27.01.2021

Schwangere Arbeit­nehmer­innen und Corona

Laut Arbeitsinspektorat gibt es derzeit keine Hinweise darauf, dass Corona auf das Kind im Mutterleib übertragbar ist. Eine Übertragung auf das neugeborene Kind ist über den engen Kontakt und eine Tröpfcheninfektion möglich, bisher gibt es aber keine Nachweise des Virus in der Muttermilch. Die Sachlage dazu kann sich jederzeit ändern. 

Schutz­maßnahmen für schwangere Arbeit­nehmer­innen

  • Das Tragen von Atemschutzmasken erschwert die Atmung und ist für Schwangere verboten. In Bereichen der unmittelbaren Betreuung, wie im Gesundheitsbereich - dort wo Schutzmasken getragen werden müssen - dürfen Schwangere daher nicht arbeiten. Herkömmliche OP-Masken gelten nicht als Atemschutzmasken.
     
  • Schwangere sollten aus anderen Bereichen mit erhöhten Kundenkontakt (etwa Supermärkten oder Apotheken) möglichst abgezogen und anderweitig eingesetzt werden. 

    Ist das aus organisatorischen Gründen nicht möglich, müssen folgende Hygienemaßnahmen eingehalten werden:  

    • Regelmäßig Hände waschen
    • Mindestabstand von 2 Metern
    • Vermeiden Sie es, Ihr eigenes Gesicht zu berühren

  • In Bereichen, in denen der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann (Pflege oder Kleinkinderbetreuung) dürfen Schwangere nicht eingesetzt werden.

Hinweis

Der Arbeitgeber muss gewährleisten, dass der Mindestabstand im Arbeitsalltag eingehalten werden kann. Eine Schwangerschaft gibt Ihnen leider nicht das Recht, dem Arbeitsplatz fernzubleiben. 

Arbeitgeber haben gemäß § 2a Mutterschutzgesetz grundsätzlich eine Mutterschutz­evaluierung zu erstellen. Diese hat auch das Infektionsrisiko zu berücksichtigen. Arbeitgeber müssen Maßnahmen zum Schutz von werdenden Müttern festlegen.

Im Zweifel wenden Sie sich bitte an Ihre Arbeitsmedizin im Betrieb beziehungsweise an das zuständige Arbeitsinspektorat.

Beschäftigungs­verbote und Beschäftigungs­beschränkungen

Bei Tätigkeiten mit COVID-19-Erkrankten oder Verdachtsfällen (zum Beispiel Covid-19-Stationen, Triage-Zelt vor dem Krankenhaus, Covid-19-Testung) kommt das Beschäftigungsverbot zu Arbeiten mit biologischen Arbeitsstoffen zur Anwendung.

Für andere Bereiche sind - mangels allgemeinem Beschäftigungsverbot - erhöhte Schutzmaßnahmen zu treffen.

Masken­pflicht für Schwangere

Das Tragen von Schutzmasken (FFP1, FFP2 oder FFP 3) ist nicht zulässig. Sie er-schweren das Atmen und sind für Schwangere verboten. Schwangere müssen in anderen Bereichen eingesetzt werden. Ist dies nicht möglich, sind sie vom Arbeitgeber unter Entgeltfortzahlung von der Arbeit freizustellen. 

Schwangere dürfen einen Mund-Nasen-Schutz verwenden. Da das Tragen dieser Maske jedoch auch mit einem gewissen Atemwiderstand verbunden ist, darf die durchgehende Tragedauer 1 Stunde nicht übersteigen. Im Fall von Übelkeit, Schwindel oder Kopfschmerzen muss eine Pause gemacht werden.

Ausnahmeregelung für Schwangere aufgrund der Covid Maßnahmenverordung 

Schwangere sind in der Verordnung von der allgemeinen Pflicht, eine FFP2-Maske zu tragen, ausgenommen. Stattdessen sollten Schwangere einen Mund- Nasen-Schutz tragen (§ 15 Abs 6 - 3.Covid-19-NotMV).

Weiterführende Informationen finden Sie auch auf der Homepage des Arbeitsinspektorats unter Schwangere Arbeitnehmerinnen (arbeitsinspektion.gv.at)

Sonderfreistellung gemäß § 3a MSchG

In das Mutterschutzgesetz wurde aufgrund der möglichen Gefährdung schwangerer Arbeitnehmerinnen eine coronabedingte Sonderfreistellungsregelung aufgenommen. 

Für die Anwendbarkeit der Bestimmung ist ein physischer Körperkontakt mit anderen Personen notwendig. Bloß fallweise Berührungen reichen nicht aus. Hautkontakt ist aber nicht erforderlich. Ein Körperkontakt liegt zum Beispiel auch beim Tragen von Handschuhen oder Berühren einer bekleideten Person vor. 

Auch bei der Sonderfreistellung hat der Arbeitgeber die schwangere Arbeitnehmerin nicht sofort freizustellen, sondern die Arbeitsbedingungen so zu ändern, dass kein physischer Körperkontakt erforderlich ist und der Mindestabstand von 2 Meter eingehalten wird. 

Ist eine Änderung der Tätigkeit nicht möglich, so ist die schwangere Arbeitnehmerin an einem anderen Arbeitsplatz zu beschäftigen. In diesem Zusammenhang ist auch zu prüfen, ob ein Arbeitsplatzwechsel ins Home-Office möglich ist (zum Beispiel Telefondienst von zu Hause aus). In beiden Fällen hat die Arbeitnehmerin Anspruch auf das bisherige Entgelt.

Ist weder eine Änderung der Arbeitsbedingungen noch die Beschäftigung an einem anderen Arbeitsplatz möglich, hat die Arbeitnehmerin einen Anspruch auf Freistellung unter Fortzahlung des bisherigen Entgelts.

Schwangere Arbeit­nehmer­innen haben Kündigungs- und Entlassungs­schutz

Das bedeutet, dass sie nur dann gekündigt oder entlassen werden können,  wenn das Arbeits- und Sozialgericht (ASG) vorher zugestimmt hat. Kündigungen/Entlassungen ohne Zustimmung des Gerichts sind „rechtsunwirksam“- gelten also nicht. 

Das ASG stimmt einer Kündigung//Entlassung während des 1. Karenzjahres nur zu, wenn der Betrieb oder einzelne Abteilungen auf Dauer stillgelegt oder eingeschränkt werden, weil der Arbeitgeber sich eine Weiterbeschäftigung keinesfalls leisten kann.

Im Falle einer ungültigen (rechtsunwirksamen) Kündigung/Entlassung haben Sie das Recht auf Weiterbeschäftigung. Weisen Sie den Arbeitgeber darauf hin, dass die Kündigung/Entlassung ungültig ist und erklären Sie sich arbeitsbereit.

Hinweis

Sollte Ihnen der Arbeitgeber eine einvernehmliche Lösung anbieten, unterschreiben Sie nichts! Bitte fragen Sie bei AK oder Ihrer Gewerkschaft nach, bevor Sie so einer Lösung zustimmen. 

Wochen­geld nach Kurz­arbeit

Aufgrund von Kurzarbeit vor dem Beschäftigungsverbot entstehen keine Nachteile beim Wochengeld. Die reduzierte Arbeitszeit im Rahmen der Kurzarbeit wird nicht herangezogen, um das Wochengeld zu berechnen.

Kinder­betreuungs­geld und Mutter-Kind-Pass Untersuchungen 

Viele Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen können derzeit nicht durchgeführt werden, etwa, weil die Arztpraxen überlastet sind.

Was Sie als Eltern wissen sollten: 

  • Im Mutter-Kind-Pass vorgeschriebene Untersuchungen können angesichts der Corona-Krise verschoben werden, ohne dass es zu einer Kürzung des Kinderbetreuungsgeldes kommt. 

  • Sobald die Untersuchungen wieder möglich sind, müssen sie aber umgehend nachgeholt werden.

  • Sie sollten aber in jedem Fall mit Ihrem Arzt beziehungsweise Ihrer Ärztin telefonisch Kontakt aufnehmen, denn trotz Corona kann die Untersuchung für Sie und/oder Ihr Kind sehr wichtig sein.

  • Die Nachweise für die Mutter-Kind-Untersuchungen müssen Sie aber auch in der aktuellen Situation rechtzeitig abgeben. Eine persönliche Abgabe der Nachweise ist nicht erforderlich. Sie können zum Beispiel auch per Post oder als Foto per E-Mail der ÖGK übermittelt werden.   

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