Lehrverhältnis mit verlängerter Lehrzeit oder Ausbildung mit Teilqualifizierung

Durch die Berufsausbildung im Rahmen eines Lehrverhältnisses mit verlängerter Lehrzeit oder eines Ausbildungsverhältnisses mit Teilqualifikation sollen Jugendliche, die aufgrund ihrer Behinderung keine reguläre Lehre abschließen können, eine berufliche Ausbildung erhalten und sich in das Berufsleben eingliedern können.

Es gibt 2 Möglichkeiten 

  1. Berufsausbildung in einem Lehrberuf mit einer um bis zu ein bzw. maximal zwei Jahren verlängerten Lehrzeit. Der Abschluss erfolgt mit der Lehrabschlussprüfung. 
  2. Berufsausbildung in einer Teilqualifikation eines Lehrberufes in einer Zeitdauer von ein bis drei Jahren. Die Ausbildung wird auf bestimmte Teile des Berufsbildes eines Lehrberufes eingeschränkt, allenfalls ergänzt durch Teile der Berufsbilder weiterer Lehrberufe. Der Abschluss erfolgt mit einer Abschlussprüfung.

Wer kommt für diese Berufs­ausbildung infrage?

Für diese Berufsausbildung kommen benachteiligte Personen (Personen, die nicht in eine reguläre Lehre vermittelt werden konnten) in Betracht sofern sie einer der folgenden Gruppen angehören:

  • Personen mit sonderpädagogischem Förderbedarf am Ende der Pflichtschule, die zumindest teilweise nach dem Lehrplan einer Sonderschule unterrichtet wurden, oder
  • Personen, die die Hauptschule oder die Neue Mittelschule nicht oder mit einem negativen Zeugnis abgeschlossen haben, oder
  • Menschen mit Behinderung im Sinne des Behinderteneinstellungsgesetzes (Landesbehindertengesetzes), oder
  • Personen, von denen aufgrund der Ergebnisse einer Beratungs-, Betreuungs- oder Orientierungsmaßnahme und einer weiteren fachlichen Beurteilung angenommen werden muss, dass aus ausschließlich in der Person gelegenen Gründen für sie der Abschluss eines Lehrvertrages nicht möglich ist.

Ausbildungsort

Die Ausbildung soll vorrangig in Lehrbetrieben durchgeführt werden. Jugendliche, die im Rahmen dieser Berufsausbildung in einem Lehrverhältnis mit verlängerter Lehrzeit ausgebildet werden, müssen die Berufsschule besuchen.

Während der Ausbildung im Rahmen einer Teilqualifizierung besteht das Recht bzw. die Pflicht zum Besuch der Berufsschule nach Maßgabe der festgelegten Ausbildungsziele.

Berufsausbildungs­assistenz

Das Ausbildungsverhältnis ist durch eine Berufsausbildungsassistenz zu begleiten. BerufsausbildungsassistentInnen begleiten und unterstützen dabei benachteiligte Jugendliche und Jugendliche mit Behinderung während der Ausbildung im Betrieb (in der Ausbildungseinrichtung) und in der Berufsschule.

Zu ihren Aufgaben zählen:

  • Begleitung und Unterstützung des Ausbildungsverhältnisses. Die AssistentInnen leisten dabei einen Beitrag zur Lösung von sozialpädagogischen, psychologischen und didaktischen Problemen im Rahmen der Ausbildung.
  • Mitwirkung bei der Festlegung der Ausbildungsziele zu Beginn der Ausbildung. Die Ziele der Berufsausbildung werden dabei gemeinsam mit den in Frage kommenden Personen bzw. Erziehungsberechtigten, Lehrbetrieben oder Ausbildungseinrichtungen, unter Einbeziehung der Schulbehörde erster Instanz und des Schulerhalters festgelegt.
  • Abnahme von Abschlussprüfungen gemeinsam mit ExpertInnen am Ende der Ausbildung für Jugendliche, die in Teilqualifikation ausgebildet werden.
  • Unterstützung bei einem Wechsel zwischen den Ausbildungsarten.

Abschluss 

Es gibt zwei Möglichkeiten, diese Berufsausbildung abzuschließen:

  • bei verlängerter Lehrzeit: Lehrabschlussprüfung
  • bei Teilqualifikation: Abschlussprüfung über die erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten frühestens zwölf Wochen vor dem regulären Ende der Ausbildung. Die erreichte Qualifikation wird durch ein/e BerufsexpertIn und ein Mitglied der Berufsausbildungsassistenz festgestellt.

Entlohnung und Sozial­versicherung während der Ausbildung

Benachteiligte Jugendliche oder Jugendliche mit Behinderung, die in einem Lehrbetrieb einen Beruf erlernen, erhalten während der Ausbildung eine Lehrlingsentschädigung, deren Höhe durch den Kollektivvertrag geregelt ist.

Erfolgt die Ausbildung in einer Ausbildungseinrichtung und nicht in einem Unternehmen, so wird üblicherweise eine Beihilfe im 1. und 2. Lehrjahr bzw. bis 18 Jahre in der Höhe von € 325,80 und ab dem 3. Lehrjahr bzw. ab 18 Jahre in der Höhe von € 753,- pro Monat ausbezahlt (Werte für 2018). Diese Beihilfe wird auch "Beitrag zur Deckung des Lebensunterhaltes" (DLU) genannt. 

Wichtig!

Während der gesamten Ausbildung besteht darüber hinaus Sozialversicherungspflicht. Es besteht Anspruch auf Familienbeihilfe und Freifahrt bzw. Fahrtenbeihilfe.


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