Starker Wandel in der Industrie

Jobzufriedenheit niedrig

Die klassische Fabrikarbeit ist dominiert von Männern über 40 mit Pflichtschul- oder Lehrabschluss und einem hohen Anteil an Migranten/-innen.

Ein wichtiges Berufsfeld befindet sich in einem starken Wandel. Vor 20 Jahren zählten noch 39 Prozent aller unselbstständig Beschäftigten zur Arbeiterschaft, mittlerweile sind es nur mehr 29 Prozent. Davon bezeichnen sich 12 Prozent als Fabrikarbeiter/-innen.

Männlich, älter und mit Lehre

Drei Viertel aller Fabrikarbeiter sind Männer. Fabrikarbeiter/-innen sind eher älter, der Durchschnitt liegt bei 42 Jahren, 39 Prozent sind über 45 Jahre alt. Fast die Hälfte aller Fabrikarbeiter/-innen hat einen Lehrabschluss, allerdings haben vier von zehn keinen über die Pflichtschule hinausgehenden
Bildungsabschluss. Entsprechend liegt das Berufseinstiegsalter auch niedriger (15 Jahre) als in der Restbevölkerung (16 Jahre).

Mit 27 Prozent liegt der Anteil an Beschäftigten mit Migrationshintergrund höher als in anderen Berufsfeldern (13 Prozent).

Vorwiegend größere Betriebe

Fabrikarbeiter/-innen arbeiten vor allem in den westlichen und mittleren Bundesländern: Mehr als die Hälfte arbeitet zwischen Vorarlberg und Oberösterreich, in Wien hingegen gibt es kaum noch welche.

Die meisten Fabrikarbeiter/-innen befinden sich in größeren Betrieben. Zwei Drittel arbeiten für Unternehmen mit 100 oder mehr Beschäftigten. Die Mehrheit arbeitet im Industrie und Gewerbebereich z.B. im Metall-, Textil- oder Holzgewerbe.

Jobzufriedenheit deutlich niedriger

Fabrikarbeiter/-innen erreichen im Schnitt der Jahre 2010 bis 2015 einen Arbeitsklima Index von lediglich 100 Punkten. Das sind acht Punkte weniger als der Wert in sonstigen Berufen.

Im Teilindex Gesellschaft ist es vor allem der eigene gesellschaftliche Status, der von Fabrikarbeiter/-innen wesentlich schlechter bewertet wird: Nur 58 Prozent waren in den Jahren 2010 bis 2015 mit ihren Rechten als Arbeitnehmer/-in zufrieden (Rest: 70 Prozent), nur 60 Prozent
mit ihrer sozialen Position (Rest: 72 Prozent).

Im Teilindex Erwartungen sind es sowohl die Karriereaussichten als auch die subjektiven Arbeitsmarktchancen, die von Fabrikarbeiter/-innen wesentlich schlechter eingeschätzt werden: Nur 42 Prozent waren mit ihren Aufstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten zufrieden, nur 45 Prozent mit ihren Weiterbildungsmöglichkeiten.

Kein Wunder, denn nur 14 Prozent sagen, dass sie berufliche Weiterbildungen erhalten haben. Die deutliche Mehrheit der Fabrikarbeiter/-innen rechnet sich auch deshalb schlechte Chancen am
Arbeitsmarkt aus: Nicht einmal jede/r Dritte glaubt, er/sie könne „leicht“ wieder eine neue annehmbare Stelle finden.

Arbeitsklima Index: Fabriksarbeiter und andere Berufe

PENDLERINNEN UND PENDLER

Wenig Veränderungen in den letzten 15 Jahren

Nach wie vor arbeitet rund die Hälfte aller österreichischen Beschäftigten in der eigenen Wohngemeinde.

43 Prozent aller Beschäftigten haben ihren Arbeitsplatz außerhalb ihrer Wohngemeinde aber noch innerhalb des eigenen Bundeslandes. Vier Prozent verlassen ihr Bundesland, um zu arbeiten, und nur ein Prozent pendelt ins Ausland. Somit ergeben sich im Vergleich zum Jahr 2000 nur leichte Verschiebungen: Jetzt pendeln vier Prozent mehr innerhalb des eigenen Bundeslandes und fünf
Prozent weniger in andere Bundesländer. Fast alle Pendler/-innen sind Tages-, nur fünf Prozent Wochenpendler/-innen.

Regionale Unterschiede

Den konstant höchsten Auspendleranteil hat das Burgenland. Aktuell pendeln 76 Prozent der dort Wohnenden in eine andere Gemeinde oder in ein anderes Bundesland zum Arbeiten. Wien hatden niedrigsten Auspendleranteil: Nur 12 Prozent pendeln über die Stadtgrenze hinweg.

Der Auspendleranteil hat sich in der Steiermark und in Oberösterreich nach 2010 deutlich erhöht: Zwei Drittel der dort Beschäftigten pendeln mittlerweile von einer Gemeinde in eine andere.

Pendeln verlängert den Arbeitstag

42 Prozent der Pendler/-innen haben einen Arbeitsweg von bis zu 15 Kilometer täglich (hin und zurück). Für 35 Prozent liegt die Arbeitsstätte zwischen 16 und 30 Kilometer entfernt und für ein Fünftel weiter als 30 Kilometer.

Berücksichtigt man die Wegzeiten der Pendler/-innen, so erhöht sich die durchschnittlich gearbeitete Wochenarbeitszeit in Österreich im Schnitt von 38 auf 41 Stunden und unter nur Vollzeitbeschäftigten von 42 auf 45,5 Stunden. Wiener Beschäftigte verbringen viel Zeit am Weg in die Arbeit und nach Haus, im Schnitt wöchentlich fast fünf Stunden.

Arbeitsort ...

PESSIMISMUS ÜBERWIEGT

Dr. Johann Kalliauer, Präsident der AK Oberösterreich

AK-Präsident Johann Kalliauer © Kurt Neulinger, AKOÖ

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Diese Begriffe werden immer öfter Genannt: Industrie 4.0, digitalisierte Industriearbeit oder Automatisierung. tatsächlich fand und findet in der Industrie ein tiefgreifender Wandel statt, der die Beschäftigten pessimistisch stimmt.

So glauben nur 28 Prozent der Fabrikarbeiter/-innen, mit ihrer jetzigen Qualifikation auch in fünf Jahren noch ihren
Job sehr gut ausüben zu können. Ein Viertel rechnet damit, dazu nur noch mittel bis sehr schlecht in der Lage zu sein. Karriere- und Arbeitsmarktchancen werden von Fabrikarbeitern/-innen nicht nur aufgrund ihres höheren Durchschnittsalters schlechter eingeschätzt.

Hinzu kommt: Sowohl mit Art und Inhalt der beruflichen Tätigkeit als auch mit den Möglichkeiten, über Arbeitsabläufe selbst zu bestimmen, sind Fabrikarbeiter/-innen deutlich unzufriedener als andere Berufsgruppen. Ein Fünftel ist explizit unzufrieden mit dem Ausmaß der eigenen Gestaltungsmöglichkeiten bei der Arbeit.

Fabrikarbeiter/-innen sind etwas häufiger von Arbeitslosigkeit betroffen acht Prozent), in Leiharbeit beschäftigt (acht Prozent) oder unsicher bezüglich ihres Arbeitsplatzes (21 Prozent). Folglich meinen nur 34 Prozent der Fabrikarbeiter/-innen, sie können die derzeitige Arbeit auch bis zur Pension ausüben.

MEHRFACHBESCHÄFTIGUNG

Ältere Höherqualifizierte haben häufiger zwei Jobs

Zwei (oder sogar mehr) Jobs zu haben, ist kein Massenphänomen in Österreich. Alles in allem gehen rund vier Prozent mindestens einer zweiten beruflichen Tätigkeit nach.

Rund 150.000 Arbeitnehmer/-innen haben neben ihren Hauptjobs zumindest eine weitere Beschäftigung. 1991 waren es nur 39.000 Personen, der Zuwachs ist also deutlich erkennbar.

Einen Nebenjob zu haben muss nicht bedeuten, dass man diesen aus finanziellen Gründen fürs Überleben braucht. Auffällig ist, dass Menschen mit Zweitjob älter (41 Prozent sind über 45 Jahre) und höher gebildet sind: Mehr als jede/r Dritte hat einen Studienabschluss.

Akademikerphänomen

Mehrfachbeschäftigung ist häufiger ein Akademikerphänomen. Das betrifft zum Beispiel jene Akademiker/-innen, die nach ihrem Studium im Unterrichtssektor arbeiten: Ein Drittel arbeitet in befristeten Anstellungsverhältnissen und schlägt sich bis zur Fixanstellung mit Zweitjobs durch, zumeist mittels Freier Dienstverträge oder mit selbstständiger Tätigkeit.

Drei Branchen führend

Aus welchen ersten Tätigkeiten heraus nehmen Beschäftigte eine Zweittätigkeit auf? Vor allem Freie Dienstnehmer/-innen sind oftmals nicht nur bei einem Arbeitgeber beschäftigt, sondern mitunter bei mehreren. 13 Prozent aller Freien Dienstnehmer/-innen gehen einer Mehrfachbeschäftigung nach. Unter Angestellten und Öffentlich Bediensteten sind es vier bis fünf Prozent, unter Arbeitern/-innen zwei Prozent.

Die Auswertungen zeigen auch: Mehrfachbeschäftigung kommt bei atypisch Beschäftigten (v.a. befristet oder Teilzeitbeschäftigten) und bei Beschäftigten im Unterrichtswesen, im Gesundheits-
und Sozialbereich und im unternehmensnahen Dienstleistungsbereich häufiger vor.

DER ARBEITSKLIMA INDEX

Die Sicht der Beschäftigten wird in wirtschafts- und sozialpolitische Diskussionen viel zu wenig berücksichtigt. Auch, weil es vermeintlich zu wenig gesicherte Daten dazu gibt. Der österreichische Arbeitsklima Index liefert seit mehr als 15 Jahren diese Daten und ist so ein Maßstab für den wirtschaftlichen und sozialen Wandel aus Sicht der Arbeitnehmer/-innen. Er untersucht deren Einschätzung hinsichtlich Gesellschaft, Betrieb, Arbeit und Erwartungen. Der Arbeitsklima Index erfasst die subjektive Dimension und erweitert so das Wissen über wirtschaftliche Entwicklungen und ihre Folgen für die Gesellschaft.

Die Berechnung des Arbeitsklima Index beruht auf vierteljährlichen Umfragen unter österreichischen Arbeitnehmern/-innen. Die Stichprobe von rund 4000 Befragten pro Jahr ist repräsentativ ausgewählt, so dass daraus relevante Schlüsse für die Befindlichkeit aller Arbeitnehmer/-innen gezogen werden können. Der Arbeitsklima Index wird seit dem Frühjahr 1997 zweimal jährlich berechnet. Ergänzend gibt es Sonderauswertungen.

Daten online

Aktuelle Ergebnisse und Hintergrundinformationen finden Sie unter ooe.arbeiterkammer.at/arbeitsklima. Dort steht nicht nur die umfangreiche Arbeitsklima Datenbank für Auswertungen zur Verfügung, sondern es ist auch möglich, innerhalb weniger Minuten online den persönlichen Zufriedenheitsindex am Arbeitsplatz berechnen. Ebenfalls online ist der Führungskräfte Monitor: Er beantwortet die Frage, wie es um die Arbeitszufriedenheit der österreichischen Führungskräfte steht.

DATENSCHUTZ

Thema wird wichtig genommen – aber oft fehlt Wissen

Fast drei Viertel (74 Prozent) der österreichischen Beschäftigten ist der Umgang der Unternehmen mit ihren Daten wichtig. Weitere 19 Prozent finden diesen Aspekt eher wichtig.

Problematisch ist, dass bei jungen Menschen dieses Bewusstsein weniger ausgeprägt st. Daten werden oft nicht gelöscht und können die berufliche Laufbahn noch lange beeinflussen.

Aufklärung führt zu kritischerer Haltung

Die Aufklärung über die Rechte und Pflichten bezüglich Datenschutz führt zu einer kritischeren Haltung der Beschäftigten gegenüber dem Unternehmen. Allerdings ist nur die Hälfte der Beschäftigten in Österreich über Datenschutzangelegenheiten informiert. Besonders Handelsangestellte und Lehrer/-innen wissen oft kaum oder gar nicht über den Datenschutz Bescheid.

Im Allgemeinen wird der Umgang mit personenbezogenen Daten ernst genommen. Nur jede/r Zehnte (neun Prozent) sieht in diesem Bereich problematisches Verhalten, was vielleicht etwas naiv anmutet. Die Beschäftigten denken, dass sich große Unternehmen ihrer Verantwortung besonders bewusst sind und nehmen sie deshalb als gewissenhaft wahr. 95 Prozent der Arbeitnehmer/-innen meinen, dass ihr Unternehmen noch keine Probleme mit dem Datenschutz hatte.

Datenschutz wird ernst genommen

Vertraulicher Umgang mit Personendaten im Unternehmen ist mir ....

AUF SCHRITT UND TRITT ÜBERWACHT?

Um die Belegschaft zu kontrollieren nutzen die Arbeitgeber modernste Technik. 11 Prozent der Beschäftigten arbeiten in Unternehmen mit Videokameras, 22 Prozent verwenden Chipkarten für die Zeiterfassung und nur vereinzelt wird die Position auch über GPS überwacht - außer im Verkehr- und Transportwesen. Hier werden bereits 12 Prozent der Beschäftigten mittels GPS kontrolliert.

Die Überwachung der Tätigkeit am Arbeitsplatz über Computersysteme wird von 21 Prozent der Arbeitnehmer/-innen vermutet. Besonders in großen Unternehmen glauben sie, wird diese Form der Erfassung wahrgenommen.

Internet-Postings können Folgen haben

Wenig Angst besteht dagegen noch vor der Suche nach privaten Fotos und Videos durch die Unternehmen. Zwei Drittel (66 Prozent) sind sich sicher, dass ihr Arbeitgeber nicht zu solchen
Mitteln greift.

Eine Ausnahme sind Beschäftigte bis 29 Jahre: 15 Prozent haben den Eindruck, dass Beschäftigte durchleuchtet werden. Immerhin sieben Prozent der Befragten geben an, dass Postings im Internet schon negative Folgen hatten.

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