Nach 45 Arbeits­jahren abschlags­frei in Pension

Wer 45 Jahre beziehungsweise 540 Monate über der Geringfügigkeitsgrenze gearbeitet hat, kann ohne Abschläge in Pension gehen - und zwar auch dann, wenn man vor dem Regelpensionsalter (Männer 65 Jahre, Frauen 60 Jahre) in den Ruhestand geht. Das hat der Nationalrat am 19. September 2019 beschlossen, das Gesetz trat mit 1. Jänner 2020 in Kraft. Für die Betroffenen bedeutet das deutlich höhere Pensionszahlungen. Allerdings wurde im Jänner 2021 diese Bestimmung wieder gekippt. Ab 1. Jänner 2022 gelten wieder die Abschlagsregelungen wie im Jahr 2019. Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten für Sie zusammengefasst.

Wen betrifft die neue Regelung?

Die Abschlagsfreiheit betrifft Versicherte, die zwischen 01.01.2020 und 31.12.2021 einen Antrag auf eine Alterspension stellen und 45 Arbeitsjahre hinter sich haben. Bis zu 5 Jahre beziehungsweise 60 Monate können durch Zeiten der Kindererziehung ersetzt werden.

Wahrungsbestimmung

Wer bis 31.12.2021 540 Monate aus Erwerbstätigkeit vorweisen kann - und zwar ohne Berücksichtigung von Präsenz- und Zivildienstzeiten -, kann die Pension auch zu einem späteren Stichtag abschlagsfrei in Anspruch nehmen.

Welche Pensions­arten betrifft die Abschlags­freiheit bei Vorliegen von 45 Arbeits­jahren?

  • Langzeitversichertenregelung ab 62 Jahren
  • Schwerarbeitspension ab 60 Jahren
  • Invaliditäts- beziehungsweise Berufsunfähigkeitspension ab 60 Jahren

Wie hoch sind die Ab­schläge bei diesen Pensions­arten derzeit, wenn man die Voraussetzungen für eine Abschlagsfreiheit nicht erfüllt bzw. wieder ab 2022?

  • Bei der Langzeit­versicherten­reglung ab 62 Jahren werden Abschläge bis zu insgesamt 12,6 Prozent von der Pensions­höhe abgezogen (4,2 Prozent pro Jahr, 3 Jahre vor dem 65. Lebensjahr sind 12,6 Prozent).  

  • Die Schwer­arbeits­pension ermöglicht einen Pensions­antritt ab dem 60. Lebensjahr, wenn 45 Versicherungs­jahre und in den letzten 20 Jahren vor dem Pensions­antritt 10 Jahre der Schwerarbeit vorliegen. Der Abschlag bei der Schwerarbeits­pension beträgt maximal 9 Prozent (1,8 Prozent pro Jahr, 5 Jahre vor dem 65. Lebensjahr sind 9 Prozent).

  • Bei der Invaliditäts- und Berufs­unfähigkeits­pension beträgt der Abschlag pro Jahr 4,2 Prozent, maximal aber 13,8 Prozent.

Wie wird die Pensions­höhe in den Jahren 2020 und 2021 berechnet? 

Gehen Langzeit­versicherte, Schwer­arbeiter/-innen oder invalide beziehungs­weise berufsunfähige Menschen 2020 oder 2021 vor dem Regel­pensionsalter in Pension, werden keine Abschläge mehr abgezogen, wenn 45 Arbeitsjahre vorliegen. (Sowie ab 2022, sofern die Voraussetzungen für die Wahrungsbestimmung erfüllt sind.)

Was ist, wenn weniger als 45 Arbeits­jahre vorliegen?

Selbst wenn im Extremfall 44 Jahre und 11 Monate vorliegen, werden die Abschläge wie bisher abgezogen.  

Zählen aus­schließlich Arbeits­jahre?

  • Maximal 5 Jahre können durch Zeiten der Kinder­erziehung ersetzt werden.

  • Andere Pensions­versicherungs­zeiten zählen nicht - beispielsweise Zeiten des Bezuges von Krankengeld, Arbeitslosen­geld, Notstandshilfe, Weiterbildungs­geld, nachgekaufte Schul- und Studienzeiten und Zeiten des Bundesheeres oder des Zivildienstes (KEINE VOLLSTÄNDIGE AUFZÄHLUNG!).

  • Auch Zeiten einer geringfügigen Beschäftigung mit Selbstversicherung zählen nicht.

Ich habe bereits 2019 45 Arbeits­jahre erworben – profitiere ich von der neuen Regelung?

Wenn Sie schon im Jahr 2019 die 45 Arbeits­jahre erworben haben und die Voraussetzungen für die Langzeit­versicherten­regelung ab 62 Jahren, die Schwerarbeits­pension oder die Invaliditäts- beziehungsweise Berufs­unfähigkeits­pension erfüllen, können Sie praktisch jederzeit abschlagsfrei in Pension gehen (Wahrungsbestimmung). 

Ich bin schon in Pension und habe 45 Jahre gearbeitet. Wird meine Pension neu berechnet?

Nein. Wenn Sie schon in Pension sind, betrifft Sie die neue Regelung nicht. 

Kann ich durch die neue Regelung früher als bisher in Pension gehen?

Nein, die Zugangsvoraussetzungen zu den verschiedenen Pensionen sind davon nicht berührt.

BEISPIEL

Ein 61-jähriger Mann, der weder Schwer­arbeiter noch invalid oder berufs­unfähig ist, hat 2020 bereits 45 Arbeits­jahre erworben. Er kann nicht früher, sondern nach wie vor mit 62 Jahren auf Grund der Langzeit­versicherten­pension in Pension gehen. Sein Vorteil besteht darin, dass er bei einem Pensions­antritt mit 62 Jahren ab 2020 keine Abschläge mehr hat. Seine Pensionshöhe ist im Vergleich zur Rechtslage ab 2022 um 12,6 Prozent höher.

Was ist bei einem Schwer­arbeiter, der erst mit 61 Jahren 45 Arbeits­jahre hat? 

BEISPIEL

Ein Schwerarbeiter erfüllt mit 60 Jahren die Anspruchs­voraussetzungen für die Schwer­arbeitspension, da er 45 Versicherungs­jahre hat und in den letzten 20 Jahren vor Pensions­antritt 10 Jahre der Schwerarbeit erworben hat. 45 Arbeitsjahre hat er jedoch erst mit 61 Jahren, da er ein Jahr beim Bundesheer war. 

Für ihn bedeutet die neue Regelung:
Er kann nach wie vor mit 60 Jahren in Pension gehen. In diesem Fall hat er jedoch Ab­schläge von insgesamt 9 Prozent. Geht er jedoch ab 2020 mit 61 Jahren in Pension, wenn er 45 Arbeitsjahre erworben hat, dann werden ihm keine Abschläge bei Pensions­antritt abgezogen und er profitiert von einer dem­entsprechend höheren Pension.

Bringt die neue Regelung auch Frauen Vorteile?

NEIN. Frauen haben derzeit ein Regelpensionsalter von 60 Jahren. Das Pensionsalter wird für Frauen, die ab 02.12.1963 geboren sind, schrittweise angehoben. Das heißt, bis Ende 2021 gehen Frauen ohnehin abschlagsfrei in die Regelpension.

Gilt die Neu­regelung auch für Beamtinnen und Beamte?

NEIN. Beschlossen wurden die Regelungen nur für die Sozial­versicherungs­gesetze, das heißt für Arbeiter/-innen und Angestellte, Bäuerinnen und Bauern sowie Selbstständige.

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