14.9.2017 | Artikel in englischer Sprache
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Einkommen reicht oft nicht aus

Knapp die Hälfte kommt kaum über die Runden

In den vergangenen beiden Jahren ist die Zufriedenheit der Beschäftigten mit den Einkommen gestiegen. Diese Entwicklung betrifft aber nicht alle Arbeitnehmer/-innen gleichermaßen.

In den Jahren 2016 und 2017 ist die Zahl der Beschäftigten, die kaum oder gar nicht mit dem Einkommen auskommen, spürbar gesunken. 2015 waren es noch 55 Prozent, in den beiden Folgejahren hingegen „nur“ mehr 48 bzw. 47 Prozent. Das heißt aber immer noch: Knapp die Hälfte weiß nicht, wie sie mit dem Lohn oder Gehalt über die Runden kommen soll.

Berufseinsteiger tun sich schwer

Am besten kommen Beschäftigte zwischen 36 und 50 Jahren mit ihrem Einkommen aus, am schlechtesten Jüngere zwischen 21 und 30. Das bedeutet, dass Berufseinsteiger/-innen häufiger Probleme haben, allein von ihrem Einkommen leben zu können, als ältere Beschäftigte.

Neben dem Alter spielen aber auch andere Faktoren eine Rolle, nämlich der Bildungsgrad, die Herkunft, das Bundesland und das Geschlecht. Wer eine hohe Bildung und keinen Migrationshintergrund hat, in Vorarlberg, Tirol, Oberösterreich oder Kärnten wohnt und männlich ist, kommt eher mit dem Einkommen aus als Frauen, Niedrigqualifizierte, Personen mit Migrationshintergrund oder Beschäftigte, die in Salzburg, im Burgenland oder in Wien wohnen.

Frauen verdienen weniger

Nach wie vor besteht ein großes Gefälle zwischen den Geschlechtern: Frauen verdienen im Schnitt deutlich weniger als Männer und kommen schwerer mit ihrem Einkommen aus. Gründe sind u.a. die ungleiche Aufteilung von Erwerbs- und Hausarbeit, der deutlich höhere Anteil an Teilzeitbeschäftigung bei Frauen sowie eine nach wie vor starke Branchensegregation auf dem Arbeitsmarkt. Das heißt, Frauen arbeiten häufiger in jenen Branchen, die niedrigere Löhne und Gehälter aufweisen.

Besonders häufig geraten alleinstehende Frauen und Alleinerzieherinnen in die Armutsfalle: Zwei Drittel aller geschiedenen oder getrennt lebenden Frauen sowie sieben von zehn Alleinerzieherinnen kommen kaum oder gar nicht mit ihrem Erwerbseinkommen aus. Aber auch Frauen in einer Partnerschaft verdienen oftmals deutlich weniger als Männer, weil viele von ihnen die Arbeitszeit reduzieren, um sich um die Kinder und pflegebedürftige Angehörige zu kümmern oder um den Großteil der Hausarbeit zu verrichten.

Unterschiede nach Branchen

Eine große Rolle spielt natürlich auch die Branche: Zwei Drittel der Beschäftigten im Handel, in der Reinigung und im Tourismussektor kommen mit dem Einkommen kaum oder gar nicht aus. Am ehesten gelingt das Arbeitnehmern/-innen im Unterrichtswesen oder in der öffentlichen Verwaltung.

Grafik: Das Einkommen reicht kaum oder gar nicht aus © -, AK Oberösterreich

POSITIVER TREND

Zwei Drittel sind mit ihrem Einkommen zufrieden

Eine hohe Einkommenszufriedenheit geht Hand in Hand mit einer hohen  Lebenszufriedenheit. Beides hängt in hohem Ausmaß von Alter, Geschlecht und Bildung ab.

Zwischen 2012 und 2017 ist die Einkommenszufriedenheit der Beschäftigten in Österreich deutlich gestiegen. Gaben vor fünf Jahren noch sechs von zehn befragten Personen an, mit ihrem Lohn oder Gehalt zufrieden zu sein, so sind es 2017 fast zwei Drittel.

Höhere Bildung macht zufrieden

Frauen, Jüngere und Niedrigqualifizierte sind mit ihrem Einkommen deutlich seltener zufrieden als Männer, Ältere und Personen mit Matura oder Hochschulabschluss. Am unzufriedensten sind freie Dienstnehmer/-innen: Nur 42 Prozent von ihnen sind ausdrücklich mit dem Arbeitseinkommen zufrieden. Bei den Angestellten sind es 67 Prozent, bei den Beamten/-innen im öffentlichen Dienst gar 89 Prozent.

Von den Männern sind 72 Prozent zufrieden, von den Frauen 62 Prozent. Nur 53 Prozent der Pflichtschulabsolventen/-innen geben an, mit dem Einkommen zufrieden zu sein. Demgegenüber stehen 75 Prozent zufriedene Beschäftigte mit Matura und 71 Prozent zufriedene Absolventen/-innen einer Hochschule. Und auch die Arbeitszeit hat einen deutlichen Einfluss: Von den Teilzeitkräften mit weniger als 35 Arbeitsstunden pro Woche sind nur 54 Prozent zufrieden, von den Vollzeitkräften hingegen sieben von zehn Personen. Wenig überraschend sind Beschäftigte im Handel und im Tourismus mit ihrem Einkommen eher unzufrieden als Personen, die in der öffentlichen Verwaltung oder im Unterrichtswesen arbeiten.

Mit dem Leben zufrieden

Drei Viertel der Beschäftigten, die mit ihrem Einkommen sehr zufrieden sind, sind auch mit ihrem Leben sehr zufrieden. Generell gilt: Je niedriger die Einkommenszufriedenheit, desto niedriger die Lebenszufriedenheit.

Grafik: Zufriedenheit mit dem Einkommen in ausgewählten Brachen (2015/16) © -, AK Oberösterreich

STEUERRFORM WIRKT

Kommentar von Dr. Johann Kalliauer, Präsident der AK Oberösterreich

AK-Präsident Johann Kalliauer © Kurt Neulinger, AKOÖ

Man spürt, dass die Steuerreform in den Geldtaschen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer angekommen ist: Seit zwei Jahren steigt der Anteil jener, die mit ihrem Einkommen gut auskommen merklich. Und auch die Zufriedenheit mit den Löhnen und Gehältern ist so hoch wie schon lange nicht. Das zeigt der aktuelle Arbeitsklima Index.

Diese Entwicklung darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Einkommensverteilung nach wie vor nicht gerecht ist und dass knapp die Hälfte der Beschäftigten mit dem Arbeitseinkommen nicht über die Runden kommt. Die Zunahme schlecht entlohnter Beschäftigungsverhältnisse führt dazu, dass die Lohnquote stagniert und die mittleren Realeinkommen sinken.

Umso wichtiger war - neben der Steuerreform - die Sozialpartnereinigung auf einen Mindestlohn von 1500 Euro. Mittelfristig muss dieser auf 1700 Euro erhöht werden. Und die konjunkturelle Erholung sollte zum Anlass genommen werden, im Rahmen der anstehenden Kollektivvertragsverhandlungen kräftige Lohn- und Gehaltssteigerungen auszuverhandeln. Denn die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben es sich für ihre tagtäglich erbrachten Leistungen verdient, anständig behandelt und ordentlich entlohnt zu werden. Sie sind die mit Abstand wichtigsten Leistungsträger/-innen in unserem Land - diesem Umstand muss durch gerechte Entlohnung und weitere steuerliche Entlastungen Rechnung getragen werden.

SPRUNGBRETT BHS

HAK- und HTL-Absolventen sind zufrieden und optimistisch

Mehr als 130.000 Schülerinnen und Schüler besuchen eine Berufsbildende höhere Schule (BHS). Sie wechseln anschließend vielfach auf die Uni und haben gute Chancen im Beruf.

Absolventinnen und Absolventen einer HAK oder HTL sind gefragt: Die Verbindung von berufs- bzw. praxisnahen Lerninhalten mit einer allgemeinbildenden schulischen Ausbildung ist eine gute Basis für den Berufseinstieg - und für eine hohe Zufriedenheit im Job. Während die mit dem Arbeitsklima Index gemessene Arbeitszufriedenheit aller Beschäftigten derzeit bei 108 Indexpunkten liegt, erreichen Personen mit einer BHS-Matura einen Wert von 115 Punkten. Das ist der höchste Index aller Bildungsgruppen.

Fast 80 Prozent Angestellte

Besonders viele BHS-Absolventen/-innen gibt es in Oberösterreich, Salzburg und Ostösterreich. Sie sind eher männlich und haben keinen Migrationshintergrund. Fast 80 Prozent arbeiten später als Angestellte. Drei von zehn sind als Bürokräfte beschäftigt, 13 Prozent als Techniker/-innen und etwas mehr als zehn Prozent im Geld- und Versicherungswesen.

Die hohe Arbeitszufriedenheit von Absolventen/-innen einer HAK oder HTL beruht auf hohen Zufriedenheiten in beinahe allen Teilindizes: Sie schätzen das Image ihres Betriebes und ihren gesellschaftlichen Status höher ein als der Durchschnitt aller Beschäftigten. Sie sind mit ihrer Zeiteinteilung zufrieden und schätzen ihre Arbeitsmarkt- und Karrierechancen sehr optimistisch ein. Das alles führt zu einer überdurchschnittlich hohen Lebenszufriedenheit.

Kritischer Blick in die Zukunft

Allerdings ist in den vergangenen Jahren der Anteil jener, die gute Arbeitsmarktchancen sehen und optimistisch in die Zukunft blicken, auch bei den BHS-Absolventen/-innen gesunken. Knapp die Hälfte (47 Prozent) sieht gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt - im Zeitraum 2008 bis 2010 waren es noch fast 60 Prozent.

DER ARBEITSKLIMA INDEX

Die Sicht der Beschäftigten wird In wirtschafts- und sozialpolitischen Diskussionen viel zu wenig berücksichtigt. Auch, weil es vermeintlich zu wenig gesicherte Daten dazu gibt. Der Österreichische Arbeitsklima Index liefert seit knapp 20 Jahren diese Daten und ist so ein Maßstab für den wirtschaftlichen und sozialen Wandel aus Sicht der Arbeitnehmer/-innen. Er untersucht deren Einschätzung hinsichtlich Gesellschaft, Betrieb, Arbeit und Erwartungen. Der Arbeitsklima Index erfasst die subjektive Dimension und erweitert so das Wissen über wirtschaftliche Entwicklungen und ihre Folgen für die Gesellschaft.

Die Berechnung des Arbeitsklima Index beruht auf vierteljährlichen Umfragen unter  Österreichischen Arbeitnehmern/-innen. Die Stichprobe von rund 4000 Befragten pro Jahr ist repräsentativ, so dass daraus relevante Schlüsse für die Befindlichkeit aller Arbeitnehmer/-innen gezogen werden können. Der Arbeitsklima Index wird seit dem Frühjahr 1997 zweimal jährlich berechnet und veröffentlicht. Ergänzend gibt es Sonderauswertungen.

DATEN ONLINE

Aktuelle Ergebnisse und Hintergrundinformationen finden Sie unter ooe.arbeiterkammer.at/arbeitsklima. Dort steht nicht nur die umfangreiche Arbeitsklima-Datenbank für Auswertungen zur Verfügung, sondern es ist auch möglich, innerhalb Weniger Minuten online den persönlichen Zufriedenheitsindex am Arbeitsplatz zu berechnen. Ebenfalls online ist der Führungskräfte Monitor: Er beantwortet die Frage, wie es um die Arbeitszufriedenheit der österreichischen Führungskräfte steht.

LEHRAUSBILDUNG

Vier von zehn Beschäftigten haben einen Lehrabschluss

Nach wie vor zieht es junge Frauen und Männer in einige wenige Lehrberufe. Der öffentliche Dienst bleibt für Personen mit Lehrabschluss zunehmend unerreichbar.

Seit den 80er Jahren ist die Zahl der Schüler/-innen an den Berufsschulen kontinuierlich gesunken. Im Schuljahr 2015/16 absolvierten etwas mehr als 117.000 junge Menschen eine Lehre. Davon waren 58 Prozent männlich. Von allen Beschäftigten in Österreich haben 41 Prozent einen Lehrabschluss.

Weniger Lehrlinge im Tourismus

Nach wie vor konzentriert sich die Lehrausbildung auf einige wenige Berufe. Laut Lehrlingsstatistik sind das die Lehrberufsgruppen „Maschinen/Fahrzeuge/Metall“, „Büro/Handel/Finanzen“, „Bau/Architektur/Gebäudetechnik“ sowie „Elektrotechnik/Elektronik“. Stark rückläufig ist die Zahl der Lehrlinge im Tourismussektor.

Beschäftigte mit Lehrabschluss arbeiten vorwiegend in Industrie und Gewerbe (27 Prozent), als Handelsangestellte (26 Prozent), im Bauwesen (neun Prozent) und im Tourismus (acht Prozent). Während vor 20 Jahren noch 52 Prozent der Beschäftigten mit Lehrabschluss als Arbeiter/-innen und etwa ein Drittel als Angestellte beschäftigt waren, sind heute 53 Prozent als Angestellte und 42 Prozent als Arbeiter/-innen tätig. Im öffentlichen Dienst ist der Anteil an Beschäftigten mit Lehrabschluss von 14 auf fünf Prozent gesunken.

Grafik: Zufriedenheit von Beschäftigten mit Lehrabschluss in ausgewählten Branchen © -, AK Oberösterreich

DURCHSCHNITTLICHE ZUFRIEDENHEIT

Arbeitnehmer/-innen, die eine Lehre gemacht haben, sind im Vergleich zu anderen Beschäftigten durchschnittlich zufrieden, allerdings gibt es große Unterschiede zwischen den einzelnen Branchen und Berufen. Am höchsten ist die Zufriedenheit im Gesundheits- und Sozialwesen, am geringsten in der Branche Verkehr/Nachrichtenwesen. Im unternehmensnahen Dienstleistungsbereich ist die Arbeitszufriedenheit seit den Jahren 2008 - 2010 um zwölf Indexpunkte abgestürzt.

Physischer Stress

Auch nach Teilindizes betrachtet weichen die Zufriedenheiten von Beschäftigten mit Lehrabschluss kaum vom Durchschnitt aller Arbeitnehmer/-innen in Österreich ab. Lediglich beim physischen Stress - also bei den körperlichen Belastungen - gibt es einen gravierenden Unterschied: Während der Indexwert für alle Beschäftigten bei 19 Punkten und etwa bei HTL und HAK-Absolventen/-innen bei elf Punkten liegt, kommen Menschen mit Lehrabschluss auf einen Indexwert von 23 Punkten.

Das Risiko, arbeitslos zu werden, ist bei Beschäftigten mit Lehrabschluss relativ hoch: 47 Prozent haben schon einmal ihren Job verloren. Nur bei Personen mit maximal Pflichtschulabschluss ist dieser Anteil noch höher (56 Prozent).

Arbeitsklima Index Mai 2017

Überlastung führt oft zu Burnout. 4 von 10 machen sich Sorgen um Kollegen/-innen.

Arbeitsgesundheitsmonitor

Eine umfassende Erhebung der subjektiven gesundheitlichen Befindlichkeit von Arbeitnehmern/-innen.

Führungskräfte Monitor

Wie steht es mit der Arbeitszufriedenheit der Führungskräfte in Österreich?

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