Immer mehr Wochenendarbeit: Beschäftigte machen viele Überstunden

Beschäftigte machen viele Überstunden

Die aktuelle Auswertung des Österreichischen Arbeitsklima Index zeigt, dass der Anteil der Beschäftigten, die am Samstag und/oder Sonntag arbeiten müssen, steigt.

Die Diskussion um Überstunden, Arbeiten am Wochenende und an Feiertagen reißt nicht ab. Vertreter/-innen der Wirtschaft sehen Überstunden positiv, manche wollen die Öffnungszeiten von Geschäften ausweiten. Gewerkschaften und Arbeiterkammer lehnen dies ab. Wie stellt sich laut Arbeitsklima Index die Arbeitszeitzufriedenheit der österreichischen Beschäftigten dar?

Zufriedenheit mit Arbeitszeit sinkt

Der Indexwert der Subdimension „Zeiteinteilung“ (Zufriedenheit mit Arbeitszeitregelung und Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben) ist im Vergleich zu 2007/2008 um mehrere Punkte auf aktuell 76 gesunken. Vor allem die Zufriedenheit mit der Arbeitszeitregelung ist rückläufig: Lag diese bis zur ersten Hälfte 2008 noch stets über 80 Prozent, ist sie auf aktuell 74 Prozent zurückgegangen. Mehr als zwei Drittel der Arbeitnehmer/-innen machen gelegentlich (53 Prozent) oder häufig (15 Prozent) Überstunden.

Problemfeld Arbeitszeit

Auffällig ist, dass der Anteil jener Beschäftigten, die Samstags- oder Sonntagsarbeit leisten, seit rund einem Jahr steigt: Im Frühjahr 2012 waren es 17 Prozent, die sagten, sie müssten häufig am Samstag arbeiten, jetzt sind es 22 Prozent. Neun Prozent sagten vor einem Jahr, sie müssten häufig auch am Sonntag arbeiten, jetzt ist dieser Anteil auf 12 Prozent gestiegen. Vor allem für jüngere Frauen gehört Samstagsarbeit zum Berufsalltag: 38 Prozent aller Frauen bis 25 Jahre sagen, sie müssten häufig am Samstag arbeiten. Damit arbeiten fast vier von zehn Frauen bis 25 regelmäßig auch am Samstag. Zum Vergleich: Unter jungen Männern sind es nur halb so viele – 19 Prozent der Männer unter 26 sagen, sie müssten häufig auch am Samstag arbeiten.

Wochenendarbeiter unzufriedener

Beschäftigte, die häufig am Samstag oder Sonntag arbeiten, erzielen deutlich niedrigere Werte im Arbeitsklima Index. Bei Beschäftigten, die häufig am Samstag arbeiten müssen, liegt der Arbeitsklima Index bei 102 Punkten, bei jenen, die am Sonntag arbeiten müssen, bei 101 Punkten (Gesamtindex 108 Punkte).

Dasselbe gilt für Beschäftigte, die häufig in der Nacht arbeiten oder Überstunden leisten müssen. Sie sind weniger zufrieden, haben mehr Zeitdruck, höhere körperliche und psychische Belastungen sowie größere Schwierigkeiten, Privat- und Berufsleben miteinander zu vereinbaren. 

Zufriedenheit mit Arbeitszeitregelung in Prozent © AKOÖ, AKOÖ

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Arbeitszufriedenheit: Führungsstil wird kritisiert

Die österreichischen Arbeitnehmer/-innen sind mit ihren Kollegen/-innen zum Großteil zufrieden. Mit dem Führungsstil ihrer Vorgesetzten schon deutlich weniger.

Rund acht von zehn österreichischen Beschäftigten sind mit Art und Inhalt ihrer beruflichen Tätigkeit zufrieden, 41 Prozent sind damit sehr zufrieden. Faktoren wie das Arbeitsumfeld können eine große Rolle für die allgemeine Arbeitszufriedenheit spielen.

88 Prozent mit Kollegen zufrieden

Unter sozialem Umfeld oder sozialer Position ist sowohl die konkrete Arbeitsumgebung im Betrieb (Kollegen/- innen, Vorgesetzte) als auch die subjektive gesamtgesellschaftliche Position als Beschäftigte/-r gemeint.

Mit den Kollegen/-innen sind 88 Prozent der österreichischen Beschäftigten sehr oder ziemlich zufrieden. Dieser Wert ist etwas gesunken (vor zehn Jahren lag er bei 93 Prozent), er bleibt aber seit 2008 weitestgehend stabil.

Aktuell sind 67 Prozent der Beschäftigten mit dem Führungsstil ihrer Vorgesetzten zufrieden. So niedrig war der Wert zuletzt im Herbst 2010 und davor im Frühjahr 2004.

Die Zufriedenheit mit der sozialen Position als Arbeitnehmer/-in ist seit 2007 zurückgegangen, auch wenn der Wert im letzten halben Jahr wieder um zwei Prozentpunkte zugelegt hat. Derzeit sind 67 Prozent der unselbstständig Beschäftigten in Österreich sehr oder ziemlich zufrieden. Vor ein paar Jahren waren es noch mehr als 75 Prozent. Vor allem niedrig qualifizierte Beschäftige – und hier wiederum Ältere und Arbeiter/-innen – sind mit ihrer gesellschaftlichen Position unzufriedener.

Migranten sind unzufrieden

91 Prozent aller Beschäftigten ohne Migrationshintergrund sind mit den Kollegen/ innen zufrieden, aber nur 74 Prozent jener mit Migrationshintergrund. Mit dem Führungsstil und mit der sozialen Position in der Gesellschaft sind 70 Prozent der Beschäftigten ohne Migrationshintergrund zufrieden, aber nur 47 bzw. 53 Prozent der Migranten/-innen. Diese Ergebnisse bilden das oft schwierige Betriebsklima für Migranten/-innen in Österreich und auch die schwierige soziale Position ab.

Zufriedenheit mit Kollegen, Führungsstil und sozialer Position © AKOÖ, AKOÖ

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Trend nach unten

Jetzt wirken sich die Entwicklungen am österreichischen Arbeitsmarkt und in den Betrieben auch zunehmend auf Details des Arbeitsklima Index aus.

So hat die Subdimension „Zeiteinteilung“ – es geht hier um die Zufriedenheit mit der Arbeitszeit und um die Beurteilung der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben – mit 76 Punkten wieder den Tiefstand erreicht. Die Zunahme von Wochenend- und Feiertagsarbeit – vor allem für (jüngere) Frauen – hat viel damit zu tun.

Die Zufriedenheit mit dem Führungsstil der Vorgesetzten geht zum Teil deutlich zurück. Es wird viel über modernes und besseres Führungsverhalten geschrieben, aber anscheinend nur wenig getan.

Besonders betroffen sind niedriger qualifizierte Beschäftigte und jene mit Migrationshintergrund. Die hohe Unzufriedenheit mit dem Führungsstil der Vorgesetzten in diesen beiden Gruppen wirkt sich stark auf die allgemeine Arbeitszufriedenheit und letztlich wohl auch auf die Arbeitsqualität aus. Dessen sollten sich die Unternehmer/-innen bewusst sein. 

Beruf IT-Techniker:
Hohe Qualifikation, gutes Einkommen, viel Zeitdruck

Der immer schnellere digitale Wandel bringt neue berufliche Chancen, aber auch Belastungen durch Zeitdruck, Stress und schlechten Führungsstil.

Wie ist die berufliche Lage von Programmierer/- innen und EDV-Techniker/-innen? Der Arbeitsklima Index gibt Antworten.

Überwiegend männlich und jünger

Die klare Mehrheit (81 Prozent) ist in einem Angestelltenverhältnis, sieben Prozent arbeiten als „Freie Dienstnehmer/-innen“, sechs Prozent im Öffentlichen Dienst bzw. als Arbeiter/-innen. 72 Prozent arbeiten als qualifizierte Angestellte. Jeweils fünf Prozent arbeiten als leitende Angestellte oder in „Freien Berufen“.

Der größte Teil der Beschäftigten in der IT-Branche ist männlich, nur elf Prozent sind Frauen. 60 Prozent sind unter 36 Jahre alt. 64 Prozent haben eine Matura, 36 Prozent davon haben einen Universitäts- oder Fachhochschulabschluss. Nur acht Prozent haben einen Migrationshintergrund.

Zufrieden trotz Belastungen

Die Beschäftigten in der IT-Branche sind zufriedener mit den meisten Aspekten ihres Berufslebens als Beschäftigte anderer Branchen. 91 Prozent sind mit Art und Inhalt der beruflichen Tätigkeit zufrieden, auch mit dem Einkommen, den Weiterbildungs- sowie Aufstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten sind in der IT-Branche deutlich mehr Beschäftigte zufrieden als im Durchschnitt aller anderen Branchen.

Aber: Mit dem Führungsstil der Vorgesetzten sind nur 67 Prozent zufrieden, um zwei Prozent weniger als die Beschäftigten sonstiger Branchen. Nur ein Drittel hat fixe Arbeitszeiten, 26 Prozent machen häufig Überstunden, 46 Prozent gelegentlich.

Zeitdruck empfinden 24 Prozent der Beschäftigten der IT-Branche als starke Belastung. Damit liegen sie aber immer noch deutlich unter den übrigen Branchen (36 Prozent belastet).

Weitere Belastungen in der IT-Branche: psychisch belastende Arbeit (zehn Prozent) sowie technische und organisatorische Veränderungen (elf Prozent).

Trübe Aussichten: Beschäftigte weniger optimistisch

Die Werte in den Subdimensionen „Chancen am Arbeitsmarkt“, „Optimismus für Gesellschaft“ und „Wirtschaftliche Zukunft des Betriebes“ gehen zurück.

In den vergangenen zwei Jahren scheint sich wenig in der Arbeitszufriedenheit der Österreicher/-innen verändert zu haben. Der Arbeitsklima Index stagniert bei 108 Punkten. Auch die Teilindizes haben sich im Vergleich zum Herbst 2012 kaum verändert.

Sorge um Arbeitsplätze

Die Subdimensionen der Arbeitszufriedenheit zeigen Veränderungen. Vor allem die Zukunftsperspektiven der österreichischen Beschäftigten trüben sich langsam wieder ein. Der Indexwert im Bereich „Arbeitsmarktchancen“ ist um zwei Punkte gesunken, im Bereich „Optimismus für Gesellschaft“ ebenfalls um zwei und im Bereich „wirtschaftliche Zukunft des Betriebs“ sogar um fünf Punkte.

Nur mehr 58 Prozent der Beschäftigten sind optimistisch, wenn es um die wirtschaftliche Zukunft des Landes geht (minus sechs Prozentpunkte), 81 Prozent in Bezug auf den Betrieb (minus vier). 45 Prozent halten die Arbeitsplätze in Österreich für unsicher (plus vier Prozentpunkte).

Vor allem Beschäftigte mit niedrigerer Qualifikation, d.h. mit maximal Pflichtschulabschluss, sorgen sich um ihren Arbeitsplatz. Nur mehr 15 Prozent sind sich ihres Jobs sehr sicher, ein Rückgang um fünf Prozentpunkte seit Herbst 2012.


Arbeitsklima - Veränderung seit Herbst 2012 in Indexpunkten © AKOÖ, AKOÖ

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Arbeitslosigkeit steigt

Anfang Mai gab das Arbeitsmarktservice bekannt, dass in Österreich mit Ende April 353.000 Menschen entweder arbeitsuchend waren oder sich in Schulungen befanden. Gegenüber dem April des Vorjahres war das eine Steigerung um zehn Prozent.

Immer mehr Teilzeitjobs

Im Arbeitsklima Index geben sieben Prozent der mindestens halbtags Arbeitenden an, in den letzten 12 Monaten zumindest einmal – und wenn auch nur kurzzeitig – arbeitslos gewesen zu sein. Im Herbst 2012 waren es sechs Prozent, vor einem Jahr fünf Prozent. Jüngere, Migranten/-innen und Personen mit maximal Pflichtschulabschluss waren häufiger arbeitslos. Viele der neu gefundenen Stellen sind nur Teilzeitjobs. Immer mehr sind nur maximal 20 Stunden pro Woche angestellt. Nur ein Drittel aller Personen, die sagen, sie waren im letzten Jahr arbeitslos, sind derzeit in einer Vollzeit- Stelle beschäftigt – vor einem Jahr waren das noch 61 Prozent.

Die steigende Arbeitslosigkeit drückt die Stimmung der österreichischen Beschäftigten, gerade wenn es um die Frage der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung und im Zusammenhang damit auch um die Frage der Sicherheit der Arbeitsplätze geht.

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