Mindestpflegepersonalschlüssel deckt Arbeitsbedarf nicht ab

Der aus dem Jahre 1996 stammende Mindestpflegepersonalschlüssel ist nicht mehr zeitgemäß. Neue Pflegekonzepte, die massive Zunahme von Demenzkranken, die Veränderung der Beschäftigtenstruktur in den Pflegeheimen, eine enorme Zunahme des Dokumentationsaufwands sowie die Nichtbeachtung von Krankenständen oder Weiterbildungen bringen die Beschäftigten an die Grenzen der Belastbarkeit – und darüber hinaus. 

In den rund 130 oberösterreichischen Alten- und Pflegeheimen arbeiten etwa 10.000 Beschäftigte (ca. 7500 Personaleinheiten), davon mehr als 6000 Beschäftigte direkt in der Pflege und Betreuung. Sie kümmern sich um knapp 12.000 Menschen. 

Pflegekräfte fühlen sich stark belastet

Der Österreichische Arbeitsklima Index zeigt, dass 34 Prozent der Pflegekräfte ihre Arbeit als sehr stark bzw. stark seelisch belastend empfinden - über alle Branchen hinweg sind es 26 Prozent. Zeitdruck ist für jede dritte Pflegekraft eine (sehr) große Belastung, unter allen Arbeitnehmern/-innen für jede/n Vierte/n. Dass sie bis zur Pension durchhalten bzw. ihren Beruf mit 60/65 Jahren noch ausüben können, glauben nur 33 Prozent der Pflegekräfte. Abeitnehmer/-innen anderer Branchen sind deutlich optimistischer (58 Prozent).

Pflege von Demenzkranken unterbewertet

Sicher ist: die Pflege hat sich verändert. Die Zahl der dementen Bewohner/-innen etwa ist stark angestiegen. Demenzkranke brauchen deutlich mehr Zuspruch und Aufmerksamkeit, bevor Pflegehandlungen vorgenommen werden können. Sie stellen eine große psychische Belastung für die Beschäftigten dar, weil etwa Erklärungen vielfach wiederholt werden müssen. Es kostet viel Kraft, immer geduldig und freundlich zu bleiben. Demente Bewohner/-innen sind oft verwirrt und unruhig, fürs Beruhigen fehlt aber oft die Zeit, ebenso für den Umgang mit Aggressionen. Auch das ewige Nachlaufen oder auch Suchen der verwirrten Bewohner/-innen zerrt an den Nerven der Beschäftigten.

Dokumentation kostet viel Zeit

Auch die Aufgaben in der Pflege sind in den letzten Jahren, unter anderem durch die Einführung neuer Pflegekonzepte, zahlreicher und vielfältiger geworden. Die Dokumentationsanforderung, die Administration generell und der Druck durch diverse Kontrollbehörden sind stark angestiegen.

Der Mindestpflegepersonalschlüssel wurde in einer Zeit entwickelt, in der Pflegeprozessplanung, Evaluierung, Qualitätssicherung, moderne Pflegekonzepte usw. teils noch nicht einmal angedacht wurden. Heute wird erwartet, dass unter geänderten Ausgangsbedingungen mit dem Schlüssel aus dem Jahr 1996 immer mehr und mehr Konzepte zur Steigerung der Lebensqualität eingeführt werden, bei oft gleichbleibenden oder sogar sinkenden Ressourcen. Mehr als „warm-satt-sauber“ ist unter diesen Umständen aber oft nicht möglich. 

Die AK OÖ fordert neuen Mindestpflegepersonalschlüssel

Ein neuer Mindestpflegepersonalschlüssel erfordert eine neue Arbeitsbewertung der Tätigkeiten im Alten- und Pflegeheim. Ein Mindestpflegepersonalschlüssel NEU muss massiv höher sein, den Gegebenheiten der jeweiligen Einrichtung nachkommen und zusätzlich beinhalten:

  • Massive Erhöhung des Demenzzuschlags (derzeit 25 Stunden / Monat / Bewohner/-in). Demenz und psychiatrische Erkrankungen bedeuten einen deutlich höheren Betreuungsaufwand.
  •  Ausreichende Zusatzstunden für pflege- und betreuungsferne Tätigkeiten wie Dokumentation, Betriebsratsarbeit, Projekte für altersgerechtes Arbeiten oder neue innovative Pflegekonzepte.
  • Anpassung des Personalbedarfs unter Berücksichtigung der Beschäftigtenstruktur, der Krankenstände, der Urlaube und der Fort- und Weiterbildungsstunden je Einrichtung.
  • Verbindliche Vorgaben für Nachtdienste: Je nach Größe des Hauses sind mindestens zwei Nachtdienste einzuteilen. In größeren Häusern entsprechend mehr, wobei einer von einer Diplomkraft besetzt sein muss. Die Nachtbesetzung darf keine Auswirkungen auf den Tagdienst haben.
  • Die laufende Novelle des Gesundheits- und Krankenpflegegesetzes mit neuen Berufsbildern muss sich beim qualitativen Mindestpflegepersonalschlüssel (notwendiger Berufsmix) wiederfinden, sodass alle notwendigen Qualifikationen für eine hochwertige Pflege und Betreuung vertreten sind.

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