20.2.2014 | English language
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Freizeit wird zur Arbeitszeit

Immer erreichbar für den Betrieb

Mehr Männer als Frauen, mehr öffentlich Bedienstete als Privatangestellte, mehr höher Gestellte als Beschäftigte in Hilfstätigkeiten arbeiten auch immer wieder während ihrer Freizeit. Einerseits, weil sie müssen, andererseits weil sie nicht mehr abschalten können – oder auch wollen.

Arbeit auch in Urlaub und Krankenstand

Sogar im Urlaub und im Krankenstand wird gearbeitet – das sagen 17 bzw. 14 Prozent der Befragten. 25 Prozent haben auch während einer Pflegefreistellung gearbeitet, allerdings haben nur neun Prozent in Österreich eine Pflegefreistellung in den letzten drei Jahren in Anspruch genommen.

Beruf vermischt sich mit Privatleben

Als Indiz, dass viele Beschäftigte Arbeit und Freizeit nicht mehr trennen, mag gelten, dass 17 Prozent kein privates Handy mehr haben und viele ihr Diensthandy auch privat verwenden.

Einen Dienstlaptop haben 11 Prozent, was dazu führt, dass bereits 36 Prozent außerhalb der Normalarbeitszeit mit Handy oder Laptop arbeiten. Jeder Siebte (14 Prozent) macht das sogar täglich.

Viele Beschäftigte machen das sogar aus eigenem Interesse, andere werden sonst mit der Arbeit nicht fertig. Oft wird die Mehrarbeit auch vom Vorgesetzten erwartet.

Ein Sonderfall sind jene 13 Prozent der Beschäftigten, die zu Hause oder unterwegs mit Zugriff auf das Computernetzwerk des Unternehmens arbeiten können. Hier kann man oft davon ausgehen, dass es sich um besondere Arbeitszeitvereinbarungen handelt.


Unsitte „All in“-Vertrag

Im Urlaub mag „All inclusive“ ja ein gutes Angebot sein, im Arbeitsvertrag ist es eine Unsitte. 18 Prozent der Befragten geben an, einen All in-Vertrag zu haben. Allerdings sagt mehr als die Hälfte der Personen mit All in-Vertrag, dass die Anzahl der (Über)Stunden festgeschrieben ist. Meistens müssen Arbeitnehmer/-innen mit einem derartigen Vertrag mehr Überstunden machen als vereinbart sind. Oft werden diese Überstunden weder bezahlt noch durch Zeitausgleich abgegolten. Dennoch sind ständige Arbeitszeitaufzeichnungen sinnvoll.

Durch die langen Arbeitszeiten lassen sich auch Beruf und Privatleben schlechter vereinbaren. Während 83 Prozent der Beschäftigten ohne All in-Vertrag Familie und Job gut vereinbaren können, sind es bei Beschäftigten mit All in-Vertrag nur 74 Prozent.

Beruf vermischt sich mit dem Privatleben © -, AKOÖ

Stets bereit für die Firma?

Dr. Johann Kalliauer, Präsident der AK Oberösterreich

Entgrenzung der Arbeit wird immer stärker zum Thema. Gemeint ist damit die Unterbrechung der Freizeit durch berufliche Verpflichtungen. Mit dem Lesen und Beantworten von E-Mails zu Hause oder am Urlaubsort fängt es an. Mit beruflichen Telefongesprächen geht es weiter – und endet mit größeren Arbeiten, die in der Freizeit erledigt werden. Meistens werden diese Arbeitsstunden nicht bezahlt oder durch Zeitausgleich abgegolten.

Bereits 18 Prozent der im Arbeitsklima Index Befragten sagen, dass sie einen All in-Vertrag haben. All in-Arbeitsverträge bringen den Beschäftigten überwiegend Nachteile: Zu einem fixen Grundgehalt zahlt das Unternehmen meistens einen pauschalierten Überstundenzuschlag manchmal nicht einmal den. Oft leisten die Arbeitnehmer/-innen viel mehr Überstunden als durch diese Pauschale abgedeckt ist. Die AK begrüßt, dass die Regierung künftig vorschreiben will, dass solche Verträge transparenter gestaltet werden müssen, z. B. durch eine klare Ausweisung des Grundgehalts.

Betriebszugehörigkeit

Immer noch hohe „Betriebstreue“ in Österreich

Österreichische Arbeitnehmer/-innen wechseln eher selten ihren Betrieb. Im Schnitt sind die befragten Arbeitnehmer/-innen seit neun Jahren im selben Unternehmen beschäftigt.

Wenn in Unternehmen Mitarbeiter/-innen für ihre „langjährige Betriebstreue“ geehrt werden, wird in den Ansprachen oft vermittelt, die Verweildauer läge allein bei den Arbeitnehmer/-innen. Tatsächlich haben es vor allem die Betriebe selbst in der Hand, ob Mitarbeiter/-innen ange und gerne im Unternehmen bleiben.

Jüngere wechseln oft

Bei den über 55-Jährigen liegt die durchschnittliche Betriebszugehörigkeit bei 19 Jahren. Es gibt aber Ausnahmen: Fast jede/r Zehnte über 55-Jährige ist erst vor maximal zwei Jahren in den Betrieb gewechselt. Jüngere Beschäftigte wechseln den Job häufiger als ältere: 30 Prozent der 26- bis 30-Jährigen hatten bereits vier oder mehr Arbeitgeber/-innen.

Die mittlere Betriebszugehörigkeit liegt in dieser Altersgruppe bei nur vier Jahren. Befristungen, geringfügige und prekäre Jobs führen gerade unter Jüngeren zu häufigeren Stellenwechseln. Das führt dazu, dass nur 12 Prozent der 26- bis 30-Jährigen bisher erst eine/n Arbeitgeber/-in hatten. Hier zeigt sich, dass nur Betriebe mit guten Arbeitsbedingungen junge Beschäftigte dauerhaft motivieren und zu längerem Verweilen bringenkönnen.

Sicherer Hafen öffentlicher Dienst

Beschäftigte im öffentlichen Dienst und Bankangestellte sind im Schnitt am längsten durchgängig beschäftigt. Ältere Beschäftigte über 45 Jahre in der öffentlichen Sicherheit, Lehrer/-innen und andere öffentlich Angestellte sind im Schnitt schon 25 Jahre bei der öffentlichen Hand beschäftigt, Bankangestellte sogar 27 Jahre. Die hohe Job-Sicherheit und die meist guten Arbeitsbedingungen dürften zu diesem Ergebnis wesentlich beitragen.

Mittlere Betriebszugehörigkeit © -, AKOÖ

Wechselfaktoren

Arbeitsbedingungen und Arbeitsmarktchancen entscheidend

Unternehmen haben es meistens selbst in der Hand, wollen sie ihre Mitarbeiter/-innen länger im Betrieb halten.

Österreichs Beschäftigte verweilen gerne länger in ihrem Betrieb – wenn die Bedingungen passen. Zum Beispiel sind ältere Beschäftigte im Gastgewerbe, Reinigungskräfte, Bauarbeiter und Beschäftigte in der Altenpflege im Schnitt seit zehn Jahren beim selben Unternehmen. Die oft schlechten Arbeitsbedingungen in diesen Branchen spielen dabei eine große Rolle. Im Schnitt wollte im Analysezeitraum 2008 bis 2013 jede/r zehnte Arbeitnehmer/-in die Firma wechseln - aber jede/r siebte Kellner/-in und fast jeder fünfte Bauarbeiter.

Der Optimismus der Jugend

Großen Einfluss auf die Wechselbereitschaft hat die Einschätzung der eigenen Arbeitsmarktchancen. Werden diese als gut gesehen, erhöht sich der Wechselwille am deutlichsten. Jüngere schätzen ihre Chancen am Arbeitsmarkt besser ein und wechseln entsprechend häufiger auch die Firma. Ältere hingegen haben oftmals resigniert: Nur 29 Prozent der über 45-Jährigen glauben, gute Chancen am Arbeitsmarkt zu haben. Bildung hilft: Nur 23 Prozent der älteren Beschäftigten mit maximal Pflichtschulabschluss, aber 40 Prozent jener mit Studienabschluss glauben nach wie vor an ihre guten Chancen am Arbeitsmarkt.

Hohe Belastungen fördern Wechselwillen

Sind Belastungen wie z.B. Zeitdruck oder fehlende soziale Einbindung hoch, so wird häufiger ein Firmenwechsel geplant. Wollen Unternehmen ihre Mitarbeiter/-innen länger im Betrieb halten, so sollten sie vor allem auf die allgemeine Zufriedenheit mit der beruflichen Tätigkeit, auf die Zufriedenheit mit dem Einkommen und mit den betrieblichen Sozialleistungen achten.

Der Arbeitsklima Index

Wirtschafts- und sozialpolitische Diskussionen sind voll mit Zahlen und Werten, die oft auf Abbau des Sozialstaates und weniger Verteilungsgerechtigkeit abzielen. Der Österreichische Arbeitsklima Index ist ein Maßstab für den wirtschaftlichen und sozialen Wandel aus der Sicht der Arbeitnehmer/-innen. Er untersucht deren Einschätzung hinsichtlich Gesellschaft, Betrieb, Arbeit und Erwartungen. Im Gegensatz zu üblichen Kennzahlen der wirtschaftlichen Entwicklung erfasst der Arbeitsklima Index die subjektive Dimension und erweitert das Wissen über wirtschaftliche Entwicklungen und ihre Folgen für die Gesellschaft.

Die Berechnung des Arbeitsklima Index beruht auf vierteljährlichen Umfragen unter österreichischen Arbeitnehmern/-innen. Die Stichprobe von rund 4000 Befragten pro Jahr ist repräsentativ ausgewählt, so dass daraus relevante Schlüsse für die Befindlichkeit aller Arbeitnehmer/-innen gezogen werden können. Der Arbeitsklima Index wird seit dem Frühjahr 1997 zweimal jährlich berechnet. Ergänzend gibt es Sonderauswertungen.

Daten online

Aktuelle Ergebnisse und Hintergrundinformationen finden Sie unter www.arbeitsklima.at. Dort steht nicht nur die umfangreiche Arbeitsklima Datenbank für Auswertungen zur Verfügung, sondern es ist auch möglich, innerhalb weniger Minuten online den persönlichen Zufriedenheitsindex am Arbeitsplatz berechnen. Ebenfalls online ist der Führungskräfte Monitor: Er beantwortet die Frage, wie es um die Arbeitszufriedenheit der österreichischen Führungskräfte steht.

Arbeitslose

Zukunftspessimismus und kaum Auskommen mit dem Einkommen

Anfang 2014 waren laut AMS fast 370.000 Menschen arbeitslos und rund 80.000 in Schulungen. Arbeitslose haben mit großen finanziellen Problemen zu kämpfen.

Der Pessimismus hinsichtlich der wirtschaftlichen Zukunft des Landes ist unter Arbeitslosen stark gestiegen und liegt in etwa dort, wo er auch schon während der Wirtschaftskrise 2009 lag. Knapp zwei Drittel sehen pessimistisch in die wirtschaftliche Zukunft des Landes, unter denen mit Arbeit ist es umgekehrt (68 Prozent optimistisch, 32 Prozent pessimistisch).

Hand in Hand mit der Einschätzung der wirtschaftlichen Zukunft wird auch die Einschätzung der Sicherheit der Arbeitsplätze wieder pessimistischer. Nur 16 Prozent der Arbeitslosen schätzen die Arbeitsplätze in Österreich als sicher ein. Unter Befragten mit Arbeit schätzen 58 Prozent die Arbeitsplätze als sicher ein.

Nur wenige sind zufrieden

Die Einkommenszufriedenheit – bei Arbeitslosen also das Arbeitslosengeld oder die Notstandshilfe – liegt nur bei zehn Prozent. Die Zufriedenheit mit der sozialen Absicherung liegt bei 28 Prozent, die Lebenszufriedenheit nur bei 43 Prozent. Eine solch niedrige Lebenszufriedenheit ist in den Daten sonst kaum zu finden. Im Schnitt aller Beschäftigten sind 85 Prozent mit ihrem Leben zufrieden.


Arbeitslose sehen wirtschaftliche Zukunft wenig optimistisch © -, AKOÖ

Problem Arbeitslosigkeit

Es gibt immer noch Vertreter/-innen der Wirtschaft oder Wirtschaftsforscher/-nnen, die das Arbeitslosengeld und sogar die Notstandshilfe als „zu hoch“ bezeichnen. Manche meinen, die Höhe dieser Leistungen würde Arbeitslosen nicht genug Anreiz bieten, um bestimmte Jobs im Niedriglohnsektor anzunehmen.

Nur 825 Euro pro Monat

Laut Arbeitsklima Index geben nur 52 Prozent der Arbeitslosen an, dass sie mit dem Geld vom AMS auskommen. 48 Prozent reicht dieses Einkommen nicht zur Deckung ihrer Kosten. Im Median erhalten Arbeitslose derzeit 825 Euro pro Monat. Dass sie später von der Pension leben werden können, glauben nur 40 Prozent der Arbeitslosen.

Abgesehen von den finanziellen Schwierigkeiten bedeutet arbeitslos zu sein auch sonst nicht, es sich in der „sozialen Hängematte“ gemütlich zu machen. Vor allem, wenn die Arbeitslosigkeit länger dauert, kommt es zu psychischen Problemen und das Selbstwertgefühl leidet. Auch sind Arbeitslose häufiger krank. Eine Lebenszufriedenheit von nur 43 Prozent im Arbeitsklima Index ist alarmierend. 

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