Der lange Weg zur Arbeit

Pendler/-innen investieren viel

Eine Auswertung des Österreichischen Arbeitsklima Index zeigt, dass der Anteil der Pendler/-innen an den unselbstständig Erwerbstätigen seit drei Jahren konstant bei ca. 48 Prozent liegt.

Nimmt man alle Beschäftigten, dann benötigen 36 Prozent weniger als 15 Minuten zur Arbeit, 35 Prozent 15 bis 29 Minuten, 21 Prozent 30 bis 59 Minuten und sieben Prozent eine Stunde und länger.

Pendlerbundesland Burgenland

Das Burgenland ist das Bundesland mit dem höchsten Anteil an Pendler/-innen: 41 Prozent der Burgenländer/-innen verlassen ihre Wohnortgemeinde, um in einer anderen Gemeinde im Burgenland zu arbeiten. 39 Prozent pendeln sogar in ein anderes Bundesland. In Oberösterreich pendeln 55 Prozent innerhalb des Bundeslandes und nur zwei Prozent außerhalb. Vorarlberg hat den höchsten Anteil an Auslandspendler/-innen (fünf Prozent). Wien hat den geringsten Pendleranteil überhaupt (fünf Prozent außerhalb der Stadt): Neun von zehn arbeiten innerhalb Wiens. Das liegt aber auch am eng gefassten Pendlerbegriff. Vor allem Beschäftigte in Industrie und Gewerbe, im Unterrichtssektor sowie im Gesundheits- und Sozialbereich müssen häufiger pendeln. Beschäftigte in ländlichen Gegenden pendeln ebenfalls häufiger. Der Pendleranteil sinkt dort aber seit ein paar Jahren, während er in Städten mit mehr als 20.000 Einwohner/-innen zuletzt auf 34 Prozent gestiegen ist (2008: 25 Prozent).

Auto nach wie vor bevorzugt

Das bevorzugte Verkehrsmittel ist nach wie vor das Auto. 56 Prozent aller unselbstständig Beschäftigten fahren mit dem Auto in die Arbeit, bei den Pendler/-innen sind es sogar mehr als drei Viertel (78 Prozent). An zweiter Stelle liegen öffentliche Verkehrsmittel: 15 Prozent aller Beschäftigten in Österreich fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln in die Arbeit, zehn Prozent aller Pendler/-innen. Hinzu kommen noch jene, die einen Teil der Arbeitsstrecke mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegen (sechs Prozent aller Beschäftigten, fünf Prozent der Pendler/-innen).

AK fordert Entlastungen für die Fahrt zur Arbeit

Angesichts der oft langen Wege zur Arbeit und den damit verbundenen steigenden Kosten, fordert die Arbeiterkammer finanzielle Entlastungen für die Fahrt zur Arbeit sowie bessere öffentliche Verkehrsmittel. Das derzeitige System der Pendlerpauschale ist – trotz einiger erst kürzlich erfolgter positiver Änderungen – nach wie vor ungerecht: Gutverdienende Beschäftigte profitieren überproportional, während Kleinverdiener/-innen immer noch geringen Nutzen davon haben. Die AK Oberösterreich fordert statt der Pauschale einen Absetzbetrag in der Höhe von 15 Cent je gefahrenen Kilometer (einfache Wegstrecke).

Hohe Belastungen

Viele Köche/-innen sind unzufrieden im Job

In Österreich arbeiten rund 82.000 Arbeitnehmer/-innen als Koch bzw. Köchin in der Gastronomie. Viele von ihnen leiden unter Zeitdruck und anderen Belastungen.

Insgesamt gibt es fast 190.000 Beschäftigte in der Sparte „Beherbergung und Gastronomie“. Laut Arbeitsklima Index gehören ca. 2,3 Prozent aller unselbstständig Beschäftigten zur Berufsgruppe „Koch/Köchin“, das sind rund 82.000 Beschäftigte (62 Prozent männlich, 49 Prozent unter 35 Jahre, 30 Prozent Migrationshintergrund). Fünf Prozent aller Köche/-innen befinden sich aktuell in einer Lehre.

Viele offene Stellen

Laut AMS liegt das durchschnittliche Einstiegsgehalt bei 1230 bis 1410 Euro brutto pro Monat. Insgesamt gibt es österreichweit derzeit ca. 1.700 freie Stellen und rund 1.000 freie Lehrstellen. Die AMS-Prognose lautet: „Viele offene Stellen bleiben unbesetzt.“ „Viele offene Stellen“, das klingt erfreulich, es ist aber auch ein Hinweis auf eine hohe Fluktuation auch wegen problematischer Arbeitsbedingungen. 45 Prozent der befragten Köche/-innen sind erst seit maximal drei Jahren in ihrem jetzigen Betrieb beschäftigt, nur 19 Prozent arbeiten schon seit mehr als zehn Jahren im gleichen Betrieb. Auch nach Alter betrachtet wird der Unterschied zu sonstigen Berufsgruppen deutlich: Nur 33 Prozent der über 36jährigen sind seit mehr als 10 Jahren im selben Betrieb, in den übrigen Berufsgruppen sind es 47 Prozent. Die höhere Wechselbereitschaft zeigt sich auch anhand der Anzahl der bisherigen Dienstgeber: nur 16 Prozent der Köche hatten erst eine/n Arbeitgeber/-in, 63 Prozent hatten zwei bis fünf und immerhin 21 Prozent hatten sechs und mehr. In den übrigen Berufsgruppen hatten nur 15 Prozent sechs und mehr Arbeitgeber/-innen.

Schlechte Bedingungen

Das Arbeitsumfeld der Köche/-innen wird vom AMS als „Arbeit unter hohem Zeitdruck, Hitzebelastung, Saisonarbeit, sehr unregelmäßige Arbeitszeiten, ständiges Stehen“ beschrieben. Das ist keine Werbung für den Beruf, und der Arbeitsklima Index bestätigt, dass die Arbeitsbedingungen oft problematisch sind. 40 Prozent der Köche/-innen geben an, in einer durchschnittlichen Woche mehr als 40 Stunden zu arbeiten, 17 Prozent sagen, sie arbeiten sogar 45 Stunden und mehr. 28 Prozent aller Köche geben an, „häufig“ Überstunden machen zu müssen. 29 Prozent sagen, sie arbeiten häufig in der Nacht (zwischen 22 und 6 Uhr). 67 Prozent müssen zumindest gelegentlich auch am Sonntag arbeiten, 87 Prozent am Samstag – Wochenendarbeit gehört also zum Beruf dazu. Auch deshalb sind nur 29 Prozent der Köche/-innen mit ihrer Arbeitszeit „sehr“ zufrieden, ein weiteres Drittel ist „ziemlich zufrieden“. So verwundert es nicht, wenn nur 58 Prozent der Köche/-innen in ihrer derzeitigen Position verbleiben wollen. Elf Prozent wollen den Beruf wechseln, 16 Prozent den Betrieb.

Kellner/-innen: Der Beruf wird von jüngeren Frauen dominiert

Wie die Köche/-innen sind auch die Kellner/-innen in ihrem Beruf stark belastet.

Fast zwei Drittel der Kellner/-innen sind Frauen (62 Prozent). 56 Prozent sind unter 35 Jahre und 24 Prozent haben einen Migrationshintergrund. Deutlich mehr Kellner/-innen als Köche/-innen sind seit maximal drei Jahren in ihrem jetzigen Betrieb, was sicherlich auch mit der tendenziell jüngeren Altersstruktur zu tun hat. Aber: Kellner/Kellnerin ist für die meisten auch kein Dauerberuf. Über 35-jährige Kellner/-innen sind nur zu 18 Prozent seit mehr als zehn Jahren im selben Betrieb (sonstige Berufe: 47 Prozent) beschäftigt. Nur zwölf Prozent der Kellner hatten erst eine/n Arbeitgeber/-in, 63 Prozent hatten zwei bis fünf und 25 Prozent hatten bereits mehr als fünf Arbeitgeber/-innen.

Unzufrieden mit Arbeitszeiten

33 Prozent der Kellner/-innen sagen, dass sie in einer durchschnittlichen Woche mehr als 40 Stunden arbeiten (14 Prozent mehr als 45 Stunden). 26 Prozent der Kellner/-innen müssen „häufig“ Überstunden machen, zehn Prozent arbeiten auf Abruf. 63 Prozent arbeiten „häufig“ am Samstag, 53 Prozent häufig am Sonntag. Entsprechend gering ist die Zufriedenheit mit den Arbeitszeiten: Nur 23 Prozent der Kellner/-innen sind damit „sehr“, weitere 30 Prozent aber „ziemlich“ zufrieden. Unter den sonstigen Berufsgruppen ist die Zufriedenheit deutlich höher (36 Prozent „sehr“, 40 „ziemlich“ zufrieden).

Niedrige Einkommen

Köche/-innen verdienen teilzeitbereinigt im Schnitt 1.404 Euro netto im Monat (Median 1.425 Euro). Das ergibt 150 bis 200 Euro weniger als im Durchschnitt der sonstigen Beschäftigten. Kellner/-innen verdienen noch deutlich weniger als Köche: Im Schnitt beträgt das monatliche Nettoeinkommen 1.245 Euro (Median bei 1.125 Euro). Der Arbeitsklima Index von Köchen/-innen liegt bei 103 Punkten, im Schnitt aller Beschäftigten lag er zuletzt bei 108 Punkten. Bei Kellner/-innen liegt er bei erschreckend niedrigen 99 Punkten. Eine weitere Folge der ungünstigen Arbeitszeiten ist eine geringere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben: Nur 27 Prozent der Kellner/-innen (sonstige Berufe: 36 Prozent) bewerten die Vereinbarkeit als „sehr gut“.

Vereinbarkeit: Kinder sind für Männer kein Karrierehindernis

Männer mit Kindern arbeiten nach wie vor mehr Stunden als Männer ohne Kinder – die Schere hat sich sogar geöffnet. Frauen mit Kindern arbeiten dafür eher Teilzeit.

Die Auswertung des Arbeitsklima Index bestätigt, dass Kinder für Männer kein Karrierehindernis sind, für Frauen schon. 19 Prozent der Männer über 35 und mit Kindern nehmen Führungspositionen ein – gegenüber 17 Prozent der Männer ohne Kinder. Bei den Frauen über 35 und mit Kindern sind nur neun Prozent Führungskräfte, etwas weniger als im Vergleich dazu Frauen ohne Kinder (zehn Prozent).

Problem Teilzeit

Viele Frauen sehen Teilzeitarbeit positiv. Die Reduktion von Arbeitszeit wegen Kindern bedingt aber auch immer wieder Probleme: Fast 40 Prozent der Frauen mit Kindern arbeiten 20 bis 35 Stunden pro Woche, 29 Prozent arbeiten sogar weniger als 20 Stunden pro Woche. Wenn Frauen zu lange in Teilzeitjobs bleiben, setzt sich eine Abwärtsspirale fort: weniger Einkommen, kaum Chancen auf beruflichen Aufstieg und später eine niedrige Pension. Bedenklich: 16 Prozent der Frauen mit einem oder mehreren Kindern sagen, dass sie mit ihrem Einkommen nicht auskommen. 35 Prozent der Mütter sagen, sie werden nicht von ihrer Altersversorgung leben können.

"Kinderfreundliche" Branchen

In manchen Branchen ist der Anteil der Beschäftigten mit Kindern höher: Gesundheits-und Sozialberufe, Textilbranche, Nahrungs- und Genussmittelindustrie, Energie und Wasser sowie in der Papierindustrie. Weniger Beschäftigte mit Kindern gibt es in der Immobilien- und Datenverarbeitungsbranche, in der chemischen Industrie, in Kultur und Sport sowie auch in Verwaltung und Sozialversicherungen. Gerade in letzterem Bereich sollte man denken, dass sich Job und Familie gut vereinbaren lassen, aber nur 13 Prozent der Beschäftigten haben wenigstens ein Kind und nur zehn Prozent haben zwei Kinder.

Arbeitszeit ist wichtiger Faktor

Man kann also von der Anzahl der Kinder, die Beschäftigte einer Branche haben, genauso wenig auf deren Kinderfreundlichkeit bzw. auf eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie schließen wie von der Teilzeitquote. Gute Vereinbarkeit lässt sich durch Zeitautonomie, Flexibilität und einer entsprechenden Führungskultur in den Unternehmen herstellen.

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