Crowdwork: Schöne neue Arbeitswelt?

Als Crowdwork (oder auch Online Outsourcing, Crowdsourcing und Crowd employment) wird ein Phänomen digitaler Arbeitsweise bezeichnet, bei der Unternehmen Aufträge mittels webbasierten Plattformen an eine große Menge von Menschen, die sogenannte Crowd, vergeben. Crowdworking ist an keine Grenzen gebunden, die Jobs werden weltweit vergeben. Es gibt keine nationalen Arbeitsrechte und keine soziale Absicherung der Crowdworker.

"Neuland" für Arbeitsrecht

Bekannte Crowdworking-Plattformen sind u. a. Amazon Mechanical Turk (AMT), clickworker oder 99designs. Bei diesen Plattformen können sich die Crowdworker sehr einfach registrieren und anschließend aus einer Fülle von Arbeitsaufgaben auswählen, die sie für wenig Entgelt abarbeiten können. Der durchschnittliche Bruttostundenlohn auf AMT beträgt bspw. 1,50 USD. 

Negative Folgen für Arbeitnehmer/-innnen

Komplexe Aufgaben werden vielfach in kleine Teilaufgaben, sogenannte Microtasks, zerstückelt, bevor sie ausgeschrieben werden. Auf diese Weise können das Wissen zur Erledigung der Aufgaben und die Bezahlung gesenkt werden. 

Hierdurch sind auch qualifizierte Tätigkeiten wie die Software-Entwicklung davon betroffen. Eine Ankündigung eines IBM-Managers erregte in diesem Zusammenhang großes Aufsehen: Die Anzahl der Festangestellten bei IBM soll von 400.000 auf etwa 100.000 Mitarbeiter/-innen reduziert werden. Die Kernbelegschaft soll nur mehr zur Aufrechterhaltung von Kundenbeziehungen und für die Steuerung und das Management des Unternehmens tätig sein. Mitarbeiter/-innen sollen für Projekte ausschließlich über Plattformen im Internet weltweit angeheuert werden.

Flexibilität - wem nützt sie?

So wie Crowdworking heute funktioniert, gefährdet es die Entwicklung einer nachhaltigen Arbeitswelt. Obwohl es für die Arbeitnehmer/-innen eine größere Flexibilität bedeutet sind die Jobs mit großen Unsicherheiten verbunden. Crowdworker sind in der Regel schutzlos und bekommen kein Urlaubsgeld, keine Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall und sind nicht sozialversichert.

Für die Arbeitnehmerinteressenvertretungen stellen sich insbesondere folgende Fragestellungen: 

  • Wie wirkt diese neue Form der Arbeitsorganisation auf die Arbeitsbedingungen, Entlohnung und Mitbestimmungsrechte der dort Beschäftigten?
  • Wie kann gewerkschaftliche Organisation im rein virtuellen, grenzüberschreitenden Raum stattfinden? 

Deutsche IG Metall als Beispiel

Ein Beispiel für faire Arbeitsbedingungen und gerechte Entlohnung ermöglicht die von der deutschen Gewerkschaft IG Metall initiierte Plattform faircrowdwork.org. Crowdworker werden dazu aufgefordert, digitale Arbeitsplattformen zu bewerten und die Allgemeinen Geschäftsbedingungen von Experten/-innen überprüfen zu lassen. Eine ähnliche Initiativen ist Dynamo, die sich in Form von Kampagnen für Verbesserungen auf AMT einsetzt.

Für alle, die dieses Thema aus wissenschaftlicher Perspektive interessiert, ist eine detaillierte Darstellung im Artikel von Markus Ellmer „The Digital Divison of Labor: Socially Constructed Design Patterns of Amazon Mechanical Turk and the Governing of Human Computation Labor“ nachzulesen. 

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