Altersteilzeit

Die geförderte Altersteilzeit gibt älteren Arbeitnehmer/-innen die Möglichkeit, ihre Arbeitszeit zu reduzieren. Mit Zustimmung der Arbeitgeber/-innen wird so ein gleitender Übergang in die Pension geschaffen. Die Arbeitnehmer/-innen verlieren dabei weder Pensionsbezüge noch Ansprüche auf Krankengeld, Abfertigung oder Ansprüche aus der Arbeitslosenversicherung. 

Im Frühling 2018 hat die Regierung Verschlechterungen bei der Altersteilzeit beschlossen, die mit 01.01.2019 wirksam werden. Von da an wird das Zugangsalter schrittweise angehoben – ab 2020 ist dann die Altersteilzeit für Frauen erst mit 55,5 und für Männer erst mit 60 Jahren möglich.

So funktioniert die Altersteilzeit

Vereinbarung zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber

Die Altersteilzeit muss mit dem Arbeitgeber/der Arbeitgeberin schriftlich vereinbart und genehmigt werden. Das heißt, der Arbeitgeber/die Arbeitgeberin kann die Altersteilzeit auch verweigern.

Reduzierung der Arbeitszeit bei gleichzeitigem Lohnausgleich

Die Arbeitnehmer/-innen können ihre Arbeitszeit um 40 bis 60 Prozent verringern. Sie erhalten neben dem Arbeitsentgelt für ihre verringerte Arbeitszeit zusätzlich einen Lohnausgleich in der Höhe von 50 Prozent der Differenz zwischen dem bisherigen Arbeitsentgelt (Durchschnitt der letzten 12 Monate) und dem der verringerten Arbeitszeit entsprechenden Entgelt. ("Entgelt" ist mehr als Lohn oder Gehalt. Der Entgeltbegriff umfasst beispielsweise Überstundenentgelt inklusive Zuschläge, Provisionen, Leistungsentgelte, Sachbezüge aber keine Sonderzahlungen wie Urlaubszuschuss oder Weihnachtsremuneration)

Altersteilzeit-Modelle

Die Altersteilzeit kann auf 2 Arten in Anspruch genommen werden:

  1. Kontinuierliche Arbeitszeitreduzierung
    Sie reduzieren Ihre Arbeitsstunden und arbeiten bis zum Pensionsantritt weiterhin im Betrieb.

  2. Blockzeitmodell
    Sie arbeiten weiterhin im Betrieb gemäß Ihrer Normalarbeitszeit und treten Ihre "Altersteilzeit" als Freizeitblock vor Ihrem Pensionsantritt an. Hinweis: Die Freizeitphase darf nie länger als 2,5 Jahre andauern.

    Bei „Blockmodellen“ muss spätestens mit Beginn der Freizeitphase eine Ersatzarbeitskraft eingestellt werden. (Als Ersatzarbeitskraft gilt entweder eine Person, die zuvor arbeitslos war und nun über der Geringfügigkeitsgrenze eingestellt wird, oder ein Lehrling.)

    Diese Form der Altersteilzeit wird nach wie vor nur bis zum frühestmöglichen Pensionsstichtag gefördert.

    Achtung

    Ausnahme (noch gültig 2018): Bei Anspruch auf die Korridorpension kann geblockte Altersteilzeit für längstens 1 Jahr weitergeführt werde, sollte keine andere Pension (lange Versicherungsdauer) zustehen.


Sozialversicherung

Die Arbeitgeber/-innen zahlen die Sozialversicherungsbeiträge weiter wie bisher. Das heißt, sie entrichten die Beiträge (Kranken-, Unfall-, Pensions- und Arbeitslosenversicherung) auf Grundlage des Einkommens vor Beginn der Altersteilzeit.

Abfertigung

Ihr Abfertigungsanspruch bleibt gewahrt:

  • Die Abfertigung „alt“ wird auf Basis der Arbeitszeit vor der Herabsetzung der Normalarbeitszeit berechnet.
  • Die Beiträge zur Abfertigung „neu“ werden entsprechend der Beitragsgrundlage entrichtet, die der vorherigen Arbeitszeit entspricht.

Förderung für Arbeitgeber

Arbeitgeber/-innen haben einen Rechtsanspruch gegenüber dem AMS auf die Förderung in Form des Altersteilzeitgeldes, sofern die Voraussetzungen erfüllt sind. Das heißt, sie erhalten auf Antrag einen Teil des Mehraufwandes zurück.

Wann kann ich in Altersteilzeit gehen?

Das gilt im Jahr 2018

  • Im Jahr 2018 liegt der frühestmögliche Antrittszeitpunkt zur Altersteilzeit noch 7 Jahre vor dem Regelpensionsalter.

Das Zugangsalter für Männer beträgt 58 Jahre.
Frauen, die am 01.12.1963 oder früher geboren sind, können mit 53 Jahren in Altersteilzeit gehen.

Das gilt ab 2019 und 2020

  • Ab 01.01.2019 kann die Altersteilzeit frühestens 6 Jahre vor dem Regelpensionsalter in Anspruch genommen werden.
  • Ab 01.01.2020 kann die Altersteilzeit frühestens 5 Jahre vor dem Regelpensionsalter in Anspruch genommen werden.

Für Männer beträgt das Regelpensionsalter 65 Jahre, daher gilt als Zugangsalter:

Männer
geboren
Regel-
pensionsalter 
 Antritt
im Kalenderjahr
Frühestmöglicher Antritt
der Altersteilzeit mit ...
1960 65 Jahre 201959 Jahre
1960 65 Jahre 2020 60 Jahre
1961
bzw. später
65 Jahre 2021 60 Jahre

Beispiel

Ein am 01.11.1960 geborener Mann könnte noch mit 58 Jahren ab 01.11.2018 in Altersteilzeit gehen. Möchte er erst Anfang 2019 Altersteilzeit vereinbaren, ist das aufgrund der Altersanhebung nicht möglich. Er muss warten, bis er 59 Jahre alt ist – daher erst ab 01.11.2019. Wird der Antritt auf 2020 verschoben, muss er bis 01.11.2020 warten, da ein Antritt nur mehr 5 Jahre vor Erreichen des Regelpensionslalters möglich ist.

Männer, die eine vorzeitige Alterspension in Anspruch nehmen wollen, sind von der Neuerung besonders hart betroffen:

  • Bei Inanspruchnahme der Korridorpension oder Hacklerregelung (lange Versicherungsdauer) mit 62 Jahren kann Altersteilzeit ab 2020 nur mehr für 2 Jahre - anstatt wie bisher für 4 Jahre - vereinbart werden.

  • Für Schwerarbeiter, die mit 60 Jahren die Pension in Anspruch nehmen, besteht ab 2020 keine Möglichkeit der Altersteilzeit mehr.

Für Frauen wird ab 2024 das Regelpensionsalter schrittweise von 60 Jahren auf 65 Jahr angehoben, daher gilt als Zugangsalter:

Frauen
geboren
Regel-
pensionsalter
Antritt
im Kalenderjahr
Frühestmöglicher Antritt
der Altersteilzeit mit ...


01.01.1964
- 01.06.1964

60,5 Jahre 2018 53,5 Jahre
60,5 Jahre 2019 54,5 Jahre
60,5 Jahre 2020 55,5 Jahre
 


02.06.1964
- 01.12.1964

61   Jahre 2018 54   Jahre
61   Jahre 2019 55   Jahre
61   Jahre 2020 56   Jahre
 
02.12.1964
- 01.06.1965
61,5 Jahre Ab Erreichen des Antrittsalters 56,5 Jahre
02.06.1965
-01.12.1965
62   Jahre Ab Erreichen des Antrittsalters 57   Jahre
02.12.1965
- 01.06.1966
62,5 Jahre    Ab Erreichen des Antrittsalters 57,5 Jahre
02.06.1966
- 01.12.1966
63   Jahre    Ab Erreichen des Antrittsalters 58   Jahre
02.12.1966
- 01.06.1967
63,5 Jahre Ab Erreichen des Antrittsalters 58,5 Jahre
02.06.1967
- 01.12.1967
64   Jahre    Ab Erreichen des Antrittsalters 59   Jahre
02.12.1967
- 01.06.1968
64,5 Jahre    Ab Erreichen des Antrittsalters 59,5 Jahre
Ab 02.06.1968 65   Jahre    Ab Erreichen des Antrittsalters 60   Jahre

Weitere Voraussetzungen für Altersteilzeit

  • Vereinbarung über Reduzierung der Arbeitszeit
    Zwischen Arbeitnehmer/-in und Arbeitgeber/-in ist die Reduzierung der Arbeitszeit auf 40 bis 60 Prozent der Normalarbeitszeit zu vereinbaren.

  • Vereinbarung über Lohnausgleich
    Es ist zu vereinbaren, dass der Arbeitgeber/die Arbeitgeberin dem Arbeitnehmer/der Arbeitnehmerin einen Lohnausgleich erstattet, der die Hälfte des Entgeltverlustes beträgt.

  • Vereinbarung über Sozialversicherung
    Es ist zu vereinbaren, dass die Sozialversicherungsbeiträge auf Basis der Beitragsgrundlage vor Herabsetzung der Arbeitszeit entrichtet werden.

  • Vereinbarung über Abfertigung
    Es ist zu vereinbaren, dass die Abfertigung auf Basis der Arbeitszeit vor Beginn der Altersteilzeit berechnet wird.

  • Arbeitslosenversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis
    In den letzten 25 Jahren muss der Arbeitnehmer/die Arbeitnehmerin mindestens 15 Jahre arbeitslosenversicherungspflichtig beschäftigt gewesen sein. Diese Voraussetzung muss zu Beginn der Vereinbarung erfüllt sein.  
        
  • Beschäftigungsausmaß
    Das bisherige Beschäftigungsausmaß im letzten Jahr vor Beginn der Altersteilzeit darf höchstens 40 Prozent unter der gesetzlichen beziehungsweise kollektivvertraglichen Arbeitszeit liegen. Bei einer 40-Stunden-Woche sind das 24 Stunden, bei 38,5 Stunden sind das 23,1 Stunden pro Woche. Somit können auch Teilzeitbeschäftigte, deren Arbeitszeit zumindest 60 Prozent der Normalarbeitszeit beträgt, eine geförderte Altersteilzeit in Anspruch nehmen.

  • Dauer des Arbeitsverhältnisses
    Der Arbeitnehmer/Die Arbeitnehmerin muss mindestens 3 Monate im Betrieb beschäftigt sein, dann ist bei Vorliegen der übrigen Voraussetzungen ein Übertritt in die Altersteilzeit möglich. 

Ausnahmen von der Altersteilzeit

Ausgeschlossen von der geförderten Altersteilzeit sind Arbeitnehmer/-innen, die 

  • eine eigene Leistung aus der Pensionsversicherung (außer Witwen-, Witwerpension),
  • Sonderruhegeld gemäß dem Nachtschwerarbeitsgesetz oder
  • einen Ruhegenuss aus einem Dienstverhältnis zu einer öffentlich-rechtlichen Körperschaft beziehen oder
  • das gesetzliche Pensionsalter vollendet und einen Anspruch auf Regelpension haben.

Erkrankung während der Altersteilzeit

Bei geblockter Altersteilzeit

Wenn Sie die Altersteilzeit geblockt in Anspruch nehmen und während der Vollarbeitsphase krank werden, erwerben Sie nach Rechtsauffassung des Obersten Gerichtshofes nur während der Entgeltfortzahlung ein Zeitguthaben für die Freizeitphase. Für entgeltfreie Zeiten, also wenn Sie nur Krankengeld von der Krankenkasse bekommen, können Sie kein Zeitguthaben erwerben.

Bei kontinuierlicher Altersteilzeit

Bei kontinuierlicher Altersteilzeit kann diese Problematik nicht auftreten.

Kann ich während der Altersteilzeit gekündigt werden?

Im Prinzip ja. Aber eine Kündigung, die wegen einer beabsichtigten oder tatsächlich in Anspruch genommenen Herabsetzung der Normalarbeitszeit ausgesprochen wird, kann bei Gericht als Motivkündigung angefochten werden. Außerdem wäre eine Anfechtung der ausgesprochenen Kündigung hinsichtlich Altersdiskriminierung beziehungsweise Sozialwidrigkeit zu prüfen.

Vorteile der Altersteilzeit

Von der Altersteilzeitregelung profitieren beide Seiten:

Arbeitnehmer

Für die Arbeitnehmer/-innen halten sich die finanziellen Einbußen in Grenzen, weil sie das Entgelt nicht nur für die verringerte Arbeitszeit erhalten, sondern auch für die Hälfte des „Verzichts“. 

Arbeitgeber

Arbeitgeber/-innen können einen Teil der Mehrkosten als "Altersteilzeitgeld" vom Arbeitsmarktservice zurückbekommen.


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