger als 4 Jahre selbst erhalten haben, erhöht sich die Altersgrenze um ein Jahr, maximal aber um 5 Jahre. Bei 5-jähriger Berufstätigkeit liegt die Altersgrenze also bei 31 Jahren, bei 6-jähriger Berufstätigkeit bei 32 Jahren und so weiter. Spätestens vor dem 35. Geburtstag muss das Studium aber jedenfalls begonnen werden.

Die Altersgrenze von 30 Jahren erhöht sich auch:

für Studierende mit Kind(ern)um 5 Jahre
für behinderte Studierendeum 5 Jahre
für Studierende, die ein Masterstudium
aufnehmen (sofern das Bachelorstudium
vor Vollendung des 30. Lebensjahres
begonnen wurde)
um 5 Jahre

 

Beachten Sie

Die absolute Altersgrenze liegt bei 35 Jahren – das gilt auch für Masterstudien, die von Selbsterhalter/-innen aufgenommen werden!

Günstiger Studienerfolg

Der Nachweis eines günstigen Studienerfolgs ist eine der Voraussetzungen für den Anspruch auf Selbsterhalter/-innen-Stipendium.

Achtung

Häufig wird das Selbsterhalter/-innen-Stipendium wegen fehlendem Studienerfolg nicht beziehungsweise nicht von Beginn an gewährt. Das kommt vor allem dann vor, wenn Personen während ihrer Berufstätigkeit inskribiert waren, aber keine oder zu wenige Prüfungen positiv abgelegt haben.

Nachweis des günstigen Studienerfolgs an Universitäten, Theologischen Lehranstalten und Fachhochschulen:

  • Für die ersten beiden Semester durch die Zulassung als ordentlicher Studierender/ordentliche Studierende.
  • Nach den ersten beiden Semestern durch Nachweis von 30-ECTS-Punkten beziehungsweise 14 Semesterstunden.
  • Nach jedem Studienabschnitt durch Ablegung der Diplomprüfung oder des Rigorosums.
  • Nach dem 6. Semester jeder Studienrichtung, die nicht in Studienabschnitte gegliedert ist oder deren vorgesehene Studienzeit im 1. Abschnitt mindestens 6 Semester umfasst, durch Nachweis von 90-ECTS-Punkten beziehungsweise 42 Semesterstunden.
  • Nach dem 2. Semester eines Masterstudiums durch Nachweis von 20-ECTS-Punkten beziehungsweise 10 Semesterstunden.
  • Nach dem 2. Semester eines Doktoratsstudiums durch Nachweis von 12-ECTS-Punkten beziehungsweise 6 Semesterstunden.

Wie der günstige Studienerfolg für Bildungseinrichtungen wie zum Beispiel Pädagogische Hochschulen, Konservatorien etc. geregelt ist, erfragen Sie am besten direkt bei der zuständigen Stipendienstelle.

Achtung

Um eine Stipendienrückzahlung auszuschließen, müssen Sie jedenfalls einen Mindeststudienerfolg erbringen:

  • Bei Abbruch des Studiums nach dem 1. Semester muss (spätestens bis zum Ende der Antragsfrist für das 2. Semester) ein Studienerfolg von 7-ECTS-Punkten beziehungsweise 4 Semesterstunden nachgewiesen werden.

  • Nach den ersten beiden Semestern muss (spätestens bis zum Ende der Antragsfrist für das 3. Semester) ein Mindeststudienerfolg von 15-ECTS-Punkten beziehungsweise 7 Semesterstunden nachgewiesen werden.
    Hinweis: Wenn der geforderte Mindeststudienerfolg nicht zeitgerecht erbracht wurde, dann aber spätestens in der Antragfrist des 5. Semesters ein günstiger Studienerfolg vorgelegt wird, kann eine bereits erfolgte Rückzahlung von der Studienbeihilfenbehörde nachträglich zur Gänze aufgehoben werden.

  • Kandidaten/-innen für die Studienberechtigungsprüfung beziehungsweise Zusatzprüfungen müssen wenigstens die Hälfte der zu absolvierenden Prüfungen erfolgreich ablegen, um eine Rückzahlung zu vermeiden.

Studienwechsel

Als Studienwechsel gilt die Änderung der Studienrichtung.
Um den Anspruch auf Selbsterhalter/-innen-Stipendium nicht zu verlieren, darf das Studium höchstens zweimal und spätestens im 2. Semester gewechselt werden.
Wird öfter gewechselt, geht der Anspruch verloren. Wird später gewechselt, kann zunächst solange kein Stipendium bezogen werden, bis im neuen Studium so viele Semester absolviert wurden wie im alten.
Hinweis: Wird das Studium nach Vollendung des 30. Lebensjahres gewechselt, ist der Selbsterhalt neu zu prüfen.

TIPP

Am besten kontaktieren Sie vor einem geplanten Studienwechsel die Stipendienstelle!

Stipendienhöhe, Anspruchsdauer

Sind die Voraussetzungen erfüllt, besteht Anspruch auf Selbsterhalter/-innen-Stipendium. Mit Herbst 2017 wird dieses Stipendium erhöht auf 801 Euro im Monat. Studierende mit Kind(ern) erhalten für jedes Kind einen monatlichen Zuschlag von 112 Euro, Studierende über 24 Jahre einen Zuschlag von 20 Euro und Über-27-Jährige von 40 Euro. Die Auszahlung des Stipendiums erfolgt in 12 Monatsraten.

Verringern kann sich die Stipendienhöhe durch:

  • Familienbeihilfenanspruch der Studierenden
  • zumutbare Unterhaltsleistung von Ehepartner/-innen beziehungsweise eingetragenen Partner/-innen der Studierenden
  • etwaige Eigenleistungen der Studierenden

TIPP

Nutzen Sie zur Berechnung Ihres Stipendiums den AK-Stipendienrechner.

Anspruchsdauer

Anspruch auf Selbsterhalter/-innen-Stipendium besteht – sofern ein günstiger Studienerfolg vorliegt – für die für das jeweilige Studium gesetzlich festgelegte Mindeststudiendauer plus ein Toleranzsemester pro Studium beziehungsweise pro Studienabschnitt. Bei Vorliegen bestimmter Gründe (wie z.B. Krankheit, Pflege und Erziehung eines Kindes, Auslandsstudium, Freiwilligendienst gemäß Freiwilligengesetz etc.) kann die Anspruchsdauer verlängert werden.
Achtung: Es wird kein Toleranzsemester gewährt, wenn nach dem 6. Semester eines Bachelorstudiums kein günstiger Studienerfolg im Ausmaß von mindestens 90-ECTS-Punkten beziehungsweise 42 Semesterstunden vorliegt.

Beachten Sie

Nach Abschluss eines Bachelorstudiums muss ein etwaiges Masterstudium innerhalb von 30 Monaten aufgenommen werden, damit der Anspruch auf Studienbeihilfe nicht verloren geht. Zeiten wie zum Beispiel Mutterschutz, Präsenz-, Zivil- oder Freiwilligendienst etc. sind in diese Frist nicht einzurechnen.

Möglicher Zuverdienst

Bezieherinnen und Bezieher eines Selbsterhalter/-innen-Stipendiums können jährlich 10.000 Euro (Bruttoeinkommen abzüglich der Sozialversicherungsbeiträge, Sonderausgaben und Werbungskosen) dazuverdienen, ohne dass das eine Auswirkung auf die Höhe ihres Stipendiums hat. Für Studierende mit Kind(ern) erhöht sich diese Zuverdienstgrenze in Abhängigkeit vom jeweiligen Kindesalter. Wird die erlaubte Einkommensgrenze überschritten, kommt es zum Abzug des entsprechenden Betrags vom Stipendium und gegebenenfalls zu Rückforderungen.
Einkommen, das vor der ersten Zuerkennung eines Selbsterhalter/-innen-Stipendiums erzielt wurde, bleibt zur Gänze unberücksichtigt. 

Aliquotierung

Die Zuverdienstgrenze von 10.000 Euro verringert sich aliquot, wenn nicht während des gesamten Jahres Studienbeihilfe bezogen wird.
Beispiel: Wird das Studium im Juni abgeschlossen, dürfen im Zeitraum Jänner bis Juni nur mehr 5.000 Euro (833 Euro im Monat) dazu verdient werden. Dasselbe gilt, wenn das Studium im Oktober aufgenommen wird. In diesem Fall ist dann im Zeitraum September bis Dezember nur mehr ein Zuverdienst von 3.332 Euro zulässig. Voraussetzung ist, dass der Antrag fristgerecht eingebracht wurde, weil dann das Stipendium ab September ausbezahlt wird.

Es gibt auch die Möglichkeit des Verzichts auf eine bereits zuerkannte Studienbeihilfe. Interessant ist das vor allem, wenn die Zuverdienstgrenze voraussichtlich überschritten wird.
Beispiel: Im Falle einer Änderung der Einkommenssituation könnte etwa im März auf die weitere Auszahlung der Studienbeihilfe im verbleibenden Zuerkennungszeitraum (April bis September) verzichtet werden. Die aliquotierte Zuverdienstgrenze für die Bezugsmonate Jänner bis März liegt dann übrigens bei 2.500 Euro.

Selbsterhalter/-innen-Stipendium und Bildungskarenz

Parallel zum Selbsterhalter/-innen-Stipendium kann Weiterbildungsgeld bezogen werden. Zu beachten sind dann im Zusammenhang mit der jährlichen Zuverdienstgrenze auch Abfertigungsansprüche, die im Falle einer etwaigen Lösung des Dienstverhältnisses (nach Ende der Bildungskarenz) entstehen.

Hinweis

Zeiten einer Bildungskarenz sind – sofern das jährliche Mindesteinkommen in Höhe von 8.580 Euro erzielt wurde – Zeiten des Selbsterhalts.

Arbeitslosengeld und Studium

Ein Studium ist kein Hindernis für den Bezug von Arbeitslosengeld. Arbeitslose, die ein Studium betreiben, haben Anspruch auf Arbeitslosengeld, wenn sie:

  • in den letzten 24 Monaten 52 Wochen vollversicherungspflichtig im Inland beschäftigt waren
  • eine Mindestverfügbarkeit von 20 Stunden in der Woche nachweisen
  • der Arbeitsvermittlung durch das Arbeitsmarktservice zur Verfügung stehen

Nähere Informationen erhalten Sie beim AMS OÖ.

Krankenversicherung

Die beitragsfreie Mitversicherung über die Krankenversicherung der Eltern ist für Studierende bis zum 27. Lebensjahr möglich. Besteht keine Möglichkeit zur Mitversicherung, können Studierende unter bestimmten Voraussetzungen bei der Gebietskrankenkasse eine begünstigte studentische Selbstversicherung um 58,39 Euro (2018) im Monat abschließen. Stipendienbezieher/-innen mit einer begünstigten Selbstversicherung erhalten ab dem 27. Lebensjahr automatisch mit dem Stipendium einen Versicherungskostenbeitrag von 19 Euro monatlich.

TIPP

Geringfügig Beschäftigte können sich für einen Pauschalbetrag von monatlich 61,83 Euro kranken- und pensionsversichern. 2018 beträgt die Geringfügigkeitsgrenze 438,05 Euro.

Antragstellung und Fristen

Anträge auf Selbsterhalter/-innen-Stipendium können bei der für den Studienort zuständigen Studienbeihilfenbehörde - auch bequem mittels Online-Antrag - eingebracht werden.

Für in Oberösterreich Studierende zuständig:

Studienbeihilfenbehörde Linz

Ferihumerstraße 15, 4040 Linz
TEL:  +43 732 66 40 31
Einreichfristen
Wintersemestervon 20.09. bis 15.12.
Sommersemestervon 20.02. bis 15.05.

Kontakt

AK Bildungsberatung in OÖ
TEL: +43 50 6906 1601
E-MAIL: bildungsinfo@akooe.at
... mehr

Das könnte Sie auch interessieren

Portrait Bildungskarenz © drubig-photo, Fotolia.com

Bildungskarenz

Bis zu einem Jahr können sich Arbeitnehmer/-innen von der Arbeit freistellen lassen, um sich weiterzubilden.

Studentinnen und Student stehen beisammen und lachen © WavebreakMediaMicro, Fotolia

Staatliche Studienbeihilfe

Mit dem Wintersemester 2017/2018 werden die Stipendien erhöht. Die Regierung hat damit eine langjährige Forderung der Arbeiterkammer erfüllt.

Fleißige Studenten beim Lernen in der Bibliothek © Robert Kneschke, Fotolia.com

Studienabschlussstipendium

Ein Stipendium für Studierende in der Abschlussphase ihres Studiums

  • © 2018 AK Oberösterreich | Volksgartenstrasse 40 4020 Linz, +43 50 6906 0

  • Datenschutz
  • Impressum