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Steuerfreier Zuverdienst - gibt es den überhaupt?

Weil das Einkommen aus der bestehenden (Teilzeit-)Arbeit nicht zum Leben reicht, müssen viele Menschen eine weitere Beschäftigung annehmen. Dabei stellen sich oft Fragen zu Steuer und Sozialversicherung, die von den Betroffenen nicht beantwortet werden können. Etwa die Frage, ob überhaupt und wie viel Steuer bezahlt werden muss. Man sollte sich aber auf jeden Fall darum kümmern - sonst stehen möglicherweise Nachzahlungen ins Haus.

Wir haben einige Fallbeispiele aus unserer Beratungspraxis für Sie zusammengestellt:

Vorbemerkung: Die sozialversicherungsrechtlichen Bestimmungen gelten aufgrund der Gleichstellung bei „echten“ als auch bei „freien“ Dienstverträgen. Die sozialversicherungsrechtliche Geringfügigkeitsgrenze liegt 2014 bei 395,31 Euro.

Fall 1:

DV 1 mit Einkommen UNTER der Geringfügigkeitsgrenze
DV 2 mit Einkommen UNTER der Geringfügigkeitsgrenze

(DV = Dienstverhältnis)

  • Sozialversicherung:
    keiner der beiden Dienstgeber (DG) führt Sozialversicherung (SV) ab, da jedes Dienstverhältnis (DV) für sich unter der Geringfügigkeitsgrenze liegt. Überschreiten beide DV zusammen die Geringfügigkeitsgrenze, werden von der Gebietskrankenkasse (GKK) einmal jährlich im Nachhinein die Dienstnehmerbeiträge zur Kranken- und Pensionsversicherung vorgeschrieben – nicht jedoch in der Arbeitslosenversicherung (diese Zeiten zählen also auch bei Nachzahlung der SV-Beiträge nicht als arbeitslosenversicherungspflichtige Zeiten für einen Arbeitslosengeldanspruch!!)

  • Lohnsteuer:
    Zwei Einkünfte unter der Geringfügigkeitsgrenze sind auch gemeinsam steuerfrei.
Achtung

Dennoch sollten sie in diesem Fall eine Arbeitnehmerveranlagung durchführen, da zehn Prozent der nachbezahlten Sozialversicherungsbeiträge (höchstens jedoch 110 Euro) als Negativsteuer gutgeschrieben werden.

Fall 2:

DV 1 mit Einkommen ÜBER der Geringfügigkeitsgrenze
DV 2 mit Einkommen UNTER der Geringfügigkeitsgrenze

  • Sozialversicherung:
    DG 1 führt SV in allen Bereichen ab. Hins. DV 2 werden von der GKK einmal jährlich im Nachhinein die Dienstnehmerbeiträge zur Kranken- und Pensionsversicherung vorgeschrieben, da ja insgesamt über der Geringfügigkeitsgrenze verdient wird.

  • Lohnsteuer:
    Bei mehreren lohnsteuerpflichtigen Dienstverhältnissen mit zeitlicher Überschneidung muss bis Ende September des Folgejahres eine Arbeitnehmerveranlagung beim Finanzamt abgegeben werden (Pflichtveranlagung). Wenn das jährliche lohnsteuerpflichtige Gesamteinkommen 11.000 Euro übersteigt, haben Sie mit einer Nachzahlung zu rechnen. Für das Einkommen über 11.000 bis 25.000 Euro haben Sie 36,5 Prozent Steuer zu bezahlen.
Achtung

Wenn Sie die Grenze von 11.000 Euro nicht übersteigen, bringt Ihnen die Arbeitnehmerveranlagung voraussichtlich eine Gutschrift: zehn Prozent der nachbezahlten Sozialversicherungsbeiträge (höchstens jedoch 110 Euro) bekommen Sie als Negativsteuer.

Fall 3:

DV 1 mit Einkommen ÜBER der Geringfügigkeitsgrenze
DV 2 mit Einkommen ÜBER der Geringfügigkeitsgrenze

  • Sozialversicherung:
    Beide DG führen SV ab. Sie sind unfall-, kranken-, pensions- und arbeitslosenversichert.

  • Lohnsteuer:
    Bei mehreren lohnsteuerpflichtigen Dienstverhältnissen mit zeitlicher Überschneidung muss bis Ende September des Folgejahres eine Arbeitnehmerveranlagung beim Finanzamt abgegeben werden (Pflichtveranlagung). Wenn das jährliche lohnsteuerpflichtige Einkommen der jeweiligen Dienstverhältnisse oder auch nur eines der Dienstverhältnisse unter 11.000 Euro liegt, das jährliche lohnsteuerpflichtige Gesamteinkommen beider Dienstverhältnisse gemeinsam aber 11.000 Euro übersteigt, haben Sie mit einer Nachzahlung zu rechnen. Für das Einkommen über 11.000 bis 25.000 Euro haben Sie 36,5 Prozent Steuer zu bezahlen.

Allgemeines

Wie die Fälle zeigen, ist immer Sozialversicherung zu bezahlen, wenn mit einem oder auch mehreren „echten“ oder „freien“ Dienstverhältnissen gemeinsam die Geringfügigkeitsgrenze überschritten wird. Die Geringfügigkeitsgrenze gilt also nur einmal.

Hinsichtlich Steuer gilt, dass lohnsteuerpflichtiges Gesamteinkommen aus allen „echten“ Dienstverhältnissen bis 11.000 Euro steuerfrei ist. Wird diese Grenze überschritten, ist für das 11.000 Euro übersteigende Einkommen immer Steuer abzuführen. Wer also 15.000 Euro verdient, muss für 4000 Euro Steuer zahlen ( 15.000 – 11.000 = 4000). Für Einkommen zwischen 11.000 und 25.000 Euro haben Sie 36,5% Steuer zu bezahlen.

Wenn Sie allerdings neben ihrem "echten" Dienstverhältnis andere Einkünfte haben, die nicht aus einem Dienstverhältnis stammen ( etwa aus einem freien Dienstvertrag, Werkvertrag, Mieteinnahmen) , so sind diese bis zu 730 Euro pro Kalenderjahr steuerfrei. Wenn diese Einkünfte (Gewinn= Einnahmen – Ausgaben) 730 Euro im Kalenderjahr übersteigen und gemeinsam mit ihren Einkünften aus dem Dienstverhältnis insgesamt mehr als 12.000 Euro steuerpflichtiges Einkommen ergeben, ist bis Ende April (bei elektronischer Übermittlung bis Ende Juni) des Folgejahres eine Einkommensteuererklärung abzugeben und Steuer abzuführen.

Liegt der Zuverdienst zwischen 730 und 1.460 Euro, gibt es eine Einschleifregelung: nur das Doppelte des 730 Euro übersteigenden Betrages ist steuerpflichtig (Gewinn 1200 - 730 = 470 x 2 = 940 Euro werden versteuert).

Sollten Sie sich entschließen Einkünfte außerhalb eines „echten“ Dienstverhältnisses etwa in Form eines freien Dienstvertrages oder eines Werkvertrages zu lukrieren, so ist allerdings einiges zu beachten:

  • Arbeitsrechtliche Ansprüche, wie etwa Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall, bezahlten Urlaub und 13. und 14. Monatsgehalt gibt es bei diesen „atypischen“ Beschäftigungsformen nicht.
  • Die Versteuerung des erzielten Einkommens muss vom Dienstnehmer selbst durchgeführt werden, beim Werkvertrag trifft auch die Meldeverpflichtung zur Sozialversicherung der gewerblichen Wirtschaft den Werkunternehmer selbst. (Sozialversicherungsrechtlich sind die freien Dienstnehmer den „echten“ Dienstnehmern gleichgestellt. Hinsichtlich der SV-Beiträge sind daher die obenstehenden Ausführungen zur Geringfügigkeitsgrenze zu beachten!!)

Broschüre

Um sich von auf den ersten Blick höheren Stundenlöhnen oder Honorarsätzen nicht blenden zu lassen, haben wir neben den steuerlichen auch die arbeits- und sozialversicherungsrechtlichten Konsequenzen in einer Broschüre (siehe Infobox) für Sie zusammengefasst.

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