Sexuelle Belästigung nimmt zu

Frauen werden diskriminiert und benachteiligt

Abfällige Äußerungen, lüsterne Blicke in den Ausschnitt, körperliche Übergriffe: Die #metoo Debatte hat die Sensibilität von Frauen für sexuelle Belästigung im Job geschärft.

Es begann mit anzüglichen Bemerkungen, später folgten aufdringliche Blicke auf die Brüste und ungewollte Berührungen. Die Frau forderte den Kollegen auf, damit aufzuhören. Doch das stachelte ihn an, sie noch weiter zu belästigen. Zwei Jahre lang litt die Arbeitnehmerin unter den sexuellen Anspielungen und Übergriffen an ihrem Arbeitsplatz. Bis sie zur AK ging, die für sie Klage beim Arbeits- und Sozialgericht einbrachte. Sie bekam 3000 Euro Schadenersatz - die seelischen Schmerzen konnte das Geld
nicht heilen.

56 Prozent wurden schon belästigt

Wie der Arbeitnehmerin aus Oberösterreich ergeht es vielen Frauen. Das zeigt auch der Arbeitsklima Index: Deutlich mehr als die Hälfte der Frauen hat bereits hautnah sexuelle Belästigung durch männliche Kollegen, Chefs oder Kunden
zu spüren bekommen. 38 Prozent der Arbeitnehmerinnen wurden mit abfälligen Bemerkungen konfrontiert - um vier Prozentpunkte mehr als vor zwei Jahren. 31 Prozent wurden angestarrt oder gemustert - plus sechs Prozentpunkte seit 2016. Und zwölf Prozent erlitten sexuelle Belästigung in Form von körperlichen Übergriffen - um ein Drittel mehr als zwei Jahre zuvor.

Beim Einkommen schlechter gestellt

Alles in allem fühlen sich 28 Prozent der Frauen im Berufsleben benachteiligt - am häufigsten im Bauwesen, in der Industrie und im Handel, am seltensten im Unterrichtswesen. Hauptgrund für diese Wahrnehmung ist nach wie vor ungleiche Bezahlung: Vier von zehn Frauen sagen, dass sie beim Lohn oder Gehalt schlechter gestellt sind als ihre männlichen Kollegen. Knapp 30 Prozent fühlen sich bei Beförderungen und Karrieresprüngen sowie bei Bewerbungen und Stellenvergaben diskriminiert, etwas mehr als 20 Prozent bei der Zuteilung und Übernahme verantwortungsvoller Aufgaben. Jede fünfte Frau hat das Gefühl, in der Firma weniger Wertschätzung zu erfahren als Männer.

Die AK hilft den Frauen

Fast zwei Drittel der erwerbstätigen Frauen sind der Meinung, dass sich die Arbeiterkammer für Gleichberechtigung im Job einsetzt. Das ist gegenüber 2012 ein Zuwachs von 28 Prozentpunkten. Das Vertrauen in das zweitplatzierte Frauenministerium erfuhr mit minus zehn Prozentpunkten innerhalb von zwei Jahren einen gewaltigen Dämpfer. Auf Platz 3 folgt die Gewerkschaft. Vier von zehn Frauen glauben, dass sie von der Arbeiterkammer Hilfe bekommen, wenn sie benachteiligt werden. Keine andere Einrichtung wurde auch nur annähernd so oft genannt.

Grafik: Persönliches Erleben von sexueller Belästigung © AK Oberösterreich

PFLEGE IST WEIBLICH

Fast drei Viertel leisten Mehrarbeit oder machen Überstunden

Trotz hoher Arbeitsbelastungen und schlechter Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben sind die Beschäftigten in der Pflege mit ihrem Job zufrieden.

Laut Arbeitsklima Index sind 3,8 Prozent aller Beschäftigten in Österreich im Pflegebereich tätig - das entspricht umgerechnet rund 140.000 Arbeitnehmern/-innen. Der Frauenanteil liegt bei 83 Prozent, mehr als die Hälfte arbeitet in privaten Betrieben. Etwas mehr als ein Drittel ist teilzeitbeschäftigt. Die durchschnittliche vereinbarte Arbeitszeit liegt bei 34 Stunden - die tatsächliche Arbeitszeit bei rund 36 Stunden. Fast drei Viertel müssen zumindest gelegentlich Mehrarbeit und Überstunden leisten.

Unregelmäßige Arbeitszeiten

90 Prozent arbeiten zumindest gelegentlich samstags, 82 Prozent auch sonntags und 66 Prozent auch nachts. Nicht einmal ein Drittel der Pflegekräfte hat regelmäßige Arbeitszeiten, mehr als die Hälfte arbeitet im Schicht- oder Turnusdienst - das wirkt sich auf die Balance von Beruf und Privatleben aus: Nur 29 Prozent können beides sehr gut vereinbaren. Dennoch sind die Beschäftigten in Pflegeberufen überdurchschnittlich zufrieden mit ihrer Arbeit und ihrem Leben. Daran können auch die hohen körperlichen und psychischen Belastungen nichts ändern.

Neun von zehn sind optimistisch

Das Gefühl, eine sinnvolle Arbeit auszuüben, die auch in Zukunft einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft liefert, sorgt für eine hohe Arbeitszufriedenheit. Der Arbeitsklima Index liegt bei 110 Punkten und damit um zwei Indexpunkte über dem Durchschnitt sonstiger Branchen. Neun von zehn Beschäftigten sind mit ihrem Beruf alles in allem zufrieden, 84 Prozent würden wieder bei ihrem Arbeitgeber anfangen. Jeweils rund 90 Prozent sehen die wirtschaftliche Entwicklung und die eigenen Arbeitsmarktchancen positiv.

FRAUEN ZU BELÄSTIGEN IST INAKZEPTABEL

Kommentar von Dr. Johann Kalliauer
Präsident der AK Oberösterreich

AK-Präsident Johann Kalliauer © Kurt Neulinger, AKOÖ

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ist leider keine Seltenheit. Nicht erst die breite #metoo Debatte hat gezeigt, dass Diskriminierung im Berufsleben in manchen Betrieben auf der Tagesordnung steht. Die betroffenen Frauen sind oft jahrelangen Demütigungen, Herabwürdigungen, verbalen oder im schlimmsten Fall auch körperlichen Übergriffen ausgesetzt. Das ist inakzeptabel!

Kein Kavaliersdelikt

Sexuelle Belästigung ist kein Kavaliersdelikt, sondern ein brutaler Gewaltakt, der bei den Betroffenen großes Leid verursachen kann. Es ist höchst an der Zeit, dass Betriebe ihre Fürsorgepflicht stärker als bisher wahrnehmen und ihre weiblichen Beschäftigten vor (sexueller) Gewalt schützen. Der Arbeitsklima Index zeigt nämlich: Die Frauen vertrauen darauf, dass sie im Falle von Diskriminierung von ihren Vorgesetzten unterstützt werden. Diesem Vertrauen müssen die Chefs und Chefinnen gerecht werden.

Apropos Vertrauen: Es freut mich, dass unser Einsatz für Gleichberechtigung in der Arbeitswelt von den Frauen wahrgenommen wird. Fast zwei Drittel sehen die Arbeiterkammer als jene Institution, die sich mit großem Abstand am stärksten für berufliche Gleichstellung einsetzt. Und ein großer Teil der Frauen weiß, dass sie sich im Falle einer Diskriminierung an uns wenden können.

KRANKE PFLEGEKRÄFTE

Erfüllende, sinnstiftende, aber stark belastende Arbeit

Ein Drittel der Pflegekräfte in Österreich geht auch krank zur Arbeit – der Großteil von ihnen aus Pflichtgefühl gegenüber den Kollegen/-innen.

Vier von fünf Pflegekräften sind voll und ganz der Überzeugung, in der Arbeit etwas Sinnvolles zu tun - fast doppelt so viele wie im Durchschnitt aller Branchen und Berufe. 90 Prozent haben das Gefühl, sich im Beruf für andere Menschen einsetzen zu können. Der sinnstiftende Job hat aber auch seine Schattenseiten: Sechs von zehn Beschäftigten in Pflegeberufen tun sich zumindest manchmal schwer, nach der Arbeit abzuschalten.

Arbeit mit Kranken belastet

Ein Drittel leidet unter Zeitdruck, vier von zehn fühlen sich durch die Arbeit seelisch belastet. Ständig von kranken oder notleidenden Menschen umgeben zu sein, belastet acht von zehn Pflegekräften. Drei Viertel verspüren hohe Verantwortung. Zwei Drittel fühlen sich durch körperliche Anstrengung und dauernde hohe Konzentration belastet. Über unregelmäßige bzw. überlange Arbeitszeiten klagt jeweils etwas weniger als die Hälfte - in allen anderen Branchen sind es nur 26 bzw. 32 Prozent.

Beschwerden kommen von der Arbeit

Zwei Drittel haben Muskelverspannungen und Rückenschmerzen - acht von zehn führen diese auf die Arbeit zurück. Auch Erschöpfung, Ermüdung und Schmerzen in den Beinen werden überwiegend auf die anstrengende berufliche Tätigkeit zurückgeführt. Anders verhält es sich bei Kopfschmerzen und Migräne: Mehr als die Hälfte leidet darunter - nur 20 Prozent führen sie auf den Job zurück.

Ein Drittel geht auch krank zur Arbeit - in allen anderen Berufen sind es „nur“ 27 Prozent. Für zwei Drittel ist das Pflichtgefühl gegenüber den Kollegen/-innen der Hauptgrund, trotz Erkrankung arbeiten zu gehen.

Grafik: Hohe Belastungen in den Pflegeberufen © AK Oberösterreich

DER ARBEITSKLIMA INDEX

Die Sicht der Beschäftigten wird in wirtschafts- und sozialpolitischen Diskussionen viel zu wenig berücksichtigt. Auch, weil es vermeintlich zu wenig gesicherte Daten dazu gibt. Der Österreichische Arbeitsklima Index liefert seit 21 Jahren diese Daten und ist so ein Maßstab für den wirtschaftlichen und sozialen Wandel aus Sicht der Arbeitnehmer/-innen. Er untersucht deren Einschätzung hinsichtlich Gesellschaft, Betrieb, Arbeit und Erwartungen. Der Arbeitsklima Index erfasst die subjektive Dimension und erweitert so das Wissen über wirtschaftliche Entwicklungen und ihre Folgen für die Gesellschaft.

Die Berechnung des Arbeitsklima Index beruht auf vierteljährlichen Umfragen unter österreichischen Arbeitnehmern/-innen. Die Stichprobe von rund 4000 Befragten pro Jahr ist repräsentativ, so dass daraus relevante Schlüsse für die Befindlichkeit aller Arbeitnehmer/-innen gezogen werden können. Der Arbeitsklima Index wird seit dem Frühjahr 1997 zweimal jährlich berechnet und veröffentlicht. Ergänzend gibt es Sonderauswertungen.

Daten online

Aktuelle Ergebnisse und Hintergrundinformationen finden Sie unter ooe.arbeiterkammer.at/arbeitsklima. Dort steht nicht nur die umfangreiche Arbeitsklima-Datenbank für Auswertungen zur Verfügung, sondern es ist auch möglich, innerhalb Weniger Minuten online den persönlichen Zufriedenheitsindex am Arbeitsplatz zu berechnen. Ebenfalls online ist der Führungskräfte Monitor: Er beantwortet die Frage, wie es um die Arbeitszufriedenheit der österreichischen Führungskräfte steht.

KINDERBETREUUNG

Eltern sind mit den Angeboten im Großen und Ganzen zufrieden

Ein Drittel der Frauen und ein Viertel der Männer, die Kinderbetreuungsangebote nutzen, fühlen sich durch die Kosten stark finanziell belastet.

Der Einsatz der AK für bessere Kinderbetreuungsangebote macht sich bezahlt: deutlich mehr als die Hälfte der berufstätigen Eltern nutzt Krabbelstuben, Kindergärten und Horte für die untertägige Betreuung ihrer Kinder. Das heißt aber umgekehrt: Rund 40 Prozent der Eltern tun das nicht, unter anderem, weil es ihnen an Angeboten mangelt. 

Von jenen, die ihre Kinder in eine institutionelle Betreuung geben, sind mehr als zwei Drittel mit dem Angebot zufrieden. Ein Viertel ist sogar sehr zufrieden. Bei den Vätern ist dieser Anteil innerhalb der letzten zwei Jahre von 20 auf 28 Prozent gestiegen, bei den Müttern von 30 auf 23 Prozent gesunken. Bei genau einem Drittel der Frauen stellen die Kinderbetreuungskosten eine Belastung für das Haushaltsbudget dar - ebenso wie bei einem Viertel der Männer.

Wenig Rücksicht im Betrieb

Stark gestiegen ist der Anteil jener Eltern, die im Betrieb spezielle Regelungen und individuelle Lösungen zur Kinderbetreuung vorfinden - nämlich von zwölf Prozent im Jahr 2012 über 23 Prozent in den Jahren 2014 und 2016 auf 32 Prozent im Jahr 2018. Heißt aber: In zwei Drittel der Betriebe wird nach wie vor keine Rücksicht auf die Bedürfnisse von berufstätigen Eltern genommen.

Grafik: Zufriedenheit mit dem Kinderbetreuungsangebot © AK Oberösterreich

TRADITIONELLE ROLLENVERTEILUNG

An einem durchschnittlichen Wochentag bringen Frauen 3,7 Stunden für Kinder und Haushalt auf, Männer nur 1,7 Stunden. Beide Geschlechter wenden dafür um rund eine halbe Stunde mehr auf als noch vor zwei Jahren. Dennoch besteht nach wie vor ein eklatanter Unterschied bei der Verteilung der Hausarbeit: Während fast drei Viertel der Frauen angeben, dass sie den Haushalt zumindest großteils alleine schultern, sagen das nur vier Prozent der Männer. Bei ihnen macht zu 58 Prozent die Partnerin den Großteil der Haushaltsarbeit. Halbehalbe gibt es nicht einmal in jedem vierten gemeinsamen Haushalt.

Die ungleiche Verteilung der Haushaltsarbeit hat auch Auswirkungen auf die Erwerbstätigkeit und die Freizeit: Frauen arbeiten kürzer (7,5 Stunden) als Männer (8,7 Stunden) und haben beinahe um eine Stunde am Tag weniger Freizeit.

Arbeitsklima Index November 2018

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