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Familienbeihilfe

Die Familienbeihilfe ist neben Schulbuchaktion und Schülerfreifahrt eine staatliche Transferleistung, die alle Eltern erhalten. Die Familienbeihilfe wird nur auf Antrag gewährt. Kinder über 18 Jahren erhalten sie grundsätzlich nur dann, wenn sie sich in einer Berufsausbildung befinden.

Kinder im Sinne des Gesetzes sind die leiblichen Nachkommen (also auch Enkelkinder), Wahlkinder und deren Nachkommen, Stiefkinder und Pflegekinder.

Neuerungen ab 01.07.2014 bzw. 01.09.2014

  • Ab 01.07.2014 wird die Familienbeihilfe um 4 % erhöht. Ab 01.01.2016 und 01.01.2018 erfolgen weitere Erhöhungen um je 1,9 %.

  • Ab 01.09.2014 wird die Familienbeihilfe samt Kinderabsetzbetrag monatlich ausbezahlt.

Anspruchsvoraussetzungen


Anspruch auf Familienbeihilfe haben:

  • Österreichische Staatsbürger/-innen
  • EU- und EWR-Bürger/-innen sowie Schweizer/-innen
  • Drittstaatsangehörige, die sich auf Grund eines auf Dauer ausgerichteten Aufenthaltstitels in Österreich aufhalten
  • anerkannte Flüchtlinge nach dem Asylgesetz
Achtung

Asylwerber/-innen erhalten keine Familienbeihilfe!

Familienbeihilfe kann bezogen werden für:

  • minderjährige Kinder
  • Volljährige, die in Ausbildung sind und das 24. Lebensjahr noch nicht vollendet haben (siehe unten Abschnitt Familienbeihilfe für Volljährige in Ausbildung und Studierende)

Gründe für eine Bezugsverlängerung bis zum maximal 25. Lebensjahr:

  • wenn Präsenz-, Zivil- oder Ausbildungsdienst (Frauen beim Bundesheer) abgeleistet wurde
  • wenn das Kind vor Vollendung des 24. Lebensjahres ein eigenes Kind geboren hat oder zu diesem Zeitpunkt schwanger ist
  • wenn das Kind erheblich behindert ist (mindestens 50%)
  • wenn ein Studium mit einer gesetzlichen Mindeststudiendauer von 10 Semestern betrieben wird und dieses Studium spätestens in jenem Kalenderjahr aufgenommen wurde, in dem die/der Studierende das 19. Lebensjahr vollendet hat
  • wenn vor Vollendung des 24. Lebensjahres eine 8 bis 12 Monate dauernde freiwillige praktische Hilfstätigkeit über einen gemeinnützigen Träger der freien Wohlfahrtspflege ausgeübt wurde

Eine entsprechende Bestätigung ist dem zuständigen Finanzamt zu übermitteln.

Eine weitere Voraussetzung für den Familienbeihilfen-Anspruch ist, dass das Kind im Haushalt der Eltern lebt oder zumindest den Nebenwohnsitz dort hat.

Zusätzliche Leistungen, wenn ein Kind erheblich behindert ist

Ist ein Kind erheblich behindert, wird ein Erhöhungszuschlag zur allgemeinen Familienbeihilfe gewährt.  

Eine erhebliche Behinderung liegt vor, wenn

  • das Kind an einer nicht nur vorübergehenden gesundheitlichen Beeinträchtigung leidet und 
  • der Grad der Behinderung mindestens 50 % beträgt.

Nicht nur vorübergehend bedeutet, dass die Beeinträchtigung voraussichtlich mehr als drei Jahre dauern wird.  Der Nachweis erfolgt durch eine Bescheinigung des Sozialministeriumservice (Grundlage ist ein ärztliches Sachverständigengutachten).

TIPP

Wenn Sie begründet vermuten, dass Ihr Kind erheblich behindert ist, stellen Sie einen Antrag auf Gewährung der erhöhten Familienbeihilfe  (Formular Beih 3) bei Ihrem zuständigen Wohnsitzfinanzamt. Sie erhalten dann automatisch eine Einladung zur Untersuchung beim Sozialministeriumservice. 


Achtung

Ist das Kind voraussichtlich dauernd außerstande, sich selbst den Unterhalt zu verschaffen  und ist diese Erwerbsunfähigkeit vor Vollendung des 21. Lebensjahres bzw. während einer Berufsausbildung spätestens vor Vollendung des 25. Lebensjahres  eingetreten, gibt es für den Familienbeihilfenanspruch keine Altersgrenze mehr. Das bedeutet der Anspruch besteht über das 24./25. Lebensjahr hinaus. 

Höhe von Familienbeihilfe und Kinderabsetzbetrag ab 01.07.2014

Die Familienbeihilfe besteht aus einem Grundbetrag mit Altersstaffelung und, sofern sie für mehr als ein Kind gewährt wird, aus einem zusätzlichen Erhöhungsbetrag je Kind. Beide Beträge wurden mit 01.07.2014 um 4 % erhöht.

Beispiel

Ein Ehepaar hat zwei Kinder im Alter von 20 und 15 Jahren. Die monatliche Familienbeihilfe inklusive Kinderabsetzbetrag beträgt NEU 224,00 Euro für das 20-jährige und 201,30 Euro für das 15-jährige Kind. Achtung: Ab 01.09.2014 erfolgt eine monatliche Zahlung von 425,30 Euro.

Altersstaffelung Grundbetrag FB
Kind bis 3 Jahren 109,70 Euro
Kind ab 3 Jahren 117,30 Euro
Kind ab 10 Jahren 136,20 Euro
Kind ab 19 Jahren 158,90 Euro
   
Geschwisterstaffelung Erhöhungsbetrag je Kind
zwei Kinder 6,70  Euro
drei Kinder 16,60 Euro
vier Kinder 25,50 Euro
fünf Kinder 30,80 Euro
sechs Kinder 34,30 Euro
sieben Kinder 50,00 Euro
usw.  
   
KAB 58,40 Euro je Kind
   
Zuschlag für ein erheblich behindertes Kind 150,00 Euro

Mehrkindzuschlag

Für das dritte und jedes weitere Kind, für das Familienbeihilfe bezogen wird, kann mit dem Formular E 4 (siehe Infobox) um den Mehrkindzuschlag beim Finanzamt angesucht werden, vorausgesetzt das Familieneinkommen der (Ehe-)Partner hat im Vorjahr nicht mehr als 55.000 Euro betragen. Maßgebend sind immer die Verhältnisse im Vorjahr, d.h. ab dem 1.1.2015 werden pro Kind 20 Euro pro Monat ausbezahlt, sofern im Jahre 2014 für drei oder mehr Kinder Familienbeihilfe bezogen wurde.

Die 2008 eingeführte sogenannte 13. Familienbeihilfe wird ab dem Kalenderjahr 2011 auf 100 Euro gekürzt. Der Betrag wird automatisch im September ausbezahlt und gebührt ab 2011 nur mehr für Kinder, die im betreffenden Kalenderjahr das 6. Lebensjahr bereits vollendet haben oder vollenden und das 16. Lebensjahr noch nicht vollendet haben.

TIPP für Patchworkfamilien

Bei verheirateten Paaren und unter bestimmten Voraussetzungen auch bei Lebensgemeinschaften sollte auf Grund der Zuschlagsregelung einer der Partner die Familienbeihilfe für alle im gemeinsamen Haushalt lebenden Kinder (gemeinsame Kinder, Kinder aus früheren Partnerschaften) beantragen!


TIPP

Nutzen Sie zur Berechnung Ihres individuellen Anspruchs auf Familienbeihilfe den Familienbeihilferechner des Bundesministeriums für Wirtschaft, Familie und Jugend.

Antragstellung und Auszahlung

Der Antrag auf Familienbeihilfe ist beim Wohnsitzfinanzamt einzubringen.

Für die Antragstellung werden folgende Unterlagen benötigt:

  • Geburtsurkunde des Kindes
  • Meldezettel des Kindes
  • Meldezettel der Antragstellerin / des Antragstellers

Die Familienbeihilfe wird an den haushaltsführenden Elternteil - in der Regel die Mutter - ausbezahlt, die jedoch zu Gunsten des anderen Elternteils schriftlich verzichten kann.

Achtung:
Ab 01.09.2014 erfolgt die Auszahlung der Familienbeihilfe samt Kinderabsetzbetrag monatlich.

Beachten Sie

Wenn Ihr Kind bereits berufstätig war oder den Präsenz-, Ausbildungs- oder Zivildienst abgeleistet hat, dann müssen Sie beim Finanzamt neuerlich um Familienbeihilfe ansuchen (Formular Beih 1).

Die Familienbeihilfe kann bis zu fünf Jahre im Nachhinein beantragt werden!

Ab 01.09.2013 besteht für volljährige Kinder die Möglichkeit, bei grundsätzlichem Weiterbestehen des Anspruches der Eltern, die Familienbeihilfe direkt auf ein eigenes Girokonto überweisen zu lassen. Die Direktüberweisung erfolgt mittels Antrag des/der Volljährigen beim Finanzamt  und erfordert die Zustimmung des anspruchsberechtigten Elternteiles.

Eigenanspruch des Kindes

In bestimmten Fällen kann die Familienbeihilfe vom Kind selbst beantragt werden. In der Praxis betrifft das:

  • Vollwaisen
  • Kinder, die bereits einen eigenen Haushalt haben und deren Eltern ihrer Unterhaltspflicht nicht nachkommen
Achtung

Wenn Eigenanspruch geltend gemacht wird, verlieren die Eltern den Anspruch auf bestimmte Steuervorteile wie z.B. den Alleinverdiener(erzieher)absetzbetrag, den Kinderzuschlag oder den Kinderfreibetrag.

Familienbeihilfe für Lehrlinge

Für Lehrlinge besteht - unabhängig von der Höhe der Lehrlingsentschädigung – Anspruch auf Familienbeihilfe solange die Lehrzeit andauert, höchstens jedoch bis zum 24. Lebensjahr. Es sind auch mehrere Lehrlingsausbildungen hintereinander denkbar.

Familienbeihilfe für Volljährige in Ausbildung und Studierende

Ab dem Zeitpunkt der Volljährigkeit des Kindes gibt es Familienbeihilfe nur mehr unter bestimmten Voraussetzungen:

  • für Kinder, die in Berufsausbildung stehen und nicht älter als 24 bzw. in Ausnahmefällen 25 Jahre sind (unter Berufsausbildung sind in diesem Zusammenhang nicht nur öffentlich rechtliche Ausbildungen zu verstehen, sondern „alle Arten schulischer und kursmäßiger Ausbildungen, die ernsthaft und zielstrebig betrieben werden und auf das künftige Berufsleben abzielen“).

  • ab März 2011: für volljährige Kinder in der Zeit zwischen Ende der Schulausbildung und Beginn der weiteren Berufsausbildung (z.B. zwischen Matura und Studium), wenn die Berufsausbildung zum frühestmöglichen Zeitpunkt aufgenommen wird.

  • für Kinder in der Zeit zwischen Beendigung des Präsenz-, Ausbildungs- oder Zivildienstes und dem Beginn bzw. der Fortsetzung der Berufsausbildung

Für verheiratete oder geschiedene Kinder besteht nur dann ein Anspruch auf Familienbeihilfe, wenn die Eltern noch zum Unterhalt verpflichtet sind, weil z.B. der Ehepartner bzw. die Ehepartnerin nur über ein geringes Einkommen verfügt.

Für Zeiten des Präsenz-, Ausbildungs- oder Zivildienstes wird keine Familienbeihilfe ausbezahlt.

Einkommensgrenze für volljährige Kinder ab dem Kalenderjahr 2011

Das Einkommen eines Kindes ist bis inklusive jenem Jahr irrelevant, in dem es das 18. Lebensjahr bzw. 19. Lebensjahr (gültig ab 2013) vollendet. Um den Anspruch auf Familienbeihilfe nicht zu verlieren, dürfen ab 2011 Kinder, ab dem Kalenderjahr in dem sie das 19. Lebensjahr vollenden, pro Kalenderjahr maximal 10.000 Euro eigenes zu versteuerndes Einkommen erzielen (Jahresbruttogehalt minus Sozialversicherung, minus Werbungskosten, minus Sonderausgaben, minus außergewöhnliche Belastungen). Ab 2013 muss allerdings nur mehr jener Betrag zurückbezahlt werden, um den der Grenzbetrag von 10.000 Euro überschritten wird und das nur ab dem Kalenderjahr, in dem das 20. Lebensjahr vollendet wird.

Achtung

Maßgeblich ist das zu versteuernde Einkommen, das in Zeiträumen erzielt wird, für die ein Anspruch auf Familienbeihilfe besteht.

Folgende Einkünfte zählen NICHT zum Einkommen:

  • Lehrlingsentschädigung
  • Waisenpension
  • Einkünfte, die in Monaten erzielt werden, in denen kein Anspruch auf Familienbeihilfe besteht
  • Urlaubs- und Weihnachtsgeld
  • einkommenssteuerfreie Bezüge (z.B. Studienbeihilfe, Arbeitslosengeld, Weiterbildungsgeld)

Einkommen während der Ferien wird im Hinblick auf die Einkommensgrenze jedoch berücksichtigt.

Zusatzinformationen für Studierende


Zusätzlich zu Alters- und Einkommensgrenzen müssen Studierende weitere Voraussetzungen erfüllen, um die Familienbeihilfe nicht zu verlieren:

  • Einhalten der vorgesehenen Studiendauer
  • Nachweis des Studienerfolgs
  • höchstens zweimaliger Studienwechsel

Studierende haben Anspruch auf Familienbeihilfe für die Mindeststudiendauer:

  • plus zwei Toleranzsemester bei Bachelorstudien
  • plus ein Toleranzsemster bei Masterstudien
  • plus ein Toleranzsemester pro Abschnitt bei Diplomstudien

Die Anspruchsdauer kann aus folgenden Gründen verlängert werden:

  • Auslandsstudium
  • Krankheit
  • Mutterschutz, Pflege und Erziehung eines Kindes
  • Tätigkeit als Studierendenvertreter/-in
  • Studienbehinderung im Studien- und Prüfungsbetrieb
  • „Verordnungssemester“ bei einzelnen Studienrichtungen
Beachten Sie

Verlängerungsgründe gelten nur dann, wenn sie vor Ablauf der regulären Anspruchsdauer eingetreten sind.

Studienerfolg

Die Aufnahme als ordentliche/-r Hörer/-in gilt im Regelfall als Anspruchsvoraussetzung für das erste Studienjahr. Nach dem ersten Studienjahr ist ein Studienerfolgsnachweis durch positive Prüfungen im Ausmaß von 16 ECTS-Punkten oder 8 Semesterwochenstunden aus Wahl- oder Pflichtfächern oder durch eine positiv abgelegte Teildiplomprüfung zu erbringen. Ist dieser Leistungsnachweis erbracht, so besteht Familienbeihilfen-Anspruch bis zum Ende des Studiums plus der jeweiligen Toleranzzeit. Am Ende des Studiums ist das Abschlusszeugnis am Finanzamt vorzulegen.

Achtung

Eine Rückforderung der für das erste Studienjahr bezogenen Familienbeihilfe ist unter bestimmten Umständen – z.B. wenn kein ernsthaftes Studium vorliegt – möglich. Unter einem ernsthaften, zielstrebigen Studium wird jedenfalls der regelmäßige Besuch von Vorlesungen, Seminaren usw. verstanden.

Tipp: Es ist jedenfalls vorteilhafter, zu Prüfungen anzutreten, auch wenn diese voraussichtlich negativ abgeschlossen werden, als gar keinen Nachweis zu haben.


Beachten Sie

Aufeinander aufbauende Bachelor-, Master- und Doktoratsstudien werden als EIN Studium bewertet. Ein Studienerfolgsnachweis ist daher bei Master- und Doktoratsstudien nicht erforderlich, wohl aber muss wiederum ernsthaft und zielstrebig studiert werden.

Wird der Leistungsnachweis nicht erbracht, dann wird die Auszahlung der Familienbeihilfe zunächst solange eingestellt bis (im folgenden Studienjahr) der geforderte Studienerfolg erbracht wird. Zu einer Rückforderung aufgrund eines mangelnden Leistungsnachweises kommt es nur in Einzelfällen – etwa wenn keine einzige Prüfung abgelegt wurde und Zweifel an der Ernsthaftigkeit des Studiums bestehen.

Studienwechsel

Um die Familienbeihilfe nicht zu verlieren, darf das Studium maximal zweimal gewechselt werden. Bei einem Studienwechsel gelten die dazu im Studienförderungsgesetz angeführten Regelungen auch für den Anspruch auf Familienbeihilfe. Mehr im Artikel Staatliche Studienbeihilfe in der Infobox.

Beachten Sie

Details zur Familienbeihilfe für Studierende finden Sie im Infoblatt des Bundesministeriums für Familie und Jugend.


Steuervorteile für Familien

Für Familien gibt es Absetzbeträge, um die sich die Lohnsteuer verringert. Außerdem profitieren alle Eltern vom Kinderfreibetrag. Hier ein Überblick.

Lohnsteuerausgleich

Beantragen Sie einen Steuerausgleich - es zahlt sich aus!

Steuerfreier Zuverdienst

Wie viel Steuer muss bei einem Zuverdienst bezahlt werden?

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