20.03.2020

Corona: Kurzarbeit

Von Kurzarbeit spricht man, wenn in einem Betrieb die Arbeitszeit zeitlich begrenzt herabgesetzt wird, um wirtschaftliche Störungen zu überbrücken. Das Ziel dabei ist, Arbeitsplätze zu sichern, Kündigungen zu vermeiden, die Liquidität der Unternehmen und das Fachkräftepotenzial zu erhalten.

Zur Bewältigung der Corona-Krise gibt es dazu ein besonderes Kurzarbeitsmodell. Damit wird es möglich sein, die Arbeitszeit auf bis zu 0 Stunden zu reduzieren und trotzdem in einem aufrechten Beschäftigungsverhältnis bei fast vollem Lohnausgleich zu bleiben. Damit sollen so viele Menschen wie möglich in Beschäftigung gehalten und Kündigungen oder einvernehmliche Lösungen vermieden werden.

TIPP

Sollte Ihnen die (vorübergehende) Auflösung Ihres Arbeitsverhältnisses angeboten werden, weisen Sie Ihren Arbeitgeber/-in ausdrücklich auf die Möglichkeit von Kurzarbeit hin!

Wie kann Kurzarbeit im Betrieb ein­geführt werden? 

Arbeitgeber/-in und Betriebsrat (in Betrieben ohne Betriebsrat: die einzelnen Arbeitnehmer/-innen) vereinbaren schriftlich die Dauer und das Ausmaß der Kurzarbeit: Wie viele Stunden wöchentlich reduziert werden. Vorerst ist die Vereinbarung für maximal 3 Monate möglich, Verlängerungen sind in Ausnahmefällen aber nicht ausgeschlossen. 

Entsprechende Unterlagen erhält Ihr Arbeitgeber/-in vom AMS, der Wirtschaftskammer oder den Fachgewerkschaften.

Die Vereinbarung wird den beiden Interessenvertretungen (Wirtschaftskammer und Gewerkschaft) zur Unterschrift vorgelegt. Diese erfolgt grundsätzlich binnen 48 Stunden. Ab diesem Zeitpunkt ist die Beantragung der Kurzarbeitsbeihilfe durch den Arbeitgeber/die Arbeitgeberin beim zuständigen Arbeitsmarktservice möglich. 

Wie ändert sich mein Ein­kommen durch die Reduktion meiner Arbeits­zeit? 

Im Rahmen dieses besonderen Kurzarbeitsmodells kann die Arbeitszeit um 10 Prozent bis sogar 100 Prozent reduziert werden. 

Für die entfallene Normalarbeitszeit gebührt dem Arbeitnehmer/der Arbeitnehmerin eine Kurzarbeitsunterstützung.  
Das gesamte auszuzahlende Entgelt (=Nettoersatzrate = tatsächliche Arbeitszeit + Ausgleich für entfallene Arbeitszeit) beträgt während der Kurzarbeit

  • 90 Prozent vom vor der Kurzarbeit bezogenen Nettoentgelt wenn das davor bezogene Bruttoentgelt (ohne anteilige Sonderzahlung) bis zu 1.700 Euro beträgt,
  • 85 Prozent bei einem Bruttoentgelt zwischen 1.700 und 2.685 Euro und  
  • 80 Prozent bei höheren Bruttoentgelten.  

Für die Ermittlung der Nettoersatzrate, also des jeweiligen Prozentsatzes (Begriff Bruttoentgelt): Aus der Bundesrichtlinie Kurzarbeit 2020 ist das Bruttoentgelt inklusive Zulagen und Zuschläge, aber ohne Überstundenentgelte zur Ermittlung der Nettoersatzrate heranzuziehen. Auch bei der Beihilfenberechnung des Arbeitgebers werden Überstundenentgelte nicht berücksichtigt. 

Hinweis

Grundsätzlich ist somit die Höhe der tatsächlich geleisteten Arbeitszeit während der Kurzarbeit für die Höhe des Entgeltanspruches während der Kurzarbeit ohne Belang.

Aus dem offiziellen Formular „Kurzarbeit-Begehren“ des AMS ergibt sich, dass das Bruttoentgelt für kurzarbeitende Arbeitnehmer/-innen nicht unter den Wert des Entgelts für die geleisteten Arbeitsstunden fallen darf.

Das bedeutet beispielsweise:
Bei einer tatsächlichen Arbeitszeit von 90 Prozent sind auch mindestens 90 Prozent des ursprünglichen Bruttoentgelts auszubezahlen. Sollte dies nicht eingehalten werden, stellt ein Verstoß einen Rückforderungstatbestand der KUA-Beihilfe dar!

Falls etwa während der Kurzarbeit Urlaub in Anspruch genommen wird, gebührt für diese Zeit das Entgelt auf Basis der Arbeitszeit vor Beginn der Kurzarbeit, dies ist bei der Berechnung des Entgeltanspruches jedenfalls zu berücksichtigen.

Die ausgefallenen/reduzierten Arbeitsstunden erhalten Arbeitnehmer/-innen hingegen in Form einer Kurzarbeitsbeihilfe vom AMS fast zur Gänze ausgeglichen. Diese sogenannte Nettoersatzrate bezieht sich das vorherige Netto-Entgelt und ist je nach bisheriger (Brutto-)Einkommenshöhe gestaffelt:

  • 80 Prozent Nettoersatzrate, wenn das Bruttoentgelt vor der Kurzarbeit über 2.685,- Euro liegt.
  • 85 Prozent bei einem Bruttoentgelt zwischen 1.700 Euro und 2.685 Euro
  • 90 Prozent bei einem monatlichen Entgelt bis 1.700,-- Euro brutto
  • Lehrlinge erhalten weiterhin 100 Prozent ihrer bisherigen Lehrlingsentschädigung (Lehrlingsentgelt)

Muss ich im Zuge der Kurz­arbeit meinen Urlaub auf­brauchen?

Vor beziehungsweise während der Kurzarbeit sollte ein allfälliges Zeitguthaben sowie ein Resturlaub aus Vorjahren (das heißt aus den vorangegangenen Urlaubsjahren, aber nicht aus dem aktuellen Urlaubsjahr) vom Arbeitnehmer / von der Arbeitnehmerin konsumiert werden. Da der Urlaubsverbrauch beziehungsweise der Verbrauch von Zeitguthaben vom Arbeitgeber nicht einseitig angeordnet werden kann, haben Arbeitgeber/-innen lediglich ein ernstliches Bemühen um eine Zeitausgleich/Urlaubsvereinbarung nachzuweisen. Urlaub und ZA muss somit nicht zwingend verbraucht werden.

WICHTIG

Im Zuge eines Urlaubs, Zeitausgleichabbaus oder Krankenstandes während der Kurzarbeit wird Ihr Entgelt aber auf Basis Ihrer bisherigen Arbeitszeit vor der Kurzarbeit bezahlt!

Wie funktioniert die Kurzarbeit bei Altersteilzeit?

Wenn Sie in Altersteilzeit sind, wird Ihre bereits verringerte Arbeitszeit nochmals herabgesetzt. Sie bekommen dann weiter den Einkommensausgleich für die Altersteilzeit. Von Ihrem Betrieb bekommen Sie die Stunden bezahlt, die Sie weiterhin arbeiten. Den Rest auf bis zu 90 Prozent übernimmt das AMS.

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